: Abends schwimmen dank Kinderbürgermeister
■ „Die Jugend soll nicht vergammeln und verblöden“, erklärt Kinderrechtler Felix aus Hellersdorf. Gewählte VertreterInnen sorgen für Bildung und Bolzplätze
„Politiker will ich auf keinen Fall werden“, sagt Felix und schüttelt lachend den Kopf. Da gebe es viel zu wenig Spielraum, um „etwas zu verändern“, meint der 15jährige. Dabei hätte Felix die besten Chancen auf eine politische Karriere. Denn seit knapp einem halben Jahr ist er „Kinderbezirksbürgermeister“ in Hellersdorf.
Die Idee, einen Kinderbürgermeister und sechs Kinderstadträte zu wählen, ist vor vier Jahren entstanden. Das Hellersdorfer Kinder- und Jugendbezirksamt wollte damit Mädchen und Jungen die Möglichkeit geben, in der Öffentlichkeit auf ihre Sorgen und Bedürfnisse aufmerksam zu machen. „Und die kennen wir immer noch am besten selbst“, betont Felix.
Gewählt wird einmal im Jahr. Wahlberechtigt sind auschließlich die rund 50.000 Kinder und Jugendlichen des Stadtbezirks – gut ein Drittel der Hellersdorfer Bevölkerung. Alle Kandidaten müssen angeben, was sie bewirken und verändern wollen. In den vergangenen vier Jahren hat sich in Hellersdorf, das im Nordosten Berlins liegt, viel getan. Neue Abenteuerspielplätze mit Tarzanbrücken und Bolzplätzen sowie eine neue Schwimmhalle und ein neues Kino sind entstanden.
Darüber hinaus veranstalteten Felix und seine Stadträte eine „Woche der Ausländerfreundlichkeit“. Auch gegen den geplanten Abbau von ABM-Stellen gab es eine Demo, „um zu verhindern, daß die Jugendprojekte im Bezirk zusammenbrechen“, erzählt der Kinderbezirksbürgermeister. Besonders stolz ist er darauf, daß die Schwimmhalle jetzt auch abends für Jugendliche unter 18 Jahren geöffnet ist. „Früher waren die Türen für uns ab 17 Uhr zu“, sagt er. Darüber habe er sich beim Bezirksamt beschwert – und nur drei Tage später konnte er bereits Erfolg melden. Erwachsenen wäre so etwas nie aufgefallen, „denn die dürfen ja zu jeder Zeit schwimmen gehen“.
Felix wünscht sich deshalb, daß auch andernorts das Amt eines Kinderbürgermeisters geschaffen wird. Nur so könnten junge Menschen zeigen, „daß sie ernst genommen werden wollen und daß auch sie Ideen für Verbesserungen haben“. Viele erwachsene Politiker kämen oft nur, um große Reden zu halten, kritisiert der 15jährige: „Sie sehen nicht, daß die junge Generation die Zukunft der Gesellschaft ist und man sie nicht einfach vergammeln und verblöden lassen kann.“
Nur zu gut erinnert er sich an ein Gespräch, das zwei ältere Herren miteinander über die DDR führten. „Sie sagten, der Staat sei an Phantasielosigkeit kaputtgegangen.“ Doch das, sagt Felix, könne in jedem Land passieren, in dem Kindern und Jugendlichen die Phantasie genommen wird. Tom Hommel
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