+++ Nachrichten im Nahost-Konflikt +++: Palästinenser in China erwartet

Die Palästinensische Autonomiebehörde soll in China mit Vertretern muslimischer Länder beraten. Die Zahl der Toten in Gaza steigt.

Verschiedene Fahnen stehen vor einer hübschen chinesischen Tapete

Gäste in China sind neben der PA unter anderem Saudi-Arabien, Jordanien und Indonesien Foto: Andy Wong/ap

Kämpfe in einem weiteren Spital in Gaza

Nahe einem Krankenhaus mit Tausenden Patienten und Schutzsuchenden im nördlichen Gazastreifen sind am Montag heftige Kämpfe ausgebrochen. Aufnahmen des Fernsehsenders al-Dschasira, die offenbar aus dem Inneren des Indonesischen Krankenhauses gemacht wurden, zeigten Panzer, die unmittelbar vor dem Gebäude Schüsse abgaben. Ein medizinischer Mitarbeiter des Indonesischen Krankenhauses sagte, israelische Panzer seien von den Fenstern aus zu sehen.

„Man kann sie herumfahren und schießen sehen“, sagte Marwan Abdallah weiter. Frauen und Kinder seien verängstigt, ständig seien Explosionen und Schüsse zu hören. In der Nacht habe das Krankenhaus Dutzende Tote und Verletzte aufgenommen. Das medizinische Personal und die Menschen, die seit Wochen in der Klinik Zuflucht gesucht haben, befürchteten eine Belagerung des Krankenhauses durch israelische Truppen und seine zwangsweise Evakuierung.

Israel wirft der Hamas immer wieder vor, Krankenhäuser für militärische Zwecke zu missbrauchen. (ap)

Vertreter der Autonomiebehörde werden in China erwartet

Vor dem Hintergrund des Nahost-Krieges werden Spitzenvertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde und vier muslimisch geprägter Länder nach chinesischen Angaben am Montag und Dienstag zu einem Besuch in China erwartet. Peking werde sich bei dem Treffen mit den Außenministern der im Westjordanland regierenden Palästinensischen Autonomiebehörde, Saudi-Arabiens, Jordaniens, Ägyptens und Indonesiens sowie dem Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit austauschen, erklärte am Sonntag die Außenministeriumssprecherin Mao Ning.

Ziel sei es, sich abzustimmen, „um eine Deeskalation des aktuellen palästinensisch-israelischen Konflikts, den Schutz der Zivilbevölkerung und eine gerechte Lösung der palästinensischen Frage zu fördern“. China sympathisiert seit jeher mit den Palästinensern und unterstützt eine Zweistaaten-Lösung. Überdies bemüht sich Peking, sich als Vermittler in regionalen Konflikten im Nahen Osten zu etablieren. (afp)

Tote nach Luftangriff auf Chan Junis

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind nach einem israelischen Luftangriff in der Stadt Chan Junis mindestens 70 Tote in einem Krankenhaus der Stadt gezählt worden. Dutzende Patienten, darunter viele Kinder und Jugendliche, hätten im Nasser-Krankenhaus am Sonntag wegen schwerer Brandwunden behandelt werden müssen, erklärte die Hilfsorganisation unter Berufung auf ihre Mitarbeiter in der Klinik.

Am Sonntagmittag hatte in der Klinik bereits eine Statistik ausgehangen, wonach 47 Menschen getötet worden waren. Ein Fotograf hatte der Deutschen Presse-Agentur zu dem Zeitpunkt berichtet, in der Klinik seien viele Leichensäcke aufgereiht gewesen. Die israelische Armee veröffentlichte zunächst keine Mitteilung zu den Berichten über Angriffe im Süden des Gazastreifens.

Der Projektleiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen im südlichen Gaza, Christophe Garnier, erklärte: „Der medizinische Bedarf ist enorm.“ Die Gruppe sei bereit, ihren Einsatz auszubauen, brauche dafür aber „grundlegende Sicherheitsgarantien und uneingeschränkten Zugang zu medizinischen und humanitären Vorräten“, erklärte er. „Ein Waffenstillstand ist ein Muss, jetzt mehr als je zuvor, um das andauernde Blutvergießen zu stoppen“, forderte er. (dpa)

Wohl Geiseln im Schifa-Spital untergebracht

Mehrere der im Gazastreifen von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln sind nach israelischer Darstellung zeitweise in das Schifa-Krankenhaus in Gaza gebracht worden. Israels Armee veröffentlichte am Sonntagabend Aufnahmen von Überwachungskameras der Klinik, die einen entführten nepalesischen sowie einen thailändischen Staatsbürger in der Einrichtung am 7. Oktober zeigen sollen. „Diese Erkenntnisse beweisen, dass die Terrororganisation Hamas den Komplex des Schifa-Krankenhauses am Tag des Massakers als terroristische Infrastruktur nutzte“, hieß es.

Auf den Aufnahmen ist eine mutmaßliche Geisel zu sehen, wie sie auf einem Krankenhausbett mit einer sichtbaren Verletzung am Arm in ein Zimmer geschoben wird. Die zweite mutmaßliche Geisel wird von mehreren bewaffneten Männern durch die Gänge des medizinischen Zentrums gezerrt. Die Aufnahmen waren zunächst nicht unabhängig zu überprüfen. Aus Thailand und Nepal standen Reaktionen aus. (dpa)

Veröffentlichtes Video zu Tunnel unter Schifa-Klinik

Israels Armee veröffentlichte außerdem weitere Details zu einem mutmaßlichen Tunnel der Hamas unter dem Komplex des Krankenhauses. Der vor wenigen Tagen freigelegte Schacht führe zu einem Tunnel mit einer Länge von rund 55 Metern in einer Tiefe von 10 Metern, teilte die Armee am Sonntag mit. Dazu lieferte das Militär Aufnahmen von zwei Geräten, die den Tunnel von innen zeigen sollen. Am Ende des Tunnels befinde sich demnach eine „explosionssichere Tür“.

Was sich genau hinter der Tür befindet, war zunächst unklar. Die israelischen Truppen seien zudem damit beschäftigt, „die Route des Tunnels aufzudecken“, hieß es vom Militär. Der Tunneleingang war der Armee zufolge im Bereich des Krankenhauses unter einem Fahrzeug freigelegt worden. Die Angaben waren nicht unabhängig zu überprüfen. (dpa)

Bisher 65 israelische Soldaten getötet

Seit Beginn der Bodeneinsätze Israels im Gazastreifen am 27. Oktober sind nach Militärangaben 65 Soldaten getötet worden. Seit dem Massaker von Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen am 7. Oktober im israelischen Grenzgebiet seien es insgesamt 385 getötete israelische Soldatinnen und Soldaten, sagte ein Armeesprecher am Sonntag. Diese Zahl beinhaltet auch Soldaten, die an der Grenze zum Libanon ums Leben kamen.

Zum Vergleich: Während des 50-tägigen Gaza-Kriegs 2014 waren auf israelischer Seite 66 Soldaten und fünf Zivilisten getötet worden. Während des damaligen Konflikts wurden nach Angaben der Vereinten Nationen 2.251 Palästinenser getötet. (afp)

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