5G und Cybersicherheit : Zum Überwachen zu sicher
Deutschen Behörden fällt auf, dass ihre Abhörtechnologie dem neuen Mobilfunkstandard 5G eventuell nicht gewachsen ist.
Foto: Rodion Kutsaev/Unsplash
E s ist seit Jahrzehnten eine schöne Tradition: Auf jede technologische Entwicklung in der Sicherheit elektronischer Kommunikation folgt der Ruf der Polizeibehörden nach neuen Befugnissen zur Überwachung. Das war schon bei den sogenannten Cryptowars in den 1990ern so, als es um die Verschlüsselungstechnologien, zum Beispiel für E-Mails, ging.
Neuester Wiedergänger des ewig gleichen Wunsches nach Zugriff auf Kommunikationsdaten und -inhalte ist die Diskussion der Justizminister der Länder um den Mobilfunkstandard 5G. Das neue große Ding, extra schnelles mobiles Netz mit hoher Sicherheit, ist den Minister*innen nämlich: zu sicher.
Also werden Maßnahmen beraten, um ein technisches Unterlaufen der bisherigen Abhörbefugnisse zu verhindern. Besorgt nimmt man laut Spiegel Online Verschlüsselungen ins Visier. Auch 5G-typische Kommunikationsmodi zwischen verschiedenen Geräten, die wesentlich zur Beschleunigung des Netzes beitragen sollen, verringern die Angriffsfläche für Horch und Guck. Mit demselben Problem werden dann aber auch Kriminelle und „feindliche“ Geheimdienste zu kämpfen haben.
Genau da liegt auch das Problem jeder staatlich verordneten Schwächung digitaler Sicherheit. Gibt es einen polizeilichen Generalschlüssel für alle Türen, wer kann dauerhaft garantieren, dass nur Befugte ihn nutzen können? Und wer hat so viel Vertrauen in deutsche Sicherheitsbehörden, dass ihre Befugnis nur im Sinne demokratischer Gesetze genutzt wird (Stichwort: Hannibal)?
Hauptsache, streamen in der Pampa
Da amüsiert es fast, dass also offenbar robuste Schutzmechanismen ausgehebelt werden sollen, während man gleichzeitig in der geradezu panischen Kampagne gegen den chinesischen 5G-Weltmarktführer Huawei mit Sicherheitsbedenken argumentiert; obwohl es vor allem den USA natürlich um Marktanteile der dort heimischen Telekommunikationsunternehmen geht.
Wie realistisch die Sicherheitsversprechen des neuen Mobilfunkstandards letztlich sind, wird sich womöglich erst nach dessen Einführung zeigen. Dabei ist es ein bisschen egal, ob am Ende nun Geheimdienste in China, Deutschland, den USA oder gleich alle mitschauen – Hauptsache, die Streams funktionieren auch in der brandenburgischen Pampa. Ich jedenfalls freu mich drauf.
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