+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Angriffe gehen auch im Neuen Jahr weiter
Russland und die Ukraine setzen den Drohnenkrieg auch in der Neujahrsnacht fort. Und laut CIA gab es keinen Drohnen-Angriff Kyjiws auf Putins Residenz.
Angriffe auch in der Neujahrsnacht
Die Ukraine hat in ihrem Abwehrkampf auch in der Neujahrsnacht russische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau wurde nach Informationen russischer Telegramkanäle ein Tanklager getroffen. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Auch die Raffinerie von Ilski in Südrussland wurde Berichten zufolge zum wiederholten Mal attackiert.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es seien über Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden. Solche Militärzahlen sind nicht überprüfbar. Die genannte hohe Zahl lässt aber auf einen intensiven Angriff schließen, was sich mit Angaben ukrainischer Militärbeobachter deckt.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete nach Mitternacht immer wieder von Drohnen, die im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen worden seien. Zu Schäden wurde nichts mitgeteilt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis zum Abend seien Dutzende ukrainische Drohnen abgeschossen worden.
In Kyjiw wurde kurz vor dem Jahreswechsel Luftalarm wegen anfliegender Drohnenschwärme ausgelöst. Im südlichen Odessa wurden Medienberichten zufolge erneut Energieanlagen getroffen.
Die ukrainische Luftwaffe in Kyjiw meldete, Russland habe in der Nacht mit 205 Kampfdrohnen angegriffen. 176 Flugobjekte seien abgefangen worden. Trotzdem seien Einschläge an 24 Orten verzeichnet worden. Betroffen war nach regionalen Angaben unter anderem das Gebiet Wolyn im Nordwesten der Ukraine. (dpa)
Laut CIA kein Angriff Kyjiws auf Putins Residenz
Der US-Geheimdienst CIA hat Medienberichten zufolge die Erkenntnis erlangt, dass die Ukraine weder den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das „Wall Street Journal“ sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag. Zunächst hatte auch Präsident Donald Trump nach einem Gespräch mit Putin die Ukraine wegen des angeblichen Angriffs kritisiert.
Unterdessen begrüßten Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das neue Jahr mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an die Zukunft. Die Kämpfe an der Front sowie gegenseitige Drohnenangriffe gingen auch in der Neujahrsnacht weiter. (dpa)
Russland legt angebliche Beweise für ukrainischen Angriff vor
Kyjiw hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Die Ukraine sah in Moskaus Behauptung einen russischen Vorwand, den Krieg trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.
Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von gefälschten Karten und Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat.
Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der umstrittene ukrainische Drohnenangriff habe einem militärischen Ziel in derselben Region wie Putins Residenz gegolten – allerdings nicht in der Nähe des Anwesens. Dies werde auch von einer Analyse der CIA belegt, hieß es.
Die Sender PBS und CNN berichteten, Trump sei am Mittwoch von CIA-Chef John Ratcliffe über die Erkenntnisse des Geheimdienstes unterrichtet worden. Am selben Tag (Ortszeit) teilte der US-Präsident dann überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social. Das Boulevardblatt „New York Post“ befasst sich in dem Kommentar mit „Putins „Angriffs-„Getöse“ und bezeichnet den Kremlchef als die eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden.
Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei „mehr als gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag von einem versuchten „Terroranschlag“ gesprochen. Er sprach von 91 ukrainischen Drohnen mit größerer Reichweite, die Russlands Flugabwehr abgeschossen habe. Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, sagte später, der Kremlchef habe Trump telefonisch über einen versuchten ukrainischen Drohnenangriff gegen seine Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod informiert. Der Kreml hoffe auf Verständnis der USA, dass Russland nun seine Position bei den Verhandlungen überdenke.
Laut russischen Medien handelt es sich bei dem behaupteten Angriffsziel um Putins Waldai-Residenz, die im Gebiet Nowgorod zwischen Moskau und St. Petersburg liegt. Dort soll Putin oft seine Wochenenden mit der Familie verbringen. Sein Privatleben aber hütet der Kreml wie ein Staatsgeheimnis. Für den russischen Präsidenten stehen in vielen Teilen des flächenmäßig größten Landes der Erde verschiedene Residenzen zur Verfügung. (dpa)
Finnland beschlagnahmt Frachter nach Kabelschaden in Ostsee
Finnland hat in der Ostsee ein aus Russland kommendes Frachtschiff unter dem Verdacht der Beschädigung von Unterseekabeln beschlagnahmt. Es seien Ermittlungen wegen schwerer Sabotage aufgenommen worden, teilte die finnische Polizei am Mittwoch mit. Der Frachter „Fitburg“ habe im finnischen Meerbusen während der Fahrt seinen Anker am Meeresgrund schleifen lassen, erklärten Polizei und Grenzschutz. Dabei sei ein Kabel des finnischen Telekommunikationsunternehmens Elisa beschädigt worden. Nach Angaben des estnischen Justizministeriums wurde auch ein Unterseekabel des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Arelion beschädigt.
Das Schiff war Angaben des Datenanbieters MarineTraffic auf dem Weg von St. Petersburg in Russland nach Haifa in Israel und fuhr der finnischen Polizei zufolge unter der Flagge des Karibikstaates St. Vincent und die Grenadinen. Bei den 14 Besatzungsmitgliedern handle es sich um Russen, Georgier, Kasachen und Aserbaischaner. Sie würden von der Polizei festgehalten.
Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte, er beobachte die Situation. Finnland sei auf sicherheitsrelevante Vorfälle vorbereitet und reagiere, wenn es nöitg sei. Der estnische Präsident Alar Karis erklärte, er sei besorgt über die gemeldeten Schäden und setze darauf, dass eine Untersuchung Klarheit bringen werden. Die Nato teilte mit, ihr Marinekommando im britischen Northwood stehe im Austausch mit en finnischen Behörden. EU-Technologie-Kommissarin Henna Virkkunen erklärte, die EU-Kommission beobachte die Lage.
Seit dem Großangriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 waren in der Ostsee wiederholt Strom- und Telekommunikationsleitungen sowie Gaspipelines beschädigt worden. Als Ursache hatten mehrere Ostseestaaten in mehreren Fällen aus Russland kommende Schiffe identifiziert, die während der Fahrt ihren Anker über den Meeresboden schleifen ließen. Ostsee-Anrainer sind neben Russland die Nato-Staaten Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Die Nato hat ihre Präsenz im Ostseeraum zu Wasser und in der Luft in den vergangenen Jahren verstärkt. (rtr)
Trump teilt russlandkritischen Artikel auf Truth Social
Inmitten der Verhandlungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs hat US-Präsident Donald Trump überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social geteilt. Das Boulevardblatt „New York Post“ stellt in dem Stück Kremlchef Wladimir Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden dar und geht hart mit ihm ins Gericht.
Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei „mehr als gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei. Kiew habe seinen Teil beigetragen – nun liege es an Putin, zu handeln.
Trump verbreitet regelmäßig Artikel von Medien, die ihm nahestehen. In manchen Fällen kommentiert der Präsident die Texte – dies war beim vorliegenden Stück nicht der Fall. In der Vergangenheit war Trump immer wieder eine gewisse Russlandnähe vorgeworfen worden, unter anderem, weil er zeitweise kremlnahe Positionen übernommen hatte. (dpa)
Selenskyj glaubt an Frieden, Putin an den Sieg
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hob in seiner Neujahrsbotschaft seinen Glauben an den Frieden hervor. Das auslaufende Jahr sei geprägt gewesen „von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien und der täglichen Arbeit der Ukrainer“, teilte er auf Facebook und der Plattform X mit.
Man gehe nun gemeinsam weiter „mit dem, was uns zusammenhält: Erfahrung und Erinnerung, unsere Muttersprache, Hoffnung und Glaube.“ Er erklärte: „Wir glauben an den Frieden, kämpfen dafür und arbeiten dafür.“
Der russische Machthaber Wladimir Putin gab sich in seiner Neujahrsansprache hingegen siegessicher. „Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandeuren zum beginnenden Neuen Jahr! Wir glauben an sie und an unseren Sieg“, sagte Putin laut einem von Staatsmedien veröffentlichten Text der aufgezeichneten Videoansprache.
Die russischen Soldaten, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft, bezeichnete Putin erneut als „Helden“. Von den Verhandlungen mit den USA über eine Beendigung des Krieges oder der Hoffnung auch vieler Russen auf Frieden war keine Rede in der Botschaft.
Mit dem neuen Jahr erhöhte Russland die Mehrwertsteuer, um den Krieg finanzieren zu können. Ab heute greift die jüngst beschlossene Erhöhung der Steuer von 20 auf 22 Prozent. (dpa)
Witkoff bespricht mit Europäern nächste Schritte
Nächste Schritte auf dem Weg zu einem Ende des Ukraine-Krieges besprach nach eigenen Angaben der US-Sondergesandte Steve Witkoff mit dem außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, und anderen Vertretern Europas. Dabei sei es unter anderem um eine Stärkung von Sicherheitsgarantien und die Entwicklung „effektiver Deeskalationsmechanismen“ gegangen, schrieb Witkoff auf X. Das Telefonat bezeichnete er – wie auch schon frühere Begegnungen – als „produktiv“. (dpa)
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