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28.11.2025 , 17:10 Uhr
Nun belegt jede einschlägige Umfrage, dass die Bevölkerung in toto wesentlich kritischer auf Israel blickt als das offizielle Deutschland. Der Verweis auf die Wahlergebnisse widerlegt nicht, dass das so ist, sondern dokumentiert lediglich, dass der NO-Konflikt zwar Leserforen beschäftigt, aber nicht unbedingt das Wahlverhalten beeinflusst (auch das ist übrigens nicht neu: über Weltpolitik streitet man gerne, in der Wahlkabine geht es um Renten).
zum Beitrag28.11.2025 , 12:26 Uhr
Ich glaube nicht, dass die sog. Staatsräson“ in der bestehenden Form demokratisch ausgehandelt wurde. Nicht nur weil öffentliche Meinung und offizielle Politik in dieser Frage weit auseinanderliegen, sondern auch, weil sich hier auf mehreren Ebenen eine Verschiebung beobachten lässt: die deutsche Israelpolitik (die lange Zeit durchaus Raum für Kritik gelassen hat) wird zu einer immer bedingungsloseren Solidarität mit der israelischen Regierung, gleichzeitig wird dieser immer offener extremistisch – in Worten und in Taten. Zumal sich die Komplizenschaft mit einem Völkermord weder als Konsequenz aus der deutschen Geschichte deuten lässt noch ein Ausdruck sicherheitspolitischer Vernunft ist (im Gegenteil, wir stehen vor einem diplomatischen Scherbenhaufen, der unseren Interessen in vielfacher Hinsicht schadet).
zum Beitrag27.11.2025 , 18:26 Uhr
Daran habe ich Zweifel: Parteien wie die AfD sind ja keine Erfindung des Kremls, sondern das Resultat innerdeutscher Verhältnisse und bekommen ihre Schlagworte oft genug aus der angeblichen Mitte der Gesellschaft - Stichwort "Stadtbild". Dahinter stets externe Feinde zu erwarten, ist allzu einfach und verhindert genau die kritische Selbstbetrachtung, ohne die wir unsere Probleme und deren politischen Nachhall nie lösen werden. Übrigens: eine Gefahr für die Demokratie sind beizeiten auch diejenigen, die verteidigen wollen (siehe den heutigen Kommentar von Bax).
zum Beitrag20.11.2025 , 08:13 Uhr
Der "Friedensplan" beendet bisher weder die Gewalt (Israel hat auch während der sog. Waffenruhe fast 300 Menschen in Gaza ermordet, darunter dutzende Kinder), noch bringt er ein Ende der Besatzung: Gaza wird der facto ein US-Protektorat und der Terror der Siedler im WJL geht ungehindert weiter. Ein Frieden, der kein Ende der Besatzung bedeutet, ist keiner - jedenfalls nicht für die Palästinenser, denen nur die Wahl zwischen Flucht oder Bantustan bleibt.
zum Beitrag18.11.2025 , 20:58 Uhr
Über ein bisschen Völkermord kann man dann hinwegsehen? Israel wird gerade von Rechtsextremen regiert, die einen Palästinenserstaat ablehnen und aktiv daran arbeiten, die Bevölkerung der besetzten Gebiete loszuwerden. Wenn Sie darin kein Hindernis für Waffenlieferungen sehen...
zum Beitrag18.11.2025 , 12:43 Uhr
Das ist eine bizarre Verkehrung der Realität: Israel war nie nur Opfer, und spätestens seit der arabischen Friedensinitiative (die übrigens auch von Iran unterstützt wurde), ist es offenkundig, dass israelische Regierungen eigene expansionistische und hegemoniale Bestrebungen über eine regionale Integration stellen (und sich dabei des Jubels jener Europäer sicher sein können, deren Blick auf die Welt über 1904 nicht herausgekommen sind. Um ihr Überleben kämpfen übrigens gerade die Palästinenser, die gerade einem Völkermord zum Opfer fallen.
zum Beitrag14.11.2025 , 17:02 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob der Artikel jenseits der Parteistrategie nicht allzu optimistisch auf den Zustand der politischen Linken insgesamt blickt - denn wenn man den Kurs der Grünen und den Zustand der SPD berücksichtigt, sind die Umfragewerte der Partei Die Linke immer noch mau. Weder die Grünen, noch Linke oder BSW schaffen es, ein politisches Projekt zu formulieren, dass größere Wählerkreise anspricht. Die linke Mehrheit in Deutschland ist auf absehbare Zeit Geschichte und daran ändert auch ein klug geführter Wahlkampf nichts wesentliches. In Reineckes Artikel über liberale Denkfabriken wurde darauf hingewiesen, dass die Libertären wenigstens eine Zukunftsvision haben. Das gilt auch für andere Rechtspopulisten. Natürlich ist das eine Vision, die frei von Vernunft und Anstand ist - aber offenkundig attraktiver als die Ratlosigkeit in der Linken Hälfte des politischen Spektrums. Wie wir diesem Debakel entkommen, weiß ich auch nicht - aber vermutlich müssen wir uns viel grundsätzlicheren Fragen stellen als der Differenz von Grünen und Linken.
zum Beitrag13.11.2025 , 10:41 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob der Vergleich taugt: Es geht hier darum, Europa als Synonym für EU zu benutzen, nicht um rassistische Vokabeln. Aber unabhängig davon: ja, natürlich dürfen Sie diesen Sprachgebrauch kritisieren, aber es ging hier ja nicht darum, ihn zu hinterfragen, sondern ihn zu verstehen.
zum Beitrag13.11.2025 , 10:36 Uhr
Nun mag man sich umgekehrt fragen, ob es nicht auch die JG war, die ihren Redner falsch eingeschätzt hat: Stanley ist ja nicht spontan auf das Podium geklettert, sondern wurde eingeladen - und wer einen meinungsstarken politischen Philosophen einlädt, muss auch mit einer über Familiengeschichten hinausreichenden Reflexion rechnen.
zum Beitrag10.11.2025 , 16:20 Uhr
Der Artikel fordert doch gar keinen Auslandseinsatz, sondern lediglich ein Ende der strategischen Partnerschaft mit den VAE. Die EU (um diese geht es, nicht allein um D) hat im übrigen durchaus die Möglichkeit, politischen und wirtschaftlichen Druck auszuüben. Dass sie im Falle von Verbündeten darauf verzichtet, egal wie verbrecherisch diese agieren, ist kein Zeichen von Machtlosigkeit, sondern von Gleichgültigkeit.
zum Beitrag10.11.2025 , 09:12 Uhr
Wenn man das Konsumentenprinzip anlegt, führt das in allen Ländern zu dem von Ihnen genannten Effekt, genau das war ja mein Punkt. Und mit Punkt 2 weichen Sie dem eigentlichen Problem aus: dass es zu kurz greift, wenn man nur darauf achtet, wer CO2 produziert und nicht fragt, wessen Lebensstil dafür verantwortlich ist.
zum Beitrag10.11.2025 , 09:07 Uhr
Für "Europa" gilt dasselbe wie für "Deutschland": der Begriff bezieht sich offenkundig auf die jeweiligen politischen Entscheidungsträger, nicht auf jeden einzelnen Europäer. Das ist ein Sprachgebrauch, der Ihnen aus jeder Tageszeitung bekannt sein sollte. Wenn Ihnen routinemäßig Unterstellung vorgeworfen wird, liegt das nicht unbedingt an denen, die diesen Vorwurf erheben. Ab und an kann man auch den eigenen Diskussionsstil hinterfragen...
zum Beitrag09.11.2025 , 21:59 Uhr
Europa (womit im Artikel die EU gemeint ist) und Deutschland sind allerdings nicht nur die Summe individueller Einwohner, sondern Staaten bzw. ein Staatenbündnis, die durchaus in solche Geschäfte verwickelt sind (gerade Waffenexporte müssen genehmigt werden) und diese auch unterbinden können – neben etlichen anderen Wegen, Druck auszuüben (und zwar, anders als in manchen Kommentaren suggeriert, auch nicht-militärisch). Die gerne postulierte europäische Machtlosigkeit ist allzu oft eine bequeme Ausrede für das Nichtstun. Und unter uns: warum Sie Kritik daran, dass ein Staat, der in so massive Kriegsverbrechen verwickelt ist wie die VAE, auch noch von Europa hofiert und hochgerüstet wird, nicht hören wollen, entzieht sich meinem Verständnis. Was Sie als unerträglichen Moralismus empfinden, gilt anderen als elementarer menschlicher Anstand. Und zwar nicht nur akademischen Linken…
zum Beitrag09.11.2025 , 12:22 Uhr
Mir wäre diese dümmliche Rabulistik peinlich. Der Artikel kritisiert ganz konkret die (auch militärische) Unterstützung Deutschlands für den wichtigsten Förderer der RSF. Von Afrikanern insgesamt war dort nicht die Rede, genauso wenig wie von einer Kollektivschuld (außer vielleicht, Sie identifizieren sich so sehr mit der deutschen Regierung, dass Sie jede Kritik an dieser auf sich selbst beziehen - das ist dann aber nicht das Problem des Artikels). Es ist eigentlich nicht zuviel erwartet, dass man auf die Argumente eines Artikels eingeht, statt mit plumpen Unterstellungen um sich zu werfen.
zum Beitrag09.11.2025 , 10:56 Uhr
Nun unterstützen die meisten arabischen Staaten (genauso wie der Iran) die sudanesischen Armee und gerade Al Jazeera berichtet schon seit langem über die Verbrechen der RSF; die VAE stehen also in dieser Frage auch unter den arabischen Staaten eher allein. Ohnehin ist es billig, jedesmal mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es um die Mitverantwortung Europas für Verbrechen wie im Sudan geht. Ja, andere sind nicht unschuldig - macht das das eigene Fehlverhalten in irgendeiner Weise besser?
zum Beitrag09.11.2025 , 09:34 Uhr
Man kann, sowohl fr China als auch für Deutschland die Pro-Kopf-Emissionen nach dem Produzenten- und nach den Konsumentenprinzip berechnen. Meistens geschieht ersteres, wovon die Staaten profitieren, die dreckigere Industrien ins Ausland verlagert haben. Vergleicht man allerdings, wessen Konsumverhalten besonders CO2-intensiv ist... Aber das ist eigentlich Grundwissen.
zum Beitrag06.11.2025 , 16:51 Uhr
Nein, das heißt das nicht: von einer Gleichsetzung von Judentum und Israel habe ich nirgendwo gesprochen, sondern lediglich von einem Zusammenhang (der von vielen jüdischen Gemeinden selbst stark gemacht wird und das war ja der Punkt: wer seine Verbundenheit mit Israel erklärt, muss sich auf zu offenkundigen Kriegsverbrechen verhalten, die dieser Staat begeht). Das impliziert aber nicht, dass jede Kritik an Israel oder israelischen Institutionen und Personen auf deren Jüdischsein abzielt. Mi ein bisschen Differenzierungsvermögen versteht man das auch. Wenn Sie meinen, mir die Worte im Mund verdrehen und mich und andere Foristen diffamieren zu müssen, bitte - das ist aber nicht das Diskussionsniveau, auf das ich mich einlassen möchte.
zum Beitrag06.11.2025 , 11:32 Uhr
Sie argumentieren nicht, sondern bedienen eine perfide Diffamierungsstrategie, indem Sie mit Artikeln, in denen es gar nicht um Frazer geht, suggerieren, diese hätte die sexuelle Gewalt durch Hamas geleugnet. Ironischer Weise bestätigen Sie damit meinen Vorwurf: es geht Ihnen eben nur um Ihre eigene Meinungsfreiheit, nicht um die der Anderen.
zum Beitrag06.11.2025 , 09:07 Uhr
Das ist kein Widerspruch: Israel versteht sich als jüdischer Staat und pflegt enge Verbindungen zu vielen jüdischen Gemeinden in der Welt - insofern gibt es natürlich eine Verbindung von Israel und Judentum. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass jede Kritik an Israel, israelischen Institutionen oder Personen auf ihr Jüdisch-Sein abzielt. Im konkreten Fall ging es um die Kriegsführung in Gaza und die Haltung von Illouz dazu. Der Unterschied ist eigentlich nicht schwer zu verstehen und wäre ein Minimum, um sachlich über den NO-Konflikt zu diskutieren.
zum Beitrag05.11.2025 , 14:12 Uhr
Die von Illouz vorgeschlagene Fremdverwaltung ist kaum mit den alliierten Vorbehaltsrechten vergleichbar (nicht einmal mit der nur formalen Souveränität der DDR). Gaza war auch 2006 noch in einem so hohen Masse von Israel kontrolliert, dass es fast unisono (auch vom deutschen AA) als besetzt bezeichnet wurde (und ist ohnehin nicht separat von den übrigen besetzten Gebieten zu betrachten).
zum Beitrag05.11.2025 , 13:57 Uhr
Was die Ausladung angeht, bin ich ganz bei Ihnen, ich habe ja in meinem Ausgangspost geschrieben, dass ich Universitäten gerade für Orte halte, an denen man solche Kontroversen austrägt; meine Kritik hat sich lediglich auf die selektive Empörung bezogen. Die inhaltliche Kritik, die ich an Illouz habe, bleibt bestehen, auch und gerade in der Völkermord-Frage (im Zweifel für den Angeklagten gilt vor Gericht, nicht im politischen Diskurs): das Problem ist ja nicht allein, dass Illouz diese Kategorie nicht für passend hält (das wäre eine juristisch-technische Frage), sondern grundsätzlich Probleme hat, die israelische Strafexpedition und den Kontext der Besatzung als solche zu erkennen – und das ist nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein politisches und moralisches Problem.
zum Beitrag05.11.2025 , 13:02 Uhr
Da stimmt einfach nicht: Ausladungen sind gang und gäbe, sei es, weil Personen anstößige Meinungen vertreten oder einfach aufgrund von Kontaktschuld sind gang und gäbe. Das kann man bedauern (und noch einmal: ich habe die Ausladung von Illouz ebenso wenig begrüßt wie die anderer gecancelter Sprecher). Es ist aber unehrlich, daran nur Anstoß zu nehmen, wenn es den eigenen ideologischen Dunstkreis betrifft und auf das Jüdisch-Sein zu verweisen, obwohl die Gründe – wie ich mehrfach erklärt habe – andere sind. Mit Verlaub: Illouz hat es nicht schafft, sich klar von einem Völkermord zu distanzieren. Vielleicht überlegen Sie sich einmal, wem man hier Doppelmoral vorwerfen muss.
zum Beitrag05.11.2025 , 09:55 Uhr
Ihr Beitrag ist voller historischer Fehler: z.B. war El-Husseini kein SS-Gruppenführer und der Einfluss der Muslimbrüder in den meisten arabischen Staaten mehr als begrenzt (die saßen vor allem im Gefängnis, nicht in der Regierung). Sie machen denselben Denkfehler wie Illouz: Sie finden hundert Gründe, warum entweder die Palästinenser selbst oder andere muslimische Staaten am NO-Konflikt schuld sind und ignorieren das gewaltsame Agieren der Besatzungsmacht Israel (das auch schon vor dem Völkermord in Gaza in endlos langen berichten auch israelischer Menschenrechtsorganisationen hinreichend dokumentiert wurde). Über den geschmacklosen Nakba-Witz, den Sie sich erlauben, will ich mich gar nicht äußern. Eine gewisse Ironie hat das allerdings: Sie echauffieren sich über den „antisemitischen Postkolonialismus“ (ohnehin ein Strohmann für antiintellektuelle Ressentiments), verfallen mit Ihrer Schuldumkehr aber in klassisch-kolonialistische Deutungsmuster.
zum Beitrag05.11.2025 , 09:02 Uhr
Schlagen Sie doch einmal nach, wann die BRD bzw. die DDR gegründet wurden. Nicht erst 20-30 Jahre nach Kriegsende. Ohnehin ist die Analogie falsch, weil es im NO-Konflikt keine vergleichbar klare Rillenverteilung gibt - und das blendet eben auch Illouz aus, wenn Sie die Palästinenser unterziehen will und die Rolle Israels als Besatzungsmacht ignoriert.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:47 Uhr
Vielleicht lesen Sie einmal die Einlassungen von Illouz zum Gazakrieg und ihre "Lösungsvorschläge" für die Zeit danach (die sind sogar in diesem Forum zitiert, Sie müssen nur ein bisschen scrollen). Ich finde es normalerweise ärgerlich, dass Sie allzu bereitwillig auf Argumente verzichten und lieber mit Unterstellungen um sich werfen, hier bin ich aber glücklich darüber, illustriert dieser performative Selbstwiderspruch doch genau die Denke, die ich kritisiert habe.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:34 Uhr
Sie wiederholen nur, was ich bereits kritisiert habe: Illouz wurde nicht ausgeladen, weil sie jüdische und auch nicht, weil sie für eine Universität in einem jüdischen Staat arbeitet, sondern weil dieser Staat einen Völkermord begeht und Illouz sich davon bestenfalls halbherzig distanziert. Diesen Unterschied (den übrigens auch gängige Antisemitismus-Definitionen betonen) zu verstehen, wäre das Minimum für jede Diskussion über den NO-Konflikt.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:30 Uhr
Für die Ausladung gibt es tatsächlich keinen Grund. Die Grenze des Sagbaren wird durch das Strafrecht festgestellt, nicht durch persönliche Befindlichkeiten. Niemand hat das Recht, for anderen Meinungen beschützt zu werden, gerade nicht an einer Universität. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass es an Illouz nichts zu kritisieren gäbe - und nur das wollte ich mit dem verlinkten Artikel dokumentieren.
zum Beitrag04.11.2025 , 22:01 Uhr
Mit Ihrem bescheiden Rationalismus rennen Sie bei Theologen aber offene Türen ein. Ein Thomist würde genau auf dieser Grundlage für das Christentum argumentieren. Nicht das mich das überzeugt, aber rational sind meine Einwände dann auch nicht mehr - es bleibt ein unbewiesen akzeptierter Rest (den meinte ich mit Glauben, egal ob religiös oder nicht). Mit der Staatsräson hat das nichts zu tun, mit den GG (wieder etwas anderes) nur insofern es solche Fragen dem Einzelnen überlässt. Natürlich: manche (nicht alle) Absolutheitsansprueche passen nicht recht zu einer offenen Gesellschaft - aber die werden nicht nur und nicht von allen Religiösen erhoben. Und damit wären wir wieder beim Unterschied zwischen Nicht- und Anti-.
zum Beitrag04.11.2025 , 16:05 Uhr
Ich nehme an, Ihnen fällt nicht auf, wie rassistisch Illouz hier argumentiert: sie mutet den Palästinensern ohne mit den Wimpern zu zucken noch ein paar Jahrzehnte Fremdherrschaft zu und blendet die Rolle Israels im NO-Konflikt völlig aus - als gäbe es weder Besatzung, Siedlergewalt noch Völkermord und als wäre Israel nicht von bekennenden Rechtsextremisten regiert. Dass diese Mischung aus Paternalismus, ethnischem Überlegenheitsgefühl und Blindheit für die eigenen Verbrechen auch hier gut ankommt, wundert mich nicht: man gibt sich gerne liberal, glaubt aber immer noch an die Bürde des weissen Mannes.
zum Beitrag04.11.2025 , 14:13 Uhr
Ich fürchte, dass es sich der Artikel (und Illouz selbst) mit dem routinierten Antisemitismus-Vorwurf zu leicht macht: Ausgeladen wurden sie nicht, weil sie jüdisch ist, sondern weil sie für eine Universität in einem Staat arbeitet, der vermutlich gerade einen Völkermord begeht – und auch ihre (vorsichtige) Unterstützung für das militärische Vorgehen Israels dürfte eine Rolle gespielt haben. Dass Illouz eine der schärfsten Kritikerin Netanjahus ist, stimmt erstens nicht und tut auch nichts zur Sache. Es geht hier nicht um die Demokratie in Israel, sondern um den Umgang mit den Palästinensern. Illouz ist in diesem Punkt eine typische Liberale: Sie fordert Demokratie und Menschenrechte – aber eben nur für sich bzw. die eigenen Landsleute – für uns die Demokratie, für euch das Imperium. Der Artikel droht sich in denselben Widerspruch zu verwickeln: denn natürlich ist all das kein Grund Illouz auszuladen. Universitäten sind dazu da, Kontroversen auszutragen. Nur habe ich von Feddersen keinen Protest gehört, als z.B. Frazer ausgeladen wurde, propalästinensische Veranstaltungen verhindert und Proteste gewaltsam unterdrückt wurden. Freiheit, die als Privileg verstanden wird, ist keine.
zum Beitrag04.11.2025 , 13:58 Uhr
Die von Ihnen umrissene Position ist weder „Staatsräson“, noch ist sie rationalistisch. Rationalismus setzt keinen Anspruch auf Voraussetzungslosigkeit und Letzterklärung voraus (und nur damit könnte man das Element des Glaubens völlig verabschieden). Das wusste übrigens auch die Aufklärer – lesen Sie mal bei Kant nach. Vernunft kann sich ihrer Grenzen bewusst sein – im philosophischen Diskurs und im Alltag: der von Ihnen beschworenen offenen Gesellschaft ist es jedenfalls zuträglicher, wenn man die Möglichkeit nicht ausschließt, dass man selbst falsch liegen könnte, und lieber ein Nicht-X als ein Anti-Y ist.
zum Beitrag04.11.2025 , 13:36 Uhr
Was aber nur die halbe Geschichte ist: www.haaretz.com/op...-a5dd-ddfa274e0000
zum Beitrag03.11.2025 , 20:48 Uhr
Nun argumentieren die wenigsten Vertreter mit "Volks- und Rassenmerkmale ", sondern mit Konvention und Vergesellschaftlichung. Ob die allerdings ein "davor" hat, ist fragwürdig. Ihr Argument basiert im wesentlichen auf einem vulgär Rousseauismus, der eine vorkulturelle Menschennatur postuliert, aber nicht beweisen kann. Was Sie als Universalismus verkaufen wollen, ist nur ein verkappter Nationalismus, der keine andere Kultur neben sich dulden will - und damit gefährlich nah an die rassistischen Konzepte kommt, die Sie hier anderen unterschieben wollen.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:28 Uhr
Waren Sie auch auf einer Ausstellung über die Opfer der israelischen Strafexpedition in Gaza (sogar laut israelischen Einschätzungen c. 80 Zivilisten)? Oder haben Sie sich mit den Lebensumständen in den besetzten Gebieten vor 2023 befasst? Vermutlich nicht und genau diese selektive Empathie ist das Problem. Dazu gehört übrigen auch das selektive Kontextualisieren: denn daran, israelische Kriegsverbrechen mit dem Verweis auf Hamas zu rechtfertigen, haben Sie kein Problem. Eine Gewaltspirale versteht man nicht, wenn man nur die Gewalt der einen Seite sehen will und im konkreten Fall auch die grundsätzliche Assymetrie des Konfliktes ignoriert. Wer Leid nur anhand ethnischer Bruchlinien wahrnimmt, ist nicht moralisch, sondern rassistisch.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:20 Uhr
Ja, es ist kompliziert. Das ist allerdings keine "Ausflucht", sondern eine Wirklichkeit, die sich nicht auf rassistische Feindbilder reduzieren lässt.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:14 Uhr
Das ist, mit Verlaub, Unsinn: die Linke ist gar nicht in der Lage, Erinnerungen zu unterdrücken - mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass die grossen Medienhäuser, der Rundfunk oder auch die im Bundestag vertretenen Parteien von propalaestinensischen Aktivisten geleitet werden. Sie müssen nur eine Tageszeitung Ihrer Wahl aufschlagen, um an den 7.10. erinnert zu werden. Dass daneben auch das Entsetzen über Israels genozidale Kriegsführung artikuliert wird, hat dessen rechtsextreme Regierung sich selbst zuzuschreiben. Daran ändern auch die Vereinfachungen Müllers nichts (die keine NO-Expertin ist). Ohnehin ist es billig, anderen rechte Tendenzen zu unterstellen, wenn man sich selbst als Le Pen-Unterstuetzer geoutet hat...
zum Beitrag03.11.2025 , 08:06 Uhr
Ja, und Sie kennen die Lösung auch (jedenfalls wurde Sie Ihnen oft genug erklärt): dem Grundkonflikt lösen und das heißt ein Ende der Besatzung (die älter ist als Hamas) und die Gründung eines Palästinenserstaates in Gaza/WJL/OJ. Das wäre nicht nur rechtlich und moralisch geboten, sondern auch realpolitisch: oder glauben Sie, das es zur Deradikalisierung beträgt, wenn man die Palästinenser (die nicht weniger Mensch sind als Sie oder ich) weiterhin in Bantustans dahinvegetieren zu lassen? Die Opfer in Gaza immer noch mit der Aber Hamas-Masche erklären zu wollen, ist ohnehin wenig überzeugend: es ist hinreichend dokumentiert, dass die israelische Soldateska systematische Kriegsverbrechen begangen hat (vermutlich bis hin zum Völkermord) - teils durch Videos, die die Täter selbst in sozialen Medien verbreitet haben. Lesen Sie doch einmal, was (auch israelische) Menschenrechtsorganisationen darüber zu berichten wissen - diesmal kann niemand behaupten, er hätte nichts gewusst...
zum Beitrag02.11.2025 , 08:38 Uhr
Ich finde es bemerkenswert, dass Fanizadeh und sein ideologischer Umfeld gerne Linke als "autoritär" beschreiben, selbst aber wenig Anstoß an repressiven Maßnahmen nehmen, sofern diese der eigenen Agenda nicht zuwiderlaufen. Das gilt sowohl außenpolitisch (wenn man ganzen Völkern eine Bantustanexistenz zumutet, weil sonst ja Islamisten an die Macht kommen könnten) als auch innenpolitisch (ein kritisches Wort über das rechtsstaatlich äußerst fragwürdige Vorgehen gegen propalaestinensische Proteste habe ich noch nicht gehört). Dasselbe gilt für den lautstark verkündeten Universalismus, der immer nur der Feinderklärung dient, aber stets vergessen wird, wenn es um die Opfer der eigenen Seite geht. Damit wiederholt Fanizadeh natürlich nur, was seit jeher hiesige Praxis ist: er spricht von Freiheit, Universalismus etc., wenn es eigentlich nur um die eigenen Privilegien geht. Das ist eine "Stört unsere Party nicht, ihr Opfer"-Attituede, die erstaunlich FDP-konform ist, in der taz ist man aber eigentlich mehr Selbstreflexion gewöhnt. Die routinierte Fehlinterpretation Butlers macht das auch nicht besser.
zum Beitrag02.11.2025 , 07:58 Uhr
Das Verhältnis von Judentum und Israel ist doch etwas komplizierter als von Ihnen suggeriert. Zumal viele jüdische Verbände (darunter so wichtige wie der ZdJ) sehr dezidiert als Führsprecher Israels auftreten. Insofern ist es - nicht erst seit dem Völkermord in Gaza durchaus legitim auch eine Distanzierung von offenkundigen Verbrechen zu erwarten. Die scheußliche Komik, die darin mitschwingt, wenn Sie ressentimentgeschwaengerte Klischees über Araber verbreiten und gleichzeitig Kritik an antiarabischem Rassismus als "weinerlich" abtun, ist Ihnen vermutlich entgangen, passt aber leider in gängige Deutungsmuster... der Geist von 1904.
zum Beitrag01.11.2025 , 09:20 Uhr
Wenn Sie nicht gehört haben, dass sich Muslime vom IS distanziert haben, dürfe das an Ihnen liegen. Das haben nämlich nicht nur sämtliche deutsche Islamverbände gemacht, sondern auch islamische Autoritäten überall in der Welt. Ich weise auch gerne darauf hin, dass Idriz nicht gefordert hat, sich von Israel zu distanzieren, sondern vom Vorgehen der israelischen Regierung - die gerne behauptet, im Namen aller Juden zu sprechen und zu handeln und auch dezidiert religiös argumentiert. Wie verkürzt es ist, die Besatzungsmacht Israel allein als angegriffen Staat zu sehen und nicht als Mitverantwortlichen für eine Gewaltspirale, die nicht erst 2023 begonnen hat, wissen Sie vermutlich selbst.
zum Beitrag31.10.2025 , 19:59 Uhr
Dass Hamas israelische Soldaten angreift, legitimiert nicht die Ermordung von Medienschaffenden, die an diesem Angriff gar nicht beteiligt waren - und eine von Israel behauptete Hamas-Mitgliedschaft macht niemand zu legitimen Ziel. Es ist vorsichtig gesprochen verstörend, wie leichtwillig in diesem Forum palästinensischen Menschen das Lebensrecht abgesprochen wird...
zum Beitrag31.10.2025 , 19:54 Uhr
Ich würde dazu raten, sich erst einmal auf den eigenen Verstand zu verlassen und selbst über das Wirken von Idriz zu urteilen. Der gute Mann hat sich seit Jahren gegen Antisemitismus auch unter Muslimen und für den jüdisch-muslimischen Dialog engagiert. Ihm Antisemitismus abzudichten, weil er das Agieren der gegenwärtigen rechtsextremen Regierung in Israel kritisiert und von jüdischen Verbänden in Deutschland dasselbe erwartet, wie von muslimischen, nämlich den Mund aufzumachen, wenn Extremisten im ihrem Namen Verbrechen begehen, ist billig und selbst ein Zeichen ideologischer Verhärtung.
zum Beitrag29.10.2025 , 14:22 Uhr
Sie widersprechen sich hier selbst, wenn Sie einerseits zugeben, dass eine bloße Hamasmitgliedschaft keine außergerichtliche Hinrichtung rechtfertigt, andererseits aber Anstoß daran nehmen, dass ich und andere Foristen daran erinnern. Die Unterstellung, ich hätte Verständnis für den Angriff der Hamas geäußert, verbitte ich mir (der Hinweis auf eine Vorgeschichte ist etwas anderes: der NO-Konflikt hat nun einmal nicht 2023 begonnen). Ohne sind solche Whataboutisms ermüdend: in dem Artikel geht es um die Ermordung des Tontechnikers und seines Sohnes. Vielleicht schaffen Sie es, das zu verurteilen, ohne sich wieder in „Aber Hamas…“-Phrasen zu flüchten?
zum Beitrag29.10.2025 , 09:57 Uhr
„wer in Gaza mit Kamera, Stethoskop oder Kreide arbeitet, gilt per se als unschuldiger Zivilist“ Das ist eine geradezu groteske Beweislastumkehr. Müssen in Ihren Augen Palästinenser beweisen, dass sie kein todeswürdiges Verbrechen gegangen haben und sind andernfalls zum Abschuss freigegeben? Zur Realität gehört auch, dass die israelische Soldateska offenkundige Kriegsverbrechen immer wieder mit solchen unbelegten Behauptungen gerechtfertigt hat. Es gibt also gute Gründe, sich nicht darauf zu verlassen, wenn sie ihren Opfern eine Hamas-Mitgliedschaft andichtet (die ohnehin nicht ausreichen würde, um eine extralegale Hinrichtung während einer Waffenruhe zu legitimieren, bei der auch der achtjährige Sohn des Opfers getötet wird). Immerhin, in einem Punkt haben Sie recht: das Denken des letzten Jahrhunderts ist wieder zurück und Teile der deutschen Öffentlichkeit tanzen schamlos den Von Trotha…
zum Beitrag29.10.2025 , 08:52 Uhr
Noch einmal: dass das Opfer "Terrorist" war, behauptet dieselbe Truppe, die ihn gemeinsam mit seinem Sohn hingerichtet hat. Dass das mit einem Schulterzucken hingenommen wird, bestätigt genau , was ich gesagt habe: hier werden Menschenleben nach ethnischen Kriterien hierarchisiert - und die von Palästinensern nehmen einen erschreckend geringen Stellenwert ein. Das als beschämend zu bezeichnen, ist eigentlich noch eine sehr moderate Wortwahl...Nicht ich bin derjenige, der hier verharmlost.
zum Beitrag29.10.2025 , 08:46 Uhr
Die Opferzahlen in Gaza, die übrigens nicht von Hamas, sondern von dem dortigen Gesundheitsministerium stammen (oder behaupten Sie auch, dass ähnliche Verlautbarungen auf israelischer Seite vom Likud stammen?) werden weitgehend dokumentiert und werden nicht einmal von Israel in Frage gestellt. Hier geht es um einen konkreten Fall: die IDF hat waehteines Waffenstillstands einen Menschen, der gerade einer zivilen Tätigkeit gemeinsam mit seinem 8-jaehrigen Sohn hingerichtet - Sie verstehen vielleicht, warum es mir nicht genügt, wenn die Täter behaupten, ihr Opfer wäre Hamas-Mitglied gewesen?
zum Beitrag29.10.2025 , 08:38 Uhr
Selbst wenn man der IDF (die routiniert Medienschaffende ermordet und ihnen danach eine Hamas-Mitgliedschaft andichtet) in diesem Fall glauben will, würde das keine extralegale Hinrichtung inklusive seines Sohnes rechtfertigen. Die Schärfe der Kritik war also angemessen und es ist bedauerlich, dass der ZDF hier einzuknicken scheint. Das Verhalten vor allem der CSU ist in doppelter Hinsicht schändlich: weil es einer durchschaubaren politischen Agenda folgt und weil es von einer unsäglichen Gleichgültigkeit gegenüber palästinensischen Leben zeugt. Man wird den Eindruck nicht los, das Teile der deutschen Politik und Öffentlichkeit die Gelegenheit genießen, im Windschatten Israels den eigenen Rassenhass schamlos auszuleben.
zum Beitrag28.10.2025 , 20:53 Uhr
Ja, das es nicht meine war. Es ist wenig konstruktiv, ein Argument zu erfinden, um es dann zu widerlegen (zumindest dann nicht, wenn wir hier eine Diskussion führen und nicht nur parallele Selbstgespräche).
zum Beitrag28.10.2025 , 19:06 Uhr
Dass es sich um einen "Hamas-Terroristen" handelt, behauptet die IDF - also genau die Truppe, die für die extralegale Hinrichtung verantwortlich war und in ihrem genozidalen Krieg schon mehr als 200 Medienschaffende getötet hat. Ich erinnere gerne daran, dass palästinensischen Leben nicht weniger wert sind - und schäme mich dafür, das in diesem Land wieder erklären zu müssen.
zum Beitrag28.10.2025 , 19:00 Uhr
Nein, so einfach ist das nicht: denn erstens werden die Anschuldigen von eben der Truppe erhoben, die auch für den Mord verantwortlich ist und zweitens spricht seine Tätigkeit als Techniker eher gegen eine aktive Rolle in einer Hamas-Miliz (wir können uns vielleicht darauf einigen, das Menschen nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können). Der einzige, der relativiert, sind also Sie - und zwar sowohl den NS (mit Ihrem historisch schiefen NS-Vergleich) und zweitens eine extralegale Hinrichtung. Was soll das?
zum Beitrag28.10.2025 , 15:04 Uhr
Erstens ist das bisher nur eine Behauptung der IDF, die – wie so oft nach Morden an Journalisten und anderen Medienmitarbeitern allzu unkritisch von der deutschen Presse übernommen wird, und zweitens reicht auch hier eine einfach Mitgliedschaft nicht aus, erst recht nicht während einer Waffenruhe. Warum man allen Ernstes eine extralegale Hinrichtung verteidigt, entzieht sich meinem Verständnis.
zum Beitrag28.10.2025 , 15:04 Uhr
Ich weiß nicht, wie oft man das erklären muss, aber weder eine politische Haltung noch eine Mitgliedschaft rechtfertigt eine extralegale Hinrichtung. Dazu müsste Israel beweisen, dass es sich um einen aktiven (!) Kombattanten halten – und dass dieser gerade dabei war, die Waffenruhe zu brechen. Und von dem 8-jaehrigen Sohn haben wir hier noch gar nicht gesprochen. Die Frage ist eigentlich nicht, ob es sich hier um ein weiteres Kriegsverbrechen handelt – das ist offenkundig der Fall – sondern was Foristen dazu bewegt, das auch noch zu verharmlosen. Es fällt Teilen der deutschen Öffentlichkeit offenkundig schwer, Palästinenser als vollwertige Menschen wahrzunehmen, die nicht zum Abschuss freigegeben sind, sobald die IDF irgendetwas behauptet. Der routinierte NSDAP-Vergleich ist nicht nur historisch schief, sondern auch beweist auch nichts: sogar im 2. WK wären Morde an nicht kämpfenden Parteimitgliedern illegal gewesen und die Alliierten haben auch nie versucht, die NSDAP per Menschenjagt zu zerschlagen. Das Bedürfnis nach Projektion lässt aber auch tief blicken...
zum Beitrag28.10.2025 , 13:39 Uhr
Nun macht eine reine Hamas-Mitgliedschaft niemand zum Kombattanten – und einen Zivilisten (inklusive seinem Sohn!) während eines Waffenstillstandes zu töten ist und bleibt ein Kriegsverbrechen. Das in der deutschen Debatte eine angebliche – nur von einer notorisch durch Falschinformationen auffallenden Konfliktpartei behauptete - Hamas-Mitgliedschaft wichtiger ist als eine extralegale Hinrichtung, sagt leider allzu viel über deutsche Verhältnisse 2025 aus.
zum Beitrag26.10.2025 , 14:54 Uhr
Das ist nicht "unwahr", sondern eine Einschätzung, die sich auf ernstzunehmende Autoritären berufen kann. Es ist Dem Intendanten, mir und jedem anderen frei, noch vor einer Gerichtsentscheidungen Ereignisse zu bewerten - und aus Gründen, die ich oben erwähnt habe, ist das oft genug sogar nötig.
zum Beitrag26.10.2025 , 08:20 Uhr
Lesen Sie meinen Beitrag ganz, ich erkläre dort ja, warum das so ist (übrigens wüsste ich nicht, dass man bei anderen Kriegen und Krisen erst auf Gerichtsurteile wartet, bevor man Kritik übt). Befremdlich ist eher die Gleichgültig mit der auch manche Foristen auf dieses Menschheitsverbrechen reagieren.
zum Beitrag25.10.2025 , 17:15 Uhr
Ich finde diesen Artikel mehr als befremdlich - nicht zuletzt wegen des diffamierenden Tonfalls (Kritikern vorzuwerfen, es ginge Ihnen nur um Aufmerksamkeit oder Geld ist ziemlich platt und ad hominem). Und die Art und Weise, wie der Genozid-Vorwurf vom Tisch gewischt wird (im Falle Jelineks mit einer unsäglichen Kaltschnäuzigkeit) ist angesichts der Tatsache, dass dieser Vorwurf von unzähligen Experten, Menschenrechtsorganisationen, einer UN-Kommission und inzwischen sogar manchen europäischen Regierungen erhoben (und auch in teils ausführlichen Berichten begründet wird) wenig überzeugend. Dass noch kein Gerichtsurteil vorliegt, ist eine Ausflucht: schließlich will mit bedrohte Menschen retten, nicht (nur) später über die Täter urteilen. Die Völkermord-Konvention verpflichtet daher auch explizit dazu, Völkermord zu verhindern. Frieden und Versöhnung sind erstrebenswertes Ziele - das heißt aber nicht, dass man ein Menschheitsverbrechen schulterzuckend ad acta legt. Der Artikel bestätigt leider, was er bestreitet: dass es gerade im "deutschsprachigen Raum" nicht ohne Risiko ist, Israels Verbrechen in den besetzten Gebieten auch zu benennen.
zum Beitrag22.10.2025 , 22:06 Uhr
Die Ironie ist, dass Sie die Aussage des Autors gerade ungewollt bestätigen: Sie streiten über Klein. Mit letzterem haben Sie übrigens gemeinsam, dass Sie vermutlich nie eine Zeile von Mbembe gelesen haben. Aber offenkundig setzt man hierzulande auf Diffamierung statt auf Argumente, wenn ein afrikanischer Philosoph nicht staatsräsonierend genug ist. Das Land der Dichter und der Denker...
zum Beitrag22.10.2025 , 11:37 Uhr
Der 7.10. ist ebenso wie der Genozid in Gaza eine Folge des NO-Konflikts; das entschuldigt die Verantwortlichen nicht (weder rechtlich, noch moralisch), ist allerdings ein Kontext, ohne den man den sich wechselseitig steigernden Extremismus beider Seite und dessen katastrophale Folgen schlichtweg nicht verstehen kann. Und das ist das Problem des von mir kritisierten Zitats: es kontextualisiert einseitig – das Hamas-Massaker wird allein mit dem Fanatismus der Täter erklärt (ohne zu fragen, welche Faktoren diesen begünstigten), während der Völkermord (der keiner sein darf) als unvermeidbare Reaktion auf eine äußere Bedrohung gedeutet wird. Sie sehen das Problem eines solchen selektiven Blicks auf eine Gewaltspirale. Dazu gehört auch, wenn man hier von der Verfolgung der Juden seit 2000 Jahren spricht. Natürlich spielt diese historische Erfahrung für israelische Politik eine Rolle; aber davon abgesehen, dass die Palästinenser für sämtliche Pogrome der letzten 2000 Jahre verantwortlich, stellt man so schon mit der Wortwahl eine Täter-Opfer-Konstellation her, die dem NO-Konflikt nicht gerecht wird – zu dem eben auch Besatzung, Vertreibung und zuletzt wohl ein Völkermord gehören.
zum Beitrag22.10.2025 , 11:01 Uhr
Sie haben denselben Beitrag schon etliche Male gepostet, das macht Ihnen aber nicht besser: denn niemand hat Israel gezwungen, auf den 7.10. mit genozidalen Mitteln zu reagieren. Ihre Argumentation ist im Grunde genommen ebenso rassistisch wie antisemitisch: die Palästinenser tauchen nur als grundlos aufgehetzte Fanatiker auf, während Sie den Israel keine anderen Entscheidungsmöglichkeiten als den reflexhaften Griff zu enthemmter Gewalt zutrauen. Dass Sie in einem Völkermord vor allem ein Image-Problem sehen, macht das Ganze nicht besser.
zum Beitrag21.10.2025 , 18:49 Uhr
Hm, ich bin mir grundsätzlich nicht sicher, inwieweit man ostdeutsche Besonderheiten nicht mit der DDR erklären kann - ein erheblicher Teil der Menschen dort ist ja im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Aber das ist vielleicht eine Frage, die zu weit führt. Der Punkt, um den es mir geht, ist, dass die politischen Unterschiede ja viel, viel geringer werden, wenn man nach Milieus aufschlüsselt (die urbane junge Frau mit Hochschulabschluss wählt auch dort eher grün). Wir führen also allzu oft Ost/West-Debatten, wenn man eigentlich über Milieus sprechen müsste. Das ist aus Regierungssicht natürlich bequem - auf die DDR zu verweisen ist leichter als sich dem eigenen Versagen zu stellen - aber es verstellt den Blick auf die eigentlichen Ursachen eines leider an Zugkraft gewinnenden Rechtsextremismus. In Ost wie in West.
zum Beitrag21.10.2025 , 09:52 Uhr
Dem deutschen ÖRR Einseitigkeit zu Ungunsten Israels vorzuwerfen, hat beinahe eine gewisse Komik – die noch dadurch unterstrichen wird, dass Sie sich auf eine Zeitung berufen, der jede kritische Distanz zur israelischen Kriegs- und Besatzungspolitik fehlt (inklusive dem unsäglichen Artikel, in dem bestritten wurde, dass es in Gaza unschuldige Zivilisten gibt – gemeinhin nennt man so etwas Rassismus). Das von Ihnen verlinkte Zitat illustriert das ja auf geradezu groteske Weise: Da wird ebenso ignoriert, dass der NOI-Konflikt nicht am 7.10. begonnen hat, wie die Tatsache, dass die israelische Kriegsführung nach Ansicht etlicher Experten (und auch einiger europaeischer Regierungen) inzwischen genozidale Züge angenommen hat. Wer guten Journalismus fordert, kann nicht erwarten, das israelische Verbrechen ignoriert werden.
zum Beitrag20.10.2025 , 19:29 Uhr
Ich bin ein bisschen skeptisch, was den Fokus auf Ostdeutschland angeht: dabei wird allzu oft a, die ungleiche Sozialstruktur ausgeblendet (sobald man nach Milieus unterscheidet, werden die Unterschiede zwischen Ost und West viel geringer) und b, den virulenten Rassismus im Westen unterschätzt (die AfD hätte es auch allein mit westdeutschen Stimmen in den Bundestag Geschäft und das Sauerland liegt ja auch nicht in der ehemaligen DDR).
zum Beitrag20.10.2025 , 19:08 Uhr
Ich bilde mir ein, Ihnen schon einmal den Unterschied zwischen Etymologie und Semantik erklärt zu haben - Xenonphobie hat zwar dieselbe gr. Wurzel wie eine Phobie im psychologischen Sinne, aber eben nicht dieselbe Bedeutung. Ihre Rationalisierungsversuche fallen übrigens in klassisch rechtsextreme Erklärungsmuster - als wären deutsche Städte sauber und frei von Kriminalität, wenn man nur die Ausländer los wird. Den eigenen Rassenhass philosemitisch zu vermarkten, ist übrigens nicht nur perfide, sondern falsch: googeln Sie mal, woher der Attentäter in Halle kam...
zum Beitrag20.10.2025 , 17:55 Uhr
Zum historischen Bewusstsein gehört mehr als ein deutscher Tunnelblick - gerade mit Blick auf den NO-Konflikt. Die deutsche Presselandschaft hat sich in den letzten zwei Jahren vor allem durch eine beharrliche Zurückhaltung ausgezeichnet, Verbrechen bis hin zum Völkermord auch als solche zu benennen - selbst wenn Sie live übertragen und von den Tätern nicht einmal geleugnet wurden. Was daran vorbildlich sein soll, bleibt Ihr Geheimnis.
zum Beitrag20.10.2025 , 08:01 Uhr
Nein, dabei handelt es sich nicht um klassischen Antisemitismus: die Boykott-Aufrufe haben sich nicht gegen Juden gerichtet, sondern gegen Israelis (die beiden Kategorien zu vermischen, ist selbst antisemitisch) und unterscheiden sich in dieser Pauschalitaet auch nicht von ähnlichen Boykotten etwas gegen Südafrika in der Endphase der Apartheid oder Russland nach dem Angriff auf die Ukraine. Im übrigen spricht es auch Bände, wenn man an ein paar (teils nur geforderten) Ausladungen mehr Anstoß nimmt als an einem Völkermord.
zum Beitrag17.10.2025 , 08:29 Uhr
Ein kleiner Tipp: Wenn Sie anderen Foristen Positionen unterstellen, die diese gar nicht vertreten, ist das keine "Stilfrage", sondern schlicht und ergreifend eine Lüge. Die Taktik ist allerdings auch typisch...
zum Beitrag16.10.2025 , 22:26 Uhr
Ich fürchte, Sie haben meinen Punkt nicht ganz verstanden, den nämlich, dass hier reine Unterstellungen zu Implikationen erklärt werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das bewusst passiert oder sich die Schablonen in manchen Köpfen verselbständigen. In jedem Fall macht es jede konstruktive Diskussion unmöglich. Das Minimum wäre doch, Beiträge zu lesen und dann Gegenargumente zu formulieren. Wenn man die Positionen des Anderen einfach erfindet, kann man auch Selbstgespräche führen.
zum Beitrag16.10.2025 , 15:28 Uhr
Streng genommen war das keine Äußerung von Ratzinger, sondern Manuel II. Palaiologos-Zitat, das im Gesamtkontext der Rede auch einen anderen Sinn hatte als oft unterstellt (an der es einiges zu kritisieren gäbe, unter anderem die fragwürdige Kant-Interpretation, aber eben keine sonderliche Islam-Feindlichkeit). Und es trägt auch nicht zur Diskussion bei, wenn man die Diskussion um die Landesverfassung entweder auf den Islam zuspitzt (um den es gar nicht spezifisch geht) oder gleich mit überdimensionierten Szenarien (Abwicklung der Aufklärung – wobei ohnehin unklar ist, was Aufklärung eigentlich sein soll – sie mit Atheismus gleichzusetzen ist jedenfalls historisch falsch und philosophisch unterkomplex). Punkt ist, dass eine Landesverfassung einen möglichst weitreichenden gesellschaftlichen Konsens zum Ausdruck bringen sollte – und ob ein Gottesbezug heute noch diesem Anspruch gerecht wird, wage ich zu bezweifeln.
zum Beitrag16.10.2025 , 10:03 Uhr
Es ist erschreckend, aber leider bin ich darüber nicht überrascht: die Diskussionen der letzten zwei Jahre haben ja deutlich gezeigt, dass auch liberale und linke Milieus wenig Probleme mit Gewalt in genozidalem Ausmaß haben, wenn die Opfer Araber und Muslime sind. Rassistisches und kolonialistisches Gedankengut ist offenkundig nicht auf den rechten Rand beschränkt , die angebliche Mitte erlebt ihr geistiges 1904.
zum Beitrag15.10.2025 , 22:53 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie richtig verstehen, was das Wort "implizieren" bedeutet - ein kleiner Tipp: es meint nicht, dass man irgendetwas beliebiges in einen Beitrag halluziniert, um es dem Verfasser dann zum Vorwurf zu machen. Das Wort dafür ist "diffamieren" - und das fällt auf den Urheber der Vorwürfe zurück, gerade dann, wenn diese so offenkundig plump vorgeht.
zum Beitrag15.10.2025 , 22:06 Uhr
In dem Video sieht man eine nicht einmal besonders grosse Demonstration, nicht alle Einwohner Gazas...
zum Beitrag15.10.2025 , 21:33 Uhr
Lesen Sie den Artikel!
zum Beitrag15.10.2025 , 21:32 Uhr
Sagt eine UN-Kommission, etliche Menschenrechtsorganisationen, zahllose unabhängige Experten und sogar einige europäische Regierungen. Und davon abgesehen, dass ich nicht auf ein Urteil warten muss, um mir eine Einschätzung zu eigen zu machen, fordert die Völkermord-Konvention explizit dazu auf, Völkermord zu verhüten, nicht nur, ihn nachträglich juristisch aufzuarbeiten, d.h. es gibt sogar eine Verpflichtung, dem Urteil vorzugreifen. Und wenn mir eine persönliche Bemerkung erlaubt ist: Sie kennen die Bilder und Berichte aus Gaza und haben gehört, was israelische Politiker gesagt haben: wie kann man angesichts dieses offen artikulierten und durchexerzierten Vernichtungswillens noch die Augen verschließen?
zum Beitrag15.10.2025 , 18:57 Uhr
Die Bilder, die belegen, dass wirklich alle Bewohner Gazas auf den Straßen getanzt haben, würde ich gerne sehen. Aber selbst wenn das so wäre, würde es den Schutzstatus von Zivilisten nicht aufheben. Einen Völkermord als pädagogische Massnahme zu umschreiben, ist selbst für dieses Forum überraschend menschenverachtend.
zum Beitrag15.10.2025 , 15:08 Uhr
Ihr Beitrag ist auf eine schreckliche Weise komisch, weil Sie offenkundig übersehen, dass man die ganze Argumentation auch einfach auf den Kopf stellen könnte: Ihre rechtsradikale Regierung haben die Israelis nämlich auch selbst gewählt (und nicht zuletzt 2006, d.h. zu einem Zeitpunkt, an dem ein erheblicher Teil der Bevölkerung Gazas noch gar nicht geboren war…). Ähnliches gilt für die unsägliche Einlassung: „Die Palästinenser haben Krieg gewählt und ihn bekommen.“ Denn damit rechtfertigen Sie nicht nur schwerste Kriegsverbrechen bis hin zum Völkermord mit einem plumpen „selber schuld“, sondern machen genau den Fehler, den Sie anderen mit Blick auf die Palästinenser vorwerfen: Sie sprechen den Israelis die Verantwortung für ihr eigenes Handeln – und auch für die eigenen Verbrechen – ab. Ich kann Ihnen nur ein weiteres Mal dazu raten, ein seriöses Buch über den NO-Konflikt zu lesen – so einfach, wie Sie sich die Welt vorstellen, ist sie nun einmal nicht. Bewusstseinsarbeit steht an.
zum Beitrag15.10.2025 , 14:42 Uhr
P.S. Sie gehen weder auf den Artikel oben noch auf den Beitrag aus dem Guardian inhaltlich ein. Also, raus mit der Sprache: Was sagen Sie denn dazu, dass in israelischen Gefängnissen offenkundig Menschen zu Tode gefoltert wurden? Egal, solange das Araber sind?
zum Beitrag15.10.2025 , 14:39 Uhr
Eine der angesehensten liberalen Tageszeitungen als antisemitisch zu diffamieren, weil sie kritisch (wie auch sonst?) über den Völkermord in Gaza berichtet, ist ziemliche plump (und im Kern auch antisemitisch – Sie setzen Netanjahu und seine rechtsextreme Bande mit „den Juden“ gleich, von denen nicht wenige selbst gegen Israels Kriegs- und Besatzungspolitik protestieren. Unhinterfragt israelische Regierungspropaganda nachzuplappern ist jedenfalls auch nicht sehr reflektiert (und als bekennender Le Pen-Unterstützer sollte man ohnehin keine allzu dicken Bretter bohren…).
zum Beitrag15.10.2025 , 08:16 Uhr
Sie merken vielleicht, wie deplatziert dieser Kommentar unter einem Artikel wie dem obigen ist... Auf welcher Seite stehen Sie denn? Auf der, in deren Gefängnissen Menschen zu Tode gefoltert werden?
zum Beitrag15.10.2025 , 08:12 Uhr
Wie man auf die Idee kommen kann, dass ein Ende des Völkermordes in Gaza "nichts wert" sei, entzieht sich meiner Vorstellungskraft (und ich meine auch, mich zu erinnern, Sie schon einmal darauf hingewiesen zu haben, dass der NO-Konflikt älter als Hamas und durchaus auch eine Folge israelischer Politik ist). Aber in diesem Artikel geht es ja nicht um den NO-Konflikt in toto, sondern konkret um die Haftbedingungen in israelischen Gefängnissen - und wenn Ihnen zu Berichten über Folter und Tote in israelischer Haft nichts besseres einfällt als "auf den Photos sind aber nur Männer", dann lässt das tief blicken...
zum Beitrag14.10.2025 , 21:39 Uhr
Warum hat denn in Ihren Augen Trump Druck auf Israel ausgeübt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er plötzlich sein Gewissen entdeckt hat. Entscheidend dafür war die Stimmung in seiner Basis und der zunehmende Ärger verbündeter Staaten (die teils wiederum die Bevölkerung im Nacken hatten, von den Streiks in Italien z.B. haben Sie vielleicht gehört). Sogar Trump hat verstanden, dass er die Weltöffentlichkeit inklusiver seiner eigenen Anhänger nicht völlig ignorieren kann. Dafür, dass Gaza nicht aus den Schlagzeilen verschwinden wird, werden übrigens nicht nur die freigelassen Palästinenser sorgen, sondern auch eine rechtsextreme israelische Regierung, die sich selbst nach ihrem Völkermord in Gaza noch weigern wird, das zugrundeliegende Problem zu lösen - und das ist und bleibt die Besatzung.
zum Beitrag14.10.2025 , 13:49 Uhr
Das stimmt und ich fürchte, man darf sich keine Illusionen machen: für einen erheblichen Teil des politischen Establishments in der EU war das Problem nicht der Völkermord in Gaza, sondern der dadurch verursachte Image-Schaden. Der Trump-Plan, der weder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht noch eine wirkliche Perspektive für einen Palästinenser-Staat aufzeigt, trägt genau dieser Haltung Rechnung. Man will, dass Gaza wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. Was dann mit den Menschen dort passiert, interessiert nicht.
zum Beitrag13.10.2025 , 22:00 Uhr
Warum es nicht als Argument taugt, "Kulturrelativismus" zu rufen, habe ich Ihnen schon mehrfach erklärt (Universalismus muss man begründen, nicht nur behaupten und das ist ziemlich schwierig: dass Ihre Werte Universal gültig sind, behaupten Islamisten auch!). Aber davon abgesehen ist ihr Argument widersprüchlich: auf der einen Seite gehen Sie davon aus, dass die Palästinenser sich ein nach Ihren Maßstäben "freies" Leben wünschen, aber gleichzeitig wollen Sie sie nicht selbst über ihre Belange entscheiden lassen. Sie sehen dass das nicht zusammenpasst?
zum Beitrag13.10.2025 , 19:03 Uhr
Normalerweise ignoriere ich Beiträge ohne argumentative Substanz einfach, aber diese Unterstellungen ärgern mich. Das habe nicht ich impliziert, sondern Sie erfunden und mir in den Mund gelegt. Sie dürfen mir gerne widersprechen, aber bitte hören Sie auf zu lügen.
zum Beitrag13.10.2025 , 16:34 Uhr
P.S. Von einer „erpresserischen Erzwingung völkerrechtskonformen Verhaltens“ zu sprechen, ist grundsätzlich eine groteske Verdrehung, aber im konkreten Fall besonders deplatziert: die Völkermordkonvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten explizit dazu, Völkermord nicht nur nachträglich zu sanktionieren, sondern zu verhüten. Deutschland hat hier also auch in grober Weise eigene Pflichten verletzt. Diese Komplizenschaft in einem der größten Verbrechen dieses Jahrhunderts sollte Sie empören, nicht eine Kleinstdemo in Berlin.
zum Beitrag13.10.2025 , 15:59 Uhr
Das Ja/Nein-Spielchen haben Sie angefangen, nicht ich; ich habe auf konkrete Falschaussagen in Ihren Beiträgen hingewiesen, etwa die, dass el-Husseini Mitglied der Muslimbruderschaft gewesen wäre. Ihre Fragen haben damit nur peripher zu tun, wurden teils von mir bereits beantwortet und sind nicht immer nicht präzise formuliert (was heißt schon „eng verbunden“ – sie waren weder Mitglied derselben Organisation, noch waren Ihre Ideologien deckungsgleich). Auf Neudeutsch heisst das, glaube ich, derailing.
zum Beitrag13.10.2025 , 11:54 Uhr
Sie flüchten sich wieder ins Vage: Tatsache ist, dass el-Husseini kein Muslimbruder war und keine Rolle bei der Gründung von Hamas gespielt hat.
zum Beitrag13.10.2025 , 08:09 Uhr
Bitte lesen Sie genauer: ich habe nirgendwo geschrieben, dass Sie den NS-Bezug hergestellt haben, sondern dass die überproportionierte Rolle, die el-Husseini im NO-Diskurs spielt, diese Funktion hat (was Sie ja auch an dem Beitrag sehen mit, an dem sich diese Diskussion entzündet hat). Und ihr Verweis auf den Ursprung von Hamas ändert nichts daran, dass es den direkten Zusammenhang el-Husseini/Hamas einfach nicht gibt: el-Husseini war kein Muslimbruder, nicht an der Gründung von Hamas beteiligt und unterscheidet sich auch ideologisch in verschiedenen Punkten von ihr. Die Unterstellung, ich würde den Extremismus von Hamas ausblenden, verbitte ich mir, man muss aber den Nährboden verstehen, auf dem Hamas groß geworden ist - und das ist nun einmal die Besatzung.
zum Beitrag12.10.2025 , 17:55 Uhr
Mit keinem von beiden, bedauerlichweise – aber das war nicht das Thema und das wissen Sie auch. Ich fürchte also, das nicht ich derjenige bin, der verharmlost, sondern diejenigen, die nach wie vor die Augen davor verschliessen, was die letzten zwei Jahre geschehen ist: ein Völkermord, begangen vor den Augen der Weltöffentlichkeit, mit einer weitreichenden politischen und medialen Unterstützung aus Deutschland, verbunden mit einem unerhörten Angriff auf demokratische Grundrechte. Also noch einmal: wieso sollte ein wütender Jugendlicher, der Hamas-Parolen ruft, verwerflicher sein, als ein Journalist oder ein Politiker, der das Morden in Gaza – vielleicht eloquenter - schönredet? Moral, werter Forist, misst sich nicht am Grad der Übereinstimmung mit der deutschen Regierungspolitik.
zum Beitrag12.10.2025 , 17:47 Uhr
Ich habe Ihnen nirgendwo unterstellt, dass Sie die Grüdung der MB auf el-Husseini zurückgeführt hätten. Mein Einwand galt lediglich der Behauptung, er wäre Mitglied der MB gewesen bzw. es gäbe eine direkt Verbindung zwischen ihm und der Gruendung von Hamas. Die Aussage, er und al-Banna wären „Brüder im Geiste“ gewesen, ist mir zu unspezifisch: natürlich hatten sie partiell übereinstimmende Ansichten (aber eben nur partiell!), das macht el-Husseini aber nicht zum Muslimbruder. Der NS-Bezug war von Anfang an mein Thema, weil er erklärt, warum die Figur el-Husseini in den letzten Jahren wieder so viel Aufmerksamkeit erfährt: nicht, weil er tatsächlich so eine Schlüsselfigur für den NO-Konflikt wäre, sondern weil er sich propagandistisch ausschlachten lässt: auf einmal sind die Palästinenser kein entrechtetes Volk mehr, dass seit Jahrzehnten unter einer ziemlich brutalen Besatzung leiden muss, sondern Wiedergänger der Nazis, gegen die jeder Gewalteinsatz gerechtfertigt ist. Ziemlich perfide, finden Sie nicht?
zum Beitrag12.10.2025 , 13:28 Uhr
Ich weiss nicht, woher Sie diese Information haben, sie stimmt aber nicht - el-Husseini war kein Muslimbruder. Dass letztere schon vor der Gründung von Hamas in Palästina existierten, stimmt zwar, aber das ändert nichts daran, dass es mindestens verkürzt ist, deren Entstehung unmittelbar auf el-Husseini zurückzuführen. Übrigens: Sie schreiben ja selbst, dass der NO-Konflikt bereits vor 1948 begann - und auch schon in dieser Zeit war die Gewalt durchaus wechselseitig. Das wird mit der propagandistischen Fixierung auf el-Husseini und seine NS-Verbindungen ausgeblendet.
zum Beitrag12.10.2025 , 11:32 Uhr
Ihr argumentatives Pingpong ändert nichts an der von mir angesprochenen selektiven Wahrnehmung von Radikalisierungsprozesses. In dieser Muster passt auch der Unwille offenkundig rassistische Äußerungen und obrigkeitsstaatliches Agieren in einer rechtlichen Grauzone (oder sogar darüber hinaus) auch nur wahrzunehmen. Nun ist eine solche partielle Blindheit in politischen Kontroversen üblich, hier aber besonders problematisch, weil die Assymetrie der beiden Parteien so eklatant ist: auf der einen ein paar wütende, meist jugendliche Aktivisten, auf der anderen ein erheblicher Teil der politischen und medialen Eliten, die einem Völkermord (teils ad litteram) Schützenhilfe leisten. Die juristische Aufarbeitung dieses Skandals bleibt internationalen Gerichten überlassen (ich erinnere an das laufende Verfahren gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord), politisch hat das Pro-Israel-Lager und das ideologische Milieu, in das es eingebettet ist verloren: man kann sich einfach nicht glaubwürdig über ein paar Parolen auf einer 3000-Leute Demo empören, wenn man zu Gazas Killing fields schweigt.
zum Beitrag11.10.2025 , 16:03 Uhr
El-Husseini war kein Mitglied der Muslimbruderschaft und ist vor der Gründung von Hamas gestorben. Und es ging auch nicht darum, durch welche Meinungen er aufgefallen ist, sondern wie groß seine Rolle für den NO-Konflikt tatsächlich war - und die ist, wie ich erklärt habe, kleiner als oft behauptet. Wenn Sie mir widersprechen wollen, müssen Sie das historisch begründen, statt mir reflexhaft Relativierung zu unterstellen.
zum Beitrag11.10.2025 , 13:51 Uhr
Die Ironie an Ihrer Argumentationsschablone ist, dass man Sie genauso gut umdrehen könnte: Sie reden rassistische und gewaltverherrlichende Einlassungen auch einflussreicher proisraelischer Akteure klein und ignorieren ein staatliches Durchgreifen gegen legale Meinungsäußerungen, obwohl sogar Gerichte (erstaunlicherweise meist erst in höheren Instanzen) hier Polizei und Staatsanwaltschaft immer wieder zurückpfeifen mussten. Und hinter dem Hinweis auf diese Assymetrie wittern Sie Radikalismus (fallen Ihnen die Parallelen zu Zuständen jenseits des Atlantiks auf?). Genau das macht den Extremismus der Mitte so besonders unehrlich: dass er sich auch dann, wenn seine Rohheit für alle offensichtlich ist, noch als Gralshueter von Mäßigung, Demokratie und Rechtsstaat inszeniert.
zum Beitrag11.10.2025 , 09:17 Uhr
Nun könnten Sie sich nicht zuletzt in der taz über die öffentliche Meinung in Israel informieren - die Radikalisierung bis hin zur breiten Unterstützung für genozidale Maßnahmen kann man kaum übersehen (übrigens: die gegenwärtige rechtsextreme Regierung wurde schon vor den 7.10. gewählt); und die rechtliche Aufarbeitung von Kriegsverbrechen (die längst keine Ausnahme mehr sind, sondern systematisch begangen werden), hat bisher auch kaum Folgen gehabt. Israel hat in Gaza vermutlich einen Völkermord begangen - wie viel radikaler kann man sein?
zum Beitrag10.10.2025 , 20:50 Uhr
Nun ist mein Beitrag keine Antwort auf den Artikel, sondern auf Zartbitter und das Aufzeigen von partiellen Blindheiten diskreditiert sich nicht selbst. Und was den Sachgehalt angeht: von IDF-T-Shirts über Zeitungsartikel, sie Gazas Bevölkerung eine Kollektivschild unterstellen bis hin zu Melonen-Cocktails hat es auch im Pro-Israel-Lager nicht gefehlt, das ganze flankiert mit Polizeigewalt, fragwürdigen Prozessen (steht auch in der taz) und schwarzen Listen unliebsamer Wissenschaftler... Asymmetrisch ist die Radikalisierung also nur, wenn man sie partiell ausblendet (und noch dazu ihren bedrohlicheren Teil: 300 Demonstranten haben keine Macht, der Teil der deutschen Eliten, det offenbar bereit ist, sich zum Komplizen in einem Völkermord zu machen, allerdings schon).
zum Beitrag10.10.2025 , 14:52 Uhr
Es ist ermüdend, das jedes Mal wieder erklären zu müssen, aber in Ihrer schiefen historischen Analogie fehlen Vertreibung und Besatzung, unter denen die Palästinenser schon vor dem gegenwärtigen Krieg zu leiden hatten; statt die alten Schulbuch-Mythen wieder auszugraben und so bequemerweise die Besatzungsmacht Israel von aller Verantwortung freizusprechen, wäre es vielleicht sinnvoll, den Palästinensern eine Existenz in einem eigenen Staat und nicht nur in Bantustans zu ermöglichen (von einer juristischen Aufarbeitung des Völkermords in Gaza wage ich nicht zu träumen). Dass gerade deutsche Foristen mit NS-Analogien so schnell bei Hand sind, ist befremdlich, aber nicht überraschend – Projektion als Entlastung…
zum Beitrag10.10.2025 , 14:04 Uhr
Die MLPD ist allerdings eine kleine und isolierte Sekte, die weder in der Linken im Allgemeinen noch in der Palästinena-Solidaritaet eine nennenswerte Rolle spielt (und das vermutlich nicht einmal will: die haben mehr mit Reenactment zu tun als mit Politik...)
Was el-Husseini angeht: natürlich gibt es Verbindung, aber auch hier stellt sich die Frage der Relevanz: weder war er für den NO-Konflikt maßgeblich verantwortlich noch für dessen Fortdauern. Junge Palästinenser, die sich heute extremistischen Gruppen anschließen, machen das nicht, weil sie von el-Husseini beeinflusst sind, sondern als Reaktion auf ihre konkreten Lebensumstände. Und genau da liegt der Hund begraben: el-Husseini wurde in den letzten Jahren wieder ausgegraben, um die Palästinenser in die Nähe der Nazis zu rücken und von der israelischen Mitverantwortung für den NO-Konflikt abzulenken. Dass das gerade in Deutschland verfängt, ist auffällig...
zum Beitrag10.10.2025 , 08:11 Uhr
Die Frage ist, wie viel bösen Willen man der Staatsanwaltschaft zutraut. Denn in gewisser Hinsicht war sie ja erfolgreich: wenn man Menschen vor Gericht zerrt, schüchtert man sie ein, auch wenn absehbar ist, dass am Ende ein Freispruch war. Traut man der Staatsanwaltschaft also zu, dass genau das ihr Ziel war - Einschüchterung und Selbstzensur - dann war das Verfahren ein voller Erfolg.
zum Beitrag09.10.2025 , 20:25 Uhr
Der Vorwurf fällt letztlich auf Sie zurück: denn in Ihrer Darstellung ist Israel geradezu willenslos und dazu gefunden Krieg so zu führen, wie in den letzten zwei Jahren. Und das stimmt einfach nicht: es mangelt nicht an Beweisen, das Israel gezielt auf Zivilisten (auch auf Kinder) geschossen, Hunger als Waffe eingesetzt und Journalisten ermordet hat. Die Liste ließe sich fortsetzen; inzwischen sprechen sogar europäische Regierungen von einem Völkermord. Das kann man einfach nicht mit dem routinierten "aber Hamas" kleinreden. Für Israels Verbrechen ist Israel verantwortlich.
zum Beitrag09.10.2025 , 16:26 Uhr
Sie merken, dass man mit genau demselben Argument auch das Massaker der Hamas kleinreden könnte?
zum Beitrag09.10.2025 , 16:23 Uhr
Der chinesische Umgang mit den Uiguren wird seit Jahren regelmäßig kritisiert; umgekehrt ist der NO-Konflikt vor dem 7.10. ja auch eher zu einem Nebenthema geworden. Man kann also bestenfalls von einer gegenwärtig ungleichen Aufmerksamkeit sprechen, die einer akuten Krise geschuldet ist. Sollte die chinesische Regierung beschließen, ganze Städte in Xinjiang auszulöschen und Zehntausende Menschen zu töten, würde sich das vermutlich ändern. Davon absehen: Doppelstandards sind nicht „antisemitisch“, sondern menschlich: unsere Wahrnehmung ist von Interessen und Sympathien gesteuert. Denselben Vorwurf könnten Sie mit ein paar geschickt gewählten Beispielen auch dem Pro-Israel-Lager machen. Nur ändert das nichts an den Tatsachen: Israel hat Gaza Verbrechen begangen, die vermutlich die Grenze zum Völkermord überschreiten. Das wird nicht besser, wenn man auf China, Myanmar oder den Sudan verweist.
zum Beitrag09.10.2025 , 14:21 Uhr
Fordern Sie auch eine Deradikalisierungen für diejenigen, die hier in Deutschland den Völkermord in Gaza relativieren oder beklatschen? Und für diejenigen, die ihre politische Macht missbrauchen, um Protest zu unterdrücken und kritische Stimmen einzuschüchtern? Oder ist es wieder nur der Extremismus der Anderen, an dem man Anstoß nimmt?
zum Beitrag09.10.2025 , 10:11 Uhr
Es bleibt Ihr Geheimnis, warum eine Bäckerin mehr vom NO-Konflikt verstehen wollte ein Professor und im Grunde könnte man über diese Demonstration des Dunning-Kruger-Effekts lachen, wenn sie nicht so gefährlich wäre: wohin antiintellektuelle und wissenschaftsfeindliche Ressentiments führen, sieht man gegenwärtig in den USA: Niemand mag es, von gebildeteren Menschen über die eigene Unwissenheit aufgeklärt zu werden, aber das ist nicht zuletzt der Sinn und Zweck von Universitäten.
zum Beitrag08.10.2025 , 22:17 Uhr
Warum die Analogie zum 2. WK schief ist, wurde nun wirklich oft genug erklärt, aber ganz unabhängig davon, wäre angesichts von über 60000 Toten (davon sogar nach israelischen Angaben mindestens 80% Zivilisten) Mitleid eine normale menschliche Reaktion. Was Foristen dazu bewegt, angesichts solchen Elends - und angesichts offenkundiger Kriegsverbrechen - noch ihre Empathielosigkeit zu Protokoll zu geben, verstehe ich nicht recht; offenkundig erleben die lautstärksten Verteidiger westlicher Werte gerade ihr inneres 1904. Das ist ebenso erschreckend wie lehrreich.
zum Beitrag08.10.2025 , 21:36 Uhr
Den Linken, die heute gegen den Völkermord in Gaza demonstrieren, eine Nähe zu Stalin, Mao oder Pol Pot zu unterstellen, ist schon allein deshalb absurd, weil die meisten von denen zu Zeiten, als die Genannten für die hiesige linke Szene eine Rolle gespielt haben, noch nicht einmal geboren waren. Im übrigen können Sie das Morden der israelischen Armee in Gaza nicht als Automatismus mit dem Verweis auf den 7.10. rechtfertigen; denn abgesehen davon, dass Sie damit nicht anders argumentieren als tatsächlich Hamas-Apologeten, sprechen Sie den Israelis damit auch die eigene moralische Urteilsfähigkeit ab und reduzieren sie auf eine reine Reflexhaftigkeit. Für seine Taten ist man selbst verantwortlich, und ein Völkermord kann nicht mit "aber Hamas" relativiert werden. Dass Sie die Rolle el-Husseinis für den NO-Konflikt überhöhen habe ich ja schon mehrfach erklärt und unter uns: mit Nazi-Vorwürfen sollte man sich zurückhalten, wenn man sich kurz vorher als Le Pen-Sympathisant geoutet hat.
zum Beitrag08.10.2025 , 19:48 Uhr
Ich fürchte, dass Sie hier ein wenig am Punkt vorbei argumentieren: Bax fordert ja nicht, dass Israelis bzw. Juden auch um die palästinensischen Opfer trauern (was manche übrigens auch öffentlich machen), sondern kritisiert, dass in der deutschen (!) Erinnerungspolitik kein Platz für Palästinenser ist; der Adressat ist also ein anderer.
zum Beitrag08.10.2025 , 19:44 Uhr
Soso, der deutsche Staat soll sich also nicht um palästinensische Opfer kümmern, weil das den hier gehegten Ressentiments gegen Muslime zuwiderlaufen würde?
zum Beitrag08.10.2025 , 19:42 Uhr
Hier weichen Sie meinem Punkt aus: dem nämlich, dass es kein offizielles Gedenken an die Opfer in Gaza gibt (unter denen übrigens auch deutsche waren). Der Einwand, dass es keinen Tag ohne Raketen gab, ist genauso verkürzt: es gab ja auch keinen Tag ohne Besatzung, über deren schreckliche Folgen sämtliche relevanten Menschenrechtsorganisationen regelmäßig berichten - ohne Folgen. Und hier wird die Asymmetrie deutlich: wir betrauern israelische Opfer, keine palästinensischen, wir verurteilen palästinensische Gewalt, keine israelische - und vergessen dabei, wer Besatzungsmacht ist, und wer unter der Besatzung leidet. Wie gesagt: hier werden Rechte und Leben hierarchisiert.
zum Beitrag08.10.2025 , 14:40 Uhr
Eine Kollektivschuld allein aufgrund ethnischer Zugehörigkeit zu konstruieren, ist nicht nur bodenlos rassistisch, sondern bedient genau dieselben Argumentationsmuster, mit der Hamas das Massaker an israelischen Zivilisten gerechtfertigt hat.
zum Beitrag08.10.2025 , 13:34 Uhr
Sie merken vielleicht, dass Sie mir hier implizit recht geben: wer einen Staat anerkennt, findet sich mit seiner de facto-Regierung ab; in Palästina ist das nun einmal die Autonomiebehörde. Dass die nicht demokratisch legitimiert ist, versteht sich von selbst, allerdings hat Frankreich (genau wie Deutschland) diplomatische Beziehungen zu allen möglichen Staaten, deren Regierungen nicht demokratisch gewählt sind und deren Rückhalt in der Bevölkerung mehr als fraglich ist. Das übrigens zu Recht: beliebige Staaten zu demokratisieren, ist schlicht und ergreifend nicht die Aufgabe französischer deutscher Außenpolitik (und liegt auch außerhalb des Möglichen). Auch das gehört zur Selbstbestimmung. Daher – und hiermit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück, ist die Anerkennung eines Staates eben nicht durch ein Mitspracherecht in dessen innere Angelegenheiten bedingt.
zum Beitrag08.10.2025 , 09:45 Uhr
Allerdings wird den palästinensischen Opfern – sei es denen der Jahrzehnte währenden Besatzungspolitik oder denen des Genozids in Gaza – von offizieller Seite auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres nicht gedacht. Und genau um diese offizielle Seite geht es, denn die Proteste sind ja kein Ausdruck deutscher NO-Politik, sondern des Unmuts über diese. Für die politischen Teilen und leider auch für einen nicht unerheblichen Teil der allzu opportunistischen Hauptstadtpresse sind palästinensische Opfer kaum mehr als ein paar routinierte Phrasen wert. Und diese Hierarchisierung menschlichen Lebens durch das offizielle Deutschland kritisiert Bax zurecht.
zum Beitrag07.10.2025 , 18:39 Uhr
Nun machen Sie ein anderes Fass auf, nämlich die Frage nach dem Kopftuch im öffentlichen Dienst. Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, ich erinnere aber daran, dass Deutschland zwar ein säkularer Staat ist, aber keiner, der sich der Freiheit von Religion bzw. deren Verdrängung aus dem öffentlichen Raum verschrieben hat. Und sogar ich als Atheist sage: Gott sei Dank. Dem Staatsatheismus wohnt selbst etwas autoritäres inne, obwohl seine Anhänger das gerne übersehen. Natürlich: wenn man Religionslosigkeit als Naturzustand versteht und Glauben als Verblendung, muss man wohl so denken. Mir persönlich ist aber der Anspruch, Menschen auf ein hypothetischen Wesen hin zu dressieren, zutiefst unheimlich.
zum Beitrag07.10.2025 , 10:32 Uhr
Ich habe durchaus verstanden, was Sie meinen und es ist und bleibt falsch, weil Sie zwei separate Fragen miteinander verbinden, nämlich die Anerkennung und die Verfasstheit eines Staates; beides hat schlicht und ergreifend nichts miteinander zu tun. Punkt.
zum Beitrag07.10.2025 , 08:09 Uhr
Ich habe Sie ja schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass die von Ihnen behauptete Alles oder Nichts-Mentalitaet der Palästinenser eine Erfindung Ihrerseits ist (beschädigen Sie sich doch einmal mit den Details bisheriger Verhandlungsversuche!). Die Muslimbruderschaft hatte in den 30er Jahren mit Sicherheit keine "federführende Rolle" und auch danach immer nur bestenfalls begrenzten Einfluss. Sie steigern sich hier mit einer erschreckenden Besessenheit in das Feindbild "Muslim/Araber" und blenden die Mitverantwortung Israels vollkommen aus - selbst dann, wenn es Gewalt in genozidalem Ausmaß einsetzt. Das ist, mit Verlaub, auf dem moralischen Niveau von 1904.
zum Beitrag06.10.2025 , 18:40 Uhr
Es wundert mich nicht, dass Sie eine rechtsextreme Partei wählen würden - und vielleicht erklärt das auch, warum Sie sich die Revolution, von der in dem Artikel die Rede ist, nur auf Aufstand gegen religiöse Minderheiten vorstellen können.
zum Beitrag06.10.2025 , 18:35 Uhr
Sie wissen vermutlich, dass es im Islam auch Kleidungsvorschriften für Männer gibt, die ebenfalls je nach Gusto mehr oder weniger streng eingehalten werden. Die Linken verteidigen übrigens nicht das Kopftuch, sondern das Recht, über das eigene Leben zu entscheiden. Freiheit ist nicht nur die Freiheit, nach den Maßstäben des Durchschnittsdeutschen zu leben und glücklich zu werden.
zum Beitrag06.10.2025 , 15:26 Uhr
Mit Verlaub, aber das ist Unfug: die Anerkennung eines anderen Staates ist nicht durch die Verantwortung für dessen innere Verfasstheit begingt (andernfalls gäbe es diplomatischen Beziehungen nur mit Kolonien).
zum Beitrag06.10.2025 , 13:45 Uhr
Zur begrifflichen Klarheit gehört allerdings auch der Verzicht auf Privatsemantiken. Apartheid ist, wie Sie vielleicht wissen, auch ein Rechtsbegriff, der in der AAK von 1973 definiert wird. Von einer „expliziten Rassenideologie“ ist dort allerdings nicht die Rede. Ohnehin wurden beide Vorwürfe – Apartheid und Völkermord – nicht einfach in den Raum geworfen, sondern von (teils sogar israelischen!) Menschenrechtsorganisationen und Rechtsexperten, sowie von diversen, auch europäischen, Regierungen und Kommissionen ausführlich gegründet und belegt. Wenn Sie dem widersprechen wollen, müssen Sie das auf demselben fachlichen Niveau versuchen; andernfalls, fürchte ich, geht es Ihnen wie in dem alten Witz mit dem Geisterfahrer. Unbegründete Unterstellungen (denunziatorische Absicht, Agitation) sind kein Argument, sondern eine Ausflucht.
zum Beitrag05.10.2025 , 11:05 Uhr
Die Anfängle des NO-Konflikts vor 3200 Jahren zu suchen, ist ungefähr so sinnvoll, wie türkische Außenpolitik mit Homer erklären zu wollen (und statt zu YouTube rate ich zum Buch). Die Palästinenser sind vor allem seit Jahrzehnten das Opfer von Vertreibung und Besatzung und gerade eines Völkermords; wer Ihnen vorwirft, Sie wären manipuliert, weil sie nicht freiwillig ihr Land verlassen, um für Siedler Platz zu machen, die übrigens zu einem erheblichen Teil nicht im NO geboren wurden, ist nicht woke, sondern rassistisch.
zum Beitrag05.10.2025 , 10:28 Uhr
Im übrigen sei auch noch darauf hingewiesen, daß Beinart nichts mit dem Postkolonialismus zu tun hat (vielleicht googeln Sie einfach, wer das ist?). Die Absurdität, mit der solche Schlagworte verwendet werden, zeigt sich hier besonders deutlich...
zum Beitrag05.10.2025 , 09:19 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie jemals Said gelesen haben, aber wenn das der Fall ist, müsste Ihnen aufgefallen sein, dass der Artikel der KAS (!) haarsträubend falsch ist (und wenn jemand ausgerechnet in Commentary als Professor of Terror diffamiert wird, sollte man das cum grano salis lesen...). Apartheid ist, wie sie sicher wissen, nicht nur eine Bezeichnung für das entsprechende Regime in Südafrika, sondern ein Rechtsbegriff. Man kann diesen Begriff nicht "klauen" und er impliziert auch keine Gleichsetzung mit Südafrika, sondern beschreibt einen anhand formaler Kriterien definierten Zustand. Hier müssten Sie also wiederum beweisen, dass die Berichte (auch von israelischen Menschenrechtsorganisationen) laut denen Israel diese Kriterien erfüllt, falsch sind. Der Verweis auf eine kleine Aktivistengruppe ist kein Argument. Dass Ihre Verwendung des Begriffs "Postkolonialisten" als Feindmarkierung inhaltlich falsch und politisch gefährlich ist, habe ich Ihnen oft genug erklärt.
zum Beitrag05.10.2025 , 09:04 Uhr
Ich rate eher davon ab, sich für historische Themen - insbesondere für so kontroverse wie den NO-Konflikt - auf eine anonyme online Enzyklopädie zu verlassen. Es mag altmodisch klingen, aber ich empfehle den Griff zum Buch. In diesem speziellen Fall reicht allerdings sogar Wikipedia, um zu lernen, dass Beiträge wie der von Milonga schlicht und ergreifend Unsinn sind.
zum Beitrag04.10.2025 , 16:41 Uhr
Das ist - wie ich auch schon oft genug erklärt habe - eine haarsträubend verkürzte Deutung der Ursachen des NO-Konflikts, die ausblendet, dass dessen Anfänge vor 1933 liegen, und dass dessen Kontinuität auch nicht allein mit Nazi-Propaganda erklärt werden kann, sondern auch eine Folge von Gewalt, Vertreibung und Besatzung ist, unter denen die Palästinenser leiden mussten und müssen. Ihr historisches Konstrukt ist eine Entlastungserzählung - für die rechtsextreme israelische Regierung und ihre genozidale Politik, aber auch für Deutsche, die so ihre NS-Vergangenheit auf andere projizieren und den eigenen Rassismus zum antifaschistischen Abwehrkampf umdeklarieren können. Dafür ist "perfide" noch ein freundliches Wort.
zum Beitrag04.10.2025 , 07:54 Uhr
Ich fürchte, dass es nicht Hamas war, die die öffentliche Meinung zu Ungunsten Israels manipuliert hat, sondern dass Netanjahu und seine Rechtsradikale Regierung das im Alleingang geschafft haben.
zum Beitrag04.10.2025 , 07:51 Uhr
Natürlich war der Zweck der Flotte ein symbolischer - das ist allerdings kein Einwand, sondern das Wesen politischer Protestaktionen. Dass die Blockade auch von Ägypten aufrecht erhalten wird, stimmt in dieser Form nicht: Ägypten hat sich zwar einer Vertreibung der Bewohner Gazas widersetzt, allerdings zu keinem Zeitpunkt die Versorgung mit Hilfsgütern verhindert. Hunger als Waffe hat in diesen Krieg nur ein Akteur eingesetzt, nämlich Israel.
zum Beitrag03.10.2025 , 17:53 Uhr
Ich würde es vorziehen, wenn wir beim "Sie" bleiben. Aber zur Sache: meine Argumentation ist nicht religiös (ich übrigens auch nicht). Mein Punkt war ein grundsätzlicher: man kann eine andere Weltanschauung nicht wiederlegen, indem man Voraussetzungen macht, die diese nicht teilt. Insofern haben Sie sogar recht: die Frommen müssten auch beweisen, dass Gott existiert - aber das ist genau mein Argument, nur aus der anderen Richtung her formuliert. Was den Rest angeht: das Kopftuch wird nicht nur von "alten Männern" gefordert (das Priesterschwindel-Argument ist arg verstaubt...), sondern auch und nicht zuletzt von seinen Trägerinnen, Kleidervorschriften gibt es im Islam auch für Männer, und dass es eine Teleologie vom Kopftuch zum Iran gibt, bezweifle ich: die IR beruht auf theologischen Motiven, die nicht einmal alle Schiiten teilen und ist auch noch in hohem Masse von Faktoren geprägt, die wenig mit Religion zu tun haben. In den meisten islamischen Ländern gibt es keine verpflichtende Kleiderordnung (und dass eine Minderheit in Deutschland eine solche durchsetzen könnte, ist ohnehin eine absurde Vorstellung).
zum Beitrag03.10.2025 , 14:51 Uhr
Das ist keine Antwort auf meinen Beitrag, sondern ein Fortschreiben des Denkfehlers, auf den ich gerade verwiesen habe – der übrigens einem Muster folgt, das typisch für NO-Debatten ist: man verweist auf die Radikalität der einen Seite, um die eigene zu rechtfertigen. Ja, Hamas hat Verbrechen begangen; die israelische Regierung auch (und nichts erst mit dem Völkermord in Gaza). Nun ist der NO-Konflikt kein Spiel, in dem man sich nach Belieben den schwarzen Peter zuschieben kann. Man muss seine Ursachen überwinden und das bedeutet eben ein Ende der Besatzung und die Gründung eines palästinensischen Staates. Der Verweis auf Hamas kann nicht die perpetuierte Entrechtung eines ganzen Volkes rechtfertigen.
zum Beitrag03.10.2025 , 14:13 Uhr
Ich weise auch Sie gerne darauf hin, dass nicht ich die Statistik ins Spiel gebracht habe, sondern der Ausgangspost. Ich verstehe auch nicht recht, was der Anspruch Behauptungen („statisch signifikant“) auch belegen zu müssen, mit Stammtisch-Mentalität zu tun haben soll; in diese Kategorie würde ich eher die xenophobe Anekdotik einordnen, auf die Sie sich berufen. Es ist übrigens nichts Neues, dass auch Menschen mit MiHiGru rechtsradikale Parteien wählen – Entsolidarisierung gibt es nicht nur unter Biodeutschen. Die Frage ist auch hier allerdings, wie repräsentativ diese sind. Der Durchschnittsmigrant ist eben weder AfD-Wähler noch Islamist.
zum Beitrag03.10.2025 , 13:59 Uhr
Ob Sie mehr "Ahnung von Statistik" haben, weiss ich nicht – das ändert aber nichts daran, dass Sie hier eine statistische Signifikanz behaupten, ohne sie zu belegen. Sie verstehen vielleicht, dass mir in einer anonymen online-Diskussion ein Verweis auf eigene Autoritaet nicht reicht.
zum Beitrag03.10.2025 , 10:29 Uhr
Sie arbeiten sich hier wieder an einem Feindbild „Postkolonialismus“ ab, ohne recht verstanden zu haben, was sich hinter diesem Begriff verbirgt; es gibt keine „postkoloniale Wertehierarchie“, schon allein deshalb nicht, weil der Postkolonialismus keine kohärente Ideologie ist, sondern ein Forschungsfeld, das von einer Pluralität der Ansätze und Perspektiven gekennzeichnet ist. Die Art und Weise, auf die Postkolonialismus zum Reizwort für rechtspopulistische und islamophobe Milieus geworden ist, wiederholt auf bedenkliche Weise die Probleme der Kontroverse über die Gender Studies: ein akademisches Forschungsfeld, über dessen Inhalte man nichts weiß, wird zur Projektionsfläche für den eigenen Hass. Am Rande sei nach angemerkt, dass es perfide ist, Foristen zu unterstellen, sie würden sich nicht um Frauenrecht kümmern, nur weil sie sich der Instrumentalisierung solcher Themen im Zuge rassistischer Kampagnen verweigern (umso mehr, wenn solche Vorwürfe von Kreisen verbreitet werden, denen das Leben muslimischer Frauen sonst herzlich egal ist…). Zu den Menschenrechten gehört übrigens auch die Religionsfreiheit.
zum Beitrag03.10.2025 , 08:45 Uhr
Die Statistik have nicht ich ins Spiel gebracht, sondern der Beitrag auf den ich antworte - wenn man behauptet, dass etwas statistisch relevant ist, muss man das mit einer Statistik belegen, finden Sie nicht? Dass Statistik der einzige Zugang zur Realität ist, habe ich ebenso wenig behauptet, aber Statistiken (die dann wiederum einer richtigen Auswertung bedürfen) können helfen, Beobachtungen zu quantifizieren. Nehmen wir also an, die Anekdote über die Erzieherin wäre war - was belegt das außer der Situation einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation? Solche Fragen muss man sich stellen, wenn man objektiv urteilen möchte. Wo ich in meinem Beitrag diskriminierendes Verhalten verschiedener Gruppen gegeneinander aufgerechnet habe, bleibt Ihr Geheimnis.
zum Beitrag03.10.2025 , 08:32 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob eine Anekdote aus einem Film über Afghanistan (das nicht einmal für die islamische Welt repräsentativ ist) ein gutes Argument für Diskussionen über Religionsfreiheit in Deutschland ist. Die durchschnittliche deutsche Kopftuchträgerin teilt nicht das Weltbild der Taliban, sondern mutatis mutandis eher das biodeutscher Konservativer. Aber davon abgesehen wiederholen Sie hier nur den Denkfehler, den ich schon angesprochen habe: Ihre Kritik an religiösen Vorschriften als Aberglaube setzt den Atheismus bereits voraus. Das mag hier auf wenig Widerspruch stoßen, ist aber ein Zirkelschluss. Dass Menschenrechte (und dann wiederum deren westliche Interpretation) objektiv sind, wäre wiederum zu beweisen - Moralbegründung ist ein schweres Geschäft - aber selbst wenn: Religionsfreiheit ist auch ein Menschenrecht. Die Menschenrechte zum Schlachtruf eines säkularen Kreuzzuges gegen die Religion zu machen, verkennt deren Intention.
zum Beitrag02.10.2025 , 20:25 Uhr
Das ist alles wahr, widerspricht meinem Beitrag aber nicht. Ich habe das Thema weltanschaulicher Differenz ja nicht vollumfänglich behandelt, sondern nur einen bestimmten Aspekt, nämlich die Blindstellen einer auch in linken Kreisen gängigen Religionskritik thematisiert, weil gerade darin auch die Schwäche des Beitrags oben bestand. Dass man solche Blindstellen auch bei anderen findet, versteht sich von selbst.
zum Beitrag02.10.2025 , 16:11 Uhr
Ihr Ressentiment gegen "Studierte" in allen Ehren, aber wenn Sie statistische Signifikanz behaupten, müssen Sie das auch belegen. Mit Statistiken. Die man dann auch noch richtig erklären muss. Dass Sie jemand kennen, der jemand kennt, reicht eher nicht.
zum Beitrag02.10.2025 , 10:15 Uhr
Der Rückzug aus Gaza hatte nichts mit einem Ende der Besatzung zu tun: weder hat Israel die Kontrolle über Gaza aufgegeben (sogar das deutsche AA hat Gaza weiterhin als besetzt betrachtet) noch die Gründung eines palästinensischen Staates ermöglicht; überspitzt gesagt: es war eine Frontbegradigung, kein Friedensangebot. Die Forderung nach einem Ende der Besatzung erfordert natürlich einen politischen Prozess, in dessen Rahmen auch die Beziehungen der beiden Staaten geklärt werden. Aber zu glauben, man könne den Konflikt managen, statt ihn zu lösen (und zu erwarten, dass die Palästinenser sich mit einer Bantustan-Existenz abfinden) wäre naiv, zumal in solchen Vorstellungen wiederum die gerne ignorierte Radikalität der anderen Seite mitklingt: man will Frieden, ohne den Palästinenser gleiche Recht zu gewähren (oder, in den extremeren Fällen, Frieden ohne Palästinenser).
zum Beitrag02.10.2025 , 10:08 Uhr
Natürlich kann man in dieser Frage anderer Meinung sein; die bekannten Argumente – dass es hier um die freie Entfaltung der Persönlichkeit, mithin um ein Grundrecht, geht und das ein Kopftuch innerhalb nicht-muslimischer Gesellschaft auch ein Bruch mit der hegemonialen Normativität sein kann – sind Ihnen sicher geläufig; ich will mich hier deshalb auf einen anderen Punkt konzentrieren, nämlich ob religiöse Kleidungs-, Ernährung- und Verhaltensvorschriften per se unterdrückerisch sind. Und genau hier scheinen Sie mir in den Zirkelschluss zu verfallen, an dem Religionskritik grundsätzlich zu leiden scheint: Sie setzen den atheistischen Standpunkt, von dem aus das alles Wahn und Unfreiheit ist. Der wäre aber zu beweisen; was, wenn die Frommen recht haben und das Kopftuch wirklich ein göttliches Gebot ist? Mir scheint, dass sich hier viele Linke wieder in die Idee vom objektiv richtigen Bewusstsein verstricken, das bei genauerer Betrachtung ja nur verobjektivierte Denkgewohnheit ist. Vor diesem Hintergrund wäre zwischen politischer Unterdrückung und selbstauferlegter Beschränkung zu unterscheiden; letztere ist und bleibt letztlich eine private Entscheidung.
zum Beitrag01.10.2025 , 19:53 Uhr
Zu einer Deradikalisierung würde würde es freilich auch beitragen, wenn die Ursachen des NO-Konflikts überwindet - und das bedeutet eben ein Ende der Besatzung. Nur haben Sie ja sicher gehört, was man aus israelischen Regierungskreisen dazu hört, über deren Deradikalisierung leider niemand nachzudenken scheint.
zum Beitrag01.10.2025 , 08:26 Uhr
Selbst wenn man sich auf eine so haarsträubend unterkomplexe Deutung des NO-Konflikts einlassen möchte (der, wie Sie vielleicht wissen, nicht 2023 und auch nicht mit der Gründung von Hamas begonnen hat), ist der Trump-Plan sicher keine Belohnung für Hamas: schließlich wird Gaza de facto einer amerikanische Kolonialbehörde unterstellt. Ohne ist es ein moralischer Abgrund, wenn man nach einem genozidalen Krieg mit über 60000 Toten (darunter selbst nach israelischen Einschätzungen 80% Zivilisten) und großflächiger Zerstörung immer noch auf ein weiteres militärisches Vorgehen hoffen kann. Es fällt manchen Foristen offenkundig schwer, Palästinenser als vollwertige Menschen zu betrachten, die nicht nach Belieben israelischen Interessen geopfert werden können. Es ist ja auch in diesem Forum in Monde, gegen "die Postkolonialen" zu polemisieren - kein Wunder, wenn sogar der deutsche Linksliberalismus sein geistiges 1904 erlebt.
zum Beitrag30.09.2025 , 22:52 Uhr
Vielleicht lesen Sie noch einmal, was ich geschrieben habe: Ich habe nirgendwo behauptet, dass Menschen mit MiHiGru nicht das Recht bzw. die Fähigkeit haben, Kritik an ihrer eigenen (?) Community zu üben, sondern lediglich, dass einige darunter den hiesigen xenophoben Meinungsmarkt bedienen. Oder einfacher formuliert: rechtspopulistische Angstphantasien wetden nicht besser, wenn die Autorin Balci heißt und nicht Sarazin. Um Kulturrelativismus ging es hier also gar nicht (der übrigens eine schwer zu widerlegende Position ist).
zum Beitrag30.09.2025 , 20:43 Uhr
Immerhin, Sie bringen ein wenig Heiterkeit in eine ermüdende Debatte, indem Sie genau den Reflex illustrieren, den ich beschrieben habe: das Bespielen xenophober Ressentiments, die sogar bei der AfD für Jubel sorgen, wird zur Kritik an der eigenen Community oder gar zur Verteidigung von Demokratie und Aufklärung (was immer das auch sein mag), sobald die Autorin einen türkischen Namen hat. Dass eigentlich Sie hier identitätspolitisch argumentieren, fällt Ihnen auf? Und was die neurechte Modevokabel "islamogauchistisch" angeht, würde ich nahelegen, über das historische Vorbild nachzudenken (so viel zum Schulterschluss mit der Reaktion)...
zum Beitrag30.09.2025 , 19:52 Uhr
Im Grunde ist das ganze Thema abgeschmackt: dass einige Autoren mit MiHiGru ein Geschäftsmodell daraus entwickelt haben, eine verunsicherte Mehrheitsgesellschaft in ihren Vorurteilen zu bestätigen, ist ja nicht neu. Und auch die Frage, warum hiesige Xenophobe sich gerne hinter Kronzeugen mit islamischen Hintergrund verstecken, wurde hinreichend erörtert. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass das inzwischen auch in linksliberalen Milieus angekommen ist - aber wen wundert solche Verrohung zwischen Zeitenwende und Staatsräson noch? Man will eigentlich nicht mehr diskutieren, sondern sich nur noch die Nase zuhalten...
zum Beitrag30.09.2025 , 14:32 Uhr
Weiter: Die arabische Friedensinitiative hat keine tatsächliche Rückkehr aller Flüchtlinge verlangt (bestenfalls eine symbolische Anerkennung des Rückkehrrechts); gescheitert ist sie nicht daran, sondern an einem Unwillen Israels, sich aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen. Ähnliches gilt für die anderen Verhandlungen: Camp David II ist nicht zuletzt deshalb gescheitert, weil Israel auf ein Netz extraterritorialer Straßen bestanden hat, die das WJL in ein Konglomerat von Bantustans verwandelt hätten. Solche Details haben bei allen Verhandlungen eine Rolle gespielt, nicht der angebliche Unwille der Palästinenser, Frieden zu schließen. Nur in einem Punkt haben Sie Recht: Einige arabische Staaten sind bereit, die Palästinenser unter dem Bus zu werfen. Das allerdings macht das Verhalten Israels nicht legitimer.
zum Beitrag30.09.2025 , 14:25 Uhr
Es stimmt schlichtweg nicht, dass die palästinensische Identitätsbildung erst eine Reaktion auf den Zionismus war; schon in spätosmanischer Zeit hat sich eine dezidiert palästinensische Nationalbewegung formiert. Das zu bestreiten, ist nicht nur historisch falsch, sondern auch politisch gefährlich, weil es denen in die Hände spielt, die mit der Mär von der erfundenen Nation auch die Rechte der Palästinenser negieren wollen. Dass es keinen palästinensischen Staat gab, ist dabei unerheblich: ein Großteil aller Staaten ist das Produkt von Nationalbewegungen, nicht ihre Voraussetzung. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Israel den Sechstagekrieg begonnen hat; das Verhalten Ägyptens war kein legitimer Kriegsgrund (zumal auch Drittstaaten angegriffen wurden). Dass Gaza weiterhin als besetzt zu werten ist, behaupte nicht nur ich, sondern unter anderen auch das deutsche AA (das hier sicher kompetenter zu urteilen weiss). Der Rückzug war eine Frontbegradigung, der weder den zugrundeliegenden Konflikt gelöst, noch die israelische Kontrolle über Gaza aufgehoben hat (zumal Gaza nicht separat von WJL/OK zu betrachten ist).
zum Beitrag29.09.2025 , 14:26 Uhr
In dem Punkt muss ich widersprechen: Es gibt einen internationalen Konsens darüber, welche Gebiete den Palästinensern für ihren eigenen Staat zustehen. Und mit dem müssen sich auch die Extremisten auf beiden Seiten abfinden.
zum Beitrag29.09.2025 , 08:37 Uhr
Es ist schwer, auf einen Beitrag zu antworten, an dem wirklich jeder Satz falsch ist. Um nur Beispiele zu nennen: eine palästinensische Identität ist schon früher, nämlich unter antiosmanischen Vorzeichen entstanden (und für die Rechte der Palästinenser ist das ohnehin unerheblich), den Sechstagekrieg hat Israel begonnen und in Gaza wurden eben nur Bodentruppen und Siedler abgezogen, die Kontrolle von außen ist geblieben (weshalb sogar das deutsche AA Gaza weiterhin als besetzt eingestuft hat; ohnehin kann Gaza nicht separat von den übrigen besetzten Gebieten behandelt werden). Vor allem ist aber auch Ihre Darstellung der Gegenwart verkehrt: die arabischen Staaten haben sich längst mit der Existenz Israels abgefunden, ich erinnere an die Friedensinitiative von 2002, die neben sämtlichen arabischen Staaten auch der Iran unterstützt hat, oder an die Tendenzen zur Normalisierung in den letzten Jahren. Das Problem ist nicht die "arabische Welt", sondern der Unwille Israels, seinen Beitrag zu leisten - und das wäre ein Ende der Besatzung.
zum Beitrag28.09.2025 , 20:14 Uhr
Vielleicht ist es sinnlos, auf solche offenen Aufrufe zu einer ethnischen Säuberung zu antworten, aber weil ich nicht möchte, das so etwas unkommentiert stehen bleibt: die Palästinenser haben eine Heimat und die ist weder in Spanien, noch im Frankreich, sondern in dem Gebieten, die Israel gerade illegal besetzt. Ob Israel das will oder nicht: die Palästinenser haben schlichtweg das Recht auf einen eigenen Staat - und zwar in Palästina. Ihre Recht pauschale Diffamierung der Palästinenser ist übrigens nicht nur rassistisch, sondern auch argumentativ ungeschickt, weil man das Argument angesichts der Radikalisierung auf beiden Seiten auch umdrehen könnte.
zum Beitrag28.09.2025 , 20:07 Uhr
Sie sprechen auch nicht mehr von Antisemitismus, weil der Vorwurf von Netanjahu und Trump Instrumentalisiert wird?
zum Beitrag28.09.2025 , 20:05 Uhr
Noch einmal: dass Gaza auch nach dem israelischen "Abzug" de facto besetzt war, have nicht ich mir ausgedacht, sondern dass war die Einschätzung fast der gesamten Welt - inklusive des deutschen AAs. Und ich habe nicht von einem Staat in Gaza gesprochen, sondern in der Gesamtheit der besetzten Gebiete (auch das nochmal: Gaza ist nicht isoliert zu betrachten). Ihr Hinweis, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker kein Recht auf einen eigenen Staat beinhaltet, greift hier nicht: das bedeutet nämlich nur, dass es kein automatisches Sezessionsrecht geht. Die palästinensische Gebiete sind allerdings kein Teil Israels, sondern illegal besetzt. Daran ändert auch plumpe Polemik ("Gründungsakt am 7.10.") nichts. Der NO-Konflikt hat nicht 2023 begonnen und bedroht sind eben nicht nur die Israelis, sondern vor allem auch die Palästinenser - und zwar nicht erst seit dem gerade tobenden Völkermord. Es gibt keinen Grund, sich die Perspektive der Besatzungsmacht uneingeschränkt zu eigen zu machen und Rechte der Besetzten auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.
zum Beitrag28.09.2025 , 09:15 Uhr
Sharon hat die Siedlungen in Gaza aufgelöst und die Bodentruppen abgezogen; die Kontrolle über Gaza war aber weiterhin so groß, dass das Gebiet weiterhin als besetzt galt (auch in der Bewertung des deutschen AAs). Ohnehin kann man Gaza nicht isoliert von den restlichen besetzten Gebieten sehen. was Sie beschreiben, eine Enklave mit einer gewissen Selbstverwaltung, ist kein Staat, sondern ein Bantustan (und wenn man sich die Details bisheriger Friedenspläne anschaut, kann man bezweifeln, dass den Palästinensern je mehr geboten wurde). Von einer Belohnung zu sprechen, ist ohnehin verkehrt - es geht hier nicht um Gefälligkeiten, sondern um Rechte.
zum Beitrag28.09.2025 , 08:52 Uhr
Ihre Analogie ist schief, weil Sie Israel und die Hamas gegenüberstellen, d.h. einen Staat und eine Partei. Der angemessene Vergleichspunkt wären die gegenwärtigen Regierungsparteien in Israel - und in denen herrscht kein Mangel an Vertreibungs- und Vernichtungswünschen, die sich von denen der Hamas kaum unterscheiden. Und auch was die Umsetzung angeht, sind sich beide Seiten erschreckend ähnlich: Sehen Sie in dem Völkermord in Gaza wirklich nicht dieselbe Grausamkeit wie in dem Hamasmassaker?
zum Beitrag28.09.2025 , 08:44 Uhr
Der Vergleich zwischen Gaza unter der Hamas und NS-Deutschland drängt sich keineswegs auf, sondern ist offenkundig schief (ein kleiner Tipp: weder wurde den Deutschen vor 1933 die Staatlichkeit verweigert, noch mussten sie unter einem Besatzungsregime leiden, dessen Konsequenzen Jahr für Jahr die Berichte sämtlicher - auch israelischer - Menschenrechtsorganisationen füllen. Der allzu deutsche Hang, den NS auf andere zu projizieren, ist hier besonders deplatziert. Und wenn Sie am Ende "den Palästinensern" ( deren Gegenpol in Ihrer Diktion erstaunlicherweise nicht die Israelis sind, sondern nur Netanjahu) pauschal einen Hang zum Völkermord unterstellen, ist das schlicht und ergreifend rassistisch.
zum Beitrag28.09.2025 , 08:35 Uhr
Sie verkünden hier mir einiger Regelmäßigkeit Ihre Solidarität mit allen Juden - aber wenn, wie hier, eine Jude die Rechtsradikale israelische Regierung und ihre mörderische Kriegsführung in Gaza kritisiert, werden Sie ausfallend. Man muss sich fragen, ob es wirklich um Solidarität mit Juden geht (dann aber auch mit deren Recht auf Dissens!) oder aber um einen Schulterschluss mit der islamophoben Rechten, die in Netanjahu nur den Vollstrecker ihrer eigenen Sehnsucht nach Gewalt und Vernichtung sieht. Übrigens sind ihre Einwände auch unsinnig: Barenboim hat ja keinen direkten Vergleich mit Srebrenica oder mit dem Krieg in der Ukraine vorgenommen, sondern beide nur als Beispiele für Staatsverbrechen benutzt, die einen Boykott rechtfertigen, den Namen der Barenboim-Said-Akademie hat er sich nicht ausgesucht, Ihre Darstellung Saids ist ohnehin böswillig, und dass der 7. Oktober nicht angesprochen wird, liegt an der Kürze und dem Thema (übrigens: Sie merken vielleicht selbst, wie unpassend es ist, ausgerechnet von Barenboim Stellungnahmen einzufordern...).
zum Beitrag24.09.2025 , 12:42 Uhr
Israel ist auf die Friedensinitiative ja nicht eingegangen; insofern bleibt es Spekulation, wie ernst die Iraner ihre Unterstützung dafür gemeint haben. Tatsache ist aber, dass das Angebot auf dem Tisch lag. Dass es noch eine israelisch-arabische Allianz gegen den Iran gibt, darf bezweifelt werden.
zum Beitrag24.09.2025 , 09:51 Uhr
Die arabische Friedensinitiative wurde von allen Mitgliedsstaaten der OIC unterstützt, inklusive Iran; das ist eine – leicht zu überprüfende – Tatsache.
zum Beitrag23.09.2025 , 21:03 Uhr
Man nennt das auch heute noch Kulturrelativismus - das ist allerdings kein Schimpfwort, sondern benennt schlichtweg eine theoretische Position, für die es durchaus gute Argumente gibt. Dass es unterschiedliche Kulturen und damit verbunden divergierende moralische und politische Vorstellungen gibt, ist erst einmal eine Tatsache. Rassistisch ist es nicht, darauf hinzuweisen - und andere anders sein zu lassen; man könnte den gleichen Vorwurf allerdings gegen diejenigen erheben, die Europa als Blaupause für den Rest der Welt sehen und meinen, Völker bestrafen zu dürfen, die sich diesen Ansprüchen verweigern. Daher nochmal: die politische Verfasstheit eines künftigen Palästinenser-Staates ist allein die Sache seiner Bürger.
zum Beitrag23.09.2025 , 19:04 Uhr
Israel hat Friedensverträge mit einigen wichtigen arabischen Staaten abgeschlossen und hinter den Kulissen entspannte Beziehungen zu den meisten anderen (Jordanien hat sogar geholfen, iranische Raketen anzuschließen). Seit 2002 liegt zu dem das Angebot auf dem Tisch, die Beziehungen vollständig zu normalisieren, wenn Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht und die Gründung eines Palästinenser-Staates zulässt - ein Angebot, dass außer allen (!!!) arabischen Staaten auch Iran unterstützt hat. Möglicherweise sind nicht immer alle anderen an Israels Misere Schuld, sondern dessen eigene zunehmend extremistische Regierungen, denen Expansion und Dominanz wichtiger sind als regionale Integration.
zum Beitrag23.09.2025 , 15:26 Uhr
Der von Ihnen verlinkte Artikel beweist wiederholt leider nur bekannte israelische Propagandafloskeln und blendet sowohl aus, warum die Palästinenser bisherige Angebote abgelehnt haben (in Camp II hat man ihnen zum Beispiel keinen Staat angeboten, sondern ein durch extraterritoriale Straßen und Checkpoints zerschnittenes Konglomerat von Bantustans ohne ausreichende Wasservorräte) noch die Rolle der zunehmend extremistischen israelischen Regierungen, die ja nicht erst seit 2023 einen Palästinenserstaat ablehnen (der in dem Artikel zitierte Spruch „From the river to the sea…“ findet sich bekanntlich, mutatis mutandis, auch im Parteiprogramm des Likud); dass der Autor kein Wort der Kritik zu einer israelischen Kriegsführung findet, die inzwischen weltweit als genozidal beschrieben wird, passt in diese selektive Wahrnehmung. Ohnehin muss er sich die übliche Frage gefallen lassen: Was bleibt denn dann, ohne eigenen Staat für die Palästinenser übrig? Ein weiteres Leben als Menschen zweiter Klasse unter israelischer Besatzung? Die endgültige Vertreibung? Oder ein Völkermord wie in Gaza? Wer diese Optionen befürwortet, sollte sich nicht über den Extremismus Anderer ereifern.
zum Beitrag23.09.2025 , 15:04 Uhr
Das ist eine fragwürdige Einschätzung, aber selbst wenn sie richtig wäre: So what? Die Palästinenser haben ein Recht auf einen eigenen Staat in sämtlichen Gebieten jenseits der Grünen Linie. Wie dieser Staat aussieht, ist allein die Entscheidung seiner künftigen Bürger. Das Argument, dass die Palästinenser unfähig wären, sich selbst zu regieren, ist ein kolonialistischer Topos, der noch dazu die Realität in den besetzte Gebieten ausblendet – als wäre das weitere Dahinvegetieren in Bantustans unter ständiger Bedrohung durch radikale Siedler und zunehmend extremistische israelische Politiker eine Alternative.
zum Beitrag23.09.2025 , 13:14 Uhr
Ja, haben Sie – und zwar schon 1993; ich erinnere auch gerne daran, dass Israel die Gründung eines Palästinenserstaates verhindert, nicht umgekehrt – dass Bekenntnisse zur Zweistaatenlösung kontinuierlich von der Seite verlangt werden, der die staatliche Selbstbestimmung verweigert wird, während die Vertreter der Besatzungsmacht kontinuierlich herausposaunen, dass sie sich jedem Kompromiss verweigern, ist nur eine der vielen Schlagseiten dieses Konfliktes.
zum Beitrag23.09.2025 , 09:48 Uhr
Eine friedliche Zukunft ist vor allem dann nicht möglich, wenn Israel seine Besatzungs- und Siedlungspolitik weiter vorantreibt und die Palästinenser auf den St. Nimmerleinstag vertröstet werden. Die PLO hat Israel anerkannt und oft genug ihre Bereitschaft zu einer Zweistaaten-Lösung erklärt; dass dieser Staat auch von Personen verwaltet und regiert wird, die Blut an den Händen haben, ist nicht schön, aber auch die Palästinenser müssen mit israelischen Politikern verhandeln, die für die massiven Menschenrechtsverletzungen der letzten Jahrzehnte und für den gegenwärtigen Völkermord in Gaza zumindest mitverantwortlich waren. Es liegt im Wesen von Friedensverhandlungen, dass man sie mit ehemaligen Feinden führt. Übrigens kann man sich die Frage stellen, wie viel Kontrolle die Regierung in Ramallah (die sogar während der israelischen Strafexpedition die Sicherheitskooperation fortgesetzt hat!) über die Al Aksa-Brigaden im von der Hamas regierten Gazastreifen hat.
zum Beitrag23.09.2025 , 09:38 Uhr
Israelis leben erst seit 1948 in Palästina; vorher gab es keinen Staat Israel (außer, Sie sehen diesen als Metaphysicum, das unabhängig von konkreten politischen Realitäten existiert, dann begeben Sie sich aber in eine gefährliche ideologische Gesellschaft). Israeliten bzw. Juden leben in der Tat seit 3000 Jahren in der Region, aber eben nie allein. Die Araber (nicht Mohammed, der war zu diesem Zeitpunkt schon tot) haben Jerusalem den Oströmern entrissen, diese kurz davor den Sassaniden, etc. etc. Die Muslime, die heute in der Region leben, sind zu einem erheblichen Teil Nachfahren der konvertierten Bevölkerung nach der arabischen Expansion – und ob man nach c. 1500 Jahren noch von „erst“ sprechen kann, ist doch mehr als fraglich (die arabischsprachigen Christen haben Sie ja elegant unterschlagen). Die Existenz Davids ist übrigens keineswegs gesichert. Es ist ohnehin unmöglich, aus solchen historischen Hintergründen territoriale Ansprüche abzuleiten – aber wenn man das auch noch fern aller historischer Fakten macht, wird es endgültig absurd.
zum Beitrag23.09.2025 , 06:47 Uhr
Nun wurde auch in diesem Forum schon oft genug darauf hingewiesen, dass es nicht genügt, die Schuld für gescheiterte Verhandlungen den angeblich friedensunwilligen Palästinensern zuzuschreiben, sondern man auch auf die genauen Streitpunkte achten muss - und zwar nicht nur auf die großen Fragen wie Ostjerusalem oder das Rückkehrrecht (für das es längst eine Kompromisslirsung gibt), sondern auch wenig beachtete Aspekte wie Wasser, extraterritoriale Straßen und Checkpoints. In Camp David II hat man den Palästinensern z.B. keinen Staat angeboten, sondern ein Konglomerat von Bantustans, das sie "Staat" nennen durften. Man kann die Ablehnung verstehen (dann zumindest, wenn man Palästinenser nicht als Menschen zweiter Klasse betrachtet).
zum Beitrag22.09.2025 , 14:32 Uhr
Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ein Forist, der so kontinuierlich durch historische Falschaussagen auffällt, andere in einem so unangemessenen Ton über Geschichte belehren will („Da werden Sie geholfen“ – wir sind nicht in der Grundschule); das ganze wird nicht besser, wenn man kontinuierlich biblische Berichte als historisch akkurate Darstellungen behandelt – und nicht einmal merkt, dass man das tut. Aber davon abgesehen lassen sich aus antiker Geschichte ohnehin keine modernen Gebietsanspruche ableiten (oder wollen Sie Köln an Italien abtreten?). Die beiden Artikel, die Sie verlinkten, widersprechen der Aussage in dem Ausgangspost übrigens nicht (und dass sowohl Morris als auch Wolffsohn nicht unumstritten sind, haben Sie vielleicht auch gehört).
zum Beitrag19.09.2025 , 20:51 Uhr
Das ist eine haarsträubend vereinfachte Darstellung des NO-Konfliktes, die die ganze Verantwortung allein auf einer Seite sieht und die Rolle Israels sowie den Extremismus israelischer Politiker ausblendet, obwohl diese aus ihren Vertreibungs- und Vernichtungsphantasien kein Geheimnis machen. Wie gesagt: gerade hat eine UN-Kommission festgestellt, dass in Gaza ein Völkermord geschieht (ein Urteil, mit dem sie nicht allein steht). Wenn man das mit dem Verweis auf den NS ignoriert, ist das nicht nur schrecklich zynisch, sondern auch ein Rückfall in das Denken in ethnischen Hierarchien, das man eigentlich hinter sich lassen wollte. Palästinensische Kinder sind nicht weniger wert als andere - allein darüber diskutieren zu müssen, wirft kein gutes Licht auf hiesige Zustände.
zum Beitrag19.09.2025 , 18:53 Uhr
Sie bringen die Reihenfolge der Ereignisse durcheinander: Iran hat Israel nicht überfallen, sondern lediglich zurückgeschossen; und dass Hamas und Hisbollah direkt im Auftrag Irans gehandelt haben, bliebe zu beweisen (gerade Hamas ist – und das habe ich Ihnen schon mehrfach erklärt – kein Befehlsempfänger Irans, sondern ein eigenständiger Akteur, dessen Verhältnis zu Iran nicht unkompliziert ist). Und ein hypothetischer Angriff mit einer noch nicht existierenden Atombombe ist erst recht keine Legitimation dafür ein Land zu bombardieren (und dabei ganz unabhängig von der Legitimität des Krieges auch noch offenkundige Kriegsverbrechen zu begehen). Ihre Ressentiments gegen Muslime in allen Ehren, aber ich verstehe nicht recht, wieso man den nächsten Krieg gegen ein islamisches Land regelrecht herbeisehnt: als waeren die Erfahrungen aus Irak, Libyen und Afghanistan so gut gewesen und als gaebe es den Genozid in Gaza nicht.
zum Beitrag19.09.2025 , 13:42 Uhr
Nun bedeutet „kontextualisiert“ nicht dasselbe wie „rechtfertigen“; besonders unredlich ist die Vermischung dieser Begriffe aber, weil diejenigen, die sich darüber ereifern, dass der Angriff der Hamas historisch eingeordnet (d.h. kontextualisiert) wird, gar kein Problem damit haben, wenn Israels Agieren auf dieselbe Weise behandelt wird. Auf der Grundlage kann man den NO-Konflikt natürlich für die von Ihnen präferierte Seite bequem darstellen: die Palästinenser sind grundlos gewalttätig, Israel reagiert lediglich. Wir hatten haben hier ja kürzlich über die Frage gesprochen, wie rassistisch manche Verteidiger Israels argumentieren und Hand aufs Herz: Kommen Ihnen diese Deutungsmuster wirklich nicht bekannt vor? Was Sie über die EU-Regierungen schreiben, ist ohnehin falsch: Hamas ist (anders als Likud) als Terrororganisation eingestuft, alle Nachkriegsplaene sehen ein Gaza ohne Hamas vor, und gegen Israel gibt es keine nennenswerten Sanktionen, bestenfalls zaghaften Druck, der nicht zuletzt der Sorge geschuldet ist, irgendwann selbst für die Rolle in dem Völkermord in Gaza haftbar zu sein (ich erinnere an das noch laufende Verfahren gegen Deutschland).
zum Beitrag19.09.2025 , 09:46 Uhr
Wenn eine von den UN eingesetzte Kommission zu diesem Ergebnis kommt, ist das durchaus eine offizielle Einschätzung. Übrigens: Im Fall Gambia vs. Myanmar hat Deutschland darauf bestanden, dass die Ergebnisse solcher Kommissionen auch bindend sind, und das aus gutem Grund: es gibt eine rechtliche Verpflichtung, Völkermord zu verhindern und ihn nicht nur nachträglich juristisch aufzuarbeiten. Was Katar angeht: die Delegation der Hamas (die in Katar auch nicht als Terrororganisation eingestuft ist!) hält sich dort auf ausdrücklichen Wunsch der USA auf, die so einen Gesprächskanal offenhalten wollten. Ohnehin legitimiert die von Ihnen genannte UN-Resolution keinen militärischen Angriff auf die Hauptstadt eines anderen Staates. Die Bereitschaft, einen solchen enthemmten Einsatz von Gewalt zu befürworten, wenn die Opfer Araber oder Muslime sind, ist übrigens ein Zeichen für den unterschwelligen Rassismus, den ich angesprochen habe. Offenkundig werden hier Menschenleben anhand ethnischer und religiöser Kriterien hierarchisiert.
zum Beitrag19.09.2025 , 08:45 Uhr
Dass nicht alle islamischen Länder arabischsprachig sind, ist mir durchaus bekannt, das ändert aber nichts daran, dass Arabisch in der islamischen Kultur eine Schlüsselstellung zukommt. Und es ist ein methodischer Grundsatz, dass Quellen im Original studiert werden müssen; seriöse Islamwissenschaft ohne Arabisch-Kenntnisse ist schlichtweg nicht möglich. Daran ändert auch Indonesien nichts; Sie Missverstehen den Unterschied zwischen Regional- und Islamwissenschaft (zumal für theologische Diskurse in Indonesien Arabisch ebenfalls wichtig ist!). Und jenseits der grundsätzlich kann man ja auch einen Blick auf die Forschungsergebnisse werfen: das FFGI hat wissenschaftlich schlichtweg keine Rolle gespielt. Medienpräsenz ist keine Bestätigung für Fachkompetenz. Sie können gerne weiter gegen mich persönlich wüten, aber das sind einfach Fakten, die offenkundig auch die Gutachter so gesehen haben.
zum Beitrag19.09.2025 , 08:07 Uhr
Es ist wenig ehrlich, wenn man Sorge um das "leidende iranische Volk" vorgibt, dann aber einen völkerrechtswidrigen Überfall auf Iran inklusive der ebenfalls völkerrechtswidrigen Bombardierung von Atomanlagen verharmlost und sogar eine Zusammenarbeit bei dem nächsten Angriff fordert. Ich verstehe nicht Recht, woher diese Begeisterung dafür kommt, islamische Länder zu zerbomben (außer vielleicht aus tiefstem Ressentiment), aber um einmal bei den Fakten zu bleiben: Iran hat den NPT unterzeichnet und damit ein - so wörtlich - unveraeusserliches Recht auf ein ziviles Atomprogramm, inklusive einer eigenen Anreicherung; die höhere Anreicherung mag dubios sein, verstößt aber nicht gegen den NPT. Saeurelevante Institutionen (und die US-Geheimdienste) haben erst kurz vor dem Überfall betont, dass Iran gerade nicht versucht, den Schritt zur nuklearen Aufrüstung zu gehen. Die Einschätzung eines privaten und von Ihnen arg selektiv gewählten Instituts legitimiert keinen Überfall auf einen souveränen Staat. Übrigens: für Verstöße gegen den NPT ist der UN-Sicherheitsrat zuständig und nicht ein Staat wie Israel, der selbst massiv gegen internationales Recht verstößt.
zum Beitrag18.09.2025 , 22:21 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob sie verstehen, wie Wissenschaftsförderung funktioniert: über die Vergabe von Mitteln wird vor allem durch Gutachten und Fachgremien entschieden, d.h. dem FFIG wurden nicht von Islamisten oder "Postkolonialen" die Gelder gestrichen, sondern von den eigenen Kollegen, die von den Ergebnissen (aus Gründen, die ich oben umrissen habe) nicht überzeugt waren. Es gibt zweifellos radikale Islamisten, die eine Gefahr darstellen - das kann aber ohne Verschwörungstheorien und pauschale Verurteilungen kritisieren, die in einer finsteren Tradition stehen.
zum Beitrag18.09.2025 , 13:47 Uhr
Ich warne davor, das eigene Bauchgefühl (oder auch nur die eigenen Ressentiments) mit „der Realität zu verwechseln. Eine Wissenschaftlerin keine Kolumnisten ist; gemessen an fachlichen Kriterien – und die sind für die Wissenschaftsforderung ausschlaggebend – hat Schroeter eben keinen „tollen Job“ gemacht (wie könnte Sie auch: für das Quellenstudium fehlen ja die einschlägigen Sprachkenntnisse und ehrlich gesagt auch die methodische Begabung). Und ob man für rechtslastige Publizistik, in der vielleicht nicht ganz zufällig Kubitschek‘sche Schlagworte und Denkmuster auftauchen, ein Bundesverdienstkreuz verdient, sei dahingestellt. Interessant an Schroeter ist eigentlich das, was sie schreibt, sondern das Bedürfnis nach rechten Angstphantasien im akademischen Gewand. Daran lernt man viel über die sogenannte Mitte, finden Sie nicht?
zum Beitrag18.09.2025 , 10:26 Uhr
Es steht Ihnen frei, das Gutachten der UN-Kommission sowie die Berichte etlicher - auch israelischer - Menschenrechtorganisationen und unabhängiger Experten zu lesen (und sich vielleicht auch in die Geschichte des NO-Konflikts einzulesen. Was Foristen dazu bewegt, vor einem solchen vor der Weltöffentlichkeit begangenen Menschenheitsverbrechen die Augen zu verschließen oder es sogar zu rechtfertigen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.
zum Beitrag17.09.2025 , 21:57 Uhr
Nun hat die Schließung des FFGI nichts mit der Demokratiefoerderung zu tun. Dass es sich dabei um das einzige seriöse Zentrum dieser Art handelt, ist ebenfalls Unsinn: Islamwissenschaften werden an fast allen deutschen Universitäten angeboten - allerdings mit weniger medialer Aufmerksamkeit. Und das rührt an das zentrale Problem: Schröter ist eigentlich eine Expertin für Südostasien, die vor der Gründung dieses Zentrums nicht als Islamwissenschaftlerin aufgefallen ist und auch keine der relevanten Sprachen spricht. Mit Verlaub: Islamwissenschaften ohne Arabisch-Kenntnisse sind so seriös wie Globuli. Das ganze wird nicht besser, wenn man das Feindbild Postkolonialismus durchs Dorf treibt, dessen Einfluss an deutschen Unis ohnehin überschätzt wird. Schröter hat in Fachdiskussionen schlichtweg keine Rolle gespielt, sondern die Universität als Plattform für einen Ressentiment geladenen Aktivismus gebraucht. Damit erobert man die Herzen von Zeitungslesern, aber man überzeugt keine wissenschaftlichen Kommissionen - und die entscheiden eben über die Vergabe von Mitteln.
zum Beitrag17.09.2025 , 18:36 Uhr
Nun ist Ihnen vielleicht entgangen, dass erst gestern eine von den UN eingesetzte Expertenkommission zu dem Schluss gekommen ist, dass Israel in Gaza einen Völkermord begeht - eine Einschätzung, die von etlichen anderen Experten und Menschenrechtsorganisationen geteilt wird - übrigens sogar in Israel. Was in Gaza geschieht, ist nicht einfach furchtbar, es ist ein Verbrechen. Wer das weiterhin kleinredet, sollte die eigenen Motiven hinterfragen. Antisemitismus ist schrecklich, antiarabischer Rassismus allerdings auch.
zum Beitrag17.09.2025 , 18:21 Uhr
Nun kann ich nicht in Merzens Kopf schauen, aber egal ob die Tränen echt waren oder nicht - sie zeigen die unerträgliche Doppelmoral deutscher Eliten, die um die Toten der Vergangenheit weinen und gleichzeitig den Voelkermördern zuarbeiten. Das ist keine Moral, sondern ein moderner Anlasshandel auf Kosten anderer.
zum Beitrag17.09.2025 , 14:51 Uhr
Es genügt, regelmäßig eine seriöse Tageszeitung wie die taz zu lesen, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Die letzte Waffenruhe wurde von Israel aufgekündigt, die bisherigen Vermittlungsversuche sind an Netanjahu gescheitert (worüber sie inzwischen sogar schon der israelische Generalstaat ärgert!!!); Israel hat die für Verhandlungen zuständige Delegation in einem Drittstaat bombardiert – eine deutlichere Absage an Verhandlungen ist kaum denkbar. Darüber hinaus hat die israelische Regierung immer wieder klar gemacht, dass ihre Pläne letztliche eine Vertreibung der Bevölkerung Gazas vorsehen. Und selbst wenn die Verhandlungen wirklich nur an Hamas gescheitert wären, würde das nicht die Art und Weise der Kriegsführung rechtfertigen. Die UN hat gerade – nach etlichen Menschenrechtsorganisationen, unabhängigen Experten und sogar einigen europäischen Regierungen festgestellt, dass Israel einen Völkermord begeht. Wenn Foristen dazu nichts einfällt als „Aber Hamas…“ oder „Iran!“, wäre es an der Zeit, den eigenen Rassismus zu hinterfragen.
zum Beitrag17.09.2025 , 10:30 Uhr
Jenseits solcher historischen Überlegungen frage ich mich, ob die Bedeutung des Pahlavi-Sprösslings für die iranische Opposition wirklich noch so groß ist; die wenigsten Oppositionellen sind noch Monarchisten (gerade unter den Jüngeren) und die Nähe zu Israel hat nicht zu seiner Beliebtheit beigetragen. Und ich denke, das rührt an den zentralen Fehler des Artikels: Praktisch alle Beobachter gehen davon aus, dass der Überfall auf Iran nicht als Hilfe von Außen, sondern als Angriff auf die Nation wahrgenommen wurde (was sich ja auch in den ausbleibenden Protesten und der ablehnenden Haltung sogar der meisten Exil-Oppositionellen geäußert hat). Ob die iranischen Eliten in der Lage sind, diesen Schulterschluss in einen neuen Konsens zu übersetzen, der entfremdete Bevölkerungsteile wieder einbindet, bleibt abzuwarten, aber die Vorstellung, dass es der Opposition hilft, wenn man Iran bombardiert, ist wohl eher nicht richtig.
zum Beitrag16.09.2025 , 15:53 Uhr
Nein, es gibt Israel nicht seit 3000 Jahren, sondern seit 1948 – außer Sie wollen eine metaphysische Kontinuität mit dem antiken Israel behaupten (das übrigens historisch um einige Dimensionen kleiner ausfiel als in der Bibel dargestellt) – mit dem Postulat einer solchen Einheit von Volk und Raum losgelöst von tatsächlichen staatlichen Strukturen begeben Sie sich allerdings in eine gefährliche ideologische Gesellschaft. „Judaea“ war übrigens nur ein Name dieser Region (und keineswegs der älteste – die spätere römische Bezeichnung „Syria Palaestina“ greift zum Beispiel nur einen Sprachgebrauch auf, der schon bei Herodot zu lesen ist), in der auch nie nur ein Volk gelebt hat.
zum Beitrag16.09.2025 , 06:51 Uhr
P.S. Wenn Sie Wagenknecht nur dann schätzen, wenn sie auf Linke und eine angeblich zu liberale Migrationspolitik schimpft, aber nicht, wenn sie gegen Krieg und Völkermord demonstriert, sollten Sie es vielleicht mit Weidel versuchen...
zum Beitrag16.09.2025 , 06:49 Uhr
Von dem Wirken der Nazis ab 1933 in Israel zu sprechen, ist unsinnig, weil es damals noch kein Israel gab (das erst gegründet wurde, als die Nazis bereits gestürzt waren). Ich habe Ihnen auch schon mehrfach erklärt, warum es historisch verkürzt ist, den NO-Konflikt (dessen Anfänge vor 1933 liegen) als Fortwirken der NS zu deuten und die durchaus gewaltsame Rolle der zionistischen Bewegung bzw. Israels auszublenden. Das ist ein koloniale Blick in nuce: Man kümmert sich nicht darum, wenn Araber vertrieben, entrechtet oder ermordet werden, ist aber über deren Radikalisierung empört. Dafür Adorno als Zeugen anzuführen, ist besonders absurd: denn der hätte den neudeutschen Hang, den NS auf andere zu projizieren, wenig geschätzt, insbesondere dann, wenn es nicht nur der Selbstentlastung dient, sondern, mit einer schrecklichen Ironie, der Legitimation von Rassismus und Völkermord.
zum Beitrag14.09.2025 , 19:31 Uhr
Und wo hat der Forist von einem "Nazistaat" gesprochen? Genau: nirgends. Er hat lediglich auf eine bedenkliche Bandera-Verehrung in der Ukraine hingewiesen. Anderen Foristen Aussagen in den Mund zu legen, um dann dagegen zu polemisieren, ist - mit Verlaub - eine dümmliche Diskussionsstrategie.
zum Beitrag14.09.2025 , 16:52 Uhr
Israel kontrolliert den Zugang zu Gaza, nicht Hamas. Sie lenken mit dem allzu üblichen "Aber Hamas..." von dem eigentlichen Problem ab: die Hilfslieferungen haben funktioniert, bevor Israel begonnen hat, diese zu blockieren und die zivile Polizei (ja, die gab es in Gaza) anzugreifen, die für die Sicherung der Lieferung zuständig war (auch das ist übrigens ein Kriegsverbrechen: Polizisten sind keine Kombattanten). Es gibt in Gaza genau eine Kriegspartei, die Hunger systematisch als Waffe einsetzt, und das ist nicht Hamas.
zum Beitrag14.09.2025 , 14:11 Uhr
P.S. Natürlich ist Israel als Besatzungsmacht für die Versorgung der Zivilbevölkerung zuständig.
zum Beitrag14.09.2025 , 14:10 Uhr
Ich finde es ermüdend, immer noch erklären zu müssen, dass der NO Konflikt nicht am 7.10.23 begonnen hat und der Überfall der Hamas Israel nicht von jeder rechtlichen Verpflichtung entbindet. In Gaza werden vor den Augen der Weltöffentlichkeit Kriegsverbrechen begangen, die sogar in den Augen einiger europäischer Regierungen die Grenze zum Völkermord überschreiteten. Das mit dem Verweis auf Hamas zu relativieren, ist nicht nur juristisch Unsinn, sondern spiegelt auch in beunruhigender Weise die Argumentationsstrategien wider, mit denen Hamas operiert. Opfer geworden zu sein impliziert kein Recht, zum Täter zu werden. Und die Gewaltspirale im NO zeigt auch, dass solches Denken nicht nur unmoralisch, sondern selbstzerstoererisch ist.
zum Beitrag14.09.2025 , 10:14 Uhr
Es gibt seriöse Fachliteratur zum NO-Konflikt, die mit solchen Einseitigkeiten aufräumt; auch der Angriff der arabischen Staaten auf Israel erfolgte vor dem Hintergrund einer Geschichte wechselseitiger Gewalt und kann nach Jahrzehnten auch nicht mehr als Legitimation für jeden Gewaltakt dienen. Israel verteidigt sich nicht nur, sondern verfolgt eine expansionistischen Agenda, due ebenso viel zum NO-Konflikt beiträgt wie der (teils eben auch reaktive) Extremismus auf palästinensischer Seite. Und davon abgesehen, dass es verharmlosend ist, den Völkermord in Namibia als "Konflikt" zu bezeichnen, bleiben Sie hier eine Erklärung schuldig. KR dixit ist kein Argument.
zum Beitrag13.09.2025 , 19:04 Uhr
Die "Herausforderung" gibt es aus den von mir genannten Gründen. Kein seriöser Beobachter bestreitet mehr, dass die Hungersnot in Gaza von der rechtsextremen israelischen Regierung bewusst herbeigeführt wurde (und nicht einmal die Israelis machen en Geheimnis daraus). Und wenn Sie einmal einen Blick in einem der zahllosen Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Gaza lesen, sehen Sie, dass "enthemmt" noch zurückhaltend formuliert ist. Nicht einmal mehr europäische Regierungen bestreiten, dass in Gaza ein Völkermord vor den Augen der Weltöffentlichkeit verübt wird. "Aber Hamas..." ist angesichts dessen keine hinreichende Antwort.
zum Beitrag13.09.2025 , 11:17 Uhr
Ich würde Ihnen nahelegen meinen Beitrag noch einmal zu lesen, Sie sind nicht auf meine Argumente eingegangen (von "widerlegen" will ich gar nicht sprechen). Zu den Fakten: Da Sanktionen wurden nicht vom UN-Sicherheitsrat beschlossen und sind daher illegal; daher geht - wie ich Ihnen erklärt habe - die Rede vom Handel an der Realität vorbei, weil die USA eben nicht nur selbst auf wirtschaftliche Beziehungen zu Iran verzichten, sondern auch andere Staaten für solche bestrafen. Der Unterschied ist eigentlich leicht zu verstehen. Und noch einmal: an der Verarmung sind allein die illegalen US-Sanktionen schuld - übrigens nicht nur im Iran: solche Zwangsmaßnahmen kosten mehr Menschenleben als Amerikas Kriege. Vielleicht gehen Sie also in sich und überlegen, wer Hass und Terror verbreitet.
zum Beitrag13.09.2025 , 11:00 Uhr
Für die katastrophalen Zustände in Gaza ist nicht nur Hamas verantwortlich, sondern vor allem auch Israel, das Hunger als Waffe einsetzt, Krieg gegen die Zivilbevölkerung führt und offen über eine ethnische Säuberung spricht. Der Verweis auf Hamas kann weder von der israelischen Besatzungspolitik ablenken, in deren Kontext Hamas erst entstanden ist, noch eine Strafexpedition legitimieren, die längst die Grenze zum Genozidalen überschritten hat. Es ist schlicht und ergreifend falsch, Israels Agieren im NO-Konflikt nur als reaktiv zu beschreiben und die expansionistischen und auf regionale Dominanz abzielenden Bestrebungen auszublenden, die von der gegenwärtigen rechtsextremen Regierung nur offener artikuliert werden. Statt den ewig schiefen NS-Analogien würde ich 1904 als Vergleichspunkt anraten: der Völkermord an den Herero wurde auch mit dem Massaker an weißen Siedlern gerechtfertigt. Statt über eine Entnazifizierung der Palästinenser sollte man vielleicht über eine Entkolonialisierung hiesiger Zeitungsleser nachdenken...
zum Beitrag13.09.2025 , 07:14 Uhr
Tel Aviv wurde allerdings auch nicht von einer enthemmten Soldateska in Schutt und Asche gelegt. Die Verteilung von Lebensmitteln in Gaza funktioniert nicht, weil Israel eine künstliche Knappheit geschaffen hat und gleichzeitig die reguläre Polizei, die für die Sicherung der Lieferungen zuständig war, angegriffen hat. Die Hungersnot in Gaza ist keine Tragödie, sondern ein Verbrechen, weil sie von der rechtsextremen israelischen Regiobewusst herbeigeführt wurde, deren Vertreter in den letzten zwei Jahren hinreichend klar gemacht haben, was ihr Ziel ist: ein Gaza ohne Palästinenser. Davor kann man einfach nicht mehr die Augen verschließen.
zum Beitrag12.09.2025 , 21:16 Uhr
Die persönlichen Anfeindungen können Sie sich sparen. Zu den Fakten: -Ob die Iraner unter "dem Regime" (das ja auch aus Iranern besteht) leiden, hängt von den jeweiligen Überzeugung ab - es gibt schließlich nicht nur Oppositionelle. Das ändert aber nichts daran, dass das Land infolge der Sanktionen massiv verarmt ist - und die Verantwortlichen dafür sitzen in Washington, nicht in Teheran. Zweitens beziehen sich die US-Sanktionen nicht allein auf den eigenen Handel, sondern betreffen auch Drittstaaten - und gerade deshalb sind sie völkerrechtlich höchst umstritten (das wäre Grundwissen...).
zum Beitrag12.09.2025 , 20:07 Uhr
Dass der Überfall auf Iran nicht zu einem Aufstand, sondern eher zu einem nationalen Schulterschluss und (möglicherweise) zu einer Suche nach einem neuen Konsens geführt hat, können Sie sogar liberalen Medien entnehmen wie dem Guardian entnehmen; und auch in der taz sind ja Vertreter der Exil-Opposition zu Wort gekommen, die den Angriff fast ausnahmslos abgelehnt haben. Und natürlich wissen Sie selbst, dass Ihre Anekdote keineswegs nur eine solche ist, sondern eine politische Einschätzung impliziert.
zum Beitrag12.09.2025 , 11:04 Uhr
Die Menschenrechtssituation im Iran hat sich weder durch die Sanktionen noch durch den israelischen Überfall gebessert (und es wäre auch naiv zu glauben, dass die Regime-change-Versuche irgendeiner humanitären Motivation folgen). Iran wird ebenfalls seit Jahrzehnten bedroht und die Unterstützung nichtstaatlicher Akteure ist kein iranisches Spezifikum. Sie müssen lernen, mit der Komplexität zu leben, dass ein Staat politisch nicht unseren Vorstellungen entspricht, aber trotzdem nicht zum Abschuss freigegeben ist – Sie können das Völkerrecht nicht durch moralische Selbstermächtigung aushebeln (die ohnehin wenig glaubwürdig ist, wie di westliche Komplizenschaft in dem Völkermord in Gaza in aller Schrecklichkeit beweist). Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Iran durch eine rechtlich fragwürdige, von den USA betriebene Sanktionspolitik massiv verarmt ist und das kann man nicht mit den üblichen Propaganda-Phrasen schönreden.
zum Beitrag12.09.2025 , 08:55 Uhr
Nicht überprüfbare anekdotische Evidenz in Foren ist natürlich ein bequemer Ersatz für Argumente, aber ihr "iranischer Freund" ändert nichts daran, dass der israelische Überfall auf Iran ein klarer Völkerrechtsbruch war (Hand in Hand mit Kriegsverbrechen wie dem Angriff auf Gefängnisse und Fernsehsender und der Ermordung von Wissenschaftlern) und von einer Mehrheit der Iraner auch nicht als Hilfe gegen das Regime, sondern als Angriff auf die Nation wahrgenommen wurde. Solche Gewaltakte zum Befreiungsakt umzusetzen mag eine routinierte Propagandastrategie sein, diese scheitert aber immer offensichtlicher an der Realität. Auch oppositionelle Iraner wollen nicht von israelischen Rechtsextremisten bombardiert werden. Man kann es ihnen nicht verübeln.
zum Beitrag11.09.2025 , 21:41 Uhr
Der Bogen, den Sie von der NYT zu Khamenei spannen, wirkt fast schon verschwörungstheoretisch. Natürlich, alle Seiten in diesem Konflikt ringen um Deutungshoheit, das Israel diese verliert, hat allerdings wenig mit Antisemitismus zu tun und viel mehr damit, dass so offensichtliche Kriegsverbrechen nicht mehr zu rechtfertigen sind (und dabei ist es vollkommen unerheblich, ob die Opfer Transsexuelle oder Gefängniswärter waren). Und was die Münchner Philharmoniker angeht: Erinnern Sie sich noch an die causa Gergijew? Glashaus, etc.
zum Beitrag11.09.2025 , 21:06 Uhr
Stimmt, Sie verstehen mich falsch (und ich frage mich manchmal, ob das mit Intention geschieht). Ich habe offenkundig nicht den Hinweis auf die Falschdarstellung kritisiert, sondern die Relativierung eines Kriegsverbrechen.
zum Beitrag11.09.2025 , 14:01 Uhr
Die massive Verarmung ist eine Folge der Sanktionen - und die sind Ausdruck einer Besessenheit damit, Iran zu unterwerfen, die nicht weniger fanatisch ist – ich erinnere daran, dass Verhandlungen nicht deshalb gescheitert sind, weil Iran nicht zu Kompromissen bereit war, sondern weil sich die Amerikaner aus Abkommen zurückgezogen haben oder Iran während laufender Gespräche überfallen und bombardiert wurde (inklusive offenkundiger Kriegsverbrechen wie den Angriffen auf Fernsehsender oder Gefängnisse).
zum Beitrag11.09.2025 , 13:06 Uhr
Es wäre mir doch lieber, wenn wir beim „Sie“ bleiben – auch in einer kontroversen Diskussion kann und sollte man gewisse Formen wahren. Aber um zur Sache zu kommen: Ich habe mich auf die Passage „allesamt Staatsbedienstete, darunter auch berüchtigte Schergen des Folterregimes“ bezogen. Denn selbst wenn das stimmt, handelt es sich nach wie vor um ein Kriegsverbrechen. Wenn der Artikel das relativiert, indem er ein moralisches Urteil über die Opfer fällt, droht er eine essentielle Unterscheidung, die nämlich zwischen Zivilisten und Kombattanten abzuschwächen. Damit steht er nicht allein und die Folgen davon sehen Sie in etlichen Kriegs- und Krisengebieten auf dieser Welt (z.B. wenn die Ermordung von Journalisten mit dem Vorwurf, sie wären „Propagandisten“, gerechtfertigt wird). Das ist eine Problematik, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann, indem man mit Schlagwörtern wie Whataboutism (hier sogar offenkundig falsch, weil ich gar nicht auf irgendetwas anderes bezogen habe) um sich wirft.
zum Beitrag11.09.2025 , 07:59 Uhr
Selbst wenn es sich bei den Opfern zum Großteil um Personal gehandelt hat, nicht um Gefangene und Besucher, ist und bleibt das ein Kriegsverbrechen: Gefängniswärter sind keine Kombattanten und damit kein legitimes Ziel. Es ist gefährlich, solche grundlegenden rechtlichen Unterscheidungen durch politische Rhetorik und simple Moralisierungen zu unterlaufen.
zum Beitrag10.09.2025 , 18:12 Uhr
Wenn Sie noch einmal genau lesen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass es sich hier um einen Kommentar handelt - Ihre Kritik läuft also ins Leere. Ohnehin verstehe ich nicht, wieso manchen Foristen Kritik an einer eher glücklosen ehemaligen Außenministerin geradezu als Sakrileg betrachten.
zum Beitrag10.09.2025 , 18:08 Uhr
Jetzt schaffen Sie es sogar, dass ich Baerbock verteidige, aber dieses gewollte Missverstehen geht mir auf den Senkel: es ist doch evident, dass es in dieser Formulierung darum ging, den religiösen Legitimationsanspruch der iranischen Regierung in Frage zu stellen und auf den dahinter verborgenen Machiavellismus zu verweisen - das klassische Priesterschwindel-Argument eben. Dem iranischen Volk geht es übrigens nicht zuletzt wegen der Sanktionen schlecht, die zu einer massiven Verarmung geführt haben.
zum Beitrag09.09.2025 , 22:24 Uhr
Ich bezweifle, dass es irgendeinem US-Aussenpolitiker jemals darum ging, Gutes zu tun: man hat eigene Interessen durchgesetzt, und wenn dafür Vietnamesen, Iraker oder Chilenen den Preis zahlen mussten: Pech gehabt (soviel übrigens dazu, dass man sich mit der US-Hegemonie arrangieren könne - in Europa vielleicht, für einen Großteil der Welt gab es nur den Stock, ohne Karotte. Und was Kriegsverbrecher (direkt oder durch Proxies) angeht, sehe ich den Unterschied der USA zu anderen Großmächten nicht (und wo doch, dort nicht unbedingt zu ihren Gunsten).
zum Beitrag09.09.2025 , 12:06 Uhr
Ich denke nicht, dass die USA in irgendeinem Krieg eine gute Intention hatte. Die humanitäre Rhetorik war stets nur für das Publikum bestimmt. Kriege waren und sind ein Instrument Interessen durchzusetzen. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum der Fokus besonders auf den USA liegt: als unbestrittener Hegemon haben Sie eben nicht nur partikular Gewalt eingesetzt, sondern ein globales Machtsystem aufrecht erhalten, das für diejenigen am unteren Ende der Nahrungskette auch im friedlichen Normalbetrieb albtraumhaft ist.
zum Beitrag05.09.2025 , 18:46 Uhr
Die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Palästinenser stammt aus alteingesessenen Familien; die gerne beschworenen ägyptischen Wurzeln sind eine längst widerlege Propagandalüge, mit die Vertreibung dieser Menschen gerechtfertigt wurde und wird.
zum Beitrag04.09.2025 , 17:22 Uhr
Ein eher rechts lästiger israelischer Think Tank behauptet, es gäbe keinen Völkermord - dutzende Experten, Menschenrechtsorganisationen und inzwischen sogar einige europäische Regierungen sehen das anders. Inzwischen erinnert das an den alten Witz mit dem Geisterfahrer...
zum Beitrag04.09.2025 , 17:15 Uhr
Welcher arabische Staat stand Ihrer Meinung nach den 1948 unter Führung der Muslimbruderschaft? Und weil wir schon bei historischen Wissenslücken sind: es steht Ihnen frei, sich genauer in die Umstände der Gründung Israels und in die Gründe für das Scheitern bisheriger Verhandlungen einzulesen. Es ging dabei eben nicht darum, dass die Palästinenser das ganze Land wollten, sondern um konkrete Fragen wie Straßeverlaeufe, Checkpoints etc., mithin darum, ob der eigene Staat auch ein solcher ist, oder nur ein Konglomerat aus Bantustans. Die Mär vom friedensunwilligen Araber nimmt Israel aus der Verantwortung und enthüllt auch einiges über die Ressentiments derjenigen, die immer noch so argumentieren.
zum Beitrag04.09.2025 , 15:36 Uhr
Dass ein israelischer, eher rechter und dem Militär nahestehender Think Tank bestreitet, dass es einen Völkermord in Gaza gibt, ist wenig überraschend – das Foristen auf so offenkundig schiefe Argumente reinfallen, umso mehr: es wird z.B. ausgeblendet, dass der Bedarf an Hilfslieferungen durch die komplette Zerstörung der Wirtschaft in Gaza viel höher ist vor dem Krieg. Es ist einfach eine Tatsache, dass in Gaza Menschen verhungern. Ich verstehe nicht, wieso man ein so offenkundiges Verbrechen leugnen kann (aber auch das hat ja eine gewisse Kontinuität…).
zum Beitrag04.09.2025 , 12:13 Uhr
Bequemerweise wird die Deutungshoheit darüber, was "antisemitische Narrative und Klischees" sind, von den foralen Likudniks beansprucht, die so damit selbst den Hinweis auf Verbrechen, die vor laufenden Kameras begangen werden, zum Antisemitismus erklären (ich rate dazu, die eigenen Beiträge zu lesen...). Mit solcher Rabulistik gewinnt man natürlich den Beifall derer, die ohnehin über jeden toten Muslim jubeln, als Wächter über das Diskussionsniveaus sollte man sich allerdings nicht aufspielen. Statt den angeblichen Antisemitismus anderer zu "dekodieren" würde es dem ein oder anderen Foristen nicht schaden, über das eigene rassifizierte Weltbild nachzudenken.
zum Beitrag04.09.2025 , 11:35 Uhr
Wenn Journalisten angesichts einer zum Völkermord ausgearteten Strafexpedition Druck auf Israel fordern, ist das keine "Medienstrategie der Hamas", sondern schlicht und ergreifend menschlicher Anstand.
zum Beitrag04.09.2025 , 11:03 Uhr
Gewaltandrohung en verstoßen auch gegen internationales Recht. Allerdings auch, wenn sie von amerikanischen oder israelischen Regierungsvertretern stammen.
zum Beitrag04.09.2025 , 11:01 Uhr
Umgekehrt wird der Iran seit Jahrzehnten von den USA, Israel und diversen Verbündeten bedroht oder auch angegriffen (wissen Sie, wer die irakischen Giftgasfabriken gebaut hat?), militante Gruppen (auch im Iran) werden von allen regionalen Akteuren unterstützt und der Raketenangriff was eine Reaktion Irans auf israelische Angriffe. Sie haben Recht: die Doppelstandards werden allmählich grotesk.
zum Beitrag04.09.2025 , 10:24 Uhr
Nun gehören die Forscher, die sich dieser Erklärung angeschlossen haben, teils zu den angesehensten Vertretern Ihrer Fächer; dazu kommen etliche Menschenrechtsorganisationen (sogar israelische) und inzwischen sogar einige europäische Regierungen. Und die Strafexpeditionen in Gaza vollzieht sich ja nicht im Stillen, sondern vor den Augen der Weltöffentlichkeit, begleitet von der Genozidalen Rhetorik der rechtsextremen israelischen Regierung. Ich verstehe also nicht, was Foristen dazu bewegt, das noch zu relativieren. Es ist oft von einem "israelbezogenen Antisemitismus" die Rede - vielleicht wäre es auch an der Zeit, von einen palästinenserbezogenen Rassenhass zu sprechen. Anders kann man sich die Komplizenschaft jedenfalls nicht mehr erklären.
zum Beitrag01.09.2025 , 12:01 Uhr
Die inzwischen über 200 Journalisten, die aus Gaza berichtet haben und dabei getötet wurden (teils mit ihren Familien) gehen allesamt auf das Konto der IDF; es ist auch nicht Hamas, die internationalen Journalisten die Einreise verweigert, sondern Israel. Wenn ein Staat offenkundig Jagt auf Journalisten macht und das teils nicht einmal mehr verheimlicht, ist "aber Hamas..." Keine gute Antwort mehr (und verlinkte Artikel sollten die These des Beitrags auch unterstützen...)
zum Beitrag30.08.2025 , 18:10 Uhr
"Vielvölkerei" ist eine auffällige Wortwahl... Sie können sich gerne über regionale Siedlungsgeschichte kundig machen (und nochmal: die Bibel ist kein akkurater historischer Bericht): ethnisch homogen was Palästina nie. Im übrigen habe ich nie behauptet, die Grüne Linie nicht anzuerkennen (es ist die israelische Regierung, die darüber hinaus liegende Gebiete besetzt und besiedelt). Das heißt aber nicht, dass man das Unrecht, das mit der Staatsgründung Israels einhergegangen ist, ignorieren darf oder soll. Dass das Rückkehrrecht (das nicht mit dem Tod der unmittelbar Betroffenen verschwindet) nicht voll umgesetzt werden kann, ist eine Sache; es gibt aber Auswege wie eine symbolische Anerkennung und Entschädigungszahlungen. Das ist allerdings Grundwissen...
zum Beitrag30.08.2025 , 10:25 Uhr
Sie weichen dem Problem aus: es ging nicht um Minderheiten in Israel, sondern um territoriale Ansprüche, die auch damit legitimiert werden, dass der nichtjüdische Teil der Geschichte ausgeblendet wird.
zum Beitrag30.08.2025 , 09:14 Uhr
Das Wort "Islamophobie" impliziert keine Pathologie (Sie verwechseln Etymologie und Bedeutung), sondern bezeichnet eine Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit - und dass die überaus real ist, weiss man, wenn man die ohnehin unvollständigen Polizeiberichte liest, die Rhetorik rechtsradikaler Parteien verfolgt oder auch nur die Reaktionen der bürgerlichen Mitte auf Gewalt, Diskriminierung oder sogar auf einen Völkermord. Nicht nur Islamkritiker bekommen Morddrohungen und Menschenverachtendes finden Sie auch in der klassischen Pali-Literatur. Das kontextfreie Surenbingo können Sie sich also sparen.
zum Beitrag29.08.2025 , 22:59 Uhr
Ich erinnere daran, das die Bibel kein Grundbuch ist und es auch keinen Rechtsanspruch auf antike Siedlungsgebiete gibt (oder wollen Sie Köln an Italien abtreten?). Fakt ist, dass die Siedlungen illegal sind (daran ändert auch biblische Nomenklatur nichts) und die Zweistaatenloesung, außer in rechten Propagandablasen, nichts mit Jordanien zu tun hat, sondern den Status der besetzten Gebiete betrifft. Sie können von den dort lebenden Palästinensern (deren Identität zum Etikettenschwindel zu erklären grenzwertig rassistisch ist) einen Anspruch darauf haben, dort zu leben - und zwar nicht nur als Menschen zweiter Klasse. Es gibt einfach nur zwei Lösungen: ein eigener Palästinenserstaat in den besetzten Gebieten oder ein Staat für beide Völker - der wäre dann aber nicht mehr jüdisch. Passen Sie also auf, was Sie fordern - das Ergebnis wäre nicht unbedingt in Ihrem Sinne.
zum Beitrag29.08.2025 , 18:13 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob der Artikel sich nicht in Widersprüche verstrickt: er stellt erst den Vergleich mit der Nato auf, betont dann selbst zumindest einen wichtigen Unterschied (die fehlende Beistandspflicht - die Konsequenzen hat man ja während Israels Überfall auf das SCO-Mitglied Iran gesehen), um Peking zuletzt eine Machtposition zuzuschreiben, die es innerhalb der SCO nicht hat (auf Indien kommt der Artikel ja zu sprechen). Ein besserer Vergleichspunkt wäre vielleicht die OSZE gewesen: die SCO ist letztlich ein Sicherheitsforum, kein Militärbuendnis. Aber vielleicht sind solche Vergleiche ohnehin problematisch, weil Sie davon ausgehen, dass eine nicht mehr vom Westen dominierte Welt die alten Strukturen lediglich reproduziert, statt neue zu schaffen (eine Annahme, die zu der generellen Tendenz passt, die eigene kontingente Geschichte als Blaupause für die ganze Welt zu verstehen).
zum Beitrag29.08.2025 , 17:43 Uhr
Was offenkundig Unsinn ist: dass der Islamophobie-Vorwurf instrumentalisiert werden kann, um sachliche Kritik zu delegitimieren, ist zweifellos wahr - das heißt aber eben im Umkehrschluss nicht, dass er nicht auch berechtigt sein kann. Zumal auch das von Bruckner beschworene Einschüchterungsszenario unrealistisch ist: Sie können in jedem Buchladen islamkritische Bücher kaufen, in Tageszeitungen entsprechende Artikel lesen und den üblichen Agitatoren in Talkshows zuhören. Ab und an wäre es vielleicht auch an der Zeit nachzudenken, ob sich hinter der angeblichen Kritik nicht einfach ordinärer Hass verbirgt.
zum Beitrag29.08.2025 , 09:36 Uhr
Vielleicht sind Sie einmal auf den Ausdruck „Zitationskartell“ gestoßen: jetzt zitieren Sie Grigat, einen anderen Agitator, der wie Küntzel keine einzige der für die islamische Welt relevanten Sprachen spricht… Dass Khomeini (wie viele gebildete Muslime in dieser Zeit) Radio Zeesen verabscheut hat, können Sie bei einem seriösen Historiker nachlesen, der sich mit NS-Propaganda in der islamischen Welt befasst hat: David Motadel, Für Prophet und Führer: Die Islamische Welt und das Dritte Reich, Stuttgart 2017. Dass Khomeini ein begeisterter Leser der Protokolle war, muessten Sie belegen (er hat sich grundsätzlich kaum auf nicht-islamische Quellen bezogen) und auch die Existenz der angeblich darauf basierenden iranischen Serie ist unklar: suchen Sie einmal, man findet keine direkten Informationen darüber, sondern die Recherche endet immer im Leeren. Das ist leider ein grundsaetzliches Problem auch der von ihnen zitierten Autoren: beide versuchen, moeglichst viel NS in den Islam zu lesen und nehmen es dabei mit Fakten nicht allzu genau.
zum Beitrag28.08.2025 , 20:53 Uhr
Ich habe nicht jeden Einwand zur Rabulistik erklärt, sondern nur Ihren, weil Sie in ihm (nicht zum ersten Mal) eine Diffamierungsrhetorik bedienen, die jede sachliche Diskussion unmöglich macht: die würde nämlich voraussetzen, dass man sich Argumente anhört und sie gegebenenfalls widerlegt, statt Implikationen zu unterstellen, die der eigenen Phantasie (oder auch politischen Agenda) entsprungen sind. Aber vielleicht ist das auch konsequent: Wer verteidigt, was nicht mehr zu verteidigen ist, kann wohl nicht mehr redlich argumentieren.
zum Beitrag28.08.2025 , 17:21 Uhr
"Etabliert wurde er zu Sowjetzeiten" Der Begriff Zionist/Zionist ist viel älter: er wurde vermutlich 1890 von Nathan Birnbaum geprägt und ist seither vor allem als Selbstbezeichnung benutzt (nicht zuletzt in Israel).
zum Beitrag28.08.2025 , 17:17 Uhr
Sehen Sie: Bei Khomeini hat man BBC gehört (Radio Zeesen hat er übrigens verabscheut, wie Sie bei Motadel nachlesen können); der Iran 8und die Schia im Allgemeinen hat übrigens in dieser Zeit keine besondere Rolle gespielt und das Hitler von einer größeren Menge an Schiiten als Messias angesehen wurde, glaubt eigentlich nur der von Ihnen zitierte Küntzel – der äußerst selektiv mit Quellen umgeht, die er nicht im Original lesen kann (wie seltsam es ist, dass ein angeblicher NO-Experte weder Arabisch, noch Persisch, noch Türkisch kann, fällt Ihnen vielleicht auf). Aber Küntzel bedient natürlich ein Bedürfnis, möglichst viel NS in die islamische Welt hineinzuinterpretieren, um damit jeden Gewaltakt Israels und seiner Verbündeten als antifaschistischen Abwehrkampf zu deuten. Wie gesagt, das ist bequem, mehr aber auch nicht…
zum Beitrag28.08.2025 , 16:01 Uhr
Wiedemanns Artikel ist wie immer lesenswert; es ist allerdings schade, dass er den Fokus sehr stark auf die Palästina-Solidarität richtet und die Frage, wieso sich Menschen hier im Westen mit Israel identifizieren, nicht gründlicher erörtert und an dieses Milieu nicht dieselben kritischen Fragen richtet wie an die Gegenseite. NO-Diskussionen sind ja nicht nur ein Deckmantel, um antisemitische Ressentiments auszuleben, sondern auch, um Islamophobie und Rassismus noch salonfähiger zu machen, als sie ohnehin schon sind. Die Blindheit dafür ist – auch in linksliberalen Medien – immer wieder auffällig.
zum Beitrag28.08.2025 , 08:40 Uhr
Palästinena war zu keiner Zeit ethnisch homogen, sondern die Heimat vieler Völker (zumal sich ja auch noch das Problem der Konvertiten stellt). Natürlich gab es eine Kontinuität jüdischen Lebens in der Region - das legitimiert aber weder die Vertreibung der nichtjüdischen Bevölkerung durch eine zionistische Bewegung, der Anhänger zum Großteil aus Europa kamen noch die Errichtung eines Grossisraels, das auf biblischen Ansprüchen beruht (weder gibt es ein Recht darauf, historische Siedlungsgebiete nach 2000 Jahren zurück zu fordern noch entsprechen biblische Berichte unbedingt der historischen Realität).
zum Beitrag28.08.2025 , 08:07 Uhr
Möglicherweise ist nicht die Sprache des Artikels verräterisch, sondern Ihr gewolltes Missverstehen. Eine Hermeneutik des Verdachts mag der foralen Rabulistik entgegenkommen, ist aber im Grunde ein Eingeständnis des eigenen argumentativen Scheiterns.
zum Beitrag28.08.2025 , 08:04 Uhr
Said eine Nähe zum NS zu unterstellen, ist selbst für die Verhältnisse in einem Leserforum noch primitiv (und man kann sich ja auch fragen, woher der Drang kommt, den NS auf die Palästinenser zu projizieren). Was Ihre historischen Einlassungen angeht: Muslime umworben haben alle Seiten im zweiten Weltkrieg. Sie überschätzen mit ihrer Fixierung auf el-Husseini den Erfolg der NS-Propaganda und ignorieren die Ablehnung, mit der dieser auch begegnet wurde. Wissen Sie, wie viele Muslime in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition gekämpft haben? Den NO-Konflikt als Folge der NS-Propaganda deuten zu wollen, ist grotesk falsch: das Grundproblem, dass die zionistische Bewegung für ihren neuen Staat Land beansprucht hat, das nicht leer war und in dem Juden vor der Staatsgründung Israels und den damit einhergehenden Vertreibungen nur eine Minderheit waren, hat nichts mit den Nazis zu tun. Die reductio ad Hitlerum ist ein schlichter Versuch, das den Palästinensern angetane Unrecht zu legitimieren und gleichzeitig Israels Verantwortung auszublenden.
zum Beitrag27.08.2025 , 07:57 Uhr
Aber diese Trennung besteht doch bereits: die Kinder und ihre Begleitung bekommen ja ein zeitlich begrenztes Visum für eine medizinische Behandlung. Das hat mit einem Asylanträge erst einmal nichts zu tun.
zum Beitrag27.08.2025 , 07:54 Uhr
Wenn Sie in ein paar schwerverletzten Kindern nur eine potentielle Bedrohung sehen, wäre es an der Zeit, die eigenen moralischen Standards zu hinterfragen. Für manche Foristen ist die angebliche Sorge um jüdisches Leben anscheinend nur ein Vorwand, den eigenen Rassismus offen ausleben zu können.
zum Beitrag27.08.2025 , 06:37 Uhr
De Winter vertritt solche Ansichten ja schon seit Jahren. Dass die Veranstalter von seinen jüngsten Einlassungen überrascht waren, kann man sich also nur schwer vorstellen. Die Frage bleibt also, wieso man sich entschlossen hat, ihn einzuladen (zumal Toubianas Distanzierung allzu halbherzig klingt).
zum Beitrag26.08.2025 , 23:08 Uhr
Sie meinen nicht, dass der Völkermord in Gaza und die Komplizenschaft der deutschen Regierung (inklusive einem recht repressiven Gehabe) ein klein wenig zu der miesen Stimmung beigetragen haben?
zum Beitrag26.08.2025 , 21:00 Uhr
Nun geht es hier nicht um "die Juden", sondern um die israelische Regierung und deren Verbrechen sind hinreichend dokumentiert. Wer in so eklatanter Weise gegen menschen- und völkerrechtliche Standards verstößt, ist ein Verbrecher, egal ob er Jude, Christ oder Pastafari ist.
zum Beitrag26.08.2025 , 18:40 Uhr
Die wichtigste Frage im Umgang mit Kindern, die einem Völkermord entkommen sind und medizinische Behandlung brauchen, sollte vielleicht nicht sein, ob die auch bald wieder abreisen... Ein bisschen menschlicher Anstand kann auch in Leserforen nicht schaden.
zum Beitrag26.08.2025 , 18:30 Uhr
Auch Ihnen sei and Herz gelegt, doch einfach einmal zu googlen, welche Staaten die meisten medizinischen Evakuierungen aus Gaza ermöglicht haben. Kleiner Tipp: auf Platz 1 sind die VAE.
zum Beitrag26.08.2025 , 13:07 Uhr
Nur ein einziges Mal zu googeln würde genügen, um zu sehen, welche Länder die meisten Palästinenser zur medizinischen Behandlung aufgenommen hat – ein kleiner Tipp: die meisten davon liegen in der Region. Davon abgesehen folgt einer medizinischen Behandlung natürlich nicht „zwangsweise“ der Familiennachzug (ein Visum für einen Krankenhausaufenthalt ist kein Asylantrag).
zum Beitrag26.08.2025 , 08:06 Uhr
Die Frage, die ich oben gestellt habe, beantworten Sie mit dieser Einlassung immerhin. Die israelischen Kriegsverbrechen in Gaza sind hinlänglich dokumentiert und dass diese sich mittlerweile zum Völkermord summieren, behaupten inzwischen sogar israelische Menschenrechtsorganisationen. Es ist mir also ein Rätsel, wieso manche Foristen die Untaten einer offen rechtsextremen Regierung verteidigen oder sogar leugnen, obwohl sie vor den Augen der Weltöffentlichkeit begangen werden. Kritik an israelischen Menschenrechtsverletzungen mit Antisemitismus-Vorwuerfen zu beantworten, was immer perfide, in der gegenwärtigen Situation ist es aber vor allem ein Eingeständnis, dass man die Strafexpedition in Gaza argumentativ nicht mehr rechtfertigen kann. Übrigens: das deutsche Pendant zu blood libel ist "Ritualmord-Legende" (was man weiß, wenn man sein historisches Wissen nicht nur aus sozialen Medien schöpft).
zum Beitrag24.08.2025 , 14:34 Uhr
Die Kontinutität ist in dieser Form herbeigeredet, weil der Einfluss der NS-Propaganda überschätzt wird (der junge Khomeini z.B. hat Radio Zeesen verabscheut – was man wissen kann, wenn man seriöse Historiker wie Motadel liest); gleichzeitig wird der offenkundige Einfluss von Vertreibung und Besatzung auf die Radikalisierung der Palästinenser und damit die Mitverantwortung Israels vollkommen ausgeblendet (was sich hier in diesem Forum auch in einer erschreckenden Gleichgültigkeit gegenüber einer Kriegsführung äussert, die inzwischen genozidale Ausmasse angenommen hat – Sie dürfen sich angesprochen fühlen). Was Ihre Quelle angeht: Küntzel ist Aktivist, der keine der relevanten Sprachen spricht und sich vor allem darinübt, schiefe NS-Parallelen zu ziehen. Das mag in Leserforen gut ankommen, in fachwissenschaftlichen Diskursen spielt er aber schlichtweg keine Rolle. Es ist – nicht nur in diesem Kontext – bedenklich, wie Pseudoautoritäeten etabliert werden, die wissenschaftliche Seriösität vortäuschen, ohne den entsprechenden Standards gerecht zu werden.
zum Beitrag24.08.2025 , 09:16 Uhr
Sie merken vielleicht, das man Ihr Argument genauso gut umdrehen könnte: in Israel werden Parteien gewählt, die eine Zweistaatenlösung ablehnen und die Vertreibung der Palästinenser gefordert haben. Das kommt in Ihren Einlassungen ebenso wenig vor wie die israelische Besatzungspolitik, deren Folgen schon vor diesem Krieg Seiten über Seiten in den Berichten sämtlicher relevanter Menschenrechtsorganisationen gefüllt haben (was übrigens auch Ihren NS-Vergleich obsolet macht). Und selbst wenn Hamas aus heiterem Himmel ohne diese Vorgeschichte Israel angegriffen hat, liesse sich damit keine Kriegsführung rechtfertigen, die längst die Grenze zum Genozid überschritten hat. Der Völkermord an den Herero hat auch mit einem Massaker an weissen Siedlern begonnen - was hätten Sie 1904 geschrieben?
zum Beitrag23.08.2025 , 22:53 Uhr
Wenn Sie keine Alternativen gehört haben, mag das an Ihnen liegen. Ohnehin hat die Art und Weise wie Sie den 7.10. als Wendepunkt anführen, nach dem es keine Diplomatie mehr gibt (was die Alternativen dazu wäre, verschweigen Sie) etwas unangenehm Apologetisches: zur genozidalen Gewalt Israels finden Sie ja keine kritischen Worte. Dazu passt der verkürzte Blick auf die Geschichte, der eine NS-Kontinuitaet herbeiredet und Vertreibung und Besatzung ignoriert. Sie polemisieren gerne gegen "die Postkolonialen", reproduzieren aber koloniale Rechtfertigungsmuster, die unangenehm nach 1904 klingen.
zum Beitrag23.08.2025 , 10:36 Uhr
Und vor allem: wer hat hier einen Hang zum Autoritarismus? Es ist ja gerade die Likud-Apologeten hier im Forum (und der Autor des Kommentars oben), die nicht nur recht harsch mit Andersdenkenden umgehen, sondern auch das einer Demokratie unwürdige staatliche Durchgreifen gegen als propalästinensisch wahrgenommene Personen und Proteste bejubeln. Wer Demokratie als geschlossene Gesellschaft versteht, sollte sich mit dem Autoritarismus-Vorwurf zurückhalten.
zum Beitrag23.08.2025 , 10:14 Uhr
Durchschaubar ist der Versuch, den Dog-Whistle-Vorwurf zu benutzen, um anderen Foristen Positionen zu unterstellen, die sie gar nicht vertreten. Das allerdings ist keine Argumentation mehr, sondern Diffamierung. Was ich oben über die Wechselseitigkeit der Gewalt und die Gründe für den Exodus der Juden aus den arabischen Staaten geschrieben habe, ist historisch korrekt und unstrittig. Wenn Sie inhaltliche Einwände haben, bitte, aber ich muss mich nicht an Unterstellungen abarbeiten.
zum Beitrag22.08.2025 , 19:06 Uhr
Und wo habe ich geschrieben, die Gewalt wäre ausschließlich von Israel ausgegangen? Nirgends! Sie wiederholen nur, was ich kritisiert habe: Sie verdrehen meine Aussagen und polemisieren dann dagegen. Bei jedem seriösen Historiker können Sie nachlesen, dass die Gewalt durchaus wechselseitig war - und nichts anderes habe ich behauptet.
zum Beitrag22.08.2025 , 19:01 Uhr
So ist es - und beides, das Bewusstsein für Islamphobie und Islamismus gehört ja auch zusammen: ist es wirklich verwunderlich, wenn junge Muslime sich radikalisieren, wenn man hinnimmt, dass sie hier diskriminiert und anderswo - etwa in Gaza - massenhaft ermordet werden? Wer anderen die Tür vor der Nase zuschlägt und Demokratie als geschlossene Gesellschaft versteht, sollte nicht überrascht sein, wenn die Ausgegrenzten sich neue Freunde suchen. Und das gilt nicht nur für den Islam...
zum Beitrag22.08.2025 , 17:53 Uhr
Das ist natürlich ein bequemer Erklärungsansatz, weil er Israel völlig aus der Verantwortung nimmt und die Radikalisierung auf palästinensischer Seite als Nachhall des NS versteht (womit sich auch die enthemmte Gewalt, mit der Gaza vernichtet wird, zum antifaschistischen Widerstand umdeuten lässt). Dass es schon vor Radio Zeesen wechselseitige (!) Gewalt gegeben hat und Organisationen wie Hamas ihre Anhänger unter Menschen rekrutieren, deren ganzes Leben von Vertreibung und Besatzung geprägt war, kommt in dieser Darstellung nicht vor. Sie machen es sich ein bisschen zu einfach, finden Sie nicht?
zum Beitrag22.08.2025 , 14:43 Uhr
Vielleicht lesen Sie meinen Kommentar, bevor Sie die üblichen Argumentationsschablonen bedienen. Ich habe nicht bestritten, dass es arabischen/islamischen Antisemitismus gibt (genauso wie Rassismus seitens jüdischer Israelis), sondern mich konkret zu zwei Punkten geäußert: zur Radio Zeesen und zum Exodus der Juden aus den arabischen Ländern. Und wenn man mittels selektiver Fakten (oder auch simpler Falschbehauptungen) Palästinenser pauschal dämonisiert, Ihnen einseitig die Verantwortung für den NO-Konflikt zuschiebt und die Rolle Israels ausblendet oder sogar die gerade tobende genozidale Strafexpedition rechtfertigt, ist das sehr wohl islamophob und rassistisch. Ressentiments bleiben Ressentiments, auch wenn man sie zur Realität erklärt.
zum Beitrag22.08.2025 , 14:35 Uhr
Das glaube nicht nur ich, das können Sie bei jedem seriösen Historiker nachlesen. Die Nakba war nicht im engeren Sinne multikausal: die Palästinenser sind zwar teilweise direkt vertrieben worden, teilweise aus Angst im Voraus geflohen und teilweise in Folge von Evakuierungsaufrufen, aber all das ist im Kontext der Gewalt, mit der die Gründung Israels einhergegangen ist, passiert. Das ist eben nicht vergleichbar mit dem Exodus der Juden, die über einen viel längeren Zeitraum teilweise (!) auch aus ideologischer Überzeugung nach Israel ausgewandert sind. Von „marodierenden Zionisten“ habe ich nicht gesprochen und würde wert darauf legen, dass Sie mir nichts in den Mund legen.
zum Beitrag22.08.2025 , 09:59 Uhr
Das hätte Weidel auch so schreiben können; dass „orthodoxe Muslime“ ein konservatives Gesellschaftsbild vertreten, ist unbestritten – das ist aber, horribile dictu, legal. Sie pauschal zu Gewalttätern oder sogar zur inneren Gefahr zu erklären, ist genau die Islamophobie, die Sie oben nicht erkennen wollen. Das eigene Ressentiment zur „Realität“ zu erklären, ist stammtischkonform, aber kein Argument.
zum Beitrag21.08.2025 , 20:57 Uhr
Der Exodus der Juden aus islamischen/arabischen Laendern ist, wie ich bereits angedeutet habe, nur multikausal erklärbar. Generell von einer Vertreibung zu sprechen, ist falsch: nur ein wenigen Fällen (v.a. Ägypten) wurde die juedische Bevölkerung tatsächlich gezwungen, das Land zu verlassen. Meist waren mehrere Faktoren im Spiel: unbestreitbar auch eine reale Diskriminierung, politische Instabilität, Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Israel, ideologische Überzeugung, und nicht zuletzt das Werben zionistischer Organisationen. Deshalb verstehen sich die wenigsten der nach Israel ausgewanderten Juden als Flüchtlinge (oder wollen in ihre Herkunftsländer zurückkehren, obwohl das teils sogar rechtlich möglich wäre). Wenn Sie in Deutschland 2025 keine Islamophobie erkennen wollen, kann ich Ihnen nur raten, in den entsprechenden Polizeiberichten nicht nur nach Straftaten zu suchen, in denen Muslime die Täter sind oder sein könnten. Und das ist ja nur die Spitze des Eisberges. Genauso wenig können Sie die Diskriminierung von Frauen, LGTBs und Juden pauschal dem Islam in die Schuhe schieben – als gäbe es keine AfD und keinen III. Weg.
zum Beitrag21.08.2025 , 13:33 Uhr
Ich fürchte, nicht ich bin derjenige, der hier relativiert: die Vertreibung von 700000 Menschen aus ihrer Heimat kann man nicht mit dem späteren (!), nur multikausal erklärbaren Exodus von Juden aus anderen arabischen Ländern aufrechnen (was bitte schön kann ein Palästinenser für Ereignisse in Marokko oder im Jemen? Sie können keine Kollektivschuld über Staatsgrenzen hinweg allein auf ethnischer Grundlage konstruieren – das wäre purer Rassismus). Um Russland geht es in diesem Forum nicht, ich wäre Ihnen aber verbunden, wenn Sie aufhören würden, mir Ansichten zu unterstellen, die ich gar nicht vertrete, um dann dagegen zu poltern – ein gewisses Minimum an Umgangsformen wäre doch wünschenswert.
zum Beitrag21.08.2025 , 13:27 Uhr
Ich würde Ihnen (und auch dem Autor des Artikels) nahelegen, sich über den NO-Konflikt aus seriösen Historikern zu informieren, was Sie schreiben ist jedenfalls teils verkürzt, teils schlicht und ergreifend falsch; Sie gehen allzu selektiv mit historischen Fakten um (etwa, weil Sie ausblenden, dass die Gewalt im Vorfeld der Gründung Israels durchaus von beiden Seiten ausgegangen ist und dass der „Zeesener Nazisender“ eben keine „authentisch“ arabisch-islamische Stimme war (und auch auf viel Ablehnung gestoßen ist – was man weiß, wenn man die betreffenden Studien etwa von David Motadel liest). Von einer „Auslöschung der Juden in allen arabischen Staaten“ zu sprechen, ist eine waghalsige Formulierung: der jüdische Exodus hatte eine Vielzahl von Gründung, darunter eben auch die Anziehungskraft des zionistischen Projekts. All das sind Punkte, die viel Sinn für Ambivalenzen und Grautone fordern; ein antiarabisches und islamophobes Narrative, dessen einziger Zweck es ist, Palästinenser in die Nähe von Nazis zu rücken und damit das ihnen angetane Unrecht zu relativieren, wird dem aber nicht gerecht.
zum Beitrag21.08.2025 , 10:49 Uhr
Das stimmt nicht: gerade im Falle des Ukraine-Krieges gab es auch massives privates Engagement (sei es in Form von Protesten oder auch der Hilfe für ukrainische Flüchtlinge). Und das obwohl Demonstrationen für Regierungspolitik im Allgemeinen geringere Mobilisierungskraft haben (weshalb die Unterscheidung zwischen staatlicher und privater Initiative schwierig ist). Was das grundlose Anfeinden von Menschen allein aufgrund der Staatsangehörigkeit angeht: fragen Sie Mal einen Türken Ihres Vertrauens...
zum Beitrag21.08.2025 , 08:38 Uhr
Dass die Hamas Geiseln hält, rechtfertigt keine Kriegsverbrechen auf israelischer Seite, keinen Genozid und keine Pläne, Gaza ethnisch zu säubern. Das sind schlicht und ergreifend kriminelle Handlungen, auch wenn man sie in deutschen Leserforen leugnet, relativiert und schönredet. Israel steht nicht über dem Recht und Palästinenser sind keine Menschen zweiter Klasse.
zum Beitrag20.08.2025 , 22:52 Uhr
Mich lässt der Artikel ein wenig ratlos zurück: nicht nur weil er stellenweise einfach sachlich unsinnig ist (für 700000 Vertriebene war die Gründung Israels sicher eine Katastrophe und deren Leid kann man auch nicht mit einer schiefen NS-Analogie vom Tisch wischen), sondern vor allem, weil der Autor selbst in einer Feindideologie begangen ist, in der mit dem Vorwurf der Intoleranz eben diese gerechtfertigt wird. Das ist ein Extremismus, der sich selbst nicht als solcher erkennt, weil er er sich an einer liberalen Rhetorik berauscht, deren Freiheitsversprechen man nur noch für das eigene Milieu gelten lässt. Gadamer hat irgendwo einmal geschrieben, dass ein Gespräch die Möglichkeit voraussetzt, dass der Andere Recht haben könnte. Ich würde nicht nur dem Autor dieses Artikels and Herz legen, darüber nachzudenken.
zum Beitrag20.08.2025 , 19:05 Uhr
Es ist nicht Hamas, die Gaza aushungert und auf Hilfesuchende schießt...
zum Beitrag20.08.2025 , 19:03 Uhr
Nun gibt es in der Politik keine "Konsequenzen", sondern Entscheidungen: an der Genozidalen Kriegsführung Israels ist Israel schuld, egal was Hamas macht oder nicht. Und dass es auch ohne Hamas keinen "Frieden" gäbe, sondern bestenfalls mehr Besatzung und Schlimmstenfalls eine ethnische Säuberung, haben diverse israelische Regierungsvertreter hinreichend klar gemacht. Ich kann Sie nicht zwingen, sich in die Geschichte des NO-Konflikts einzulesen, aber zumindest das Tagesgeschehen sollte man verfolgen, bevor man sich so meinungsstark (und haarscharf an der LTI vorbei) auslässt.
zum Beitrag20.08.2025 , 14:54 Uhr
Ich muss zugeben, dass ich mich im Grunde über den Vergleich gefreut habe. Nicht, weil ich ihn für richtig halte, aber weil es eigentlich ein gutes Zeichen ist, wenn die taz für eine CDU-Politikerin ein Stein des Anstoßes ist. Wir leben viel zu viel in einer mentalen GroKo, in der alle Parteien (außer vielleicht der AfD und dem BSW) eine uneingeschränkt koalitionswillige große Familie sind). Dieses Bedürfnis, als respektabler Bündnispartner selbst noch von Konservativen anerkannt zu werden, ist ein (!) Grund dafür, dass linke Kritik an Biss verloren hat. Es könnte daher einen heilsamen Effekt haben, wenn uns die Klöckner verbal die Tür vor der Nase zuschlägt: die soll uns gar nicht mögen, zumindest dann nicht, wenn wir eine politische Alternative sein wollen und nicht nur eine Variante des immer Gleichen.
zum Beitrag20.08.2025 , 11:53 Uhr
Man kann mit guten Gründen einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht ablehnen, Grundkenntnisse über Religion gehören sehr wohl in die Schule, zum einen als kulturelle Alphabetisierung (gehen Sie einmal in ein beliebiges Kunstmuseum: ohne die Bibel und Ovid verstehen Sie einen Großteil der Exponate nicht), zum anderen, weil Religion heute immer noch ein immenser Faktor im Weltgeschehen ist. Weshalb Sie man Ethik-Unterricht Anstoß nehmen, verstehe ich nicht ganz.
zum Beitrag19.08.2025 , 22:43 Uhr
Es geht vor allem auch um die Folgen, die eine Ausweitung der israelischen Strafexpedition für die Bevölkerung Gazas hätte sowie um die von diversen israelischen Regierungsmitgliedern herausposaunten Vertreibungsplaene. Das mag Foristen, die auch bisher durch eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber palästinensischen Leben aufgefallen sind, nicht weiter kümmern, aber zum Glück ist nicht jeder bereit, so schamlos den Von Trotha zu tanzen.
zum Beitrag19.08.2025 , 11:18 Uhr
Man muss kein Mitglied der Sozialistischen Internationale sein, um sozialdemokratische Politik zu machen. Dass Parteien nach allzu langer Herrschaft den Staat als Privateigentum betrachten, ist kein bolivianisches Unikum, aber weder war der Staat „gleichgeschaltet“ (was Sie etwa an oppositionellen Provinzregierungen und am Haftbefehl gegen Morales sehen können), noch eine Diktatur (zum gefühlt 100. Mal: das MAS ist durch Wahlen an die Macht gekommen und wurde durch eine eben solche gestürzt). Die Vorwürfe einer Wahlfälschung 2019 wurden ebenfalls nie belegt und die Ereignisse danach sprechen auch dagegen. Niemand zwingt Sie, das MAS zu unterstützen, es wäre aber wünschenswert, wenn man bei den Fakten bleibt, statt Bolivien durch die Linse abgeschmackter Feindbilder zu betrachten.
zum Beitrag19.08.2025 , 08:08 Uhr
Das MAS ist eine Sozialdemokratische Partei, die sich vor allem dadurch profiliert hat, die Gewinne aus dem Gashandel in Sozialprogramme umzuleiten. Dass Morales die Amtszeitbegrenzung umgangen hat, war sicher kein guter Zug: aber er hat damit nur einen weiteren Wahlantritt ermöglicht, nicht den. Ausgang der Wahlen festgelegt. Die Sozialistenfresser-Attituede ist hier also fehl am Platze.
zum Beitrag18.08.2025 , 21:27 Uhr
Bolivien war und ist kein sozialistischer Staat, sondern wurde lediglich von einer sozialistischen Partei regiert - und die hat gerade auf denkbar wenig autoritäre Art die Macht verloren: durch demokratische Wahlen. Was also ist Ihr Problem?
zum Beitrag18.08.2025 , 16:54 Uhr
Sie merken vielleicht selbst, dass Sie hier in mehrfacher Hinsicht schief argumentieren: erstens, weil Sie sich auf einen Nebenaspekt kaprizieren, der auch noch ziemlich unstrittig ist, zweitens, weil Sie auf einmal einen Quellenapparat verlangen (mir wäre nicht bekannt, dass Ihre Beiträge mit einer Bibliographie versehen sind) und drittens, weil Sie mir etwas in den Mund legen, das ich gar nicht behauptet habe – denn meine Aussage war nicht, dass alle Chinesen hinter der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik stehen, sondern dass es eine – auch öffentliche - Bereitschaft gibt, sich Druck von Außen zu widersetzen. Von solchen Stilfragen einmal abgesehen: lesenswerte Studien zum chinesischen Nationalismus und seiner Wirkungskraft sind u.a. Hays Gries 2005, Ying 2012, Hizi 2019, Fan 2023, und Chan 2025, in denen es unter anderem auch um „ökonomischen Patriotismus“ geht. Ich kann die Liste gerne ergänzen (und ehrlich gesagt: man braucht nur wenig Erfahrung in China, um zu wissen, wie unwillig man dort darauf reagiert, vom Westen gemaßregelt zu werden).
zum Beitrag18.08.2025 , 16:08 Uhr
Nun gibt es an der Regierungstätigkeit des MAS in den letzten Jahren sicher einiges zu kritisieren, aber die Vorstellung, Bolivien wäre „zu einem autoritären, korrupten, geradezu faschistischen Unrechtsstaat degeneriert“ ist denkbar realitätsfern. Man kann über die Erfolge und Misserfolge bolivianischer Politik diskutieren, ohne die Phraseologie des Kalten Krieges auszupacken. Hier wurde eine sozialdemokratische Regierung, die auf demokratischem Wege ins Amt gekommen ist, auf eben solchem wieder abgewählt. Das soll sogar in Europa ab und an passieren…
zum Beitrag18.08.2025 , 15:54 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Formulierungen wie „der Traum ist aus“ nicht eher auf eine Fehlwahrnehmung bolivianischer Verhältnisse (und vielleicht insgesamt auf ein problematisches Verständnis linker Politik) schließen lassen. Damit will ich die Verdienste des MAS nicht schmälern – sowohl die Verfassungsreform als auch Armutsbekämpfung waren wichtige Schritte. Man sollte damit aber keine Heilserwartung verbinden: in Bolivien wurde eine sozialdemokratische Regierung abgewählt, die nach 20 Jahren an der Macht zerstritten und von einer Wirtschaftskrise überfordert war. Eine demokratische Linke muss damit leben, dass sie auch Wahlen verliert. Das ist ein Anlass zum Nachdenken, aber nicht zur Verzweiflung.
zum Beitrag18.08.2025 , 13:21 Uhr
Daran ist wieder mehreres falsch: erstens ist auch ein 5. Platz ein enormer ökonomischer Faktor und zweitens können sie sich nicht nur auf die Exporte konzentrieren, sondern müssen die Importe berücksichtigen, die – etwa im Bereich seltener Erden – ebenfalls Abhängigkeiten erzeugen. Und dass diese schnell zu reduzieren wären, bezweifle ich: man kann nicht kurzfristig gewaltige Industriekapazitäten aufbauen und die notwendigen Masse an Arbeitskräften bereitstellen (und erst recht nicht im dicht besiedelten Europa, wo bereits kleinere Baupläne zu Protesten führen). Wenn Ihnen keine empirischen Studien chinesischen Gesellschaft bekannt sind, wundert mich das (es gibt in Deutschland ebenso wie im übrigen Europa eine gegenwartsbezogene China-Forschung, die eben auch empirisch arbeitet). Ich finde diese Verweigerungshaltung, selbst angesichts offenkundiger und leicht überprüfbarer Fakten, immer irritierend. Nur in einem Punkt haben Sie recht: Man muss sich nicht vor China fürchten. Man sollte allerdings auch nicht glauben, man könnte es dominieren. Die europäischen Herrenreiter-Zeiten sind nun wirklich vorbei.
zum Beitrag18.08.2025 , 11:03 Uhr
Daran finde ich eigentlich alles falsch, inklusive der Prämisse, deutsche Medien hätten die Rolle Chinas bisher nicht berücksichtigt (die war seit Anfang des Krieges immer wieder Thema). Dass auch China mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft, ist unbestritten – nur liegt das Problem im Wort „auch“: dass sich Europa gerade einen Wirtschaftskrieg mit China leisten kann, ist zu bezweifeln (und machen Sie sich keine Illusionen: China wird mit Druck auf Gegendruck reagieren und kann sich dabei auch auf einen beträchtlichen Rückhalt in der eigenen Bevölkerung verlassen). Dass die EU nicht auf mehr Druck gesetzt hat, liegt sich nicht an einem „zu großen Respekt“, sondern schlicht und ergreifend an einer seltenen Einsicht in die tatsächlichen Kräfteverhältnisse. Und die Frage, ob die Ukraine noch in der Lage ist, über langfristige Möglichkeiten nachzudenken, steht auch noch unbeantwortet in Raum.
zum Beitrag18.08.2025 , 09:37 Uhr
Die VAE sind das wichtigste Ziel für medizinische Evaluierung aus Gaza; ein erheblicher Teil geht in andere islamische Länder wie Katar oder die Türkei. Die USA hätten also ohnehin nur minimale Hilfe geleistet (und das, obwohl sie zu den Hauptverantwortlichen für das Elend in Gaza gehören).
zum Beitrag16.08.2025 , 08:50 Uhr
Vielleicht lesen Sie noch einmal genauer: der Forist hat nicht "ein israelischen Restaurant" mit "einem Judenhasser" gleichgesetzt, sondern die Frage gestellt, was passieren würde, wenn ein Restaurant von einer politische und moralisch vergleichbar fragwürdigen Gestalt auf der anderen Seite betrieben wurde. Unterirdisch ist hier vor allem die Rabulistik mancher Foristen.
zum Beitrag15.08.2025 , 17:10 Uhr
Ich gehe davon aus, dass Sie in Zukunft mit gutem Vorbild vorangehen?
zum Beitrag15.08.2025 , 15:03 Uhr
Einen Beleg dafür bleiben Sie nach wie vor schuldig; und selbst wenn Ihre Darstellung adäquat wäre, zeigt sie nur, dass es in den USA Ausstellungen aus einer linken Perspektive gibt, nicht dass diese im ganzen Kulturbetrieb hegemonial wäre.
zum Beitrag15.08.2025 , 10:48 Uhr
Sie meinen also, "stirb leiser" wäre eher ein Ausdruck guten Geschmacks? Aber das ist sehr deutsch: man empört sich nicht über Verbrechen, sondern darüber, auf diese hingewiesen zu werden. Fast bin ich geneigt, hier Rosa Luxemburg zu zitieren...
zum Beitrag14.08.2025 , 20:35 Uhr
Ich komme nicht umhin, noch einmal zu betonen, wie sehr mich diese Diskussion schockiert: da bombardiert ein Staat ein Pressezelt, tötet mehrere Journalisten - und sogar im Zentralorgan des deutschen Linksliberalismus grübelt man darüber, ob das nicht doch OK ist. Immer wenn man denkt, das jetzt die rote Linie erreicht sein müsste, wird man eines besseren belehrt. Es ist zum Verzweifeln...
zum Beitrag14.08.2025 , 10:49 Uhr
Die „Sache mit den Kombattanten-Status“ interessiert jeden, der wissen will, ob es sich hier um ein Kriegsverbrechen gehandelt hat – was vermutlich der Fall ist (und noch einmal: die Hamas-Mitgliedschaft, selbst wenn sie bewiesen wäre, reicht hier nicht aus, solange der Beleg fehlt, dass al-Sharif in einer der palästinensischen Milizen gekämpft hat).
zum Beitrag14.08.2025 , 10:14 Uhr
Die “Streitkräfte” sind in diesem Fall allerdings die von Hamas und anderen Gruppen betriebenen Milizen, nicht Hamas in toto (und der Vergleich mit dem Presseoffizier ist offenkundig schief: al-Sharif hat für Al-Jazeera gearbeitet, nicht als Pressesprecher der al-Quassam-Brigaden; die weiteren bei dem Angriff auf das Pressezelt ermordeten Journalisten verschweigen Sie ohnehin). Von dem fragwürdigen Rechtsverständnis einmal abgesehen (das von praktisch keinem relevanten Experten geteilt wird!), frage ich mich, was für Werte Foristen haben, die selbst solche evidenten Kriegsverbrechen noch verteidigen. Die Verrohung beschränkt sich anscheinend nicht auf die direkt vom NO-Konflikt Betroffenen.
zum Beitrag12.08.2025 , 13:30 Uhr
Hamas ist eine Organisation, die einen militärischen und einen zivilen Teil hat; nur aktive Milizionäre sind Kombattanten, nicht jedes Hamas-Mitglied und erst recht kein Journalist, der für einen ausländischen Sender arbeitet und dem eine Nähe zu Hamas nur von der Kriegspartei nachgesagt wird, die ihn gerade ermordet hat.
zum Beitrag12.08.2025 , 13:27 Uhr
Nein, ist es nicht: denn ersten hat er für Al-Jazeera gearbeitet, nicht für Hamas, und zweitens würde ihn auch das nicht zum Kombattanten machen.
zum Beitrag12.08.2025 , 10:29 Uhr
Das Photo ist vor dem 7. Oktober entstanden und es ist auch nicht unumstritten, wer darauf eigentlich zu sehen ist; aber das ist letztlich auch egal: ein Journalist ist ein Journalist und daran ändern auch seine politischen Neigungen nichts. Ein Selfie rechtfertigt kein Kriegsverbrechen.
zum Beitrag12.08.2025 , 07:42 Uhr
Das stimmt zwar, aber es gibt in der rechten Szene Tendenzen zu einer Professionalisierung von Gewalt - vor allem durch Kampfsport, in Einzelfällen (etwa im Umfeld des III. Weges) durch die Teilnahme an bewaffneten Konflikten wie dem Ukraine-Krieg. Das ist zwar (noch) weit von den Verhältnissen der Weimarer Republik entfernt, bereitet aber zumindest den Boden für eine enorme Gewaltwelle.
zum Beitrag11.08.2025 , 14:27 Uhr
Nun kann man sich fragen, ob die Einschätzung eines Kritikers, der mit dem Königshaus der VAE verbunden ist, wirklich neutral ist (Können Sie Arabisch und sind in der Lage, solche unkritisch übernommenen Vorwürfe auch zu überprüfen?). Aber im Grunde ist das auch unerheblich: ein Journalist ist kein Kombattant und ein Angriff auf ihn schlicht und ergreifend ein Kriegsverbrechen, egal für welches Medium er arbeitet. Sie sehen es mir nach, wenn ich es auch menschlich befremdlich finde, wenn sich Foristen selbst bei solchen offenkundigen Gewaltakten dazu berufen fühlen, Rechtfertigungen zu posten. Haben arabische Leben in Ihren Augen irgendeinen Wert?
zum Beitrag11.08.2025 , 14:19 Uhr
Ich würde diese Unterscheidung in diesem Fall nicht machen: Es gibt menschen- und völkerrechtliche Standards, an die alle Konfliktparteien uneingeschränkt gebunden sind. Und „uneingeschränkt“ heißt eben auch, unabhängig davon, was die andere Seite macht. Dass Hamas Journalisten gefoltert hat, ist ein Verbrechen, aber das macht es nicht legaler (und erst recht nicht moralischer), wenn Israel c. 200 Journalisten tötet, in einigen Fällen allem Anschein nach gezielt. Im Falle längerer Konflikte mit den entsprechenden Gewaltspiralen sind solche „aber der Andere“-Argumente ohnehin nicht nur rechtlich und moralisch fragwürdig, sondern auch politisch dumm: der Gegner kann ja genauso argumentieren (was auch einigen Apologeten in Leserforen zu entgehen scheint).
zum Beitrag09.08.2025 , 09:31 Uhr
Die linke SPD? Ich schätze Ihre Ironie. Aber im Ernst: es war hier die Union, die sich nicht an eine Absprache gehalten hat (zur Erinnerung: es sollen drei Richter neu ernannt werden und man hat sich vorher auf drei Kandidaten geeinigt).
zum Beitrag08.08.2025 , 20:30 Uhr
Ich habe Ihnen die Fakten, d.h. die Belegstellen bei Herodot genannt und auch auf ein Standardwerk verwiesen - Google war nur eine einfache Möglichkeit, weitere Belege zu finden (das ist ja keine Seminararbeit). Ich verstehe also ihr Problem nicht. Aber gut, belassen wir es dabei.
zum Beitrag08.08.2025 , 19:02 Uhr
Sie weichen meinem Punkt aus, dem nämlich dass "Zuordnung" in diesem Kontext etwas Präziseres meint als von Ihnen suggeriert. Dass die Gerichtsurteile hier nicht einheitlich sind, stimmt, die Tendenz ist aber klar (zumal höhere Instanzen eher sorgfältiger argumentieren, wenn es um rechtsstaatliche Standards geht). Übrigens gilt das auch für Sylt: man kann niemand ohne rechtliche Grundlage verurteilen - und rechtsradikal zu sein, ist eben nicht an sich justiziabel.
zum Beitrag08.08.2025 , 17:08 Uhr
Doch natürlich ist der Ausdruck auf eine bestimmte Region bezogen, lesen Sie doch einfach bei Herodot nach (nämlich auf „Palaestina“, wobei die Grenzen natürlich nicht genau definiert sind); ich habe Ihnen dafür Fachliteratur - Stern ist ein Standardwerk - und mehrere einschlägige Textstellen genannt (der Hinweis auf google war nur ein Weg, rasch weitere Belege zu finden, statt hier eine seitenlange Bibliografie zu posten. Insofern verstehe ich weder, warum sie weiterhin darauf beharren, dass der Ausdruck sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet bezieht, noch warum sie persönlich werden (warum mich Ihr Vorwurf mangelnder Fachkenntnisse zum schmunzeln gebracht hat, kann ich um der Anonymität willen leider nicht genauer erklären).
zum Beitrag08.08.2025 , 15:46 Uhr
Die Wahl ist zwar theoretisch ergebnisoffen, aber natürlich gibt es vorher Absprachen – insbesondere bei der Wahl von Verfassungsrichtern, die ja nicht in einer politischen Schlammschlacht enden sollte. Und so war es auch hier: die Koalition hat sich auf drei Kandidaten geeignet. Wenn die Unionsfraktion sich dann nicht mehr an diese Absprachen gebunden fühlt, ist das nicht nur schlechter Stil, sondern auch politisch fragwürdig, weil damit a, das Verfassungsgericht beschädigt wird, und b, die Union kommuniziert, dass sie im Grunde einen Alleinvertretungsanspruch hat, für den ihr allerdings die Mehrheit fehlt.
zum Beitrag08.08.2025 , 15:12 Uhr
Die Formulierung „Alles für Deutschland“ z.B. war offiziell das Motto der SA und ist deshalb in Deutschland verboten. „From the river etc.“ ist eine Parole, die zwar in einem Hamas-Dokument auftaucht, aber weder ein Kennzeichen dieser Organisation war noch jemals exklusiv von ihr verwendet wurde (sondern älter als Hamas ist und auch, in gespiegelter Form, im Likud-Programm auftaucht). Das wurde erst kürzlich auch von einem deutschen Gericht auf der Grundlage eines Fachgutachtens so gesehen. Das sind einfach Fakten, die nichts mit „Relativierung“ zu tun (und im Grunde auch nichts damit, wie man sich zum NO-Konflikt verhält). Ihre abschließende Einlassung verkennt ohnehin den Punkt: Gerichte können Parolen nicht nach Belieben zu Ungunsten der Angeklagten auslegen, gerade dann nicht, wenn es einen viel weiteren Deutungsspielraum gibt. Es ist nicht die Aufgabe der Justiz, jagt auf politische Gegner zu machen. Ich würde Ihnen also auch in diesem Zusammenhang nahelegen, Ihren Ton zu mäßigen.
zum Beitrag08.08.2025 , 14:46 Uhr
Lesen Sie den Satz über der von Ihnen zitierten Passage, dort geht es um die Namensgebung. Sie können auch Συρίη ἡ Παλαιστίνη googlen und werden weitere Belege aus der altertumswissenschaftlichen Fachliteratur finden. Dass Herodot diese Begriffe auch an anderen Stellen verwendet, habe ich ja selbst geschrieben – sie beziehen sich allerdings immer auf dieselbe geographische Entität. Ich verstehe also nicht recht, was diese Diskussion soll: dass der römische Ausdruck „Syria Palaestina“ auf griechische Quellen wie Herodot zurückgeht, ist im Grunde ein alter Hut.
zum Beitrag08.08.2025 , 13:49 Uhr
Sie wissen natürlich auch, dass „Zuordnung“ in diesem Fall nicht bedeutet, das die Parole irgendwann auch einmal von Hamas verwendet wurde, sondern darum dass sie eindeutig und exklusiv Hamas zuzuordnen wäre, was schlichtweg nicht der Fall ist. Ihre Auslegung des Slogans ist ebenso fragwürdig: Sie interpretieren ihn auf die radikalste denkbare Weise; das ist in schon in Forendiskussionen wenig konstruktiv und erst recht kein Maßstab für deutsche Gerichte.
zum Beitrag08.08.2025 , 13:23 Uhr
Sie griff dabei aber auf einen Namen zurück, der längst in Gebrauch war (und noch einmal: was die Motivation war, ist Spekulation – es gibt schlicht und ergreifend keine Quelle, in der diese offengelegt werden). Ihre Argumentation dreht sich hier im Kreis: Sie lesen das in die Quellen hinein, was Sie mit ihnen beweisen wollen.
zum Beitrag08.08.2025 , 13:17 Uhr
Ich verlasse mich wieder auf AI noch auf englische Übersetzungen (die hier die dichtere altgr. Formulierung paraphrasieren!), sondern lese Herodot im Original, und dort finden Sie eben – und nicht nur an der von mir genannten Stelle, diverse Formulierungen wie die von mir genannte oder auch Παλαιστίνη Συρία (Hist. 1,105 und 2,106 ); das ist übrigens nichts neues: dass der römische Name Syria Palaestina lediglich eine ältere Nomenklatur aufgreift, ist alt bekannt und bei etlichen Historikern nachzulesen (z.B. M. Stern, Greek and Latin Authors on Jews and Judaism, Leiden 2024, Bd. 1, S. 3).
zum Beitrag08.08.2025 , 13:06 Uhr
Vielleicht lesen Sie noch einmal, was ich geschrieben habe: meine Kritik am Konzept der „Mitte“ hat nicht auf eine Delegitimation bestimmter Positionen abgezielt, sondern darauf, dass darauf, diese Kategorie als solche in Frage zu stellen (und „der Westen“ ist ohnehin kein innerdeutscher Diskursteilnehmer). Den Unterschied zwischen einem Plädoyer für das Recht auf Dissens und einer Feinderklärung nach Innen kann und sollte man verstehen. Es frustriert mich zunehmend, Diskussionen über Positionen zu führen, die ich gar nicht vertrete – manchmal kann man die eigenen Denkschablonen hinter sich lassen und einfach zuhören, was andere meinen. Das gilt übrigens auch für Wagenknecht: dass Sie auf russische Sicherheitsinteressen hinweist, hat nichts mit einer Nähe zu Putin zu tun, sondern ist außenpolitisches Minimum. Kritisieren kann man das immer noch – aber dann bitte inhaltlich; ihr faktenfrei eine besondere Nähe zu Russland zu unterstellen, ist kein Argument, sondern eine Diffamierung.
zum Beitrag07.08.2025 , 23:50 Uhr
Nun habe ich nicht geschrieben, dass andere Foristen dieses Vokabular benutzen, sondern dass sie in diesen Bahnen denken (das ist ein Unterschied!). Und was die Unterstellungen angeht: Wagenknecht z.B. argumentiert eher nationalistisch, indem sie auf deutsche Interessen verweist - das kann man immer noch politisch falsch oder eben einfach unrealistisch finden, sollte dann aber eben bessere Einwände vorweisen als der immer selbe Propaganda-Vorwurf, mit dem jede Kritik am Zeitenwende-Habitus niedergebügelt wird (so viel zum Thema "Feindbilder", hüstel. Genau das ist eben der Unterschied zwischen einem demokratischen Diskurs und dem von mir kritisierten und von Ihnen illustrierten politischen Manichäismus.
zum Beitrag07.08.2025 , 22:14 Uhr
Dass vormoderne Historiker nicht unser Modell von Geschichtswissenschaft vertreten haben, ist mir bekannt; hier ging es aber allein um den Sprachgebrauch und Herodot verwendet an der von mir genannten Stelle die Formulierung Συρίη ἡ Παλαιστίνη.
zum Beitrag07.08.2025 , 13:41 Uhr
Es gibt keine Zweifel an der Umbenennung, die Gründe dafür sind aber - mangels Quellen - umstritten und zwar unter Althistorikern. Herodot belegt zudem, dass Ihre Aussage, die Römer hätten den Namen Syria Palaestina eingeführt, zumindest ungenau ist - schließlich war der Begriff schon längst. in Gebrauch.
zum Beitrag07.08.2025 , 13:07 Uhr
Die Diskursunfähigkeit besteht dann, wenn man einen Konflikt als Endkampf gegen das absolut Boese versteht, in dem man keine Kompromisse mehr machen kann und jeder Schritt in diese Richtung Verrat ist. Das ist ein im Kern religiöses Denken, das kein Spielraum für Diskussionen mehr lässt. Und genau diese sind durchaus notwendig: natürlich kann und muss ein Staat auch seine eigenen wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen (gerade dann, wenn ein langfristiger Schaden droht) – Deutschland macht das sonst auch. Zumal es ja zwischen „die Ukraine unter den Bus werfen“ und „bis zum Endsieg kämpfen (lassen)“ durchaus Nuancen gibt.
zum Beitrag07.08.2025 , 12:58 Uhr
Die Vorstellung, Ausländer könnten nicht rechts sein, ist vor allem eines: nicht existent. Die Grauen Wölfe waren in der (traditionell pro-kurdischen) Linken ja immer wieder ein Thema; das Schweigen der sog. Mitte ist mit bloßem Desinteresse viel besser erklärt. Und dem Hang deutscher Behörden, alles Mögliche ohne weitere Differenzierung als „Ausländerkriminalität“ zu kategorisieren, sollte man vielleicht keinen zu großen Wert zumessen: eine Statistik ist erst einmal nur eine Statistik und steht auch nicht allein, sondern wird von Berichten etc. begleitet, die durchaus genauer auf unterschiedliche Gruppen eingehen (und die Grauen Wölfe auch als das bezeichnen, was sie sind: radikale Nationalisten, mithin rechts). Sie müssen die Stellungnamen sowohl staatlicher als auch zivilgesellschaftlicher Akteure in ihrer Gesamtheit betrachten, statt aus einer einzigen Quelle ein ganzes Weltbild abzuleiten.
zum Beitrag07.08.2025 , 12:58 Uhr
Ich denke, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Das Vereinsrecht erklärt, warum man die Grauen Wölfe in toto nicht verbieten kann; aber man könnte natürlich wie den deutschen Nazi-Szene (auch durch die Verbote einzelner Vereine) einen größeren staatlichen und zivilgesellschaftlichen Druck ausüben, der die Handlungsfähigkeit dieses Milieus doch einschränken würde. Und dass das nicht geschieht, hängt sicher mit dem von Ihnen angesprochenen Punkt zusammen: die deutsche Mehrheitsgesellschaft hält das nicht für ihr Problem (aber das wiederum ist ein Vorwurf, der eher nicht an die Linke zu richten ist: denn in deren Kreisen waren die Grauen Wölfe ja durchaus immer wieder ein Thema).
zum Beitrag07.08.2025 , 09:55 Uhr
Das „Eretz Israel“, von dem die Rechtsextremisten in Israel träumen, umfasst auch mehr als das heutige Israel und die besetzen Gebiete… Im übrigen ist auch die hier immer wider raumposaunte Theorie, dass die Roemer Iudaea in Syria Palaestina umbenannt hätten, um den jüdischen Charakter der Region (der ohnehin nie exklusiv war) verschwinden zu lassen – das es keine Quellen gibt, denen die Motivation für den Namenswechsel dargelegt wird, bleiben alle Erklärungsversuche spekulativ. Neu war der Name ohnehin nicht : schon Herodot, Hist. 3,91 benutzt ihn (Sie sehen: die Klassiker zu lesen ist auch politisch relevant) und Varianten des Namens Palästina lassen sich ohnehin noch viel weiter zurückverfolgen. Über die komplexe Realität sollte man sich eben nicht nur im Internet informieren, sondern ab und an auch seriöse Historiker lesen.
zum Beitrag07.08.2025 , 09:41 Uhr
Nein, könnte man nicht, weil die Verbote eben in der Regel nicht am Inhalt ansetzen, sondern daran, dass es sich dabei um Parolen bzw. Kennzeichen verbotener Organisationen handelt („Alles für Deutschland“ etwa ist verboten, weil es das Motto der SA war, nicht die Aussage an sich Spielräume für extremistische Deutungen lässt). Das wurde allerdings schon oft genug erklärt…
zum Beitrag07.08.2025 , 09:38 Uhr
Was Sie hier als “Grundannahme des Postkolonialismus“ bezeichnen, hat mit selbigem wenig zu tun (es ist einigermaßen grotesk, wie Forschungsbereiche wie Postkolonialismus und Gender Studies zu einem Feindbild werden, auf das man alles mögliche projiziert, ohne sich jemals mit den Inhalten zu befassen. Und mit der Einstufung von Straftaten in amtlichen Statistiken hat das ohnehin nichts zu tun – die werden nämlich weder von „hiesigen Linken“, noch von Vertretern postkolonialer Ansätze erstellt, sondern von überwiegend konservativen deutschen Ministerialbeamten. Die Grauen Wölfe sind übrigens eine türkisch-nationalistische Bewegung, keine eigentlich islamistische, aber solche Details spielen hier vermutlich ohnehin keine Rolle mehr…
zum Beitrag07.08.2025 , 09:18 Uhr
Das alles sind wichtige Punkte - ich fürchte bloß, dass man in Kreisen, für die der Konflikt mit Russland eine quasireligiöse Bedeutung hat, mit Zahlen wenig erreicht. Sie sehen ja selbst in diesem Recht gesitteten Forum, wie mit Begriffen wie "Verräter" um sich geworfen wird. Wer sich im Kamp gegen das Böse wähnt, ist für politische Argumente nicht ansprechbar - und im Grunde nicht mehr diskursfähig (was ja voraussetzt, dass man Dissens für grundsätzlich legitim hält). Dass das der Demokratie in Deutschland mehr schadet als die angeblich wieder vor der Tür stehenden Russen, wird übersehen...
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