+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Merz: „Wir hätten abgeraten“
Die Bundesregierung wäre gegen den Irankrieg gewesen, wenn sie konsultiert worden wäre, sagt der Kanzler im Bundestag. Erstmals Angriff auf Gasfeld im Iran.
Nato-Verbündete beraten über Öffnung der Straße von Hormus
Die Nato-Verbündeten beraten Generalsekretär Mark Rutte zufolge gemeinsam darüber, wie die Straße von Hormus wieder geöffnet werden kann. „Wir sind uns natürlich alle einig, dass der Handel wieder aufgenommen werden muss“, sagt Rutte bei einem Besuch in Norwegen. Die Alliierten arbeiteten gemeinsam an einer Lösung. (rtr)
Ölpreise steigen wieder deutlich
Die Ölpreise haben am Mittwoch nach Angriffen auf Gasanlagen des Irans kräftig zugelegt. Am Nachmittag kostete Rohöl der Sorte Brent 108,25 Dollar und damit etwa viereinhalb Prozent mehr als am Vortag. Zu Beginn der Woche war die Notierung für Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee noch zeitweise unter die Marke von 100 Dollar gefallen. (dpa)
Weidel und Chrupalla dringen auf Ende des Irankriegs
Die AfD ruft dazu auf, Deutschland auf alle Fälle aus dem Irankrieg herauszuhalten. „Deutschland wurde weder am Hindukusch verteidigt noch an der Straße von Hormus“, sagte Co-Fraktionschef Tino Chrupalla im Bundestag nach einer Regierungserklärung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) zum bevorstehenden EU-Gipfel. Mit dem Hinweis auf das in Zentralasien liegende Gebirge hatte der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) einst den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan begründet. „Wenn wir als Deutsche etwas gelernt haben, ist es, dass wir uns für keinen Krieg der Welt von anderen vor den Karren spannen lassen sollten“, sagte Chrupalla. Dies gelte aber auch für die Ukraine. „Der Ukraine-Krieg ist ebenso wenig unser Krieg wie der im Nahen Osten.“ Schluss sein müsse etwa mit Finanzpaketen zur Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes.
Die Co-Vorsitzende Alice Weidel warnte: „Dauert der Irankrieg noch länger an, werden die Erschütterungen verheerend sein.“ Unter anderem drohe explodierende Inflation. „Ein schnelles Kriegsende und die Vermeidung eines Flächenbrands im Nahen und Mittleren Osten ist daher im deutschen Interesse.“ Das habe die AfD von Beginn des Kriegs an deutlich gemacht. Weidel warf zugleich der Bundesregierung vor, weiter fest an der Seite der Ukraine stehen zu wollen. Dabei sei es im deutschen Interesse, das Gespräch mit Russland zu suchen, über ein Ende des Ukraine-Kriegs und eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen. Im Inland müsse „das gescheiterte Experiment“ Energiewende beendet werden, sagte Weidel weiter. Generell gelte: „Deutschland braucht einen sofortigen Kurswechsel.“ Chrupalla forderte, straffällige Asylbewerber verstärkt abzuschieben und Reformen anzugehen. (dpa)
Irans Präsident bestätigt Tötung von Geheimdienstminister Chatib
Der Iran hat die Tötung von Geheimdienstminister Esmail Chatib bestätigt. Präsident Massud Peseschkian erklärte am Mittwoch im Onlinedienst X, der Tod des Ministers erfülle die Führung in Teheran mit Trauer, er machte jedoch keine Angaben dazu, wer den „feigen Mord“ ausgeführt habe. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor erklärt, Chatib sei in der vergangenen Nacht bei einem Angriff der israelischen Armee „ausgeschaltet“ worden. (afp)
Linke kritisieren Merz
Deutliche Kritik an Merz äußerte Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek am Mittwoch im Bundestag. Sie kritisierte, dass der Kanzler den Angriff der USA und Israels auf Iran nicht klar als völkerrechtswidrig eingestuft hat. „Das Völkerrecht ist die Basis für unsere internationale Ordnung“, betonte Reichinnek. Wenn es nicht nur für Autokraten, sondern auch für demokratische Regierungen keinen Wert mehr habe, „bewegen wir uns auf düstere Zeiten zu“. Die Linken-Fraktionschefin forderte den Kanzler auch auf, die US-Militärbasis Ramstein zu schließen, die ein Drehkreuz für den Militäreinsatz ist.
Zudem forderte sie generell ein deutlicheres Auftreten gegen US-Präsident Donald Trump. So hätte Merz bei seinem Besuch in Washington dessen Hetze gegen Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez nicht unbeantwortet lassen dürfen. Nachdrücklich kritisierte Reichinnek zudem die Migrationspolitik der schwarz-roten Bundesregierung. Diese habe nicht nur den Familiennachzug für Geflüchtete ausgesetzt, sondern wolle auch „in Zukunft selbst Kinder an den EU-Außengrenzen in Lager stecken“. (afp)
Spahn warnt vor Erstarken des Mullah-Systems
Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) warnt vor einer möglichen Stärkung des repressiven iranischen Machtapparats. „Wir weinen toten Mullahs keine Träne nach“, sagte Spahn im Bundestag mit Blick auf die gezielten Tötungen führender Vertreter durch Israel und die USA. Der Krieg sollte bald enden, sagte Spahn, „aber nicht um jeden Preis“. Das Mullah-System müsse am Ende des Kriegs deutlich schwächer sein als vorher. Andernfalls drohe die Gefahr, dass es umso entschlossener nach der Atombombe greife.
Nachdem der Krieg einmal begonnen worden sei, „ist es nicht in unserem nationalen Interesse, dass das Regime gestärkt daraus hervorgeht“, erklärte Spahn. Zugleich dürfe Deutschland erwarten, „dass wir als Bündnispartner in strategische Überlegungen einbezogen werden“, sagte er angesichts der Alleingänge der US-Regierung von Präsident Donald Trump. „Wir wollen eine enge Partnerschaft, aber enge Partnerschaft bedeutet eben nicht blinde Gefolgschaft“, sagte Spahn nach einer Regierungserklärung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). (dpa)
Merz zum Irankrieg: „Wir hätten abgeraten“
Vor dem EU-Gipfel in Brüssel hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Kritik am Krieg der USA und Israels gegen den Iran und seine Absage an eine deutsche Beteiligung bekräftigt. In seiner Regierungserklärung im Bundestag machte der CDU-Vorsitzende klar, dass Deutschland sich gegen den Angriff gestellt hätte, wenn es vorher konsultiert worden wäre. „Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen“, sagte er. Bei seinem Besuch in Washington vor gut zwei Wochen hatte Merz noch gesagt, er wolle die USA in dieser Frage nicht belehren.
Solange der Krieg andauere, werde sich Deutschland nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus etwa mit militärischen Mitteln freie Schifffahrt zu gewährleisten, betonte Merz. Er machte aber auch klar, dass er eine dauerhafte Belastung der transatlantischen Partnerschaft vermeiden wolle. Nach Ende der Kampfhandlungen werde Deutschland seinen Beitrag zum Aufbau einer Friedensordnung leisten und sich unter den richtigen Rahmenbedingungen auch einer Debatte über freie Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht verschließen. „Wir werden eingreifen, wo wir es aus nationaler Kompetenz heraus können und Handlungsspielräume sehen“, sagte Merz. (dpa)
Irankrieg: USA lockern Schifffahrtsregeln für 60 Tage
Im Irankrieg lockern die USA ihre Schifffahrtsregeln für 60 Tage. Die Entscheidung von Präsident Trump sei „ein weiterer Schritt, um die kurzfristigen Störungen auf dem Ölmarkt abzufedern“, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Mittwoch im Onlinedienst X. Damit könnten Güter wie Erdöl, Erdgas, Dünger und Kohle leichter in US-Häfen gelangen. Trump genehmigte eine 60-tägige Ausnahme vom Jones Act von 1920. Das mehr als hundert Jahre alte Gesetz sieht vor, dass Frachtgut zwischen US-Häfen nur auf Schiffen transportiert werden darf, die in den USA gebaut wurden, in US-Besitz sind und deren Besetzung aus den USA stammt. Kritiker bemängeln, der Jones Act steigere die Kosten für Reeder und damit für die Verbraucher. (afp)
Katar: Israels Angriff auf Gasanlagen „unverantwortlich“
Katar hat Israel für einen Angriff auf Anlagen der iranischen Gasindustrie am größten Gasfeld der Welt verantwortlich gemacht und diesen scharf verurteilt. Es handle sich um einen „gefährlichen und unverantwortlichen Schritt inmitten der aktuellen militärischen Eskalation in der Region, erklärte der katarische Außenamtssprecher Madschid al-Ansari auf X. Das Gasfeld „South Pars“ befindet sich im Persischen Golf und wird vom Iran und Katar ausgebeutet. Iranische Medien hatten zuvor berichtet, dass Anlagen bei der Industriestadt Asalujeh bombardiert worden sein. Israelische Medien meldeten, die Luftwaffe habe die iranische Gasproduktion im Süden des Landes angegriffen. Asalujeh liegt nahe dem riesigen Gasfeld. (dpa)
Erstmals gezielter Angriff auf iranisches Gasfeld
Im Krieg gegen den Iran sind am Mittwoch Berichten zufolge erstmals Energieanlagen direkt angegriffen worden. Das riesige iranische Gasfeld Pars sei getroffen worden, meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Dabei seien Gastanks und Teile einer Raffinerie beschädigt worden. Rettungskräfte versuchten, ein Feuer zu löschen. Arbeiter seien an einen sicheren Ort gebracht worden. Pars ist der iranische Teil des weltweit größten Erdgasvorkommens, das sich die Islamische Republik mit Katar teilt. Der Angriff stellt eine klare Eskalation des Konflikts dar. Die Regierung in Teheran forderte ihre Nachbarstaaten umgehend auf, ihre eigenen Energieanlagen zu evakuieren. Israelischen Medienberichten zufolge führte Israel den Angriff auf Pars mit Zustimmung der USA aus. Eine Stellungnahme des israelischen Militärs lag zunächst nicht vor. (rtr)
Insider: Iran stoppt Gaslieferungen in den Irak nach Angriff
Nach einem Angriff auf das iranische Gasfeld Pars sind die Gaslieferungen in den Irak einem Insider zufolge unterbrochen. Die Führung in Teheran habe das Gas nach der Attacke für den Eigenbedarf umgeleitet, sagt ein hochrangiger irakischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Der Iran deckt zwischen einem Drittel und 40 Prozent des irakischen Gas- und Strombedarfs. Israelischen Medienberichten zufolge soll Israel den Angriff mit Zustimmung der USA ausgeführt haben. Das israelische Militär nimmt dazu zunächst keine Stellung. (rtr)
Staatsfernsehen: Iranische Förderanlage auf größtem Gasfeld der Welt nach Angriff in Brand
Angriffe der USA und Israels haben nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens eine Förderanlage eines großen Gasfelds im Persischen Golf getroffen und einen Brand verursacht. Feuerwehrteams seien zum Brandort entsandt worden, meldete das Staatsfernsehen am Mittwoch unter Berufung auf den örtlichen stellvertretenden Gouverneur. Das iranische Militär drohte, Energieinfrastruktur in der Golfregion ins Visier zu nehmen. Das Gasfeld South Pars/North Dome liegt im Persischen Golf und ist die größte bekannte Gasreserve der Welt. Es liefert rund 70 Prozent des Erdgases für den Iran. Israel hatte iranische Einrichtungen auf dem Gasfeld bereits während des Zwölf-Tage-Kriegs im vergangenen Juni angegriffen.
Das Gasfeld wird neben dem Iran auch von Katar ausgebeutet. Katar nannte den Angriff nun „gefährlich und verantwortungslos“. Angriffe auf Energieinfrastruktur seien eine „Bedrohung für die globale Energiesicherheit, die Bevölkerung in der Region und ihre Umwelt“, erklärte ein Außenamtssprecher. Das iranische Militär drohte, „die Quelle der Aggression“ hart zu treffen. Es erwäge, „die Kraftstoff-, Energie- und Gasinfrastruktur“ der Länder ins Visier zu nehmen, von denen aus die Angriffe gestartet wurden. Das iranische Staatsfernsehen veröffentlichte eine Liste „legitimer Ziele“, unter denen Öl- und Gasanlagen in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind. Diese würden „in den kommenden Stunden“ ins Visier genommen. (afp)
Trump: Könnte Verbündete bei Sicherung der Straße von Hormus alleine lassen
US-Präsident Donald Trump hat den Verbündeten gedroht, sie mit der Absicherung der Straße von Hormus alleine zu lassen. Er schrieb am Mittwoch in seinem Onlinedienst Truth Social, er könne die Länder, welche die Meerenge für den Schiffsverkehr nutzten, selbst eine Lösung finden lassen. Er reagierte damit auf die Weigerung Deutschlands und zahlreicher anderer Länder, die USA militärisch in dem Seegebiet zu unterstützen. „Ich frage mich, was passieren würde, wenn wir den Rest des iranischen Terrorstaates ‚fertigmachen‘ und die Länder, die (die Straße von Hormus) nutzen – wir tun es nicht – für die sogenannte ‚Straße‘ verantwortlich sein lassen würden?“, schrieb Trump. „Das würde einige unserer reaktionsschwachen ‚Verbündeten‘ auf Trab bringen, und zwar schnell!!!“ (afp)
Russland verurteilt Tötung von iranischem Sicherheitschef Laridschani
Der Iran-Verbündete Russland hat die Tötung des mächtigen iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani verurteilt. „Wir verurteilen aufs Schärfste Handlungen, die darauf abzielen, die Gesundheit der Führungspersonen des souveränen und unabhängigen Iran zu schädigen, oder sie gar zu töten“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau. Zuvor hatte Teheran mit Vergeltung für den Tod von Laridschani gedroht, der bei einem israelischen Angriff im Iran getötet worden war. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Laridschani Ende Januar im Kreml empfangen – inmitten von Drohungen von US-Präsident Donald Trump, dass Teheran ein Abkommen über das iranische Atomprogramm abschließen müsse. Die Verhandlungen scheiterten, am 28. Februar begann dann der Irankrieg mit Angriffen Israels und der USA auf Teheran. (afp)
Schwedischer Staatsbürger im Iran wegen Spionage für Israel hingerichtet
Im Iran ist am Mittwoch ein wegen Spionage für Israel zum Tode verurteilter schwedischer Staatsbürger hingerichtet worden. Die iranischen Justizbehörden teilten auf ihrer Website Misan Online mit, das Todesurteil sei am Morgen vollstreckt worden. Der „Spion“ habe „Bilder und Informationen über wichtige Orte des Landes“ an Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad weitergegeben. Er sei in „sechs europäischen Ländern und in Tel Aviv“ ausgebildet worden.
Misan Online zufolge war der nun Hingerichtete während des Zwölftage-Krieges mit Israel im Juni vergangenen Jahres festgenommen worden. Die USA hatten an der Seite Israels in den Krieg eingegriffen und iranische Atomanlagen attackiert. Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard erklärte, sie habe die Nachricht von der Hinrichtung des schwedischen Staatsbürgers „mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“. Schweden habe den Fall seit der Festnahme des Mannes im vergangenen Jahr „auf verschiedenen Ebenen wiederholt gegenüber iranischen Vertretern zur Sprache gebracht“. (afp)
Wadephul: Irankrieg kann Welt in allergrößte Krise stürzen
Außenminister Johann Wadephul hat vor einer Ausweitung des Irankriegs mit weltweiten Folgen gewarnt. Der Krieg habe „ein wirkliches Eskalationspotenzial, was nicht nur diese Region, sondern die Welt insgesamt in eine allergrößte Krise stürzen kann“, sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Noël Barrot in Berlin. Allein die aus der Region sichergestellte Düngerversorgung „ist so essenziell, dass bei einem längeren Ausbleiben eine Nahrungsmittelkrise in großen Teilen Afrikas“ drohen würde. Dies müsse Sorge auslösen „wegen der Menschen, die leiden würden, und natürlich auch wegen der Flüchtlingsströme, die sich daraus ergeben können“, warnte Wadephul. „Das hat insofern eine große Bedeutung für uns“. Dies müsse in einer verantwortungsvollen Würdigung der Situation gesehen werden. (dpa)
IAEA: Status von neuer iranischer Atomanlage unbekannt
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) weiß nach eigenen Angaben nichts über den Status der neuen iranischen Anreicherungsanlage in Isfahan. Die Anlage befinde sich in einem unterirdischen Komplex, sagt IAEA-Chef Rafael Grossi. „Sie ist unterirdisch, aber wir haben sie noch nicht besucht“, erklärt Grossi, der sich zu Gesprächen mit der US-Regierung in Washington aufhält. (rtr)
Iran fordert zur Evakuierung von Ölanlagen in Golfregion auf
Die iranischen Revolutionsgarden fordern Staatsmedien zufolge zur Evakuierung mehrerer Ölanlagen in der Golfregion auf. Die Warnungen richteten sich an Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, heißt es. (rtr)
Iran will mehr als 100 „monarchistische Zellen“ aufgedeckt haben
Im Iran haben die Behörden nach eigenen Angaben mehr als hundert mutmaßliche „monarchistische Zellen“ zerschlagen. Das Geheimdienst-Ministerium gab am Mittwoch in einer Erklärung bekannt, 111 solcher „Zellen“ von Monarchisten in 26 Provinzen aufgedeckt zu haben, bevor diese tätig werden konnten. Wie viele Menschen festgenommen wurden, blieb unklar. Das Ministerium gab weiter bekannt, es seien zudem mehrere „Spione“ entlarvt und zahlreiche Menschen festgenommen worden, die mit einem verbotenen Fernsehsender zusammengearbeitet haben sollen. (afp)
Trauerzeremonie in Teheran für getöteten Laridschani
Nach der Tötung des iranischen Sicherheitschefs Ali Laridschani durch das israelische Militär sind in der iranischen Hauptstadt Teheran Regierungsanhänger für Trauerfeiern zusammengekommen. Im Stadtzentrum der Millionenmetropole meldete die Nachrichtenagentur Fars den Beginn einer Zeremonie für den am Montagabend getöteten Generalsekretär des Sicherheitsrats.
Ein Foto der Agentur zeigte seinen Sarg und den seines Sohnes, der bei dem israelischen Angriff ebenfalls ums Leben kam. Bilder im Staatsfernsehen zeigten Anhänger der Staatsführung, die sich um einen Sattelschlepper versammelten, der die Särge durch die Stadt fährt. Sie trauerten ebenfalls um den Kommandeur der paramilitärischen Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani, sowie die Besatzung eines iranischen Kriegsschiffs, dass die USA vor Sri Lanka versenkt hatten. (dpa)
Frankreich: Israels Forderung zur Entwaffung der Hisbollah unrealistisch
Frankreich wertet die israelische Forderung an die libanesische Regierung zur Entwaffnung der Hisbollah-Miliz als unrealistisch. Der französische Libanon-Gesandte Jean-Yves Le Drian sagt dem Sender France Info, Israel selbst habe es während seiner langen Besatzung nicht geschafft, die Miliz zu besiegen. Daher könne man dies nun nicht von der libanesischen Regierung innerhalb von drei Tagen verlangen, zudem noch während laufender Kämpfe zwischen israelischen Truppen und Hisbollah-Milizionären. (rtr)
Israel: Tötung jedes ranghohen Vertreters Irans genehmigt
Israels Führung hat nach Angaben des Verteidigungsministers die Tötung jedes ranghohen iranischen Vertreter genehmigt, der von der Armee ins Visier genommen wurde. Dafür sei keine weitere Genehmigung erforderlich, sagte Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und er hätten das Militär entsprechend autorisiert. Bei einer Beratung habe Katz zudem angekündigt, im Laufe des Tages seien „bedeutende Überraschungen in allen Einsatzgebieten zu erwarten“. Diese würden den Krieg gegen Iran und die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz „auf eine neue Stufe heben“. Die Intensität der Angriffe in Iran nehme noch zu, sagte er demnach. (dpa)
Berichte: Neue US-israelische Angriffe in verschiedenen Regionen des Iran
Die USA und Israel haben am Mittwoch laut iranischen Medienberichten erneut verschiedene Regionen in Iran angegriffen, darunter die Hauptstadt Teheran. Des Weiteren wurden demnach Ziele in der Provinz Lorestan und die Stadt Hamedan im Westen des Landes sowie Ziele in der Provinz Fars im Süden angegriffen. Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, bei einem Angriff auf Wohngebiete in der Stadt Dorud in Lorestan seien sieben Menschen getötet und 56 weitere verletzt worden. Die Nachrichtenagentur AFP konnte diese Angaben vorerst nicht unabhängig überprüfen. Nach Angaben der Justiz-Website Misan wurde in der Provinz Fars ein Justizgebäude getroffen. (afp)
Israel: Irans Geheimdienstminister getötet
Der iranische Geheimdienstminister ist nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff getötet worden. Ismail Chatib sei in der Nacht bei einem gezielten Angriff ums Leben gekommen, teilte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz mit. Aus Iran gab es dazu zunächst keine Bestätigung. Katz sagte nach Angaben seines Büros, Chatib sei für Unterdrückung im eigenen Land sowie „Bedrohungen nach außen“ verantwortlich gewesen. Israel hat im Irankrieg bereits Dutzende führende Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, darunter Irans Obersten Führer Ali Chamenei. Am Montag wurde zudem der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, gezielt getötet. Auch Laridschanis Sohn wurde bei dem Angriff in Teheran tödlich verletzt.
Chatib ist Anfang der Sechzigerjahre in der südwestlichen Provinz Chusestan geboren worden. Seit fünf Jahren war der schiitische Geistliche Minister für die Nachrichtendienste der Islamischen Republik. Zuvor ist er in verschiedenen Funktionen im iranischen Sicherheitsapparat tätig gewesen. Chatib galt als hervorragend vernetzt und behielt seinen Ministerposten auch nach dem Regierungswechsel 2024, als die ultrakonservative Regierung nach dem Tod von Präsident Ebrahim Raisi vom Reformisten Massud Peseschkian abgelöst wurde. Im Herbst 2022 belegten die USA Chatib mit Sanktionen. Hintergrund waren Cyberangriffe, die das iranische Geheimdienstministerium in Auftrag gegeben haben soll. (dpa)
Irans Außenminister: System besteht trotz gezielter Tötungen weiter
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hält das politische System seines Landes im Krieg weiterhin für überlebensfähig. Dabei spiele auch die gezielte Tötung von Führungspersonen keine Rolle, sagte Araghtschi dem Nachrichtensender Al Jazeera in einem heute veröffentlichten Interview. „Die An- oder Abwesenheit einer einzelnen Person hat keinen Einfluss auf die Struktur. (…) Entscheidend ist, dass das politische System in Iran eine sehr solide Struktur ist.“
Das sei auch der Fall gewesen nach der Tötung des Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei durch einen israelischen Luftangriff in Teheran, sagte Araghtschi. „Sogar der Anführer wurde getötet. Aber das System arbeitete weiter und sorgte sofort für Ersatz. So wird es auch sein, wenn jemand anders getötet wird.“ Auch im Fall, dass der Außenminister getötet würde – also er selbst –, stünde jemand anderes bereit, um den Posten einzunehmen, sagte Araghtschi. (dpa)
Russland: Keine Schäden an iranischem Atomkraftwerk Buschehr
Bei dem Beschuss des von Russland gebauten Atomkraftwerks Buschehr in Iran sind nach Angaben aus Moskau keine Schäden entstanden. Es sei auch niemand verletzt worden, sagte Alexej Lichatschew, der Chef des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, am Mittwoch. Der Angriff am Vortag habe ein Gebäude des Wetterdienstes in der Nähe des Reaktors getroffen. Erhöhte Strahlungswerte gebe es nicht. Es war der erste Angriff auf die Atomanlage in Buschehr seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar. Lichatschew sprach von einer eklatanten Missachtung zentraler Regeln und Prinzipien der internationalen Sicherheit. Rosatom habe 250 Beschäftigte und deren Familienmitglieder aus Iran evakuiert, doch seien noch 480 weitere in Buschehr, von denen ebenfalls einige noch ausreisen sollten, sagte er. (ap)
Roter Halbmond: Rettungswagen in Iran angegriffen
Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen ist in Iran nach Angaben der Rothalbmond-Gesellschaft ein Rettungswagen gezielt angegriffen worden. Der Vorfall ereignete sich in der südlichen Stadt Lar in der Provinz Fars, wie die humanitäre Organisation auf Telegram mitteilte. Ein Bild zeigte ein fast vollständig zerstörtes Fahrzeug. Der Leiter des iranischen Roten Halbmonds, Pirhussein Koliwand, verurteilte den Luftangriff scharf. Er sprach von einem Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Die Einsatzkräfte seien ausschließlich mit der Hilfe für Verletzte beschäftigt gewesen. Zunächst war unklar, wessen Luftwaffe für den Angriff verantwortlich war. (dpa)
Israelische Rakete bringt Hochhaus in Beirut zum Einsturz
Bei israelischen Luftangriffen in der Hauptstadt Beirut sind nach libanesischen Angaben mindestens 12 Menschen getötet und 41 weitere verletzt worden. Am frühen Mittwochmorgen erschütterte eine Explosion das Stadtviertel Baschura: Laut einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur wurde ein Hochhaus getroffen und komplett in Trümmer gelegt. Zuvor hatte Israels Militär vor Angriffen gewarnt. Das Viertel war bereits in der vergangenen Woche Ziel von Luftangriffen gewesen. Staatlichen Medien zufolge traf ein Angriff eine Wohnung im Stadtzentrum, unweit der kürzlich vom israelischen Militär attackierten Filiale eines Finanzinstituts der Hisbollah-Miliz. Weitere Geschosse schlugen Medienberichten zufolge im ebenfalls zentral gelegenen Viertel Basta ein. Anwohner berichteten von mehreren deutlich vernehmbaren Explosionen. Der von der Hisbollah-Miliz betriebene Fernsehsender Al-Manar teilte mit, dass ein Programmdirektor des Senders und seine Frau getötet worden seien.
Alle am Mittwochmorgen getroffenen Gebiete liegen in der Nähe libanesischer Regierungsgebäude wie dem Finanzministerium und dem Amtssitz des Premierministers. In der Nacht hatte die mit dem Iran verbündeten Hisbollah erneut Dutzende Raketen auf den Norden des Nachbarlands Israel abgefeuert. Ausgelöst worden waren die Gefechte durch die israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran vor knapp drei Wochen. Seither herrscht Krieg in der Region. Auch in der Bekaa-Ebene griff Israel erneut Ziele an. Nach libanesischen Angaben wurden dabei mindestens zwei Menschen getötet und weitere verletzt. (dpa)
Türkei: Luftabwehr in Adana wird verstärkt
Die Nato verlegt nach türkischen Angaben ein weiteres Raketenabwehrsystem vom Typ Patriot in die südtürkische Provinz Adana. Die Maßnahme diene der Sicherung des türkischen Luftraums und dem Schutz der Bevölkerung, teilt das Verteidigungsministerium in Ankara mit. In Adana liegt der Luftwaffenstützpunkt Incirlik, auf dem neben türkischen Truppen auch Soldaten der USA und anderer verbündeter Staaten stationiert sind. Der Türkei zufolge befindet sich dort bereits ein Patriot-System der Spanier. Seit Beginn des Kriegs gegen Iran wurden nach türkischen Angaben drei von der Islamischen Republik aus gestartete Raketen abgefangen.
Fußballerinnen kehren über Türkei nach Iran zurück
Nach dem Wirbel um ihren stillen Protest beim Asien Cup reisen die iranischen Fußballerinnen über die Türkei zurück in ihr Heimatland. Die Spielerinnen seien am Dienstagabend am Istanbuler Flughafen gelandet und seien über Land auf dem Weg zurück nach Iran, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der Luftraum über Iran ist wegen des Krieges gesperrt – die Hauptstadt Teheran liegt mehr als 2000 Kilometer von Istanbul entfernt.
In der vergangenen Woche hatten die Spielerinnen beim ersten Gruppenspiel in Australien während der Nationalhymne geschwiegen – in Iran wurde das als Zeichen gegen die Führung in Teheran gewertet. Staatsmedien bezeichneten sie später als „Verräterinnen“, auch wenn die Spielerinnen bei den folgenden Partien wieder mitsangen und salutierten. Ursprünglich hatten sieben Fußballerinnen nach dem Aus bei dem Turnier Asyl in Australien beantragt. Fünf zogen den Antrag später zurück. Beobachter befürchten, dass den Frauen in Iran schlimme Konsequenzen drohen könnten – oder dass ihre Familien unter Druck geraten, falls sie nicht zurückkehren sollten. (dpa)
Grünen-Chefin drängt Regierung zu mehr Unterstützung für den Libanon
Grünen-Chefin Franziska Brantner hat die israelischen Angriffe auf den Libanon verurteilt und die Regierung zu mehr Unterstützung für das Land gedrängt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) müsse darauf dringen, „dass wir und Europa im Libanon aktiver werden“, sagte sie am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP zum anstehenden EU-Gipfel. „Die Invasion und Besetzung des Südlibanon sind inakzeptabel.“ Das verschärfe die ohnehin dramatische Lage in der Region. (afp)
Rüstungskonzern Hensoldt: Irankrieg ist militärtechnisches Lehrstück
Der Rüstungskonzern Hensoldt sieht die Luftangriffe im Irankrieg als wichtigeres Lehrbeispiel für Militär und Verteidigungsindustrie als die in der Ukraine. Während in der Ukraine der Kampf großteils mit Drohen geführt werde, kämen im Nahostkrieg traditionelle Waffensysteme wie Raketen stärker zum Einsatz, sagte Vorstandschef Oliver Dörre am Dienstagabend vor Journalisten in München. „Dieser Krieg zeigt stärker, was in unserer Landes- und Bündnisverteidigung stattfinden würde“, sagte der ehemalige Generalstabsoffizier der Bundeswehr. „Wenn ein hochgerüsteter Gegner gegen einen ebenso hochgerüsteten Gegner operiert, dann findet dieser hochkomplexe Luftkrieg statt“, sagte er. Anders als im Krieg zwischen Russland und der militärisch wesentlich schwächeren Ukraine stünden sich im Krieg zwischen den USA und Israel einerseits und Iran andererseits von Anbeginn hochgerüstete Gegner gegenüber. Entscheidend seien Zusammenwirken und Vernetzung moderner Drohnen und herkömmlicher Raketen und der entsprechenden Abwehrtechnologien. „Wir haben ein ganz falsches Verständnis vom Luftkrieg, weil wir immer auf die Ukraine schauen.“
Der MDax-Konzern Hensoldt ist als Rüstungszulieferer auf Sensoren für Waffen und deren Abwehr in der Luft, auf dem Land und auf See spezialisiert. Dörre erklärte, es gehe nicht um eine Alternative zwischen Raketen als traditioneller und Drohnen als neuer Technologie. „Wir brauchen beides“, sagte er. „Wenn die ebenbürtigen Gegner Russland und Nato sich gegenüberstehen würden, hätten auch die traditionellen Fähigkeiten eine Bedeutung.“ Gleichwohl sei die Ukraine für Hensoldt im Bereich der Luftverteidigung der prägendste Kunde. Das Unternehmen aus Taufkirchen bei München erwartet angesichts der Aufrüstung in Europa weiteres Wachstum. Im vergangenen Jahr schnellte der Auftragseingang um 62 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro in die Höhe, wie Hensoldt bei der Bilanzvorlage Ende Februar berichtet hatte. Der Umsatz war um 10 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro und der Betriebsgewinn um 12 Prozent auf 452 Millionen Euro gewachsen. (rtr)
Irans Geheimdienst geht gegen Opposition vor
Der iranische Geheimdienst ist eigenen Angaben zufolge gegen Dutzende Netzwerke von Oppositionellen vorgegangen. In 26 Provinzen seien „111 Zellen“ von Monarchisten identifiziert worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim. Gemeint sind Anhänger des Schah-Sohns Reza Pahlavi, der im Ausland eine führende Rolle in der Opposition beansprucht. Es sei zu Festnahmen gekommen. Tasnim zufolge wurden bei den Geheimdienstoperationen Schusswaffen „zur Auslösung von Straßenunruhen“ beschlagnahmt.
Vier Personen seien außerdem wegen des Vorwurfs der Spionage festgenommen worden. Sie sollen dem „Feind“ in den Provinzen Hamedan und West-Aserbaidschan Informationen über die Positionen von Sicherheitskräften verraten haben. Auch mehrere Menschen seien festgenommen worden, die Informationen und Fotos an den persischsprachigen Exilsender „Iran International“ übermittelt hätten. Tasnim meldete zudem die Beschlagnahme von 350 Starlink-Geräten. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (dpa)
Der Irak startet Ölexporte über die Türkei – Bruchteil der üblichen Menge
Der Irak hat mit dem Export von Öl über eine Pipeline und den türkischen Hafen Ceyhan begonnen. Auf diesem Weg können pro Tag rund 250.000 Barrel verschifft werden, wie die staatliche Ölgesellschaft North Oil am Mittwoch mitteilte. Normalerweilse exportiert der Irak rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag. Die Exportroute über den Persischen Golf und die Straße von Hormus ist jedoch wegen des Irankrieges blockiert. Der Öl-Export finanziert 90 Prozent des staatlichen Haushalts. Der Irak sucht daher verzweifelt nach Möglichkeiten, die Blockade der Straße von Hormus zu umgehen.
Exporte per Pipeline im Norden des Landes in Richtung Türkei wurden schon länger diskutiert. Die Leitung verläuft jedoch durch das irakische Kurdengebiet und die Gespräche mit den kurdischen Autonomiebehörden verliefen schleppend. Die kurdischen Behörden hatten im Gegenzug Forderungen gestellt. Am Mittwochmorgen bestätigte das kurdische Rohstoffministerium den Beginn der Pipelineexporte nach Ceyhan. Der irakische Ölminister Hayan Abdel Ghani erklärte, sein Land stehe auch mit dem Iran in Kontakt, um zu versuchen, für einige seiner Öltanker die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen. (afp)
Beisetzung von Laridschani am Mittwoch
Der von der israelischen Armee getötete iranische Sicherheitschef Ali Laridschani soll am Mittwoch beigesetzt werden. Wie die Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim am Mittwoch meldeten, soll die Beisetzung um 11.30 Uhr MEZ in der Hauptstadt Teheran erfolgen. Auch der getötete Anführer der für die innere Sicherheit in Iran zuständigen Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani, soll dann den Angaben zufolge beigesetzt werden.
Teheran hatte am Dienstagabend den Tod des einflussreichen Laridschani bestätigt, der Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans gewesen war. Die Armee kündigte Vergeltung für seine Tötung an. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten am Dienstagabend den Tod Soleimanis.
Die Tötung Laridschanis bedeutet nach Ansicht von Experten den schwersten Schlag für die Führung in Teheran seit der Tötung des iranischen Obersten Führers, Ali Chamenei, gleich am ersten Tag der Angriffe der USA und Israels. Die beiden Länder hatten am 28. Februar mit massiven Luftangriffen auf Iran begonnen. Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region. (afp)
Mehrere Tote in Beirut nach israelischem Angriff
In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind erneut mehrere Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden. Die teilweise ohne Vorwarnung erfolgten Angriffe auf zwei Stadtteile im Zentrum Beiruts töteten mindestens 6 Menschen und verletzten 24 weitere, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Mittwochmorgen mitteilte. Ein iranischer Raketenangriff nahe Tel Aviv tötete derweil nach Angaben israelischer Rettungskräfte zwei Menschen. Teheran kündigte Vergeltung für den bei einem israelischen Angriff getöteten mächtigen iranischen Sicherheitschef Ali Laridschani an.
Der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge traf ein israelischer Angriff eine Wohnung in Sukak al-Blat, wo die israelische Armee vergangene Woche eine Filiale des Hisbollah-nahen Finanzunternehmens Al-Kard Al-Hassan attackiert hatte. Zwei weitere israelische Angriffe trafen demnach zwei Wohnungen in dem Viertel Basta, das die israelische Armee während des Krieges mit der proiranischen Hisbollah-Miliz im Jahr 2024 angegriffen hatte.
In Israel stieg die Zahl der Todesopfer durch Raketenangriffe seit Beginn des Irankrieges nach dem jüngsten Angriff nahe Tel Aviv auf 14 an. Polizeisprecher Dean Elsdunne erklärte, bei einem iranischen Raketenangriff auf ein Wohngebäude in Ramat Gan außerhalb von Tel Aviv sei Streumunition zum Einsatz gekommen. Diese habe das Dach des Gebäudes zum Einsturz gebracht. Ein älteres Ehepaar, das nicht in den Schutzraum gegangen war, sei dabei getötet worden.
Streumunition gilt als besonders verheerend: Eine Streubombe kann hunderte kleinerer Bomben freisetzen, die oft größere Gegenden zerstören können. Israel und Iran werfen sich gegenseitig den Einsatz von Streubomben vor.
In mehreren Teilen im Zentrum von Israel kam es zu Angriffen. In Bnei Brak, einer weiteren Stadt nahe Tel Aviv, wurde ein Mann Rettungsdiensten zufolge durch Splitter leicht verletzt. Teams zur Bombenentschärfung befanden sich der Polizei zufolge an mehreren Einschlagsorten im Gebiet Tel Aviv im Einsatz. (afp)
Vergeltung angekündigt
Die iranische Armee kündigte unterdessen Vergeltung für die Tötung von Laridschani an. „Irans Antwort auf die Ermordung des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats wird entschlossen und bedauerlich sein“, erklärte Armeechef Amir Hatami. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, als „Rache für das Blut des Märtyrers Dr. Ali Laridschani und seiner Gefährten“ Raketen auf das Zentrum Israels gefeuert zu haben.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, die Folgen des Irankrieges würden weltweit zu spüren sein. „Die Welle globaler Auswirkungen hat gerade erst begonnen und wird alle treffen, unabhängig von Wohlstand, Glauben oder Herkunft“, erklärte er im Onlinedienst X. Immer mehr Stimmen, darunter europäische und US-Vertreter, würden den Krieg gegen Iran als „ungerecht“ bezeichnen, erklärte Araghtschi. „Weitere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sollten diesem Beispiel folgen“, forderte er. (afp)
Trump wütet gegen Nato-Verbündete
„Schockierend“ und „dumm“: Mit drastischen Worten hat US-Präsident Donald Trump gegen die Nato-Partner ausgeteilt. Er war sichtbar wütend, weil ihn zuvor die Europäer bei der Absicherung der Straße von Hormus gegen iranische Angriffe abblitzen ließen. „Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler“, sagte Trump.
„Nein“, „non“ und „no“ – aus den europäischen Hauptstädten war Trump unisono Widerstand entgegengeschallt. So einig hatten sich die Europäer in den 14 ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit bisher nicht gezeigt. Dabei hatte der US-Präsident die Verbündeten mit Zöllen malträtiert und ihnen mit einem angedrohten Angriff auf Grönland zugesetzt.
Am Sonntag dann verlangte der 79-Jährige plötzlich, die Verbündeten müssten ihm helfen, Öltanker in der Straße von Hormus zu schützen. Womöglich wollte Trump davon ablenken, dass sich der von ihm in Aussicht gestellte Geleitschutz durch die US-Marine bisher nicht bewerkstelligen lässt. (rtr)
Weitere Angriffe in den Golfstaaten
Auch in den Golfstaaten kam es erneut zu Angriffen. Die Flugabwehr „reagiert auf die Bedrohungen durch Raketen und Drohnen aus Iran“, teilten die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate mit, während Journalisten von mehreren lauten Explosionen in der emiratischen Metropole Dubai berichteten. Der australische Premierminister Anthony Albanese meldete zudem, dass ein iranisches Geschoss nahe dem australischen Armeehauptquartier in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeschlagen sei. Bei dem Vorfall sei kein australisches Personal verletzt worden.
Das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe insgesamt acht Drohnen zerstört. Zudem sei ein Marschflugkörper nahe dem Luftwaffenstützpunkt Prince Sultan abgefangen worden, auf dem US-Armeeangehörige stationiert sind.
Die kuwaitische Armee teilte derweil im Onlinedienst X mit, ihre Luftabwehr fange „derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab“. Das katarische Verteidigungsministerium erklärte, seine Streitkräfte hätten einen Raketenangriff auf das Land abgefangen. Ein AFP-Journalist in Doha hatte zuvor mehrere Knallgeräusche gehört. (afp)
Iranisches AKW Buschehr getroffen
Das iranische Atomkraftwerk Buschehr ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA von einem Geschoss getroffen worden. Sie sei „von Iran darüber informiert worden, dass am Dienstagabend ein Geschoss das Gelände des Kernkraftwerks Buschehr getroffen hat“, erklärte die UN-Organisation mit Sitz im österreichischen Wien am Mittwoch in Onlinediensten. „Es wurden weder Schäden an der Anlage noch Verletzungen von Mitarbeitern gemeldet“, hieß es weiter.
IAEA-Chef Rafael Grossi „bekräftigt seinen Aufruf zur Zurückhaltung während des Konflikts, um jedes Risiko eines Atomunfalls zu vermeiden“, hieß es in der Erklärung der Behörde. Das AKW Buschehr im Südwesten Irans verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der IAEA im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war.
Nach Einschätzung der IAEA ist Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert. Westliche Staaten werfen Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben, was Teheran bestreitet. US-Präsident Donald Trump bezeichnete das iranische Atomprogramm als einen der Gründe für den Irankrieg. (afp)
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