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04.02.2026 , 17:55 Uhr
Nein, keineswegs: eine bloße Mitgliedschaft in Hamas (die ja auch eine politische und soziale Organisation ist) macht niemand zum Kombattanten; wer einen Verwaltungsbeamten oder eine Krankenschwester allein aufgrund ihrer Hamas-Mitgliedschaft tötet, begeht ein Kriegsverbrechen. Das wurde allerdings oft genug erklärt.
zum Beitrag01.02.2026 , 12:24 Uhr
Sie können gerne auch andere linke Medien lesen - alle haben über die Proteste im Iran berichtet und alle haben sich mit den Protestierenden solidarisiert (lediglich in der Bewertung des angedrohten militärischen Eingreifens gingen die Meinungen auseinander - das ist aber eine andere Frage: man muss kein Sympathisant der IR sein, um Bomben auf Teheran für eine katastrophale Idee zu halten).
zum Beitrag01.02.2026 , 02:18 Uhr
Wenn Sie sich allerdings dem Buddhismus nicht nur durch Zitatensammlung und westliche Esoterikratgeber annähern, sehen Sie allerdings, dass er nicht weniger Wahnhaftes hervorgebracht hat als andere Religionen und auch gegenwärtig nicht immer ein gutes Bild abgibt - mit der Hierarchisierung wäre ich also vorsichtiger...
zum Beitrag31.01.2026 , 17:48 Uhr
Nicht bei der Version des "Regimes", sondern bei einer Version, die Komplexitäten zulässt (etwas, wenn es um das inneriranischen Stimmungsbild geht) und die Fakten nicht der Gefälligkeit unterordnet (wenn man offizielle Zahlen anzweifelt, braucht man dafür Belege -"die Mullahs lügen sowieso" ist nicht genug, sondern öffnet das Tor zur Beliebigkeit. Wenn Sie belegen können, dass ich mich in irgendeinem Punkt irre, freue ich mich über Korrekturen - andernfalls verstricken Sie sich genau in die Deutungsmuster, die ich oben kritisiert habe.
zum Beitrag31.01.2026 , 11:53 Uhr
Nun hat Steinmeier nie "den Mullahs" gratuliert, sondern die BRD gratuliert routinemäßig allen Staaten, mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhält, zum Nationalfeiertag. Dass diese von der Springer-Presse losgetretene Diffamierungskampagne bis heute zieht, ist eigentlich blamabel.
zum Beitrag31.01.2026 , 11:50 Uhr
Sämtliche relevanten linken Organisationen in Deutschland haben sich mit den Protesten solidarisiert und die linke Zeitung, in der Sie kommentieren, veröffentlicht täglich Berichte zu diesem Thema. Soviel zum Thema Schweigen...
zum Beitrag30.01.2026 , 22:54 Uhr
Ich bin ungern polemisch – gerade weil zu dem Thema Iran allzu viel polemisches geschrieben wird – aber der Artikel illustriert ungewollt alles, was an der deutschen Iran-Berichterstattung falsch läuft: kontrafaktische Behauptungen (der Hauptsponsor von Hamas ist Katar), fragwürdige Zahlen (Belege dafür, dass die offiziellen Opferzahlen falsch sind, fehlen), dazu das vereinfachende Regime vs. Volk-Narrativ (die gar nicht so wenigen Anhänger der Islamischen Republik sind auch Teil des Volkes, das man mit der (Exil-)Opposition identifizieren kann), die Ignorieren der Tatsache, dass nicht wenige Opfer Sicherheitskräfte waren, die von bewaffneten Demonstranten getötet wurden… man könnte die Liste ewig fortsetzen. Und wenn man der Linken Schweigen zum Iran vorwirft, sollte man das nicht unbedingt in einer linken Zeitung machen, die jeden Tag über dieses Thema berichtet. Das alles könnte man als schlechten Meinungsbeitrag abtun, würde es nicht auf so verhängnisvolle Weise an das publizistische Vorspiel anderer Kriege erinnern. Keiner davon hat ein gutes Ende genommen. Daran sollte man sich vielleicht erinnern, bevor man fuer US-Bomben auf Teheran trommelt.
zum Beitrag30.01.2026 , 21:39 Uhr
Der gegenwärtige Hindu-Nationalismus ist ja für seine Gewaltlosigkeit bekannt... und ich fürchte, Ihre Vorstellungen von indischen Ernährungsgewohnheiten ist auch eher westliches Wunschdenken...
zum Beitrag30.01.2026 , 21:19 Uhr
Ich habe das "Mullah-Regime" nicht verteidigt, sondern lediglich auf faktische Fehler in einigen Berichten hingewiesen - dass der Unterschied nicht mehr verstanden wird, ist leider symptomatisch. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist übrigens keine ideologische Kriegserklärung an die nicht-westliche Welt, und der Rekurs auf sie unehrlich, wenn man gleichzeitig das Morden in Gaza beklatscht und Sympathien für Le Pen und Ben Gvir äußert.
zum Beitrag29.01.2026 , 20:13 Uhr
Das Problem an der Blase ist, dass man immer nur die anderen darin vermutet. Es ist aber gewagt, anderen Ahnungsloskeit vorzuwerfen, wenn sich die eigenen Beiträge in historischem Halbwissen und Ressentiments erschöpfen (auf entsprechende Fehler Weise ich Sie ja oft genug hin...). Aber noch einmal zur Aufklärung: weder FAZ noch Wirtschaftswoche sind Fachzeitschriften; die Tagespressen kann keine Geschichtswissenschaften ersetzen. Zu sagen, was man für wahr hält, ist nicht revolutionär, sondern Alltag und Kompromisslosigkeit allzu oft nur ein Chiffre für Unbelehrbarkeit.
zum Beitrag25.01.2026 , 09:46 Uhr
Ich habe nicht negiert, dass Tibet sich für unabhängig erklärt hat, sondern dass diese einseitige Unabhängigkeitserklärung rechtliche Relevanz hat. Es gibt kein Sezessionsrecht. Tibet ist daher nicht besetzt, sondern chinesisches Staatsgebiet (was auch der Rest der Welt so sieht). Ich habe auch keine Opferzahlen kleingeredet, sondern die aktuelle Situation beschrieben (sollte ich mich irren, lasse ich mich gerne belehren, dann aber bitte mit Belegen).
zum Beitrag23.01.2026 , 21:46 Uhr
Wenn Sie sich den Schaum vom Mund wischen und die taz genauer lesen: es gab etliche Berichte über die Proteste im Iran und auch über Solidaritätsdemonstrationen im Ausland (unter anderem auch in Deutschland); im übrigen wird die Kritik an Menschenrechtsverletzungen in Iran nicht glaubwürdiger, wenn man im gleichen Atemzug den Völkermord in Gaza leugnet.
zum Beitrag23.01.2026 , 21:35 Uhr
Ich bitte auf meine Formulierung zu achten: ich habe von Sicherheitsrisiken aus chinesischer Perspektive gesprochen, ohne mir diese zu eigen zu machen. Aber ja, es gab gewalttätige Proteste und mehrere Anschläge mit zahlreichen Todesopfern (mit Tätern, die teils in Verbindung mit internationalen islamistischen Netzwerken standen).
zum Beitrag23.01.2026 , 18:53 Uhr
Die Wirklichkeit wird nicht einfacher, weil wir sie uns einfacher machen. Sie blenden die Rolle der zionistischen Bewegung und später des israelischen Staates aus, die von Anfang an ebenfalls gewaltsam und expansionistisch war. Statt routiniert in die ideologisch gefällige Zitatensammlung zu greifen, rate ich dazu, einmal einen seriösen Historiker oder auch nur den Bericht einer (auch israelischen) Menschenrechtsorganisation zu lesen, um die Dynamik dieses Konflikts und das Ausmaß der Gewalt, das die Palästinenser erleiden müssen, zu verstehen, statt sich vollständig die Perspektive des Besatzungsmacht zu eigen zu machen. Die Mär vom Singapur im NO ist übrigens besonders zynisch: Sie ignoriert sowohl die Isolation Gazas durch Israel aus (weshalb das AA ja weiterhin von einer Besatzung gesprochen hat) als auch die Tatsache aus, dass Gaza nicht isoliert von OJ/WJL betrachtet werden kann. Das Ziel ist ein Palästinenserstaat, kein Konglomerat von Bantustans.
zum Beitrag23.01.2026 , 18:43 Uhr
Das stimmt nicht. Tibet war (spätestens) seit dem 17. Jhd. Teil des chinesischen Kaiserreichs und damit chinesisches Staatsgebiet. Die Unabhängigkeitserklärung von 1913 wurde von niemand anerkannt und ist völkerrechtlich irrelevant. Tibet ist damit im rechtlichen Sinne ebenso wenig besetzt wie Kurdistan, Katalonien oder Nordirland (und ein Sezessionsrecht gibt es in diesem Sinne nicht!). Wenn die Tibet-Frage und der NO-Konflikt anders bewertet werden, liegt das also nicht an Doppelstandards, sondern an der grundsätzlich verschiedenen Natur beider Konflikte (zumal, ich weise gerne darauf hin, in Tibet gerade keine ganzen Städte ausgelöscht und Zehntausende Menschen getötet werden).
zum Beitrag23.01.2026 , 11:27 Uhr
Ich weiß nicht, ob Sie einmal in Xinjiang (oder in Tibet) waren - aber manche hier zu lesenden Berichte übertreiben: China versucht weder die betreffenden ethnischen Gruppen auszurotten noch ihre Kultur und Sprache ganz verschwinden zu lassen, sondern will diese soweit kontrollieren, dass sie aus chinesischer Sicht kein Sicherheitsrisiko mehr darstellen. Das geschieht nicht nur durch einen erheblichen Anpassungsdruck etwa im Schulsystem, sondern auch durch ein niedrigschwellig ansetzen des Strafsystem mit einer Tendenz zu Kollektivstrafen, die schon als solche menschenrechtswidrig ist. Sollte man dagegen protestieren? Ja. Das geschieht ja auch, allerdings emotionalisiert ein solcher schleichender Prozess nicht in demselben Masse wie die Vernichtung eines ganzen Landstrichs mit Zehntausenden Toten. Tatsache bleibt, dass Israel mit deutscher Unterstützung vor aller Augen einen Völkermord in Gaza begangen hat - das wird nicht besser, wenn man auf menschenrechtswidrig Assimilierungspraktiken in China verweist.
zum Beitrag23.01.2026 , 11:11 Uhr
Das Herrschaftssystem in den besetzten Gebieten ist andauernd und auf Dauer angelegt (und die gegenwärtige rechtsextreme Regierung verschweigt das nicht einmal). Und natürlich zielt es auf die Trennung zweier ethnischer Gruppen ab (dass es im israelischen Kernland Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft gibt, schafft eine Grauzone, ändert aber nichts an der Grundkonstellation). Der Sicherheitsaspekt ist zirkulaer, weil die Besatzung genau die Gewalt produziert, die sie zu bekämpfen vorgibt; Sie verklären die Rolle Israels und seines Expansionismus, wenn Sie Israels Verhalten als rein reaktiv beschreiben (zumal auch Selbstverteidigung keine genozidalen Massnahmen rechtfertigen würde). "Apartheid" ist übrigens ein präzise definierter Rechtsbegriff - und dass dieser die Situation in den besetzten Gebieten und teils sogar im israelischen Kernland treffend beschreibt, haben inzwischen etliche Experten und Menschenrechtsorganisationen (auch israelische!) hinreichend begründet. Differenzierung bedeutet nicht, Tatsachen zu ignorieren, egal wie schmerzhaft sie sind.
zum Beitrag22.01.2026 , 17:51 Uhr
Von dem fragwürdigen Islam-Bild einmal abgesehen: Niemand zwingt Ihnen irgendeinen Glauben auf oder verbietet Ihnen Religionskritik (in jedem Buchgeschäft finden Sie stapelweise religionskritische Literatur). Dem Verbrennen von Büchern liegt – gerade in Deutschland – allerdings eine Symbolik zugrunde, die weit über die reine Kritik hinausgeht; um Religion geht es dabei auch nur am Rande: Fahnen dürfen Sie genauso wenig Verbrennen. Ob Verbote wirklich der richtige Weg sind, sei dahingestellt (in meinen Augen verlässt man sich heute zu sehr auf das Strafrecht, um gesellschaftliche Konflikte zu lösen), aber es stößt mir immer auf, dass sogar im Forum einer linksliberalen Zeitung für viele das Recht auf Meinungsfreiheit vor allem ein Recht ist, seinen Hass auf möglichst ungehemmte Weise ausleben zu können.
zum Beitrag22.01.2026 , 17:39 Uhr
Ich könnte mich ein weiteres Mal an Ihrem Islam-Bild abarbeiten (das in fataler Weise an antisemitische Diskurse aus dem 19. Jhd. erinnert, die ebenfalls u.a. mit solchen kontextlosen Versatzstücken die angebliche Grausamkeit der Juden belegen wollten); viel spannender finde ich allerdings, dass sie mit Buddhismus und Daoismus genauso umgehen, bloß unter positiven Vorzeichen. Beide Religionen sind, wenn man sich mit ihnen jenseits des westlichen Esoterik-Marktes beschäftigt, keineswegs so gelassen und friedfertig, wie von Ihnen dargestellt: Aufrufe zur Tötung von Nicht-Buddhisten finden Sie bereits in der klassischen Pali-Literatur (um das naheliegende Beispiel des japanischen „Kriegs-Zen“ im 2. WK zu meiden), und zum Daoismus gehören auch die Gelben Turbane und die Tianshi-Daoisten (die im wesentlichen einen theokratischen Staat anstrebten). All diese Religion sind komplexe Glaubenssysteme mit vielfaeltigen Erscheinungsformen, die nicht einfach in ein Freund-/Feindschema passen.
zum Beitrag22.01.2026 , 11:25 Uhr
Die blenden nicht nur die hinreichend dokumentierte Diskriminierung arabischer Israelis aus, sondern auch, dass sich der Vorwurf der Apartheid (der von diversen Menschenrechtsorganisationen auch hinreichend dokumentiert wird) auf die besetzten Gebiete bezieht, in denen die Apartheid-Merkmale offenkundig sind (etwas die physische Trennung, die unterschiedlichen Rechtssystem etc.). Der Hinweis auf den Sicherheitskontext ist zum einen zirkulaer und zum anderen problematisch, weil er elementare Rechte der Palästinenser israelischen Sicherheitsinteressen unterordnet - manch einer mag hier, um Ihre Formulierung aufzugreifen, Rassismus unter dem Deckmantel moralischer Überlegenheit sehen.
zum Beitrag22.01.2026 , 11:03 Uhr
Ich verweise auf das Wort "gerade" in meinem Beitrag, der sich auch nur mit der Tibet-Frage befasst hat, nicht mit den Uiguren (wobei mir nicht bekannt wäre, dass China Xinjiang abgeriegelt, ausgehungert und in Schutt und Asche gelegt hätte...).
zum Beitrag21.01.2026 , 15:59 Uhr
Nun habe ich auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit akademischer Boykotte (gerade in Zeiten einer erodierenden Streitkultur), aber dieser Vergleich hinkt: Tibet ist im rechtlichen Sinne nicht besetzt, sondern war bereits vor der Gründung der VR chinesisches Staatsgebiet, über das die Zentralregierung nachdem Kollaps der Staatlichkeit zeitweise die Kontrolle verloren und diese mit dem Einmarsch der VBA wieder hergestellt hat. Und so sehr man die chinesische Minderheiten kritisieren kann: Tibeter sind chinesische Staatsbürger und werden gerade nicht zu Zehntausenden ermordet, vertrieben und ausgehungert.
zum Beitrag19.01.2026 , 17:42 Uhr
Ein kleiner Hinweis: palästinensische Geschichte beginnt nicht mit el-Husseini - die der Kufiya auch nicht; auf die antiosmanischen Symbolik habe ich Sie ja bereits hingewiesen. Ihr Umgang mit historischen Fakten ist -nicht zum ersten Mal - äußerst selektiv.
zum Beitrag19.01.2026 , 17:24 Uhr
Das ist eigentlich Schulwissen, aber die ersten KZs dienten vor allem der Internierung politischer Gegner; die "Endlösung", d.h. die Ermordung der Juden wurde erst auf der Wannsee-Konferenz 1942 beschlossen (mit konkreten Schritten in diese Richtung ab 1941). Und ich habe nirgendwo Juden "mangelnden Masochismus" vorgeworfen (was für eine dumme Unterstellung!), sondern Sie darauf aufmerksam gemacht, dass den Preis für die Staatsgründung Israels ein anderes Volk zahlen müsste und immer noch muss. Das als "blöd" zu verharmlosen, ist unsäglich zynisch und bestätigt meinen Kritikpunkt oben: die Unfähigkeit, Palästinenser als vollwertige Menschen wahrzunehmen, die man nicht einfach aus ihrer Heimat vertreiben darf, um die Folgen des europäischen Antisemitismus zu kompensieren.
zum Beitrag18.01.2026 , 20:00 Uhr
Die Bundesrepublik gratuliert allen Staaten, mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhält, routinemäßig zum Nationalfeiertag - im Falle Irans mithin zum Jahrestag der Revolution. Es ist also lediglich eine zwischenstaatlichen Formalien, die damals von der Springer-Presse skandalisiert wurde - mit Erfolg, wie man sieht.
zum Beitrag18.01.2026 , 18:56 Uhr
Die Kufiya war schon vor el-Husseini ein palästinensisches Identitätssymbol (ursprünglich unter antiosmanischen Vorzeichen). Ohnehin ist es seltsam, wenn Foristen, die noch vor kurzem ihre Sympathien für Ben Gvir (!) artikuliert haben, anderen ein Bündnis religiösen Extremisten vorwerfen...
zum Beitrag18.01.2026 , 18:53 Uhr
Sie verstricken sich hier ein weiteres Mal in historische Ungenauigkeiten und Falschaussagen; dass Sie sogar den Holocaust vordatieren um einen fragwürdigen Punkt zu machen, ist jedenfalls wenig geschmackvoll. Aber davon abgesehen, wird in Ihrem Beitrag ein Grundproblem deutlich - das Unvermögen, in den Palästinensern vollwertige Menschen mit gleichen Rechten zu sehen: denn unabhängig davon, aus welchen Gründen die frühen Zionisten nach Palästina zogen - für die arabische Bevölkerung bedeutete es Vertreibung und Entrechtung. Natürlich kann man Israel nicht nachträglich abwickeln - es existiert und ist wie jeder andere Staat vom Völkerrecht geschützt. Nur sollte man zur Kenntnis nehmen, dass den Preis dafür bis heute ein anderes Volk zahlen muss, statt sich in der westlichen Paradedisziplin zu üben: den eigenen Opfern Moralpredigten zu halten.
zum Beitrag18.01.2026 , 01:11 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Amirpur, deren Expertise ich eigentlich sehr schätze, hier Recht hat; sie stützt sich dabei vor allem auf die Umfragen des Gamaan-Instituts, die aber methodisch umstritten sind (nicht zuletzt weil das Institut nicht in Iran selbst tätig ist, sondern allein online-Umfragen macht) und vor allem auch realen Ereignissen nicht entsprechen: der iranische Sicherheitsapparats besteht ja nicht nur aus der Revolutionsgarde, sondern auch aus Armee, Polizei, Basijis, Geheimdiensten etc. - und das ist ja nur eine der Stützen der Islamischen Republik. Ob man das will oder nicht: das derzeitige System in Iran hat zwar wahrscheinlich keine Mehrheit hinter sich, aber eine ziemlich große und gut organisierte Minderheit. Und der Rest der Bevölkerung ist ja auch kein monolithischer Block, sondern besteht aus Unpolitischen ebenso wie aus verschiedenen, teils verfeindeten mehr oder weniger verfeindeten Gruppen. Das bequeme Volk vs. Regime-Narrativ, das ausblendet, was nicht in dieses Muster passt (etwas Demonstrationen für die IR) und sich meist auf die Wahrnehmung einer im Westen lebenden Exilopposition stützt, macht blind für diese Komplexität.
zum Beitrag15.01.2026 , 11:19 Uhr
Sie kennen ja vielleicht die einleitende Bemerkung in Die verlorene Ehre der Katharina Blum: manche Vergleiche sind weder zufällig noch beabsichtigt, sondern unvermeidbar. Zynisch ist es jedenfalls, wenn man eine eindeutig rassistische Gesetzgebung zur Todesstrafe in einer von Rechtsextremen reagierten Besatzungsmacht, die vermutlich gerade einen Völkermord begeht und auch davor schon seit Jahrzehnten systematisch gegen internationales Recht verstoßen hat, immer noch relativiert - Tanz den Von Trotha...
zum Beitrag15.01.2026 , 09:03 Uhr
Ich verstehe nicht Recht, wie man gerade nach den Erfahrungen im Irak oder in Libyen noch einmal auf solche Simplifizierungen hereinfallen kann: es gibt im Iran kein "geeintes Volk": das "Regime" besteht auch aus Iranern (und gar nicht Mal wenigen), die Opposition ist zerstritten und es gibt (wenig beachtet) auch im Iran eine diffuse Mitte, die weder pro-IR noch oppositionell ist, sondern einfach nur irgendwie über die Runden kommen will. In Verbindung mit der ethnischen Spaltung Irans hat das das Potenzial zu einem katastrophalen Bürgerkrieg. Dass Trump und seinen Anhang solche Folgen nicht kümmern, ist geschenkt, wieso sich der deutsche Linksliberalismus schon wieder mit ein bisschen humanitärer Rhetorik hinters Licht führen lässt, verstehe ich nicht.
zum Beitrag12.01.2026 , 16:41 Uhr
Die Frage ist allerdings, wieweit die Basis tatsächlich bröckelt: es gibt vermutlich keine Mehrheit mehr für eine islamische Republik, aber eine solide Minderheit, wie man an den Massendemonstrationen für die Islamische Republik oder auch an der Stabilität des Sicherheitsapparats (der ja auch aus Iranern besteht, nicht aus Marschmenschen) erkennen kann. Gleichzeitig ist die Oppositionem zersplittert (und dann gibt es noch ein Milieu, das weder regierungstreu noch oppositionell ist, das oft übersehen wird). Die ganze Regime vs Volk-Rhetorik überdeckt, dass hier ein Volk im Konflikt mit sich selbst ist und zur Zeit keine Seite einen umfassenden Konsens formulieren kann.
zum Beitrag12.01.2026 , 16:00 Uhr
Die "linksdrehenden Köpfe" haben vielleicht auch einfach mehr Realitätssinn - ich erinnere an die durchwachsene Bilanz westlicher Regime Change-Versuche in den letzten 25 Jahren. Wieso im Falle Irans funktionieren sollte, was schon in etlichen anderen Fällen katastrophal geendet hat, bleibt mir jedenfalls ein Rätsel...
zum Beitrag10.01.2026 , 23:24 Uhr
Allerdings sind die Berichte des Verfassungsschutzes selbst nicht unproblematisch (ich erinnere an die causa Feine Sahne Fischfilet) und vor allem: kein Gerichtsurteil. Es handelt sich bei der Roten Hilfe um eine legale Organisation. Durch Kontokündigungen können also Banken legale Organisationen de facto verbieten, weil sie deren Arbeit unmöglich machen. Um das problematisch zu sein, muss man kein Freund der Roten Hilfe oder der DKP zu sein.
zum Beitrag09.01.2026 , 16:59 Uhr
Es ist erstaunlich, wie schnell Faktentreue zur "Verharmlosung" wird, wenn Sie den eigenen ideologischen Bedürfnissen zuwiderläuft; was dann noch der Unterschied zu den "alternativen Fakten" der anderen ist, weiss ich nicht. Im übrigen rate ich dazu, meine Beiträge nochmal genau zu lesen - in denen ging es nämlich nicht um eine Apologie el-Husseinis, sondern um die Kritik an einem Geschichtskonstrukt, das den NS auf die Palästinenser projiziert (und damit auf perfide Weise eine Strafexpedition legitimiert, vor deren genozidalen Charakter manche die Augen verschließen).
zum Beitrag08.01.2026 , 21:01 Uhr
Die Nazis haben, genauso wie ihre Gegner im 2. WK versucht, Muslime zu umwerben – damit waren Sie aber nur teilweise erfolgreich und auch die Muslimbruderschaft hat keineswegs geschlossen mit den Nazis sympathisiert (el-Husseini war nicht „die Muslimbruderschaft). Für die Behauptung, el-Husseini wäre SS-Gruppenführer gewesen, gibt es schlichtweg keinen Beleg und kein seriöser Historiker vertritt diese These mehr (Geschichtswissenschaften argumentieren mit Quellen, nicht mit Bauchgefühl).
zum Beitrag08.01.2026 , 15:37 Uhr
Ihr historischer Exkurs ist wie so oft historisch fragwürdig: Sie gehen selektiv mit Fakten um und liegen in einigen Punkten auch objektiv falsch (weder haben die Nazis den Begriff Kolonialismus implementiert noch war el-Husseini SS-Gruppenfuehrer - ohnehin bedürfte der allzu deutsche Hang, den NS auf andere zu projizieren, einer eigenen Diskussion). Aber um beim Thema des Artikels zu bleiben: Sie wissen bisher nicht, ob die Täter aus dem Antifa-Umfeld stammen und dass die Antifa weder eine Organisation ist noch eine einheitliche Position zum NO-Konflikt vertritt, ist Allgemeinwissen. Sie gegen hier einem Trump'schen Feindbild auf den Leim. Ohnehin sind solche Pauschalurteile unangebracht: es ist bedauerlich, dass einige Linke (nicht nur propalaestinensische) zu Gewalt greifen - deren Dummheit ändert aber nichts an der Legitimität des Anliegens, um das es hier geht: den Protest gegen den Völkermord in den besetzten Gebieten und gegen die deutsche Komplizenschaft. Der Protest gegen ein Menschheitsverbrechen ist nicht weniger richtig und wichtig, weil einige sich dabei zu Straftaten hinreißen lassen.
zum Beitrag07.01.2026 , 20:45 Uhr
Sie können den NO-Konflikt nicht auf ein simples "Hamas ist aber doof" reduzieren und sämtliche anderen Faktoren - und dazu gehört eben auch Israels Besatzungspolitik und die offen geäußerten Betreibungsphantasien - ausblenden.
zum Beitrag07.01.2026 , 18:57 Uhr
Kein relevanter linker Akteur unterstützt Iran. Man muss allerdings kein Freund der Islamischen Republik sein, um weiteren amerikanischen Regime Change-Versuchen kritisch gegenüber zu stehen - man braucht angesichts bisheriger Versuche, Demokratie herbeizubomben, nur das Lernvermögen eines Hamsters... Eine völkerrechtliche Grundlage dafür gibt es ohnehin nicht. Per moralischer Selbstermächtigung ein nichtwestliches Land nach dem anderen zu zerstören, ist im übrigen auch noch dumm, weil uns dieser Rechtsnihilismus nicht nur Radikalisierung und Flüchtlingsströme eingebrockt hat, sondern sich in Grönland auch direkt gegen einen europäischen Staat richtet.
zum Beitrag07.01.2026 , 10:15 Uhr
Historische Forschung beruht auf Quellenstudium – und das ist ohne entsprechende Sprachkenntnisse schlichtweg nicht seriös möglich. Ohnehin vermischen Sie hier wieder einiges: In der Diskussion ging es um den (schiitischen) Iran und insbesondere um Khomeini, nicht um el-Husseini (dessen Einfluss in Deutschland und Bedeutung in Palästina aus durchschaubaren Motiven gerne übertrieben dargestellt wird) oder um die sunnitische Muslimbruderschaft (die ihren Erfolg auch nicht den Nazis zu verdanken hat – Sie verlieren sich hier wieder in historisch kaum haltbaren Behauptungen). Der Punkt ist und bleibt, dass die Zeesen-Begeisterung Khomeinis der Phantasie Taheris entsprungen ist; aktuelle, tatsächlich wissenschaftlichen Standards genügende Forschung – darunter eben Motadel – ist zu einem anderen Ergebnis gekommen.
zum Beitrag06.01.2026 , 20:28 Uhr
Nun hat auch die iranische Regierung die dort lebenden Juden nicht als Spione diffamiert. Besondere Sympathien für Israel werden Sie allerdings auch bei der inneriranischen Opposition nicht finden, spätestens seit dem Überfall auf Iran vor einigen Monaten. Man muss kein Anhänger der Islamischen Republik sein, um sich über Bomben, ermordete Wissenschaftler und zerstörte zivile Infrastruktur zu ärgern.
zum Beitrag06.01.2026 , 19:15 Uhr
Meine Kritik an Küntzel und Grigat ist sehr wohl wissenschaftlich begründet und ich habe ja auch angedeutet, wo das Problem liegt: beiden fehlenden die zum Quellenstudium nötigen Sprachkenntnisse, beide bedienen sich einer fragwürdigen Methodologie, die vor allem darauf beruht, Züge des NS in den Islam zu lesen, und beide folgen einer allzu offensichtlichen politischen Agenda. Herf ist eine andere Liga (wenngleich nicht unvoreingenommen), der von Ihnen verlinkte Artikel hat aber nichts mir der hier diskutierten Frage zu tun: dass die Nazis (genauso wie die westlichen Alliierten und die Sowjetunion – ein Aspekt, der bei Herf viel zu kurz kommt) Muslime umworben haben, ist unbestritten – die Frage ist, wie und bei wem sie damit Erfolg hatten: bei Khomeini nicht, der – wie viele auch konservative, Muslime – mit dem biologischen Antisemitismus der Nazis nichts anfangen konnte (und ja auch kein Problem mit Juden im Iran hatte). Zu Taheri habe ich mich in einem anderen, inzwischen erschienen Beitrag unten geäußert.
zum Beitrag06.01.2026 , 16:45 Uhr
Ich plädiere auch dafür, Begriffe analytisch zu benutzen; mein Kritikpunkt ist allerdings der, dass die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten von Israel nicht nur in der Praxis ab und an ignoriert wird: Israel wendet systematisch und intentional Gewalt gegen die palästinensische Zivilbevölkerung, mit dem erklärten Ziel, diese zu vertreiben – was sogar von israelischen Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wird (die inzwischen auch von einem Völkermord in Gaza sprechen!) und von israelischen Regierungsmitgliedern auch nicht geheim gehalten wird. Das hat nichts mit einer „moralisierenden Gleichsetzung“ zu tun, sondern ist eine objektive Beschreibung des Agierens einer außer Kontrolle geratenen Besatzungsmacht. Wieso man diesem Staat trotzdem noch einen wie auch immer gearteten moralischen Vorsprung einräumen will, bleibt mir ein Geheimnis.
zum Beitrag06.01.2026 , 15:33 Uhr
Übrigens: der in Ihrem Beitrag ebenfalls genannte Taheri ist, nun, für seine Phantasie bekannt: er hat, nicht zuletzt in seiner Khomeini-Biographie allerlei Zitate und Ereignisse einfach erfunden (Sie finden vernichtende Rezensionen online und eine Übersicht über einige seiner Fehler bei Wikipedia). Wie gesagt: Publikationen über den Iran sind leider allzu oft ideologisch motiviert und fachlich fragwürdig - trotzdem werden sie fleißig rezipiert. Darüber sollten man in der Tat nachdenken...
zum Beitrag06.01.2026 , 11:39 Uhr
Weil man so - genau wie mit der ewig-schlichten reductio ad Hitlerum – dem NO-Konflikt nicht gerecht wird: denn abgesehen davon, dass man die Besatzung und ihre Folgen für die Palästinenser nicht einfach ausblenden kann, wenn man über deren Radikalisierung spricht, hat die israelische Regierung hinreichend klar gemacht, dass es für die Menschen in den besetzen Gebieten nur zwei Möglichkeiten gibt: Vertreibung oder Bantustans. Wenn Sie das als „Frieden“ bezeichnen wollen, bitte… andere würden eher von Friedhofsruhe sprechen.
zum Beitrag06.01.2026 , 11:29 Uhr
Ich helfe wie immer mit Quellen-Kritik: 1. Der von Ihnen verlinkte Artikel von Künzel kommt ohne Belege aus (und ist auch sonst keine wissenschaftliche Publikation); die maßgebliche Studie zu diesem Thema ist D. Motadel, Für Prophet und Führer – Motadel (der anders als Künzel auch über einschlägige Sprachkenntnisse verfügt) befasst sich dort auch mit den Reaktionen auf Radio Zeesen; Sie können dort erfahren, dass gerade gebildete Muslime – darunter der namentlich genannte Khomeini – davon eher abgestoßen waren. 2. Grigat (der übrigens auch weder Persisch noch eine andere für die islamische Welt relevante Sprache beherrscht) stützt sich hier auf einen Artikel, der seine Behauptungen wiederum mit im Nichts endenden Belegen unterfüttert; die besagte Dokumentation wird zwar in manchen pro-israelischen Artikeln erwähnt, außerhalb dieser Echokommer findet sich allerdings keine Spur davon. Diese beiden Beispiele sind leider typisch für den hiesigen Iran-Diskurs: an die Stelle einer faktengestützten Analyse ist eine Dämonologie getreten, die versucht, möglichst viele Züge des NS in die Islamische Republik zu lesen. Seriös ist das nicht.
zum Beitrag06.01.2026 , 09:27 Uhr
Mir scheint, dass Sie hier das israelische Agieren (und zwar nicht erst seit 2023) verharmlosen. Diverse Menschenrechtsorganisationen (auch israelische) dokumentieren seit Jahrzehnten systematische und kaum verfolgte Gewalt gegen palästinensische Zivilisten. Im Gazakrieg hat Israel nachweislich intentional und in großem Masse Zivilisten getötet bzw. kollektiv bestraft (unter anderem durch den Entzug von Lebensmitteln und Medikamenten) – und diverse israelische Regierungsvertreter machen auch kein Geheimnis aus ihren Absichten, die Palästinenser ganz loswerden zu wollen. Die Idealisierung Israels und seiner Besatzungspolitik durch Teile der deutschen Linken war immer moralisch und politisch fragwürdig, aber mittlerweile sollte ein Punkt erreicht sein, an dem man nicht mehr die Augen verschließen kann: eine messianisch-ethnonationalistische Regierung begeht vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen Völkermord. Mit Ihrer Kritik an der Gleichmacherei haben Sie also recht, aber nicht so, wie von Ihnen beabsichtigt…
zum Beitrag05.01.2026 , 22:41 Uhr
Ich meine natürlich Lula - elende Autokorrektur...
zum Beitrag05.01.2026 , 17:16 Uhr
Lukas hat auch den Angriff auf die Ukraine verurteilt (einmal googeln reicht, um das rauszufinden...).
zum Beitrag05.01.2026 , 09:10 Uhr
In dem "reichsten Land Südamerikas" waren vor Chavez vor allem ein Dutzend Familien reich (woher glauben Sie kam die Unterstützung für seine "bolivarische Revolution"?) und zu der gegenwärtigen Misere haben amerikanische Sanktionen nicht wenig beigetragen. Aber davon abgesehen: es gibt schlichtweg keine Rechtfertigung dafür, in ein anderes Land einzufallen, etliche Menschen zu ermorden und den amtierenden Präsidenten zu entführen - und falls Sie glauben, es wäre erstrebenswert, das Völkerrecht durch Selbstermächtigung (die im Falle Trumps nicht einmal mehr moralisch verpackt ist) zu ersetzen: bedenken Sie, dass das andere auch so argumentieren könnten...
zum Beitrag04.01.2026 , 23:12 Uhr
Nun gibt es am Iran einiges zu kritisieren, bei den Fakten bleiben sollte man allerdings schon: das beginnt mit Ihrer Behauptung, Khomeini wäre ein begeisterter Zessen-Hörer gewesen (das Gegenteil ist, wie Sie zum Beispiel bei David Mortadella nachlesen können) und der 50-teiligen Fernsehserie, für deren Existenz es keinen Beleg gibt, und reicht bis zu den üblichen Regime vs. Volk-Vereinfachung (wer, glauben Sie denn, ist das Regime...) und der Tatsache, dass die Sanktionen, die erheblich zur Verarmung beigetragen haben, in Ihren Iran-Bild (ich nehme an, Sie waren nie dort?) gar nicht vorkommen. Mit ein bisschen mehr Sinn für Nuancen und weniger Ressentiments versteht man die Welt besser...
zum Beitrag04.01.2026 , 22:03 Uhr
Dass ist jenseits jeder guten Kinderstube, illustriert aber das von mir beschriebene Unvermögen, auf Meinungsverschiedenheiten anders als mit nacktem Hass zu reagieren.
zum Beitrag04.01.2026 , 21:54 Uhr
Die "Medienmenschen" verweigern sich dieser "Logik" vermutlich, weil Sie wissen a, dass der NO-Konkflikt nicht am 7.10.23 begonnen hat, b, die rechtsradikale israelische Regierung kein Geheimnis daraus gemacht hat, dass sie die Palästinenser loswerden möchte, egal ob Hamas kapituliert oder nicht und c, offenkundige Kriegsverbrechen wie die Blockade von Hilfslieferungen auch nicht mit dem ewigen "aber Hamas..." gerechtfertigt werden können.
zum Beitrag04.01.2026 , 09:43 Uhr
Ein Kopfgeld, dass die USA selbst ausgeschrieben haben… Sie erkennen die Blaupause? Der Überfall auf Venezuela war ein eklatanter Bruch des Völkerrechts, und keine Pflicht. Vermutlich merken Sie das selbst, wenn Sie ihn als Machtdemonstration des Westens beschreiben. Und abgesehen davon, dass ein erheblicher Teil der Welt kein Bedürfnis nach westlichen Ordnungskriegen haben dürfte, darf man bezweifeln, dass das amerikanische Agieren zu mehr Ordnung beiträgt. Wie glauben Sie denn werden andere Staaten reagieren, wenn ihre Sicherheit nicht mehr durch verbindliche Regeln garantiert wird, an sich sogar Großmächte meist halten (ja, nicht immer, aber bisher hat man sich darum bemüht, den Anschein der Legalität nicht mit dem Hintern einzureißen), sondern an den Launen eines fanatischen Präsidenten und seiner rechtsradikalen Pausenclowns?
zum Beitrag03.01.2026 , 19:40 Uhr
Erschreckend daran ist auch, dass es selbst in linksliberalen Kreisen schwer geworden ist, kontrovers zu diskutieren - Meinungsverschiedenheiten werden nicht mehr als normaler Teil eines demokratischen Prozesses verstanden, sondern als Verrat gebrandmarkt. Ganz nach Polt: "Wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten." Dass ist nicht nur schrecklich autoritär, sondern auch selbstschädigend: Politik als sich in Rage redende Echokammer ist eher kein Erfolgsrezept.
zum Beitrag02.01.2026 , 14:37 Uhr
Ich frage mich, gegen wen die Demokratie gerade verteidigt werden muss. Noch einmal: die Grenzen des Sagbaren werden in Deutschland durch das Strafrecht festgelegt (zumindest bisher war das der Fall). Solange jemand gegen kein konkretes Gesetz (etwas im Falle von Volksverhetzung) verstößt, kann er sagen und schreit, was er will. Und gerade Baud hat sich stets in diesem Rahmen bewegt: er hat auf der Grundlage westlicher Quellen einen Konflikt anders bewertet - und auch wenn man seine Analysen nicht teilt, sollte man erkennen, was für ein Skandal es ist, ihn dafür mittels Sanktionen existentiell zu vernichten. Es geht hier nicht nur um Baud, sondern darum, dass auf dem Umweg über Sanktionen ein Gesinnungsstrafrecht jenseits elementarer rechtsstaatlicher Sanktionen geschaffen wird. Die Demokratie wird auch durch die autoritären Reflexe ihrer angeblichen Verteidiger bedroht...
zum Beitrag02.01.2026 , 11:29 Uhr
Baud argumentiert ja durchaus sachlich. Aber um mich nicht am Einzelfall abzuarbeiten: die Grenzen der Meinungsfreiheit werden durch das Strafrecht festgelegt - Sanktionen sind also entweder überflüssig (weil man die betreffenden Publizisten auch auf rechtsstaatlichen Wege verurteilen könnte) oder antidemokratisch, weil legale Meinungsäußerung bestraft werden. Übrigens: wenn Wahrheit und Sachlichkeit Kriterien für das Recht auf freie Meinungsäußerung sind, hätte Springer seine Redaktion schon längst in den Gefängnishof verlegen müssen... Es geht bei den Sanktionen also offenkundig nur um politische Opportunitaet. Und das stellt elementare demokratische und rechtsstaatlichen Prinzipien in Frage.
zum Beitrag01.01.2026 , 21:31 Uhr
Man kann ein Verbrechen nicht mit einem anderen rechtfertigen – und im Falle des NO-Konflikts ist eine solche Argumentation ohnehin sinnlos: Wo wollen Sie denn anfangen? Sie merken, dass man mit derselben Masche auch das Agieren von Hamas (die viel jünger ist als der NO-Konflikt) verteidigen könnte? Tatsache ist und bleibt, dass Israel in Gaza systematisch gegen internationales Recht verstößt – und das in einem Ausmaß, das vermutlich die Grenze zum Völkermord überschreitet. „Aber Hamas…“ ist als Antwort darauf einfach nicht genug.
zum Beitrag01.01.2026 , 21:25 Uhr
Es gibt durchaus ein Recht darauf, den Ukraine-Konflikt und die Rolle Russlands anders zu bewerten als hier mehrheitlich üblich und die Politik europaeischer Regierungen in dieser Frage zu kritisieren. Die Sanktionen gegen Baud werden ja nicht damit begründet, dass er gegen irgendein Gesetz verstoßen hätte, sondern mit eher vagen Vokabeln wie Propaganda oder Desinformation bzw. damit, dass er russischen Medien Interviews gegeben hat (was wiederum völlig legal ist). Hier werden reine Meinungsäußerungen ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren in einer Weise sanktioniert werden, die geeignet ist, die Existenz des Betroffenen zu zerstören. Man muss Baud nicht zustimmen, um darin einen Angriff auf demokratische Standards zu sehen (und mit Verlaub: als Journalist so zu argumentieren, ist auch selbstschädigend – man gibt Regierungen hier Mittel in die Hand, publizistischen Dissens zum Schweigen zu bringen).
zum Beitrag31.12.2025 , 20:00 Uhr
Dass Hamas ebenfalls Kriegsverbrechen begangen hat, schaft keinen gesetzlosen Raum, in den Israel (übrigens schon vor 2023 Besatzungsmacht) nach Belieben an den Palästinensern Rache nehmen kann. Die Gewalttaten der IDF sind nicht weniger gut dokumentiert als die von Hamas und überschreiten sogar nach Einschätzung israelischer Menschenrechtsorganisationen die Grenze zum Völkermord - wenn Ihnen dazu nicht mehr einfällt als Relativierungen, argumentieren Sie gar nicht so anders als diejenigen, die in dem von Ihnen verlinkten Artikel kritisiert werden, bloß mit vertauschten Rollen.
zum Beitrag31.12.2025 , 09:01 Uhr
Selbst wenn man sich auf ein so unterkomplexes Verständnis des NO-Konflikts einlassen möchte, ist die Floskel "Krieg ist eben Krieg" nicht nur unsäglich zynisch, sondern auch sachlich falsch - auch im Krieg gelten Regeln und werden diese gebrochen, ist das ein Kriegsverbrechen. Dass Israel sowohl in Kriegen als auch in "Normalzustand" der Besatzung systematisch gegen Völker- und Menschenrecht verstößt ist umfassend dokumentiert - auch von israelischen Menschenrechtsorganisationen. Wenn Ihnen dazu nicht mehr als "Pech gehabt" einfällt, Frage ich mich wirklich, was für ein Weltbild dahintersteckt - offenkundig keines, in denen Menschenleben der gleiche Wert zugeschrieben wird...
zum Beitrag30.12.2025 , 17:09 Uhr
Vermutlich wirken hier verschiedene Faktoren zusammen, ein nicht unerheblicher Faktor dürfte allerdings schlicht und ergreifend Rassismus sein. Von Broder bis zum Stadtbild-Fritze haben erhebliche Teile der hiesigen medialen und politischen Kreise ihre Verachtung für Menschen, die nicht ganz so weiss und westlich sind und am Ende auch noch an den Islam glauben, hemmungslos rausgekotzt - dass das auch aussenpolitische Entscheidungen beeinflusst, überrascht eigentlich nicht...
zum Beitrag30.12.2025 , 09:35 Uhr
Es steht Ihnen frei, meine Beiträge zu lesen: Ich habe nirgendwo die Verbrechen von Hamas gerechtfertigt. Und nun Sie: Rechtfertigt in Ihren Augen das Massaker der Hamas den Völkermord in Gaza?
zum Beitrag29.12.2025 , 08:19 Uhr
Die fortgesetzte Besatzungspolitik und der Völkermord in Gaza sind keine "Tragik", sondern Verbrechen. Israel hat, spätestens seit der arabischen Friedensinitiative von 2002 die Möglichkeit zur regionalen Integration - stattdessen setzt es auf Expansionismus und militärische Dominanz (und zwar nicht erst unter der gegenwärtigen rechtsextremen Regierung). Das Interview ist hier ja erfreulich klar: Wer mit Floskeln wie "Safe space für Juden" eine Politik rechtfertigt, die elementare Rechte der Palästinenser negiert, verabschiedet sich von jedem Universalismus. In welche ideologische Gesellschaft man sich begibt, wenn man Menschenleben einen unterschiedlichen Wert zuschreibt, muss ich vermutlich nicht erklären...
zum Beitrag28.12.2025 , 22:01 Uhr
Und finden Sie es entlastend, den deutschen Uropa als Ausrede zu benutzen, um vor einem aktuellen Menschheitsverbrechen die Augen zu verschliessen? Es stellt sich doch die Frage, wer hier Entlastung sucht...
zum Beitrag28.12.2025 , 14:39 Uhr
Israel ist aber auch eine Besatzungsmacht, die sich seit Jahrzehnten schwerster Menschenrechtsverletzungen schuldig macht und vermutlich in Gaza ein Völkermord begangen hat. Wenn man die Bedeutung Israels als "Safe Space" absolut setzt und elementare Rechte der Palästinenser zur Disposition stellt, hierarchisiert man Menschenleben anhand religiös-ethnischer Kriterien - und wo das passiert, spaltet sich die Linke zurecht.
zum Beitrag25.12.2025 , 14:21 Uhr
Das ist eigentlich Grundwissen, aber z.B. in der Charta von 2017 und auch sonst haben Vertreter von Hamas immer wieder angedeutet, sich mit einem Staat in den besetzten Gebieten zufrieden zu geben - und dessen Gründung wird bekanntlich von Israel verhindert - dessen Besatzungspolitik (inklusive eines offen zur Schau gestellten Rassismus in erheblichen Teilen von Politik, Medien und Gesellschaft) keinen besseren Gesamteindruck macht... Ich kann nur ein weiteres Mal dazu raten zu lesen, was diverse (auch israelische) Menschenrechtsorganisationen über die Lage in den besetzten Gebieten zu berichten wissen (und zwar nicht erst seit dem Völkermord in Gaza).
zum Beitrag24.12.2025 , 21:46 Uhr
Sie kehren hier die Beweislast um: es ist weder Israel noch irgendjemand sonst gelungen, die Vorwürfe an UNWRA stichhaltig zu belegen; weder die Veruntreuung von Geldern im großen Stil noch nennenswerte personelle Überschneidungen konnten nachgewiesen werden. Der Rest ist eine geradezu groteske Täter-Opfer-Verkehrung: es ist Israel, dass die Palästinensergebiete besetzt hat und illegal (!) besiedelt; die damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen wurden übrigens auch schon vor dem Völkermord in Gaza ausführlich von sämtlichen relevanten Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Friedfertigkeit nicht von der Besatzungsmacht, sondern den Opfern der Besatzung zu verlangen, ist absurd. Einen Gesprächspartner hätte man in der PA gehabt; sogar Hamas hat sich eine Hintertür für eine Zweistaatenlösung offen gelassen. Wer die „integrativen Kräfte“ in der israelischen Opposition seien sollen, bleibt Ihr Geheimnis… Es gibt in Israel keine relevante Partei, die ernsthaft für ein Ende der Besatzung eintritt.
zum Beitrag24.12.2025 , 21:34 Uhr
Hier bringen Sie einiges durcheinander: Die Siedlungspolitik dient nicht dem Schutz Israels, im Gegenteil: die Siedlungen müssen mit erheblichen Aufwand geschützt werden – und zwar in einem Konflikt, zu dessen Eskalation sie erheblich beitragen. Zumal sie – und zwar vollkommen unabhängig davon, ob ein Friedensvertrag vorliegt – schlicht und ergreifend illegal. Sie verkennen die Motivation hinter der Siedlungspolitik: nämlich einen religiös-ethnonationalistisch argumentierenden Expansionismus. Im Übrigen war die Gewalt auch schon vor 1947 durchaus wechselseitig – und das unsägliche Bevin-Zitat dokumentiert nur die verengte Sicht auf diesen Konflikt, der in allzu vielen hiesigen Köpfen feststeckt: es blendet sowohl den Extremismus auf israelischer Seite aus und ignoriert die Beweggründe der Palästinenser. Ich bin Ihnen aber fast dankbar, dass Sie sich auf Bevin beziehen: leichter könnten Sie es mir nicht machen, Ihnen einen kolonialistischen Blick auf den NO vorzuwerfen...
zum Beitrag23.12.2025 , 22:44 Uhr
Ich kann nur nahelegen, den Artikel oben auch zu lesen, denn dort wird erklärt, wie in OJ/WJL unumstößliche Fakten geschaffen werden (vom Völkermord in Gaza ganz zu schweigen) – dass die Analogie zu Westdeutschland/Berlin mehr als schief ist, sollte also auf der Hand liegen.
zum Beitrag23.12.2025 , 22:37 Uhr
Das ist haarsträubend unterkomplex: die bisherigen Verhandlungsversuche sind nicht daran gescheitert, dass die Palästinenser friedensunwillig waren, sondern an konkreten Streifragen: etwa um Wasservorräte, extraterritoriale Straßen und Checkpoints, die den neuen Staat in ein Konglomerat von Bantustans verwandelt hätten. Den Palästinensern hier einseitig die Verantwortung zuzuschieben und gleichzeitig die Folgen der israelischen Siedlungspolitik (die nicht erst unter der gegenwärtigen rechtsextremen Regierung begonnen hat) kleinzureden, ist mehr als fragwürdig – und wird nicht besser, wenn man es mit schon hundertmal widerlegten Diffamierungsversuchen gegen UNRWA garniert. Möglicherweise ist es nicht die Autorin, bei der Informationsbedarf besteht.
zum Beitrag18.12.2025 , 15:33 Uhr
Das stimmt schlichtweg nicht, der Ausdruck ist (auch außerhalb linguistischer Publikationen) gängig. Man sollte dem eigenen Wissen und Nichtwissen keine Allgemeingültigkeit zuschreiben.
zum Beitrag18.12.2025 , 11:04 Uhr
Dass die Hamas in der Bevölkerung verankert ist – geschenkt. Aber das bedeutet immer noch nicht deren Gleichsetzung. Sie pauschalisieren in einer grenzwertigen Weise (die rechtsextreme israelische Regierung ist auch in der Bevölkerung verankert, würde man sie aber gleichsetzen… nun Sie erkennen vielleicht das Problem). Für die israelische Kriegsführung hat sich die israelische Regierung entschieden, es gibt keinen Automatismus, auf ein Massaker mit einem Völkermord zu antworten – Von Trothas Zeiten sind eigentlich vorbei. Die schreckliche Ironie an dem ganzen ist, dass die Gewalt-Apologeten beider Seiten genau dieselben Argumente anführen und vermutlich nicht einmal merken, wie ähnlich sie sich sind…
zum Beitrag17.12.2025 , 15:34 Uhr
Das ist teils verkürzt, teils falsch (dass Hamas kein "Stellvertreter" Irans ist, habe ich Ihnen schon etliche Male erklärt); und wie man angesichts der Berichte auch israelischer Menschenrechtsorganisationen weiterhin die Mär von den menschlichen Schutzschulden verbreiten kann, um offenkundige Kriegsverbrechen zu relativieren, ist mir ein Rätsel... Und das wird auch nicht besser, wenn man Proteste gegen einen Völkermord als "gebildeten Antisemitismus" diffamiert (auch wenn die antiintellektuellen Ressentiments gut ins Gesamtbild passen...). Oder sind in Ihren Augen Menschenrechtler, die Erdogan kritisieren, auch Schuld am NSU? Es fällt Ihnen vielleicht nicht auf, aber die Augumentationsmuster mancher proisraelischer Foristen sind mit ihrem Reduktionismus, den verschwörungstheoretischen Neigungen und der Hierarchisierung menschlichen Lebens entlang ethnischer Bruchlinien vom klassischen Antisemitismus gar nicht so verschieden...
zum Beitrag17.12.2025 , 15:17 Uhr
en.wikipedia.org/w...d_American_English
zum Beitrag17.12.2025 , 09:33 Uhr
Dass die erste Reaktion auf diesem bestürzenden Text sinnlose Polemik ist, lässt tief blicken. Aber gerne für Sie erklärt: der NO-Konflikt hat nicht 2023 begonnen, Gaza ist nicht identisch mit Hamas und niemand hat Israel zu einer genozidalen Kriegsführung gezwungen (Ihnen ist klar, dass man mit dem wirklich dummen Ursache-Wirkung-Argument auch Anschläge auf Israelis rechtfertigen könnte?) - und vor allem ist dieser Artikel Teil einer Serie, in der die Erlebnisse der Menschen in Gaza geschildert werden und nicht der Konflikt als solcher analysiert werden soll (wozu es genügend andere Artikel gibt). Manchmal kann man einfach nur den Kopf schütteln...
zum Beitrag16.12.2025 , 15:03 Uhr
Das unsägliche Meir-Zitat ist erhellend (!), aber nicht in dem Sinne, den Sie meinen. Es illustriert das Grundproblem des NO-Diskurses: in der jeweils gegnerischen Seite grundlos hassende Fanatiker sehen zu wollen und in der anderen reine Opfer. Hätte sich Meir die Frage gestellt, warum die Palästinenser sie hassen, müssten wir vielleicht heute nicht darüber diskutieren...
zum Beitrag16.12.2025 , 11:06 Uhr
Die Sanktionen gegen Baud bereiten mir Unbehagen: schließlich hat Baud nichts getan und gesagt, das in irgendeiner Form strafrechtlich relevant wäre. Ob seine (sachlich begründeten und mit Quellen belegten) Analysen immer treffend waren, sei dahingestellt, aber das wäre in einer Sachdiskussion zu klären. Wenn die EU Sanktionen benutzt, um vollkommen legale Meinungsäußerungen zu maßregeln, sollte man daran Anstoß nehmen, auch wenn man nicht mit Baud einer Meinung ist. Es geht hier schlichtweg um demokratische Rechte.
zum Beitrag16.12.2025 , 10:03 Uhr
Das die Siedlungspolitik enden muss, ist unbestritten, es scheint mir aber fragwürdig, daraus eine Kausalität zu einem Massaker in Australien zu konstruieren (analog dazu: hätten Sie nach der Mordwelle des NSU auf die Defizite türkischer Politik verwiesen?). Es gibt keinen Grund, sich auf das Extremistenbingo einzulassen, in dem sich Fanatiker gegenseitig die Legitimation fuer ihre Verbrechen zuspielen.
zum Beitrag16.12.2025 , 09:31 Uhr
Über die Sinnhaftigkeit von Schuluniformen kann man sich ohnehin streiten (die Länder, in denen sie existieren, sind nicht unbedingt Musterbeispiele für egalitäre Gesellschaften), ihr Sinn kann in demokratischen Staaten ohnehin nicht die Negierung individueller Überzeugungen sind. Eine Schule ist keine Armee und Österreich nicht Nordkorea. Was das Gedicht angeht: die Kinder gehören niemand – nicht den Eltern, aber auch nicht dem Staat. Was Sie vermutlich für einen Akt der Emanzipation und Befreiung halten, ist schlichtweg ein autoritärer Akt, die das eigene Lebensmodell zum Naturzustand verklärt. Dahinter steht ein Zerrbild religiöser Familien (die keineswegs nur durch Zwang funktionieren) und ein Verständnis der Rolle des Staates in der Erziehung, das nicht zuletzt aus historischen und politischen Gründen fragwürdig ist.
zum Beitrag15.12.2025 , 20:15 Uhr
Das ist so nicht richtig und zwar in doppelter Hinsicht: denn erstens wird das Kopftuchgebot von islamischen Religionsgelehrten sehr wohl mit Bezug auf den Koran gerechtfertigt, und zweitens umfasst die Religionsfreiheit nicht nur Praktiken, die in einer heiligen Schrift explizit genannt werden (was wiederum ein sehr enges Religionsverständnis voraussetzt, dass nicht einmal dem Katholizismus ganz gerecht wird). Weder die Schriftauslegung noch die Unterscheidung zwischen religiösem Kern und historischem Rest fallen in die Kompetenz des Staates. Letzterer garantiert, dass Menschen ihre Religion (oder andere Weltanschauungen) frei auslegen können, solange sie damit nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten – und für solche gesetzlichen Begrenzungen gibt es wiederum einen rechtlichen Rahmen – man kann nicht nach Belieben Verbote verhängen, weder in Österreich nicht in Deutschland. Das Verbot mit begründet werden, nicht das Recht, irgendetwas zu tun oder zu lassen.
zum Beitrag15.12.2025 , 15:27 Uhr
Wie viele islamische Länder fallen Ihnen denn ein, in denen Frauen verpflichtet sind, sich zu verschleiern? Der Rest sind die üblichen Klischees. Ich kann Ihnen nur nahelegen, auch einmal mit einer Frau mit Kopftuch zu sprechen, statt nur über sie - Spoiler: die passen allzu oft gar nicht in Ihr Zerrbild. Im Grunde genommen ist das aber auch egal: es gibt hier ein Grundrecht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit - auch für Schülerinnen - und das gilt auch für Religiöse.
zum Beitrag15.12.2025 , 12:47 Uhr
Ihnen ist bewusst, dass in den meisten Ländern mit Schuluniformen weiterhin Kopftücher, Kippas und ähnliche Symbole getragen werden dürfen?
zum Beitrag15.12.2025 , 10:39 Uhr
Sie schreiben es ja selbst: der Veranstalter war eine evangelische Kirchengemeinde; wenn die einen muslimischen Theologen gemeinsam mit einem christlichen Kollegen einlädt, ist das übrigens genau das Gegenteil eines Kulturkampfes. Keiner der in diese Veranstaltung involvierten, hat irgendjemand bedroht. Und ja: Sie müssen das hinnehmen. Es ist in Deutschland nicht verboten, christliche Traditionen zu kritisieren; niemand zwingt Sie, solche Veranstaltungen zu besuchen, aber damit, dass sie stattfinden, müssen Sie leben. Nennt sich Demokratie...
zum Beitrag15.12.2025 , 10:30 Uhr
Gerne: Seine Behauptung, Muslime wären aufgrund patriarchaler Familienstrukturen anfällig für autoritäre Ideologien ist auf mehrfacher Ebene falsch: sie unterstellt pauschal bestimmte Familienstrukturen, die unter Muslimen genauso heterogen sind wie unter Nicht-Muslimen, zieht daraus mechanistisch politische Konsequenzen, blendet andere Faktoren aus (etwa ökonomische Umstände, Diskriminierung etc.) und übersieht die Rolle von konvertierten Deutschen gerade in der Salafisten-Szene. Mansour wurde gerade in dieser Frage übrigens gerade von Fachwissenschaftlern kritisiert.
zum Beitrag14.12.2025 , 21:36 Uhr
Ich Mir ist nicht wirklich klar, an wen sich die im Artikel formulierte Kritik richtet; kein wichtiger Akteur hat das Attentat begrüßt oder Schadenfreude gezeigt (sogar Iran hat es verurteilt!). Es stimmt ja: Es gibt keine Rechtfertigung dafür, feiernde Zivilisten zu ermorden – aber wer hat sich denn an einer solchen versucht? Zumal der Artikel am Ende noch eine unglückliche Wende nimmt, wenn er den Bogen zur „westlichen Lebensweise“ spannet – wäre ein Attentat denn weniger verwerflich, wenn es sich gegen Menschen gerichtet hätte, die weder im Westen leben, noch westliche Werte teilen? Es wäre vielleicht ein erster Schritt gegen den gegenwärtige moralische Verwahrlosung, die Ablehnung von Gewalt nicht durch eine politische Agenda zu konditionieren.
zum Beitrag14.12.2025 , 21:25 Uhr
Das Lob kam allerdings eher selten von fachwissenschaftlicher Seite, sondern aus eben den Kreisen, die ihre Ressentiments bestätigt wissen wollen (Sie illustrieren das ja gerade). Arabisch ist die Schlüsselsprache für die islamische Kultur, auch in der Gegenwart und die Fähigkeit zum direkten Quellenstudium ein wissenschaftlicher Mindeststandard. Kritisieren dürfen Sie alles, aber wenn man als Professorin Auftritt, muss man sich auch an fachlichen Kriterien messen lassen.
zum Beitrag14.12.2025 , 20:48 Uhr
Es wurde eigentlich oft genug erklärt, aber gerne noch einmal: hier hat niemand auf dem Christentum herumgetrampelt, sondern eine Kirchengemeinde hat selbstkritisch auf die eigenen Traditionen geblickt. Niemand zwingt Sie, dort hinzugehen, aber wenn Christen über ihren eigenen Glauben nachdenken, brauchen sie dafür keine besondere Legitimation.
zum Beitrag14.12.2025 , 20:41 Uhr
Mansour hat immer wieder nachweisbar Unrecht (ebenso wie Schröter), entweder weil seine Aussagen (etwas zur Geschichte des Islam) objektiv falsch sind oder weil er selektiv mit Fakten umgeht (übrigens mit einer auffälligen Nähe zu rechtspopulistischen Diskursen). Das würde auch immer wieder im Detail erklärt, ich sehe also nicht, wieso Ihnen die "Empirie" fehlt.
zum Beitrag14.12.2025 , 15:03 Uhr
Nun ist kein Kulturkampf, wenn eine Kirchengemeinde eigene Traditionen hinterfragt - und hinnehmen müssen Sie das ohnehin, weil in diesen Land immer noch Meinungsfreiheit herrscht. Übrigens werden "ähnliche Sachen" mit anderen Religionen ständig gemacht - insbesondere mit der, an die Sie offenkundig denken. Schröter z.B. hat ein eigenes Institut gegründet und "islamkritische" Bücher bekommen Sie in jedem Bücherladen.
zum Beitrag14.12.2025 , 14:57 Uhr
Die "Gruppe" die diese Veranstaltung organisiert hat, ist eine deutsche Kirchengemeinde - wieso es ein Angriff auf westliche Religion und Kultur sein sollte, wenn Christen selbstkritisch auf eigene Traditionen blicken, bleibt Ihr Geheimnis.
zum Beitrag14.12.2025 , 14:52 Uhr
Sie mag sich nicht selbst als Islamwissenschaftlerin bezeichnen, hat aber ein thematisch einschlägiges Institut an einer Universität gegründet und tritt dezidiert als Professorin auf. Und das ist eben der Unterschied zu den von Ihnen genannten Beispielen: man muss kein Wissenschaftler sein, um sich zu beliebigen Fragen zu äußern - wenn man aber als akademische Stimme Auftritt, muss man sich an entsprechenden Maßstäben messen lassen.
zum Beitrag14.12.2025 , 14:45 Uhr
Und nebenbei die Renaissance...
zum Beitrag14.12.2025 , 09:32 Uhr
Mansour spricht arabisch, ist allerdings kein Wissenschaftler; ohnehin setzt (genau wie im Falle Schröters) die Kritik anders als von Ihnen behauptet ja nicht allein an der mangelnden Qualifikation an, sondern durchaus an den von ihnen verbreiteten Thesen. Gerade Schröter wurde nicht nur in Leserforen kritisiert, sondern vor allem auch aus fachwissenschaftlicher Perspektive.
zum Beitrag13.12.2025 , 20:44 Uhr
Sie beSie bezeichnet sich mWn auch selbst nicht direkt als solche; allerdings hat sie ein einschlägiges Institut gegründet und tritt auch in den Medien immer wieder als Islam-Expertin auf – obwohl ihre akademische Expertise eher anderswo liegt und ihr auch die notwendigen Sprachkenntnisse fehlen. Man kann also ihr Auftreten durchaus kritisch betrachten.
zum Beitrag13.12.2025 , 20:38 Uhr
Nein, das gibt es nicht und das habe ich auch nicht behauptet. Noch einmal: Ich habe hier nicht das Verhältnis von Religion und linker Politik erörtert; ich bezweifle nur, dass eine evangelische Kirchengemeinde, egal wie diese nun politisch ausgerichtet ist, repräsentativ für die politische Linke in Deutschland ist (und ich glaube auch nicht, dass diese Gemeinde den Anspruch hatte, das linke Verhaeltnis zu Weihnachten verbindlich festzulegen).
zum Beitrag13.12.2025 , 18:35 Uhr
Das mag daran liegen, dass "im Islam" selbst in seinen konservativeren Formen Christen auch weder pauschal als Ungläubige gelten noch nach Belieben getötet werden dürfen oder sollen. Man fragt sich manchmal, woher der ein oder andere sich über solche Themen informiert…
zum Beitrag13.12.2025 , 17:15 Uhr
Ich bestreite nicht, dass es linke Kirchengemeinde gibt; von einer einzelnen Veranstaltung in einer einzelnen Kirchengemeinde (die vermutlich auch kein homogener politischer Block ist) auf "die Linke" zu schließen, ist aber doch gesagt.
zum Beitrag13.12.2025 , 17:04 Uhr
Der Ton ist nicht ganz angemessen, aber sei es drum. Sie irren sich hier in mehrfacher Hinsicht: Zum einen ist das Erstarken der AfD nicht die Folge einer kritischen Veranstaltung in einer einzelnen Kirchengemeinde (glauben Sie ernsthaft, jemand wird zum Rechtsradikalen, weil in irgendeiner Veranstaltung mal Weihnachtsbräuche kritisiert wurden?). Zum anderen kann die Antwort auf die AgD auch nicht sein, alles zu canceln, was die rechte Seele in Wallung bringt - das ist immer noch ein demokratischer Staat, indem auch Meinungen geändert werden dürfen, die nicht auf AfD-Linie sind. Freiwillige Selbstzensur ist sicher keine gute Strategie gegen Faschisten (und Ursache-Wirkung noch keine Dialektik).
zum Beitrag13.12.2025 , 12:30 Uhr
Ich vermisse in Ihrem Beitrag das Argument, zumal der von Ihnen kritisierte Forist nur an Grundstandards erinnert: Forschen setzt die Fähigkeit zum Quellenstudium voraus - und einer Südostasien-Expertin ohne Arabisch-Kenntnisse fehlt diese nun einmal mit Blick auf den Islam (Sie würden sich ja auch nicht bei einem Sinologen ohne Latinum über Vergil informieren).
zum Beitrag13.12.2025 , 12:13 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in diesem Kontext Fanon empfehlen würde. Nicht, weil er nicht lesenswert wäre, sondern weil er zu sehr den Erwartungen entspricht - und genau das ist doch das Problem der ganzen Postkolonialismus-Debatte: die meisten Kritiker arbeiten sich an einem Strohmann ab, ohne die reale methodische wie thematische Heterogenität dieser Forschungsrichtung zu kennen (was unangenehm an das Feindbild Gender Studies erinnert).
zum Beitrag13.12.2025 , 09:45 Uhr
Nun hat nicht "der Islam" Weihnachten kritisiert, sondern eine deutsche Kirchengemeinde (!) hat in Zusammenarbeit mit einem (!) islamischen Theologen eine Veranstaltung organisiert, in einige Aspekte westlicher Weihnachtstradition kritisch betrachtet wurden (übrigens auch in Abgrenzung von den orientalischen Kirchen). Im übrigen war und ist der Islam genau wie das Christentum etc. eine Religion, keine Kolonialmacht - Sie vermischen hier Religion und Staat/Reich (die Frage, ob man den Kolonialismus-Begriff auf die Vormoderne übertragen kann, will ich Ihnen nicht zumuten).
zum Beitrag13.12.2025 , 09:34 Uhr
Nun hat sich nicht "die Linke" auf Weihnachten eingeschossen, sondern eine Kirchengemeinde (!) hat eine Veranstaltung organisiert, in der die Weihnachtsgeschichte aus einer anderen Perspektive betrachtet wurde. Dabei würde weder das Christentum noch Weihnachten in toto angegriffen, noch "der Islam" insgesamt als Opfer dargestellt. Bevor man eine Veranstaltung kritisiert, sollte man sich mit ihren Inhalten vertraut machen...
zum Beitrag13.12.2025 , 09:26 Uhr
Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob man antike Großreiche als Kolonialmächte bezeichnen sollte, aber zu Ihrer Frage: zur Zeit Jesu konkurrierten in Vorderasien Römer und Parther miteinander.
zum Beitrag12.12.2025 , 13:10 Uhr
Die Veranstaltung hat zweifellos inhaltliche Fehler (auch durch eine allzu gewaltsame Übertragung postkolonialer Deutungsmuster auf vor- und nichtkoloniale Phänomene); aber die Kampagne dagegen geht ja nicht auf solche Sachfragen ein, sondern beschränkt sich darauf, Ressentiments zu bedienen. Dass das Christentum an Bedeutung verliert, ist weniger einer politischen Agenda geschuldet, sondern einem Verlust an Gläubigen - daran ist aber weder der Postkolonialismus, noch der Islam schuld - ich frage mich, wie viele der Kritiker denn noch in Gottesdienste gegen oder auch nur ab und an beten. Und natürlich muss nicht jede Veranstaltung alle Religionen kritisieren (gerade an Islam-Kritik herrscht nun wirklich kein Mangel).
zum Beitrag12.12.2025 , 11:04 Uhr
Das römische Imperium war keineswegs die einzige "Kolonialmacht" in dieser Zeit (sofern man diesen Terminus überhaupt auf vormoderne Reiche übertragen kann). Aber darum geht es in der Ausstellung ja auch nicht, sondern um kolonialistische und rassistische Spuren in westlichen Weihnachtstraditionen (auch in Abgrenzung zu den orientalischen Kirchen). Ob das immer gelingt, sei dahingestellt (mir scheint manches inhaltlich falsch zu sein), aber die Kampagne gegen die Ausstellung kümmert sich ja nicht um Sachkritik.
zum Beitrag12.12.2025 , 10:44 Uhr
Diese "vielen" müssen eben damit leben, dass auch Ausstellung staatlich finanziert werden, die Ihnen nicht gefallen. Deutschland ist nicht das Privateigentum rechter Wutbuerger. Ohnehin herrscht hier nun wirklich kein Mangel an traditioneller Weihnachtskultur (die ohnehin eher durch die Kommerzialisierung bedroht ist als durch den Postkolonialismus). Die Aufmerksamkeitsoekonomie ist also seltsam. Ich frage mich wirklich, wie viele der Kritiker sich tatsächlich um Weihnachten kümmern und nicht nur nach einem Anlass suchen, um sich aufzuregen.
zum Beitrag11.12.2025 , 20:36 Uhr
Wer sich von einer kleinen - meinetwegen kindischen - Ausstellung in die Arme der AfD treiben lässt, steht dieser vielleicht ohnehin nicht fern.
zum Beitrag11.12.2025 , 15:07 Uhr
Das ist ein zur Zeit populäres Deutungsmuster, zumal es dem Bedürfnis nach ideologischer Mobilmachung entgegenkommt. Ich halte es aber nicht für besonders realistisch: der Kreml kämpft in der Ukraine nicht um Gesellschaftsmodelle, sondern um seinen erodierenden Einfluss im postsowjetischen Raum (und ja: die Ausbreitung eines konkurrierenden Militärbündnisses ist eine sicherheitspolitische Herausforderung, man muss nicht mit dem Überfall auf die Ukraine sympathisieren, um das zu verstehen). An den anderen von Ihnen genannten Beispielen wird das ja noch deutlicher: wirklich keiner der externen Akteure in Afrika kümmert sich um Demokratie - man unterstützt, wer immer sich als Fußvolk bezahlen lässt. Ohnehin ist es fraglich, ob man sich in Russland, China etc. durch demokratische Staaten als Gegenmodell herausgefordert sieht - denn deren Strahlkraft hat ohnehin stark nachgelassen. Und das ist vor allem unsere eigene Schuld. "Kein Frieden mit Russland" ist nicht nur eine politisch bedenkliche, sondern vor allem unrealistische Parole. Russland wird sich nicht in Luft auflösen, insofern führt mittelfristig nichts an einem neuen modus vivendi vorbei.
zum Beitrag09.12.2025 , 08:03 Uhr
Ich würde mir wünschen, dass das nur eine haltlose Übertreibung ist, fürchte aber, dass dieser Beitrag auf ein tieferliegendes Problem hinweist: dass über den Krieg in der Ukraine nicht mehr in politischen, sondern in endzeitlich-religiösen Kategorien nachgedacht wird. Politische Verhältnisse ändern sich (immer wieder!), der Weltuntergang ist irreversibel.
zum Beitrag06.12.2025 , 18:03 Uhr
Ich finde es schade, das immer wieder erklären zu müssen: aber der NO-Konflikt hat nicht erst mit dem Überfall der Hamas begonnen. Und ob man im Falle einer Besatzungsmacht, die den Palästinensern seit Jahrzehnten ein Leben in Bantustans zumutet, uneingeschränkt (!) von Selbstverteidigung sprechen kann, sei dahingestellt, einen Völkermord wie in Gaza kann man ohnehin nicht rechtfertigen. Hat sich in Ihren Augen auch Von Trotha nur gewehrt?
zum Beitrag06.12.2025 , 10:06 Uhr
Souverän war der Umgang bestimmter Kreise mit Kritik allerdings auch noch nie; daher für Sie noch einmal der Link: taz.de/Wahlausschu...zaehlung/!6127384/ Aber natürlich: wer den Staat als Privateigentum betrachtet, wird über Zweifel an der Auszählung großzügig hinwegsehen (und über die Probleme mit den Auslandsstimmen Haben wir noch nicht geredet). In anderen Fällen würde man von einer Bananenrepublik sprechen...
zum Beitrag05.12.2025 , 17:15 Uhr
„Salonpazifisten“ ist auch wieder so ein Wort…, irgendwo zwischen Willy II und LTI. Das Problem sind jedenfalls nicht Jugendliche, die sich nicht für Kanzler, VW und Vaterland opfern wollen, sondern die Sofageneräle, die sich von jeder Herrschaftskritik verabschiedet haben und Heldenmut von anderen einfordern. Immerhin: in dem Punkt hat sich die Welt gar nicht so sehr geändert. Haben Sie einmal im Westen nichts neues gelesen? Es gibt da eine passende Passage…
zum Beitrag05.12.2025 , 17:04 Uhr
Ich muss nicht jeden in einem Beitrag angesprochenen Punkt selbst thematisieren – mein Einwand hat sich gegen eine bestimmte Aussage gerichtet und das vollkommen zurecht: der Forist Puky übersieht nämlich im Ausgangspost, dass die Erhöhung des Rentenalters die jüngere Generation erst einmal genauso betrifft. Die ist dann doppelt bestraft: mit einer längeren Lebensarbeitszeit und mit Wehrdienst. Ohnehin fehlt mir das Verständnis dafür, wenn man von anderen die Bereitschaft einfordert, in den Krieg zu ziehen. Wer meint, Deutschland wäre nicht wehrhaft genug, kann sich gerne beim Bund melden. Von meinen Kindern lasst ihr aber bitte die Finger.
zum Beitrag05.12.2025 , 11:28 Uhr
Sie meinen, wenn er nicht in den Krieg ziehen will, soll er wenigstens länger arbeiten? Das ist zynisch und übrigens auch ein Schuss ins eigene Bein: denn diejenigen, die Kriegsdienst leisten, können ja deshalb nicht früher in Rente gehen.
zum Beitrag04.12.2025 , 19:00 Uhr
Von der Anhebung des Rentenalters ist die Generation Elias genauso betroffen wie Sie, insofern geht Ihr Einwand ins Leere.
zum Beitrag04.12.2025 , 15:40 Uhr
Ob man das in russischen Regierungskreisen so sieht, sei dahingestellt, das war aber nicht die Frage - es ging um die militärische Bilanz Russlands und die durchwachsen. Nur am Rande: die SU wurde eher von oben aufgelöst als von unten; dass die neuen Eliten allzu oft die alten waren, ist ja kein Zufall - von "Freiheitswillen" würde ich eher nicht sprechen.
zum Beitrag03.12.2025 , 21:56 Uhr
Und eine Diffamierungskampagne ist keine Kritik.
zum Beitrag03.12.2025 , 21:54 Uhr
Ich finde es vor allem sehr, sehr kurzsichtig. Es ist ja leider nicht der erste Fall, in dem Journalisten ihren Kollegen die Solidarität verweigern, wenn diese dem falschen politischen Lager zugeordnet werden - das gilt für die Kampagne gegen Von der Tann, aber auch und viel dramatischer für die Gleichgültigkeit, mit der die massenhafte Ermordung von Journalisten in Gaza durch die IDF hingenommen wurde – und natürlich lässt sich ähnliches auch bei anderen Konflikten beobachten. Diese Entsolidarisierung fällt letztlich allen auf die Füße, weil damit die Pressefreiheit unter politischen Vorbehalt gestellt wird. Man kann das sogar noch allgemeiner sehen: Grundrechte sollte man verteidigen, weil es Grundrechte sind und jeder Angriff auf sie die Freiheit aller bedroht – ganz egal, was man von der individuellen Person hält, die sie in Anspruch nimmt.
zum Beitrag03.12.2025 , 19:20 Uhr
In der von Ihnen zitieren Passage lese ich allerlei Behauptungen und Anschuldigungen; Belege dafür bleibt uns die JA allerdings schuldig. Und genau damit wären wir wieder bei dem Grundproblem, das auch in dem Artikel angesprochen wird.
zum Beitrag03.12.2025 , 17:29 Uhr
Der Einsatz von Napalm verstößt vermutlich gegen Art. 23 der Hager Landkriegsordnung; jenseits rechtlicher und moralischer Vorbehalte scheitern solche Gewaltphantasien an der Praxis – der Ukraine fehlt dafür schlichtweg die Lufthoheit.
zum Beitrag03.12.2025 , 16:20 Uhr
Wie Sie dem Artikel oben entnehmen können, wird von der Tann gerade nicht das Weglassen von Kontext vorgeworfen, sondern das Kontextualisieren. Damit scheinen Kritiker wie die nicht gerade für Objektivität bekannte JA oder die FAZ immer dann ein Problem zu haben, wenn es den eigenen Bestrebungen, Israel von aller Verantwortung für Hass und Gewalt in NO freizusprechen, zuwiderläuft. Wenn sich ARD/ZDF einer solchen politischen Inanspruchnahme ab und an verweigern, ist das – kleiner Tipp – kein Grund zum Abschalten, sondern zum Zuhören. Als „Kriegstreiber“ wurde Israel übrigens in keinem der beiden Sender bezeichnet – so viel Rückgrat kann man von den Öffentlich-Rechtlichen wohl doch nicht erwarten.
zum Beitrag03.12.2025 , 15:58 Uhr
"Historisch gesehen hat sich Krieg nämlich immer gelohnt für Russland" Klar, der Krimkrieg, der 1. WK oder der Afghanistankrieg waren aus russischer Sicht echte Erfolgsgeschichten...
zum Beitrag02.12.2025 , 08:11 Uhr
Der 1. Mai ist in Russland gesetzlicher Feiertag, Arbeiterproteste werden auch nicht "stets" mit Waffengewalt niedergekämpft und es gibt auf der Welt genügend Kriege und Krisen, für die nicht der Kreml verantwortlich ist. Es gibt allerlei berechtigte Kritik an Russland (insbesondere am Krieg gegen die Ukraine), ab und rutscht das aber ins Mythologische ab - und das ist in seiner Unbedingtheit gefährlich.
zum Beitrag30.11.2025 , 13:28 Uhr
[...] Beitrag entfernt. Bitte beachten Sie die Netiquette. Vielen Dank! Die Moderation
zum Beitrag29.11.2025 , 13:24 Uhr
Die AfD ist teilweise prorussisch, aber weder im Ganzen, noch ist ihr Aufstieg mit russischem Einfluss erklärbar (dafür aber mit einem virulenten Rassismus, der in D nicht zuletzt von der CDU gepflegt wurde und wird). Die "russischsprachige Minderheit" ist politisch genauso gespalten wie der Rest der Bevölkerung; sie steht zwar leicht rechts von dom Durchschnitt, aber das wiederum ist bei weitem nicht genug, um ein nennenswerter Faktor für den Erfolg der AfD zu sein (und man kann sich auch die Frage stellen, ob solche Pauschalurteile über eine Minderheit nicht selbst unangenehm nah am Denken der AfD sind).
zum Beitrag28.11.2025 , 17:10 Uhr
Nun belegt jede einschlägige Umfrage, dass die Bevölkerung in toto wesentlich kritischer auf Israel blickt als das offizielle Deutschland. Der Verweis auf die Wahlergebnisse widerlegt nicht, dass das so ist, sondern dokumentiert lediglich, dass der NO-Konflikt zwar Leserforen beschäftigt, aber nicht unbedingt das Wahlverhalten beeinflusst (auch das ist übrigens nicht neu: über Weltpolitik streitet man gerne, in der Wahlkabine geht es um Renten).
zum Beitrag28.11.2025 , 12:26 Uhr
Ich glaube nicht, dass die sog. Staatsräson“ in der bestehenden Form demokratisch ausgehandelt wurde. Nicht nur weil öffentliche Meinung und offizielle Politik in dieser Frage weit auseinanderliegen, sondern auch, weil sich hier auf mehreren Ebenen eine Verschiebung beobachten lässt: die deutsche Israelpolitik (die lange Zeit durchaus Raum für Kritik gelassen hat) wird zu einer immer bedingungsloseren Solidarität mit der israelischen Regierung, gleichzeitig wird dieser immer offener extremistisch – in Worten und in Taten. Zumal sich die Komplizenschaft mit einem Völkermord weder als Konsequenz aus der deutschen Geschichte deuten lässt noch ein Ausdruck sicherheitspolitischer Vernunft ist (im Gegenteil, wir stehen vor einem diplomatischen Scherbenhaufen, der unseren Interessen in vielfacher Hinsicht schadet).
zum Beitrag27.11.2025 , 18:26 Uhr
Daran habe ich Zweifel: Parteien wie die AfD sind ja keine Erfindung des Kremls, sondern das Resultat innerdeutscher Verhältnisse und bekommen ihre Schlagworte oft genug aus der angeblichen Mitte der Gesellschaft - Stichwort "Stadtbild". Dahinter stets externe Feinde zu erwarten, ist allzu einfach und verhindert genau die kritische Selbstbetrachtung, ohne die wir unsere Probleme und deren politischen Nachhall nie lösen werden. Übrigens: eine Gefahr für die Demokratie sind beizeiten auch diejenigen, die verteidigen wollen (siehe den heutigen Kommentar von Bax).
zum Beitrag20.11.2025 , 08:13 Uhr
Der "Friedensplan" beendet bisher weder die Gewalt (Israel hat auch während der sog. Waffenruhe fast 300 Menschen in Gaza ermordet, darunter dutzende Kinder), noch bringt er ein Ende der Besatzung: Gaza wird der facto ein US-Protektorat und der Terror der Siedler im WJL geht ungehindert weiter. Ein Frieden, der kein Ende der Besatzung bedeutet, ist keiner - jedenfalls nicht für die Palästinenser, denen nur die Wahl zwischen Flucht oder Bantustan bleibt.
zum Beitrag18.11.2025 , 20:58 Uhr
Über ein bisschen Völkermord kann man dann hinwegsehen? Israel wird gerade von Rechtsextremen regiert, die einen Palästinenserstaat ablehnen und aktiv daran arbeiten, die Bevölkerung der besetzten Gebiete loszuwerden. Wenn Sie darin kein Hindernis für Waffenlieferungen sehen...
zum Beitrag18.11.2025 , 12:43 Uhr
Das ist eine bizarre Verkehrung der Realität: Israel war nie nur Opfer, und spätestens seit der arabischen Friedensinitiative (die übrigens auch von Iran unterstützt wurde), ist es offenkundig, dass israelische Regierungen eigene expansionistische und hegemoniale Bestrebungen über eine regionale Integration stellen (und sich dabei des Jubels jener Europäer sicher sein können, deren Blick auf die Welt über 1904 nicht herausgekommen sind. Um ihr Überleben kämpfen übrigens gerade die Palästinenser, die gerade einem Völkermord zum Opfer fallen.
zum Beitrag14.11.2025 , 17:02 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob der Artikel jenseits der Parteistrategie nicht allzu optimistisch auf den Zustand der politischen Linken insgesamt blickt - denn wenn man den Kurs der Grünen und den Zustand der SPD berücksichtigt, sind die Umfragewerte der Partei Die Linke immer noch mau. Weder die Grünen, noch Linke oder BSW schaffen es, ein politisches Projekt zu formulieren, dass größere Wählerkreise anspricht. Die linke Mehrheit in Deutschland ist auf absehbare Zeit Geschichte und daran ändert auch ein klug geführter Wahlkampf nichts wesentliches. In Reineckes Artikel über liberale Denkfabriken wurde darauf hingewiesen, dass die Libertären wenigstens eine Zukunftsvision haben. Das gilt auch für andere Rechtspopulisten. Natürlich ist das eine Vision, die frei von Vernunft und Anstand ist - aber offenkundig attraktiver als die Ratlosigkeit in der Linken Hälfte des politischen Spektrums. Wie wir diesem Debakel entkommen, weiß ich auch nicht - aber vermutlich müssen wir uns viel grundsätzlicheren Fragen stellen als der Differenz von Grünen und Linken.
zum Beitrag13.11.2025 , 10:41 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob der Vergleich taugt: Es geht hier darum, Europa als Synonym für EU zu benutzen, nicht um rassistische Vokabeln. Aber unabhängig davon: ja, natürlich dürfen Sie diesen Sprachgebrauch kritisieren, aber es ging hier ja nicht darum, ihn zu hinterfragen, sondern ihn zu verstehen.
zum Beitrag13.11.2025 , 10:36 Uhr
Nun mag man sich umgekehrt fragen, ob es nicht auch die JG war, die ihren Redner falsch eingeschätzt hat: Stanley ist ja nicht spontan auf das Podium geklettert, sondern wurde eingeladen - und wer einen meinungsstarken politischen Philosophen einlädt, muss auch mit einer über Familiengeschichten hinausreichenden Reflexion rechnen.
zum Beitrag10.11.2025 , 16:20 Uhr
Der Artikel fordert doch gar keinen Auslandseinsatz, sondern lediglich ein Ende der strategischen Partnerschaft mit den VAE. Die EU (um diese geht es, nicht allein um D) hat im übrigen durchaus die Möglichkeit, politischen und wirtschaftlichen Druck auszuüben. Dass sie im Falle von Verbündeten darauf verzichtet, egal wie verbrecherisch diese agieren, ist kein Zeichen von Machtlosigkeit, sondern von Gleichgültigkeit.
zum Beitrag10.11.2025 , 09:12 Uhr
Wenn man das Konsumentenprinzip anlegt, führt das in allen Ländern zu dem von Ihnen genannten Effekt, genau das war ja mein Punkt. Und mit Punkt 2 weichen Sie dem eigentlichen Problem aus: dass es zu kurz greift, wenn man nur darauf achtet, wer CO2 produziert und nicht fragt, wessen Lebensstil dafür verantwortlich ist.
zum Beitrag10.11.2025 , 09:07 Uhr
Für "Europa" gilt dasselbe wie für "Deutschland": der Begriff bezieht sich offenkundig auf die jeweiligen politischen Entscheidungsträger, nicht auf jeden einzelnen Europäer. Das ist ein Sprachgebrauch, der Ihnen aus jeder Tageszeitung bekannt sein sollte. Wenn Ihnen routinemäßig Unterstellung vorgeworfen wird, liegt das nicht unbedingt an denen, die diesen Vorwurf erheben. Ab und an kann man auch den eigenen Diskussionsstil hinterfragen...
zum Beitrag09.11.2025 , 21:59 Uhr
Europa (womit im Artikel die EU gemeint ist) und Deutschland sind allerdings nicht nur die Summe individueller Einwohner, sondern Staaten bzw. ein Staatenbündnis, die durchaus in solche Geschäfte verwickelt sind (gerade Waffenexporte müssen genehmigt werden) und diese auch unterbinden können – neben etlichen anderen Wegen, Druck auszuüben (und zwar, anders als in manchen Kommentaren suggeriert, auch nicht-militärisch). Die gerne postulierte europäische Machtlosigkeit ist allzu oft eine bequeme Ausrede für das Nichtstun. Und unter uns: warum Sie Kritik daran, dass ein Staat, der in so massive Kriegsverbrechen verwickelt ist wie die VAE, auch noch von Europa hofiert und hochgerüstet wird, nicht hören wollen, entzieht sich meinem Verständnis. Was Sie als unerträglichen Moralismus empfinden, gilt anderen als elementarer menschlicher Anstand. Und zwar nicht nur akademischen Linken…
zum Beitrag09.11.2025 , 12:22 Uhr
Mir wäre diese dümmliche Rabulistik peinlich. Der Artikel kritisiert ganz konkret die (auch militärische) Unterstützung Deutschlands für den wichtigsten Förderer der RSF. Von Afrikanern insgesamt war dort nicht die Rede, genauso wenig wie von einer Kollektivschuld (außer vielleicht, Sie identifizieren sich so sehr mit der deutschen Regierung, dass Sie jede Kritik an dieser auf sich selbst beziehen - das ist dann aber nicht das Problem des Artikels). Es ist eigentlich nicht zuviel erwartet, dass man auf die Argumente eines Artikels eingeht, statt mit plumpen Unterstellungen um sich zu werfen.
zum Beitrag09.11.2025 , 10:56 Uhr
Nun unterstützen die meisten arabischen Staaten (genauso wie der Iran) die sudanesischen Armee und gerade Al Jazeera berichtet schon seit langem über die Verbrechen der RSF; die VAE stehen also in dieser Frage auch unter den arabischen Staaten eher allein. Ohnehin ist es billig, jedesmal mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es um die Mitverantwortung Europas für Verbrechen wie im Sudan geht. Ja, andere sind nicht unschuldig - macht das das eigene Fehlverhalten in irgendeiner Weise besser?
zum Beitrag09.11.2025 , 09:34 Uhr
Man kann, sowohl fr China als auch für Deutschland die Pro-Kopf-Emissionen nach dem Produzenten- und nach den Konsumentenprinzip berechnen. Meistens geschieht ersteres, wovon die Staaten profitieren, die dreckigere Industrien ins Ausland verlagert haben. Vergleicht man allerdings, wessen Konsumverhalten besonders CO2-intensiv ist... Aber das ist eigentlich Grundwissen.
zum Beitrag06.11.2025 , 16:51 Uhr
Nein, das heißt das nicht: von einer Gleichsetzung von Judentum und Israel habe ich nirgendwo gesprochen, sondern lediglich von einem Zusammenhang (der von vielen jüdischen Gemeinden selbst stark gemacht wird und das war ja der Punkt: wer seine Verbundenheit mit Israel erklärt, muss sich auf zu offenkundigen Kriegsverbrechen verhalten, die dieser Staat begeht). Das impliziert aber nicht, dass jede Kritik an Israel oder israelischen Institutionen und Personen auf deren Jüdischsein abzielt. Mi ein bisschen Differenzierungsvermögen versteht man das auch. Wenn Sie meinen, mir die Worte im Mund verdrehen und mich und andere Foristen diffamieren zu müssen, bitte - das ist aber nicht das Diskussionsniveau, auf das ich mich einlassen möchte.
zum Beitrag06.11.2025 , 11:32 Uhr
Sie argumentieren nicht, sondern bedienen eine perfide Diffamierungsstrategie, indem Sie mit Artikeln, in denen es gar nicht um Frazer geht, suggerieren, diese hätte die sexuelle Gewalt durch Hamas geleugnet. Ironischer Weise bestätigen Sie damit meinen Vorwurf: es geht Ihnen eben nur um Ihre eigene Meinungsfreiheit, nicht um die der Anderen.
zum Beitrag06.11.2025 , 09:07 Uhr
Das ist kein Widerspruch: Israel versteht sich als jüdischer Staat und pflegt enge Verbindungen zu vielen jüdischen Gemeinden in der Welt - insofern gibt es natürlich eine Verbindung von Israel und Judentum. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass jede Kritik an Israel, israelischen Institutionen oder Personen auf ihr Jüdisch-Sein abzielt. Im konkreten Fall ging es um die Kriegsführung in Gaza und die Haltung von Illouz dazu. Der Unterschied ist eigentlich nicht schwer zu verstehen und wäre ein Minimum, um sachlich über den NO-Konflikt zu diskutieren.
zum Beitrag05.11.2025 , 14:12 Uhr
Die von Illouz vorgeschlagene Fremdverwaltung ist kaum mit den alliierten Vorbehaltsrechten vergleichbar (nicht einmal mit der nur formalen Souveränität der DDR). Gaza war auch 2006 noch in einem so hohen Masse von Israel kontrolliert, dass es fast unisono (auch vom deutschen AA) als besetzt bezeichnet wurde (und ist ohnehin nicht separat von den übrigen besetzten Gebieten zu betrachten).
zum Beitrag05.11.2025 , 13:57 Uhr
Was die Ausladung angeht, bin ich ganz bei Ihnen, ich habe ja in meinem Ausgangspost geschrieben, dass ich Universitäten gerade für Orte halte, an denen man solche Kontroversen austrägt; meine Kritik hat sich lediglich auf die selektive Empörung bezogen. Die inhaltliche Kritik, die ich an Illouz habe, bleibt bestehen, auch und gerade in der Völkermord-Frage (im Zweifel für den Angeklagten gilt vor Gericht, nicht im politischen Diskurs): das Problem ist ja nicht allein, dass Illouz diese Kategorie nicht für passend hält (das wäre eine juristisch-technische Frage), sondern grundsätzlich Probleme hat, die israelische Strafexpedition und den Kontext der Besatzung als solche zu erkennen – und das ist nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein politisches und moralisches Problem.
zum Beitrag05.11.2025 , 13:02 Uhr
Da stimmt einfach nicht: Ausladungen sind gang und gäbe, sei es, weil Personen anstößige Meinungen vertreten oder einfach aufgrund von Kontaktschuld sind gang und gäbe. Das kann man bedauern (und noch einmal: ich habe die Ausladung von Illouz ebenso wenig begrüßt wie die anderer gecancelter Sprecher). Es ist aber unehrlich, daran nur Anstoß zu nehmen, wenn es den eigenen ideologischen Dunstkreis betrifft und auf das Jüdisch-Sein zu verweisen, obwohl die Gründe – wie ich mehrfach erklärt habe – andere sind. Mit Verlaub: Illouz hat es nicht schafft, sich klar von einem Völkermord zu distanzieren. Vielleicht überlegen Sie sich einmal, wem man hier Doppelmoral vorwerfen muss.
zum Beitrag05.11.2025 , 09:55 Uhr
Ihr Beitrag ist voller historischer Fehler: z.B. war El-Husseini kein SS-Gruppenführer und der Einfluss der Muslimbrüder in den meisten arabischen Staaten mehr als begrenzt (die saßen vor allem im Gefängnis, nicht in der Regierung). Sie machen denselben Denkfehler wie Illouz: Sie finden hundert Gründe, warum entweder die Palästinenser selbst oder andere muslimische Staaten am NO-Konflikt schuld sind und ignorieren das gewaltsame Agieren der Besatzungsmacht Israel (das auch schon vor dem Völkermord in Gaza in endlos langen berichten auch israelischer Menschenrechtsorganisationen hinreichend dokumentiert wurde). Über den geschmacklosen Nakba-Witz, den Sie sich erlauben, will ich mich gar nicht äußern. Eine gewisse Ironie hat das allerdings: Sie echauffieren sich über den „antisemitischen Postkolonialismus“ (ohnehin ein Strohmann für antiintellektuelle Ressentiments), verfallen mit Ihrer Schuldumkehr aber in klassisch-kolonialistische Deutungsmuster.
zum Beitrag05.11.2025 , 09:02 Uhr
Schlagen Sie doch einmal nach, wann die BRD bzw. die DDR gegründet wurden. Nicht erst 20-30 Jahre nach Kriegsende. Ohnehin ist die Analogie falsch, weil es im NO-Konflikt keine vergleichbar klare Rillenverteilung gibt - und das blendet eben auch Illouz aus, wenn Sie die Palästinenser unterziehen will und die Rolle Israels als Besatzungsmacht ignoriert.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:47 Uhr
Vielleicht lesen Sie einmal die Einlassungen von Illouz zum Gazakrieg und ihre "Lösungsvorschläge" für die Zeit danach (die sind sogar in diesem Forum zitiert, Sie müssen nur ein bisschen scrollen). Ich finde es normalerweise ärgerlich, dass Sie allzu bereitwillig auf Argumente verzichten und lieber mit Unterstellungen um sich werfen, hier bin ich aber glücklich darüber, illustriert dieser performative Selbstwiderspruch doch genau die Denke, die ich kritisiert habe.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:34 Uhr
Sie wiederholen nur, was ich bereits kritisiert habe: Illouz wurde nicht ausgeladen, weil sie jüdische und auch nicht, weil sie für eine Universität in einem jüdischen Staat arbeitet, sondern weil dieser Staat einen Völkermord begeht und Illouz sich davon bestenfalls halbherzig distanziert. Diesen Unterschied (den übrigens auch gängige Antisemitismus-Definitionen betonen) zu verstehen, wäre das Minimum für jede Diskussion über den NO-Konflikt.
zum Beitrag05.11.2025 , 08:30 Uhr
Für die Ausladung gibt es tatsächlich keinen Grund. Die Grenze des Sagbaren wird durch das Strafrecht festgestellt, nicht durch persönliche Befindlichkeiten. Niemand hat das Recht, for anderen Meinungen beschützt zu werden, gerade nicht an einer Universität. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass es an Illouz nichts zu kritisieren gäbe - und nur das wollte ich mit dem verlinkten Artikel dokumentieren.
zum Beitrag04.11.2025 , 22:01 Uhr
Mit Ihrem bescheiden Rationalismus rennen Sie bei Theologen aber offene Türen ein. Ein Thomist würde genau auf dieser Grundlage für das Christentum argumentieren. Nicht das mich das überzeugt, aber rational sind meine Einwände dann auch nicht mehr - es bleibt ein unbewiesen akzeptierter Rest (den meinte ich mit Glauben, egal ob religiös oder nicht). Mit der Staatsräson hat das nichts zu tun, mit den GG (wieder etwas anderes) nur insofern es solche Fragen dem Einzelnen überlässt. Natürlich: manche (nicht alle) Absolutheitsansprueche passen nicht recht zu einer offenen Gesellschaft - aber die werden nicht nur und nicht von allen Religiösen erhoben. Und damit wären wir wieder beim Unterschied zwischen Nicht- und Anti-.
zum Beitrag04.11.2025 , 16:05 Uhr
Ich nehme an, Ihnen fällt nicht auf, wie rassistisch Illouz hier argumentiert: sie mutet den Palästinensern ohne mit den Wimpern zu zucken noch ein paar Jahrzehnte Fremdherrschaft zu und blendet die Rolle Israels im NO-Konflikt völlig aus - als gäbe es weder Besatzung, Siedlergewalt noch Völkermord und als wäre Israel nicht von bekennenden Rechtsextremisten regiert. Dass diese Mischung aus Paternalismus, ethnischem Überlegenheitsgefühl und Blindheit für die eigenen Verbrechen auch hier gut ankommt, wundert mich nicht: man gibt sich gerne liberal, glaubt aber immer noch an die Bürde des weissen Mannes.
zum Beitrag04.11.2025 , 14:13 Uhr
Ich fürchte, dass es sich der Artikel (und Illouz selbst) mit dem routinierten Antisemitismus-Vorwurf zu leicht macht: Ausgeladen wurden sie nicht, weil sie jüdisch ist, sondern weil sie für eine Universität in einem Staat arbeitet, der vermutlich gerade einen Völkermord begeht – und auch ihre (vorsichtige) Unterstützung für das militärische Vorgehen Israels dürfte eine Rolle gespielt haben. Dass Illouz eine der schärfsten Kritikerin Netanjahus ist, stimmt erstens nicht und tut auch nichts zur Sache. Es geht hier nicht um die Demokratie in Israel, sondern um den Umgang mit den Palästinensern. Illouz ist in diesem Punkt eine typische Liberale: Sie fordert Demokratie und Menschenrechte – aber eben nur für sich bzw. die eigenen Landsleute – für uns die Demokratie, für euch das Imperium. Der Artikel droht sich in denselben Widerspruch zu verwickeln: denn natürlich ist all das kein Grund Illouz auszuladen. Universitäten sind dazu da, Kontroversen auszutragen. Nur habe ich von Feddersen keinen Protest gehört, als z.B. Frazer ausgeladen wurde, propalästinensische Veranstaltungen verhindert und Proteste gewaltsam unterdrückt wurden. Freiheit, die als Privileg verstanden wird, ist keine.
zum Beitrag04.11.2025 , 13:58 Uhr
Die von Ihnen umrissene Position ist weder „Staatsräson“, noch ist sie rationalistisch. Rationalismus setzt keinen Anspruch auf Voraussetzungslosigkeit und Letzterklärung voraus (und nur damit könnte man das Element des Glaubens völlig verabschieden). Das wusste übrigens auch die Aufklärer – lesen Sie mal bei Kant nach. Vernunft kann sich ihrer Grenzen bewusst sein – im philosophischen Diskurs und im Alltag: der von Ihnen beschworenen offenen Gesellschaft ist es jedenfalls zuträglicher, wenn man die Möglichkeit nicht ausschließt, dass man selbst falsch liegen könnte, und lieber ein Nicht-X als ein Anti-Y ist.
zum Beitrag04.11.2025 , 13:36 Uhr
Was aber nur die halbe Geschichte ist: www.haaretz.com/op...-a5dd-ddfa274e0000
zum Beitrag03.11.2025 , 20:48 Uhr
Nun argumentieren die wenigsten Vertreter mit "Volks- und Rassenmerkmale ", sondern mit Konvention und Vergesellschaftlichung. Ob die allerdings ein "davor" hat, ist fragwürdig. Ihr Argument basiert im wesentlichen auf einem vulgär Rousseauismus, der eine vorkulturelle Menschennatur postuliert, aber nicht beweisen kann. Was Sie als Universalismus verkaufen wollen, ist nur ein verkappter Nationalismus, der keine andere Kultur neben sich dulden will - und damit gefährlich nah an die rassistischen Konzepte kommt, die Sie hier anderen unterschieben wollen.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:28 Uhr
Waren Sie auch auf einer Ausstellung über die Opfer der israelischen Strafexpedition in Gaza (sogar laut israelischen Einschätzungen c. 80 Zivilisten)? Oder haben Sie sich mit den Lebensumständen in den besetzten Gebieten vor 2023 befasst? Vermutlich nicht und genau diese selektive Empathie ist das Problem. Dazu gehört übrigen auch das selektive Kontextualisieren: denn daran, israelische Kriegsverbrechen mit dem Verweis auf Hamas zu rechtfertigen, haben Sie kein Problem. Eine Gewaltspirale versteht man nicht, wenn man nur die Gewalt der einen Seite sehen will und im konkreten Fall auch die grundsätzliche Assymetrie des Konfliktes ignoriert. Wer Leid nur anhand ethnischer Bruchlinien wahrnimmt, ist nicht moralisch, sondern rassistisch.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:20 Uhr
Ja, es ist kompliziert. Das ist allerdings keine "Ausflucht", sondern eine Wirklichkeit, die sich nicht auf rassistische Feindbilder reduzieren lässt.
zum Beitrag03.11.2025 , 08:14 Uhr
Das ist, mit Verlaub, Unsinn: die Linke ist gar nicht in der Lage, Erinnerungen zu unterdrücken - mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass die grossen Medienhäuser, der Rundfunk oder auch die im Bundestag vertretenen Parteien von propalaestinensischen Aktivisten geleitet werden. Sie müssen nur eine Tageszeitung Ihrer Wahl aufschlagen, um an den 7.10. erinnert zu werden. Dass daneben auch das Entsetzen über Israels genozidale Kriegsführung artikuliert wird, hat dessen rechtsextreme Regierung sich selbst zuzuschreiben. Daran ändern auch die Vereinfachungen Müllers nichts (die keine NO-Expertin ist). Ohnehin ist es billig, anderen rechte Tendenzen zu unterstellen, wenn man sich selbst als Le Pen-Unterstuetzer geoutet hat...
zum Beitrag03.11.2025 , 08:06 Uhr
Ja, und Sie kennen die Lösung auch (jedenfalls wurde Sie Ihnen oft genug erklärt): dem Grundkonflikt lösen und das heißt ein Ende der Besatzung (die älter ist als Hamas) und die Gründung eines Palästinenserstaates in Gaza/WJL/OJ. Das wäre nicht nur rechtlich und moralisch geboten, sondern auch realpolitisch: oder glauben Sie, das es zur Deradikalisierung beträgt, wenn man die Palästinenser (die nicht weniger Mensch sind als Sie oder ich) weiterhin in Bantustans dahinvegetieren zu lassen? Die Opfer in Gaza immer noch mit der Aber Hamas-Masche erklären zu wollen, ist ohnehin wenig überzeugend: es ist hinreichend dokumentiert, dass die israelische Soldateska systematische Kriegsverbrechen begangen hat (vermutlich bis hin zum Völkermord) - teils durch Videos, die die Täter selbst in sozialen Medien verbreitet haben. Lesen Sie doch einmal, was (auch israelische) Menschenrechtsorganisationen darüber zu berichten wissen - diesmal kann niemand behaupten, er hätte nichts gewusst...
zum Beitrag02.11.2025 , 08:38 Uhr
Ich finde es bemerkenswert, dass Fanizadeh und sein ideologischer Umfeld gerne Linke als "autoritär" beschreiben, selbst aber wenig Anstoß an repressiven Maßnahmen nehmen, sofern diese der eigenen Agenda nicht zuwiderlaufen. Das gilt sowohl außenpolitisch (wenn man ganzen Völkern eine Bantustanexistenz zumutet, weil sonst ja Islamisten an die Macht kommen könnten) als auch innenpolitisch (ein kritisches Wort über das rechtsstaatlich äußerst fragwürdige Vorgehen gegen propalaestinensische Proteste habe ich noch nicht gehört). Dasselbe gilt für den lautstark verkündeten Universalismus, der immer nur der Feinderklärung dient, aber stets vergessen wird, wenn es um die Opfer der eigenen Seite geht. Damit wiederholt Fanizadeh natürlich nur, was seit jeher hiesige Praxis ist: er spricht von Freiheit, Universalismus etc., wenn es eigentlich nur um die eigenen Privilegien geht. Das ist eine "Stört unsere Party nicht, ihr Opfer"-Attituede, die erstaunlich FDP-konform ist, in der taz ist man aber eigentlich mehr Selbstreflexion gewöhnt. Die routinierte Fehlinterpretation Butlers macht das auch nicht besser.
zum Beitrag02.11.2025 , 07:58 Uhr
Das Verhältnis von Judentum und Israel ist doch etwas komplizierter als von Ihnen suggeriert. Zumal viele jüdische Verbände (darunter so wichtige wie der ZdJ) sehr dezidiert als Führsprecher Israels auftreten. Insofern ist es - nicht erst seit dem Völkermord in Gaza durchaus legitim auch eine Distanzierung von offenkundigen Verbrechen zu erwarten. Die scheußliche Komik, die darin mitschwingt, wenn Sie ressentimentgeschwaengerte Klischees über Araber verbreiten und gleichzeitig Kritik an antiarabischem Rassismus als "weinerlich" abtun, ist Ihnen vermutlich entgangen, passt aber leider in gängige Deutungsmuster... der Geist von 1904.
zum Beitrag01.11.2025 , 09:20 Uhr
Wenn Sie nicht gehört haben, dass sich Muslime vom IS distanziert haben, dürfe das an Ihnen liegen. Das haben nämlich nicht nur sämtliche deutsche Islamverbände gemacht, sondern auch islamische Autoritäten überall in der Welt. Ich weise auch gerne darauf hin, dass Idriz nicht gefordert hat, sich von Israel zu distanzieren, sondern vom Vorgehen der israelischen Regierung - die gerne behauptet, im Namen aller Juden zu sprechen und zu handeln und auch dezidiert religiös argumentiert. Wie verkürzt es ist, die Besatzungsmacht Israel allein als angegriffen Staat zu sehen und nicht als Mitverantwortlichen für eine Gewaltspirale, die nicht erst 2023 begonnen hat, wissen Sie vermutlich selbst.
zum Beitrag31.10.2025 , 19:59 Uhr
Dass Hamas israelische Soldaten angreift, legitimiert nicht die Ermordung von Medienschaffenden, die an diesem Angriff gar nicht beteiligt waren - und eine von Israel behauptete Hamas-Mitgliedschaft macht niemand zu legitimen Ziel. Es ist vorsichtig gesprochen verstörend, wie leichtwillig in diesem Forum palästinensischen Menschen das Lebensrecht abgesprochen wird...
zum Beitrag31.10.2025 , 19:54 Uhr
Ich würde dazu raten, sich erst einmal auf den eigenen Verstand zu verlassen und selbst über das Wirken von Idriz zu urteilen. Der gute Mann hat sich seit Jahren gegen Antisemitismus auch unter Muslimen und für den jüdisch-muslimischen Dialog engagiert. Ihm Antisemitismus abzudichten, weil er das Agieren der gegenwärtigen rechtsextremen Regierung in Israel kritisiert und von jüdischen Verbänden in Deutschland dasselbe erwartet, wie von muslimischen, nämlich den Mund aufzumachen, wenn Extremisten im ihrem Namen Verbrechen begehen, ist billig und selbst ein Zeichen ideologischer Verhärtung.
zum Beitrag29.10.2025 , 14:22 Uhr
Sie widersprechen sich hier selbst, wenn Sie einerseits zugeben, dass eine bloße Hamasmitgliedschaft keine außergerichtliche Hinrichtung rechtfertigt, andererseits aber Anstoß daran nehmen, dass ich und andere Foristen daran erinnern. Die Unterstellung, ich hätte Verständnis für den Angriff der Hamas geäußert, verbitte ich mir (der Hinweis auf eine Vorgeschichte ist etwas anderes: der NO-Konflikt hat nun einmal nicht 2023 begonnen). Ohne sind solche Whataboutisms ermüdend: in dem Artikel geht es um die Ermordung des Tontechnikers und seines Sohnes. Vielleicht schaffen Sie es, das zu verurteilen, ohne sich wieder in „Aber Hamas…“-Phrasen zu flüchten?
zum Beitrag29.10.2025 , 09:57 Uhr
„wer in Gaza mit Kamera, Stethoskop oder Kreide arbeitet, gilt per se als unschuldiger Zivilist“ Das ist eine geradezu groteske Beweislastumkehr. Müssen in Ihren Augen Palästinenser beweisen, dass sie kein todeswürdiges Verbrechen gegangen haben und sind andernfalls zum Abschuss freigegeben? Zur Realität gehört auch, dass die israelische Soldateska offenkundige Kriegsverbrechen immer wieder mit solchen unbelegten Behauptungen gerechtfertigt hat. Es gibt also gute Gründe, sich nicht darauf zu verlassen, wenn sie ihren Opfern eine Hamas-Mitgliedschaft andichtet (die ohnehin nicht ausreichen würde, um eine extralegale Hinrichtung während einer Waffenruhe zu legitimieren, bei der auch der achtjährige Sohn des Opfers getötet wird). Immerhin, in einem Punkt haben Sie recht: das Denken des letzten Jahrhunderts ist wieder zurück und Teile der deutschen Öffentlichkeit tanzen schamlos den Von Trotha…
zum Beitrag29.10.2025 , 08:52 Uhr
Noch einmal: dass das Opfer "Terrorist" war, behauptet dieselbe Truppe, die ihn gemeinsam mit seinem Sohn hingerichtet hat. Dass das mit einem Schulterzucken hingenommen wird, bestätigt genau , was ich gesagt habe: hier werden Menschenleben nach ethnischen Kriterien hierarchisiert - und die von Palästinensern nehmen einen erschreckend geringen Stellenwert ein. Das als beschämend zu bezeichnen, ist eigentlich noch eine sehr moderate Wortwahl...Nicht ich bin derjenige, der hier verharmlost.
zum Beitrag29.10.2025 , 08:46 Uhr
Die Opferzahlen in Gaza, die übrigens nicht von Hamas, sondern von dem dortigen Gesundheitsministerium stammen (oder behaupten Sie auch, dass ähnliche Verlautbarungen auf israelischer Seite vom Likud stammen?) werden weitgehend dokumentiert und werden nicht einmal von Israel in Frage gestellt. Hier geht es um einen konkreten Fall: die IDF hat waehteines Waffenstillstands einen Menschen, der gerade einer zivilen Tätigkeit gemeinsam mit seinem 8-jaehrigen Sohn hingerichtet - Sie verstehen vielleicht, warum es mir nicht genügt, wenn die Täter behaupten, ihr Opfer wäre Hamas-Mitglied gewesen?
zum Beitrag29.10.2025 , 08:38 Uhr
Selbst wenn man der IDF (die routiniert Medienschaffende ermordet und ihnen danach eine Hamas-Mitgliedschaft andichtet) in diesem Fall glauben will, würde das keine extralegale Hinrichtung inklusive seines Sohnes rechtfertigen. Die Schärfe der Kritik war also angemessen und es ist bedauerlich, dass der ZDF hier einzuknicken scheint. Das Verhalten vor allem der CSU ist in doppelter Hinsicht schändlich: weil es einer durchschaubaren politischen Agenda folgt und weil es von einer unsäglichen Gleichgültigkeit gegenüber palästinensischen Leben zeugt. Man wird den Eindruck nicht los, das Teile der deutschen Politik und Öffentlichkeit die Gelegenheit genießen, im Windschatten Israels den eigenen Rassenhass schamlos auszuleben.
zum Beitrag28.10.2025 , 20:53 Uhr
Ja, das es nicht meine war. Es ist wenig konstruktiv, ein Argument zu erfinden, um es dann zu widerlegen (zumindest dann nicht, wenn wir hier eine Diskussion führen und nicht nur parallele Selbstgespräche).
zum Beitrag28.10.2025 , 19:06 Uhr
Dass es sich um einen "Hamas-Terroristen" handelt, behauptet die IDF - also genau die Truppe, die für die extralegale Hinrichtung verantwortlich war und in ihrem genozidalen Krieg schon mehr als 200 Medienschaffende getötet hat. Ich erinnere gerne daran, dass palästinensischen Leben nicht weniger wert sind - und schäme mich dafür, das in diesem Land wieder erklären zu müssen.
zum Beitrag28.10.2025 , 19:00 Uhr
Nein, so einfach ist das nicht: denn erstens werden die Anschuldigen von eben der Truppe erhoben, die auch für den Mord verantwortlich ist und zweitens spricht seine Tätigkeit als Techniker eher gegen eine aktive Rolle in einer Hamas-Miliz (wir können uns vielleicht darauf einigen, das Menschen nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können). Der einzige, der relativiert, sind also Sie - und zwar sowohl den NS (mit Ihrem historisch schiefen NS-Vergleich) und zweitens eine extralegale Hinrichtung. Was soll das?
zum Beitrag28.10.2025 , 15:04 Uhr
Erstens ist das bisher nur eine Behauptung der IDF, die – wie so oft nach Morden an Journalisten und anderen Medienmitarbeitern allzu unkritisch von der deutschen Presse übernommen wird, und zweitens reicht auch hier eine einfach Mitgliedschaft nicht aus, erst recht nicht während einer Waffenruhe. Warum man allen Ernstes eine extralegale Hinrichtung verteidigt, entzieht sich meinem Verständnis.
zum Beitrag28.10.2025 , 15:04 Uhr
Ich weiß nicht, wie oft man das erklären muss, aber weder eine politische Haltung noch eine Mitgliedschaft rechtfertigt eine extralegale Hinrichtung. Dazu müsste Israel beweisen, dass es sich um einen aktiven (!) Kombattanten halten – und dass dieser gerade dabei war, die Waffenruhe zu brechen. Und von dem 8-jaehrigen Sohn haben wir hier noch gar nicht gesprochen. Die Frage ist eigentlich nicht, ob es sich hier um ein weiteres Kriegsverbrechen handelt – das ist offenkundig der Fall – sondern was Foristen dazu bewegt, das auch noch zu verharmlosen. Es fällt Teilen der deutschen Öffentlichkeit offenkundig schwer, Palästinenser als vollwertige Menschen wahrzunehmen, die nicht zum Abschuss freigegeben sind, sobald die IDF irgendetwas behauptet. Der routinierte NSDAP-Vergleich ist nicht nur historisch schief, sondern auch beweist auch nichts: sogar im 2. WK wären Morde an nicht kämpfenden Parteimitgliedern illegal gewesen und die Alliierten haben auch nie versucht, die NSDAP per Menschenjagt zu zerschlagen. Das Bedürfnis nach Projektion lässt aber auch tief blicken...
zum Beitrag28.10.2025 , 13:39 Uhr
Nun macht eine reine Hamas-Mitgliedschaft niemand zum Kombattanten – und einen Zivilisten (inklusive seinem Sohn!) während eines Waffenstillstandes zu töten ist und bleibt ein Kriegsverbrechen. Das in der deutschen Debatte eine angebliche – nur von einer notorisch durch Falschinformationen auffallenden Konfliktpartei behauptete - Hamas-Mitgliedschaft wichtiger ist als eine extralegale Hinrichtung, sagt leider allzu viel über deutsche Verhältnisse 2025 aus.
zum Beitrag26.10.2025 , 14:54 Uhr
Das ist nicht "unwahr", sondern eine Einschätzung, die sich auf ernstzunehmende Autoritären berufen kann. Es ist Dem Intendanten, mir und jedem anderen frei, noch vor einer Gerichtsentscheidungen Ereignisse zu bewerten - und aus Gründen, die ich oben erwähnt habe, ist das oft genug sogar nötig.
zum Beitrag26.10.2025 , 08:20 Uhr
Lesen Sie meinen Beitrag ganz, ich erkläre dort ja, warum das so ist (übrigens wüsste ich nicht, dass man bei anderen Kriegen und Krisen erst auf Gerichtsurteile wartet, bevor man Kritik übt). Befremdlich ist eher die Gleichgültig mit der auch manche Foristen auf dieses Menschheitsverbrechen reagieren.
zum Beitrag25.10.2025 , 17:15 Uhr
Ich finde diesen Artikel mehr als befremdlich - nicht zuletzt wegen des diffamierenden Tonfalls (Kritikern vorzuwerfen, es ginge Ihnen nur um Aufmerksamkeit oder Geld ist ziemlich platt und ad hominem). Und die Art und Weise, wie der Genozid-Vorwurf vom Tisch gewischt wird (im Falle Jelineks mit einer unsäglichen Kaltschnäuzigkeit) ist angesichts der Tatsache, dass dieser Vorwurf von unzähligen Experten, Menschenrechtsorganisationen, einer UN-Kommission und inzwischen sogar manchen europäischen Regierungen erhoben (und auch in teils ausführlichen Berichten begründet wird) wenig überzeugend. Dass noch kein Gerichtsurteil vorliegt, ist eine Ausflucht: schließlich will mit bedrohte Menschen retten, nicht (nur) später über die Täter urteilen. Die Völkermord-Konvention verpflichtet daher auch explizit dazu, Völkermord zu verhindern. Frieden und Versöhnung sind erstrebenswertes Ziele - das heißt aber nicht, dass man ein Menschheitsverbrechen schulterzuckend ad acta legt. Der Artikel bestätigt leider, was er bestreitet: dass es gerade im "deutschsprachigen Raum" nicht ohne Risiko ist, Israels Verbrechen in den besetzten Gebieten auch zu benennen.
zum Beitrag22.10.2025 , 22:06 Uhr
Die Ironie ist, dass Sie die Aussage des Autors gerade ungewollt bestätigen: Sie streiten über Klein. Mit letzterem haben Sie übrigens gemeinsam, dass Sie vermutlich nie eine Zeile von Mbembe gelesen haben. Aber offenkundig setzt man hierzulande auf Diffamierung statt auf Argumente, wenn ein afrikanischer Philosoph nicht staatsräsonierend genug ist. Das Land der Dichter und der Denker...
zum Beitrag22.10.2025 , 11:37 Uhr
Der 7.10. ist ebenso wie der Genozid in Gaza eine Folge des NO-Konflikts; das entschuldigt die Verantwortlichen nicht (weder rechtlich, noch moralisch), ist allerdings ein Kontext, ohne den man den sich wechselseitig steigernden Extremismus beider Seite und dessen katastrophale Folgen schlichtweg nicht verstehen kann. Und das ist das Problem des von mir kritisierten Zitats: es kontextualisiert einseitig – das Hamas-Massaker wird allein mit dem Fanatismus der Täter erklärt (ohne zu fragen, welche Faktoren diesen begünstigten), während der Völkermord (der keiner sein darf) als unvermeidbare Reaktion auf eine äußere Bedrohung gedeutet wird. Sie sehen das Problem eines solchen selektiven Blicks auf eine Gewaltspirale. Dazu gehört auch, wenn man hier von der Verfolgung der Juden seit 2000 Jahren spricht. Natürlich spielt diese historische Erfahrung für israelische Politik eine Rolle; aber davon abgesehen, dass die Palästinenser für sämtliche Pogrome der letzten 2000 Jahre verantwortlich, stellt man so schon mit der Wortwahl eine Täter-Opfer-Konstellation her, die dem NO-Konflikt nicht gerecht wird – zu dem eben auch Besatzung, Vertreibung und zuletzt wohl ein Völkermord gehören.
zum Beitrag22.10.2025 , 11:01 Uhr
Sie haben denselben Beitrag schon etliche Male gepostet, das macht Ihnen aber nicht besser: denn niemand hat Israel gezwungen, auf den 7.10. mit genozidalen Mitteln zu reagieren. Ihre Argumentation ist im Grunde genommen ebenso rassistisch wie antisemitisch: die Palästinenser tauchen nur als grundlos aufgehetzte Fanatiker auf, während Sie den Israel keine anderen Entscheidungsmöglichkeiten als den reflexhaften Griff zu enthemmter Gewalt zutrauen. Dass Sie in einem Völkermord vor allem ein Image-Problem sehen, macht das Ganze nicht besser.
zum Beitrag21.10.2025 , 18:49 Uhr
Hm, ich bin mir grundsätzlich nicht sicher, inwieweit man ostdeutsche Besonderheiten nicht mit der DDR erklären kann - ein erheblicher Teil der Menschen dort ist ja im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Aber das ist vielleicht eine Frage, die zu weit führt. Der Punkt, um den es mir geht, ist, dass die politischen Unterschiede ja viel, viel geringer werden, wenn man nach Milieus aufschlüsselt (die urbane junge Frau mit Hochschulabschluss wählt auch dort eher grün). Wir führen also allzu oft Ost/West-Debatten, wenn man eigentlich über Milieus sprechen müsste. Das ist aus Regierungssicht natürlich bequem - auf die DDR zu verweisen ist leichter als sich dem eigenen Versagen zu stellen - aber es verstellt den Blick auf die eigentlichen Ursachen eines leider an Zugkraft gewinnenden Rechtsextremismus. In Ost wie in West.
zum Beitrag21.10.2025 , 09:52 Uhr
Dem deutschen ÖRR Einseitigkeit zu Ungunsten Israels vorzuwerfen, hat beinahe eine gewisse Komik – die noch dadurch unterstrichen wird, dass Sie sich auf eine Zeitung berufen, der jede kritische Distanz zur israelischen Kriegs- und Besatzungspolitik fehlt (inklusive dem unsäglichen Artikel, in dem bestritten wurde, dass es in Gaza unschuldige Zivilisten gibt – gemeinhin nennt man so etwas Rassismus). Das von Ihnen verlinkte Zitat illustriert das ja auf geradezu groteske Weise: Da wird ebenso ignoriert, dass der NOI-Konflikt nicht am 7.10. begonnen hat, wie die Tatsache, dass die israelische Kriegsführung nach Ansicht etlicher Experten (und auch einiger europaeischer Regierungen) inzwischen genozidale Züge angenommen hat. Wer guten Journalismus fordert, kann nicht erwarten, das israelische Verbrechen ignoriert werden.
zum Beitrag20.10.2025 , 19:29 Uhr
Ich bin ein bisschen skeptisch, was den Fokus auf Ostdeutschland angeht: dabei wird allzu oft a, die ungleiche Sozialstruktur ausgeblendet (sobald man nach Milieus unterscheidet, werden die Unterschiede zwischen Ost und West viel geringer) und b, den virulenten Rassismus im Westen unterschätzt (die AfD hätte es auch allein mit westdeutschen Stimmen in den Bundestag Geschäft und das Sauerland liegt ja auch nicht in der ehemaligen DDR).
zum Beitrag20.10.2025 , 19:08 Uhr
Ich bilde mir ein, Ihnen schon einmal den Unterschied zwischen Etymologie und Semantik erklärt zu haben - Xenonphobie hat zwar dieselbe gr. Wurzel wie eine Phobie im psychologischen Sinne, aber eben nicht dieselbe Bedeutung. Ihre Rationalisierungsversuche fallen übrigens in klassisch rechtsextreme Erklärungsmuster - als wären deutsche Städte sauber und frei von Kriminalität, wenn man nur die Ausländer los wird. Den eigenen Rassenhass philosemitisch zu vermarkten, ist übrigens nicht nur perfide, sondern falsch: googeln Sie mal, woher der Attentäter in Halle kam...
zum Beitrag20.10.2025 , 17:55 Uhr
Zum historischen Bewusstsein gehört mehr als ein deutscher Tunnelblick - gerade mit Blick auf den NO-Konflikt. Die deutsche Presselandschaft hat sich in den letzten zwei Jahren vor allem durch eine beharrliche Zurückhaltung ausgezeichnet, Verbrechen bis hin zum Völkermord auch als solche zu benennen - selbst wenn Sie live übertragen und von den Tätern nicht einmal geleugnet wurden. Was daran vorbildlich sein soll, bleibt Ihr Geheimnis.
zum Beitrag20.10.2025 , 08:01 Uhr
Nein, dabei handelt es sich nicht um klassischen Antisemitismus: die Boykott-Aufrufe haben sich nicht gegen Juden gerichtet, sondern gegen Israelis (die beiden Kategorien zu vermischen, ist selbst antisemitisch) und unterscheiden sich in dieser Pauschalitaet auch nicht von ähnlichen Boykotten etwas gegen Südafrika in der Endphase der Apartheid oder Russland nach dem Angriff auf die Ukraine. Im übrigen spricht es auch Bände, wenn man an ein paar (teils nur geforderten) Ausladungen mehr Anstoß nimmt als an einem Völkermord.
zum Beitrag17.10.2025 , 08:29 Uhr
Ein kleiner Tipp: Wenn Sie anderen Foristen Positionen unterstellen, die diese gar nicht vertreten, ist das keine "Stilfrage", sondern schlicht und ergreifend eine Lüge. Die Taktik ist allerdings auch typisch...
zum Beitrag16.10.2025 , 22:26 Uhr
Ich fürchte, Sie haben meinen Punkt nicht ganz verstanden, den nämlich, dass hier reine Unterstellungen zu Implikationen erklärt werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das bewusst passiert oder sich die Schablonen in manchen Köpfen verselbständigen. In jedem Fall macht es jede konstruktive Diskussion unmöglich. Das Minimum wäre doch, Beiträge zu lesen und dann Gegenargumente zu formulieren. Wenn man die Positionen des Anderen einfach erfindet, kann man auch Selbstgespräche führen.
zum Beitrag16.10.2025 , 15:28 Uhr
Streng genommen war das keine Äußerung von Ratzinger, sondern Manuel II. Palaiologos-Zitat, das im Gesamtkontext der Rede auch einen anderen Sinn hatte als oft unterstellt (an der es einiges zu kritisieren gäbe, unter anderem die fragwürdige Kant-Interpretation, aber eben keine sonderliche Islam-Feindlichkeit). Und es trägt auch nicht zur Diskussion bei, wenn man die Diskussion um die Landesverfassung entweder auf den Islam zuspitzt (um den es gar nicht spezifisch geht) oder gleich mit überdimensionierten Szenarien (Abwicklung der Aufklärung – wobei ohnehin unklar ist, was Aufklärung eigentlich sein soll – sie mit Atheismus gleichzusetzen ist jedenfalls historisch falsch und philosophisch unterkomplex). Punkt ist, dass eine Landesverfassung einen möglichst weitreichenden gesellschaftlichen Konsens zum Ausdruck bringen sollte – und ob ein Gottesbezug heute noch diesem Anspruch gerecht wird, wage ich zu bezweifeln.
zum Beitrag16.10.2025 , 10:03 Uhr
Es ist erschreckend, aber leider bin ich darüber nicht überrascht: die Diskussionen der letzten zwei Jahre haben ja deutlich gezeigt, dass auch liberale und linke Milieus wenig Probleme mit Gewalt in genozidalem Ausmaß haben, wenn die Opfer Araber und Muslime sind. Rassistisches und kolonialistisches Gedankengut ist offenkundig nicht auf den rechten Rand beschränkt , die angebliche Mitte erlebt ihr geistiges 1904.
zum Beitrag15.10.2025 , 22:53 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie richtig verstehen, was das Wort "implizieren" bedeutet - ein kleiner Tipp: es meint nicht, dass man irgendetwas beliebiges in einen Beitrag halluziniert, um es dem Verfasser dann zum Vorwurf zu machen. Das Wort dafür ist "diffamieren" - und das fällt auf den Urheber der Vorwürfe zurück, gerade dann, wenn diese so offenkundig plump vorgeht.
zum Beitrag15.10.2025 , 22:06 Uhr
In dem Video sieht man eine nicht einmal besonders grosse Demonstration, nicht alle Einwohner Gazas...
zum Beitrag15.10.2025 , 21:33 Uhr
Lesen Sie den Artikel!
zum Beitrag15.10.2025 , 21:32 Uhr
Sagt eine UN-Kommission, etliche Menschenrechtsorganisationen, zahllose unabhängige Experten und sogar einige europäische Regierungen. Und davon abgesehen, dass ich nicht auf ein Urteil warten muss, um mir eine Einschätzung zu eigen zu machen, fordert die Völkermord-Konvention explizit dazu auf, Völkermord zu verhüten, nicht nur, ihn nachträglich juristisch aufzuarbeiten, d.h. es gibt sogar eine Verpflichtung, dem Urteil vorzugreifen. Und wenn mir eine persönliche Bemerkung erlaubt ist: Sie kennen die Bilder und Berichte aus Gaza und haben gehört, was israelische Politiker gesagt haben: wie kann man angesichts dieses offen artikulierten und durchexerzierten Vernichtungswillens noch die Augen verschließen?
zum Beitrag15.10.2025 , 18:57 Uhr
Die Bilder, die belegen, dass wirklich alle Bewohner Gazas auf den Straßen getanzt haben, würde ich gerne sehen. Aber selbst wenn das so wäre, würde es den Schutzstatus von Zivilisten nicht aufheben. Einen Völkermord als pädagogische Massnahme zu umschreiben, ist selbst für dieses Forum überraschend menschenverachtend.
zum Beitrag15.10.2025 , 15:08 Uhr
Ihr Beitrag ist auf eine schreckliche Weise komisch, weil Sie offenkundig übersehen, dass man die ganze Argumentation auch einfach auf den Kopf stellen könnte: Ihre rechtsradikale Regierung haben die Israelis nämlich auch selbst gewählt (und nicht zuletzt 2006, d.h. zu einem Zeitpunkt, an dem ein erheblicher Teil der Bevölkerung Gazas noch gar nicht geboren war…). Ähnliches gilt für die unsägliche Einlassung: „Die Palästinenser haben Krieg gewählt und ihn bekommen.“ Denn damit rechtfertigen Sie nicht nur schwerste Kriegsverbrechen bis hin zum Völkermord mit einem plumpen „selber schuld“, sondern machen genau den Fehler, den Sie anderen mit Blick auf die Palästinenser vorwerfen: Sie sprechen den Israelis die Verantwortung für ihr eigenes Handeln – und auch für die eigenen Verbrechen – ab. Ich kann Ihnen nur ein weiteres Mal dazu raten, ein seriöses Buch über den NO-Konflikt zu lesen – so einfach, wie Sie sich die Welt vorstellen, ist sie nun einmal nicht. Bewusstseinsarbeit steht an.
zum Beitrag15.10.2025 , 14:42 Uhr
P.S. Sie gehen weder auf den Artikel oben noch auf den Beitrag aus dem Guardian inhaltlich ein. Also, raus mit der Sprache: Was sagen Sie denn dazu, dass in israelischen Gefängnissen offenkundig Menschen zu Tode gefoltert wurden? Egal, solange das Araber sind?
zum Beitrag15.10.2025 , 14:39 Uhr
Eine der angesehensten liberalen Tageszeitungen als antisemitisch zu diffamieren, weil sie kritisch (wie auch sonst?) über den Völkermord in Gaza berichtet, ist ziemliche plump (und im Kern auch antisemitisch – Sie setzen Netanjahu und seine rechtsextreme Bande mit „den Juden“ gleich, von denen nicht wenige selbst gegen Israels Kriegs- und Besatzungspolitik protestieren. Unhinterfragt israelische Regierungspropaganda nachzuplappern ist jedenfalls auch nicht sehr reflektiert (und als bekennender Le Pen-Unterstützer sollte man ohnehin keine allzu dicken Bretter bohren…).
zum Beitrag15.10.2025 , 08:16 Uhr
Sie merken vielleicht, wie deplatziert dieser Kommentar unter einem Artikel wie dem obigen ist... Auf welcher Seite stehen Sie denn? Auf der, in deren Gefängnissen Menschen zu Tode gefoltert werden?
zum Beitrag15.10.2025 , 08:12 Uhr
Wie man auf die Idee kommen kann, dass ein Ende des Völkermordes in Gaza "nichts wert" sei, entzieht sich meiner Vorstellungskraft (und ich meine auch, mich zu erinnern, Sie schon einmal darauf hingewiesen zu haben, dass der NO-Konflikt älter als Hamas und durchaus auch eine Folge israelischer Politik ist). Aber in diesem Artikel geht es ja nicht um den NO-Konflikt in toto, sondern konkret um die Haftbedingungen in israelischen Gefängnissen - und wenn Ihnen zu Berichten über Folter und Tote in israelischer Haft nichts besseres einfällt als "auf den Photos sind aber nur Männer", dann lässt das tief blicken...
zum Beitrag14.10.2025 , 21:39 Uhr
Warum hat denn in Ihren Augen Trump Druck auf Israel ausgeübt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er plötzlich sein Gewissen entdeckt hat. Entscheidend dafür war die Stimmung in seiner Basis und der zunehmende Ärger verbündeter Staaten (die teils wiederum die Bevölkerung im Nacken hatten, von den Streiks in Italien z.B. haben Sie vielleicht gehört). Sogar Trump hat verstanden, dass er die Weltöffentlichkeit inklusiver seiner eigenen Anhänger nicht völlig ignorieren kann. Dafür, dass Gaza nicht aus den Schlagzeilen verschwinden wird, werden übrigens nicht nur die freigelassen Palästinenser sorgen, sondern auch eine rechtsextreme israelische Regierung, die sich selbst nach ihrem Völkermord in Gaza noch weigern wird, das zugrundeliegende Problem zu lösen - und das ist und bleibt die Besatzung.
zum Beitrag14.10.2025 , 13:49 Uhr
Das stimmt und ich fürchte, man darf sich keine Illusionen machen: für einen erheblichen Teil des politischen Establishments in der EU war das Problem nicht der Völkermord in Gaza, sondern der dadurch verursachte Image-Schaden. Der Trump-Plan, der weder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht noch eine wirkliche Perspektive für einen Palästinenser-Staat aufzeigt, trägt genau dieser Haltung Rechnung. Man will, dass Gaza wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. Was dann mit den Menschen dort passiert, interessiert nicht.
zum Beitrag13.10.2025 , 22:00 Uhr
Warum es nicht als Argument taugt, "Kulturrelativismus" zu rufen, habe ich Ihnen schon mehrfach erklärt (Universalismus muss man begründen, nicht nur behaupten und das ist ziemlich schwierig: dass Ihre Werte Universal gültig sind, behaupten Islamisten auch!). Aber davon abgesehen ist ihr Argument widersprüchlich: auf der einen Seite gehen Sie davon aus, dass die Palästinenser sich ein nach Ihren Maßstäben "freies" Leben wünschen, aber gleichzeitig wollen Sie sie nicht selbst über ihre Belange entscheiden lassen. Sie sehen dass das nicht zusammenpasst?
zum Beitrag13.10.2025 , 19:03 Uhr
Normalerweise ignoriere ich Beiträge ohne argumentative Substanz einfach, aber diese Unterstellungen ärgern mich. Das habe nicht ich impliziert, sondern Sie erfunden und mir in den Mund gelegt. Sie dürfen mir gerne widersprechen, aber bitte hören Sie auf zu lügen.
zum Beitrag13.10.2025 , 16:34 Uhr
P.S. Von einer „erpresserischen Erzwingung völkerrechtskonformen Verhaltens“ zu sprechen, ist grundsätzlich eine groteske Verdrehung, aber im konkreten Fall besonders deplatziert: die Völkermordkonvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten explizit dazu, Völkermord nicht nur nachträglich zu sanktionieren, sondern zu verhüten. Deutschland hat hier also auch in grober Weise eigene Pflichten verletzt. Diese Komplizenschaft in einem der größten Verbrechen dieses Jahrhunderts sollte Sie empören, nicht eine Kleinstdemo in Berlin.
zum Beitrag13.10.2025 , 15:59 Uhr
Das Ja/Nein-Spielchen haben Sie angefangen, nicht ich; ich habe auf konkrete Falschaussagen in Ihren Beiträgen hingewiesen, etwa die, dass el-Husseini Mitglied der Muslimbruderschaft gewesen wäre. Ihre Fragen haben damit nur peripher zu tun, wurden teils von mir bereits beantwortet und sind nicht immer nicht präzise formuliert (was heißt schon „eng verbunden“ – sie waren weder Mitglied derselben Organisation, noch waren Ihre Ideologien deckungsgleich). Auf Neudeutsch heisst das, glaube ich, derailing.
zum Beitrag13.10.2025 , 11:54 Uhr
Sie flüchten sich wieder ins Vage: Tatsache ist, dass el-Husseini kein Muslimbruder war und keine Rolle bei der Gründung von Hamas gespielt hat.
zum Beitrag13.10.2025 , 08:09 Uhr
Bitte lesen Sie genauer: ich habe nirgendwo geschrieben, dass Sie den NS-Bezug hergestellt haben, sondern dass die überproportionierte Rolle, die el-Husseini im NO-Diskurs spielt, diese Funktion hat (was Sie ja auch an dem Beitrag sehen mit, an dem sich diese Diskussion entzündet hat). Und ihr Verweis auf den Ursprung von Hamas ändert nichts daran, dass es den direkten Zusammenhang el-Husseini/Hamas einfach nicht gibt: el-Husseini war kein Muslimbruder, nicht an der Gründung von Hamas beteiligt und unterscheidet sich auch ideologisch in verschiedenen Punkten von ihr. Die Unterstellung, ich würde den Extremismus von Hamas ausblenden, verbitte ich mir, man muss aber den Nährboden verstehen, auf dem Hamas groß geworden ist - und das ist nun einmal die Besatzung.
zum Beitrag12.10.2025 , 17:55 Uhr
Mit keinem von beiden, bedauerlichweise – aber das war nicht das Thema und das wissen Sie auch. Ich fürchte also, das nicht ich derjenige bin, der verharmlost, sondern diejenigen, die nach wie vor die Augen davor verschliessen, was die letzten zwei Jahre geschehen ist: ein Völkermord, begangen vor den Augen der Weltöffentlichkeit, mit einer weitreichenden politischen und medialen Unterstützung aus Deutschland, verbunden mit einem unerhörten Angriff auf demokratische Grundrechte. Also noch einmal: wieso sollte ein wütender Jugendlicher, der Hamas-Parolen ruft, verwerflicher sein, als ein Journalist oder ein Politiker, der das Morden in Gaza – vielleicht eloquenter - schönredet? Moral, werter Forist, misst sich nicht am Grad der Übereinstimmung mit der deutschen Regierungspolitik.
zum Beitrag12.10.2025 , 17:47 Uhr
Ich habe Ihnen nirgendwo unterstellt, dass Sie die Grüdung der MB auf el-Husseini zurückgeführt hätten. Mein Einwand galt lediglich der Behauptung, er wäre Mitglied der MB gewesen bzw. es gäbe eine direkt Verbindung zwischen ihm und der Gruendung von Hamas. Die Aussage, er und al-Banna wären „Brüder im Geiste“ gewesen, ist mir zu unspezifisch: natürlich hatten sie partiell übereinstimmende Ansichten (aber eben nur partiell!), das macht el-Husseini aber nicht zum Muslimbruder. Der NS-Bezug war von Anfang an mein Thema, weil er erklärt, warum die Figur el-Husseini in den letzten Jahren wieder so viel Aufmerksamkeit erfährt: nicht, weil er tatsächlich so eine Schlüsselfigur für den NO-Konflikt wäre, sondern weil er sich propagandistisch ausschlachten lässt: auf einmal sind die Palästinenser kein entrechtetes Volk mehr, dass seit Jahrzehnten unter einer ziemlich brutalen Besatzung leiden muss, sondern Wiedergänger der Nazis, gegen die jeder Gewalteinsatz gerechtfertigt ist. Ziemlich perfide, finden Sie nicht?
zum Beitrag12.10.2025 , 13:28 Uhr
Ich weiss nicht, woher Sie diese Information haben, sie stimmt aber nicht - el-Husseini war kein Muslimbruder. Dass letztere schon vor der Gründung von Hamas in Palästina existierten, stimmt zwar, aber das ändert nichts daran, dass es mindestens verkürzt ist, deren Entstehung unmittelbar auf el-Husseini zurückzuführen. Übrigens: Sie schreiben ja selbst, dass der NO-Konflikt bereits vor 1948 begann - und auch schon in dieser Zeit war die Gewalt durchaus wechselseitig. Das wird mit der propagandistischen Fixierung auf el-Husseini und seine NS-Verbindungen ausgeblendet.
zum Beitrag12.10.2025 , 11:32 Uhr
Ihr argumentatives Pingpong ändert nichts an der von mir angesprochenen selektiven Wahrnehmung von Radikalisierungsprozesses. In dieser Muster passt auch der Unwille offenkundig rassistische Äußerungen und obrigkeitsstaatliches Agieren in einer rechtlichen Grauzone (oder sogar darüber hinaus) auch nur wahrzunehmen. Nun ist eine solche partielle Blindheit in politischen Kontroversen üblich, hier aber besonders problematisch, weil die Assymetrie der beiden Parteien so eklatant ist: auf der einen ein paar wütende, meist jugendliche Aktivisten, auf der anderen ein erheblicher Teil der politischen und medialen Eliten, die einem Völkermord (teils ad litteram) Schützenhilfe leisten. Die juristische Aufarbeitung dieses Skandals bleibt internationalen Gerichten überlassen (ich erinnere an das laufende Verfahren gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord), politisch hat das Pro-Israel-Lager und das ideologische Milieu, in das es eingebettet ist verloren: man kann sich einfach nicht glaubwürdig über ein paar Parolen auf einer 3000-Leute Demo empören, wenn man zu Gazas Killing fields schweigt.
zum Beitrag11.10.2025 , 16:03 Uhr
El-Husseini war kein Mitglied der Muslimbruderschaft und ist vor der Gründung von Hamas gestorben. Und es ging auch nicht darum, durch welche Meinungen er aufgefallen ist, sondern wie groß seine Rolle für den NO-Konflikt tatsächlich war - und die ist, wie ich erklärt habe, kleiner als oft behauptet. Wenn Sie mir widersprechen wollen, müssen Sie das historisch begründen, statt mir reflexhaft Relativierung zu unterstellen.
zum Beitrag11.10.2025 , 13:51 Uhr
Die Ironie an Ihrer Argumentationsschablone ist, dass man Sie genauso gut umdrehen könnte: Sie reden rassistische und gewaltverherrlichende Einlassungen auch einflussreicher proisraelischer Akteure klein und ignorieren ein staatliches Durchgreifen gegen legale Meinungsäußerungen, obwohl sogar Gerichte (erstaunlicherweise meist erst in höheren Instanzen) hier Polizei und Staatsanwaltschaft immer wieder zurückpfeifen mussten. Und hinter dem Hinweis auf diese Assymetrie wittern Sie Radikalismus (fallen Ihnen die Parallelen zu Zuständen jenseits des Atlantiks auf?). Genau das macht den Extremismus der Mitte so besonders unehrlich: dass er sich auch dann, wenn seine Rohheit für alle offensichtlich ist, noch als Gralshueter von Mäßigung, Demokratie und Rechtsstaat inszeniert.
zum Beitrag11.10.2025 , 09:17 Uhr
Nun könnten Sie sich nicht zuletzt in der taz über die öffentliche Meinung in Israel informieren - die Radikalisierung bis hin zur breiten Unterstützung für genozidale Maßnahmen kann man kaum übersehen (übrigens: die gegenwärtige rechtsextreme Regierung wurde schon vor den 7.10. gewählt); und die rechtliche Aufarbeitung von Kriegsverbrechen (die längst keine Ausnahme mehr sind, sondern systematisch begangen werden), hat bisher auch kaum Folgen gehabt. Israel hat in Gaza vermutlich einen Völkermord begangen - wie viel radikaler kann man sein?
zum Beitrag10.10.2025 , 20:50 Uhr
Nun ist mein Beitrag keine Antwort auf den Artikel, sondern auf Zartbitter und das Aufzeigen von partiellen Blindheiten diskreditiert sich nicht selbst. Und was den Sachgehalt angeht: von IDF-T-Shirts über Zeitungsartikel, sie Gazas Bevölkerung eine Kollektivschild unterstellen bis hin zu Melonen-Cocktails hat es auch im Pro-Israel-Lager nicht gefehlt, das ganze flankiert mit Polizeigewalt, fragwürdigen Prozessen (steht auch in der taz) und schwarzen Listen unliebsamer Wissenschaftler... Asymmetrisch ist die Radikalisierung also nur, wenn man sie partiell ausblendet (und noch dazu ihren bedrohlicheren Teil: 300 Demonstranten haben keine Macht, der Teil der deutschen Eliten, det offenbar bereit ist, sich zum Komplizen in einem Völkermord zu machen, allerdings schon).
zum Beitrag10.10.2025 , 14:52 Uhr
Es ist ermüdend, das jedes Mal wieder erklären zu müssen, aber in Ihrer schiefen historischen Analogie fehlen Vertreibung und Besatzung, unter denen die Palästinenser schon vor dem gegenwärtigen Krieg zu leiden hatten; statt die alten Schulbuch-Mythen wieder auszugraben und so bequemerweise die Besatzungsmacht Israel von aller Verantwortung freizusprechen, wäre es vielleicht sinnvoll, den Palästinensern eine Existenz in einem eigenen Staat und nicht nur in Bantustans zu ermöglichen (von einer juristischen Aufarbeitung des Völkermords in Gaza wage ich nicht zu träumen). Dass gerade deutsche Foristen mit NS-Analogien so schnell bei Hand sind, ist befremdlich, aber nicht überraschend – Projektion als Entlastung…
zum Beitrag10.10.2025 , 14:04 Uhr
Die MLPD ist allerdings eine kleine und isolierte Sekte, die weder in der Linken im Allgemeinen noch in der Palästinena-Solidaritaet eine nennenswerte Rolle spielt (und das vermutlich nicht einmal will: die haben mehr mit Reenactment zu tun als mit Politik...)
Was el-Husseini angeht: natürlich gibt es Verbindung, aber auch hier stellt sich die Frage der Relevanz: weder war er für den NO-Konflikt maßgeblich verantwortlich noch für dessen Fortdauern. Junge Palästinenser, die sich heute extremistischen Gruppen anschließen, machen das nicht, weil sie von el-Husseini beeinflusst sind, sondern als Reaktion auf ihre konkreten Lebensumstände. Und genau da liegt der Hund begraben: el-Husseini wurde in den letzten Jahren wieder ausgegraben, um die Palästinenser in die Nähe der Nazis zu rücken und von der israelischen Mitverantwortung für den NO-Konflikt abzulenken. Dass das gerade in Deutschland verfängt, ist auffällig...
zum Beitrag10.10.2025 , 08:11 Uhr
Die Frage ist, wie viel bösen Willen man der Staatsanwaltschaft zutraut. Denn in gewisser Hinsicht war sie ja erfolgreich: wenn man Menschen vor Gericht zerrt, schüchtert man sie ein, auch wenn absehbar ist, dass am Ende ein Freispruch war. Traut man der Staatsanwaltschaft also zu, dass genau das ihr Ziel war - Einschüchterung und Selbstzensur - dann war das Verfahren ein voller Erfolg.
zum Beitrag09.10.2025 , 20:25 Uhr
Der Vorwurf fällt letztlich auf Sie zurück: denn in Ihrer Darstellung ist Israel geradezu willenslos und dazu gefunden Krieg so zu führen, wie in den letzten zwei Jahren. Und das stimmt einfach nicht: es mangelt nicht an Beweisen, das Israel gezielt auf Zivilisten (auch auf Kinder) geschossen, Hunger als Waffe eingesetzt und Journalisten ermordet hat. Die Liste ließe sich fortsetzen; inzwischen sprechen sogar europäische Regierungen von einem Völkermord. Das kann man einfach nicht mit dem routinierten "aber Hamas" kleinreden. Für Israels Verbrechen ist Israel verantwortlich.
zum Beitrag09.10.2025 , 16:26 Uhr
Sie merken, dass man mit genau demselben Argument auch das Massaker der Hamas kleinreden könnte?
zum Beitrag09.10.2025 , 16:23 Uhr
Der chinesische Umgang mit den Uiguren wird seit Jahren regelmäßig kritisiert; umgekehrt ist der NO-Konflikt vor dem 7.10. ja auch eher zu einem Nebenthema geworden. Man kann also bestenfalls von einer gegenwärtig ungleichen Aufmerksamkeit sprechen, die einer akuten Krise geschuldet ist. Sollte die chinesische Regierung beschließen, ganze Städte in Xinjiang auszulöschen und Zehntausende Menschen zu töten, würde sich das vermutlich ändern. Davon absehen: Doppelstandards sind nicht „antisemitisch“, sondern menschlich: unsere Wahrnehmung ist von Interessen und Sympathien gesteuert. Denselben Vorwurf könnten Sie mit ein paar geschickt gewählten Beispielen auch dem Pro-Israel-Lager machen. Nur ändert das nichts an den Tatsachen: Israel hat Gaza Verbrechen begangen, die vermutlich die Grenze zum Völkermord überschreiten. Das wird nicht besser, wenn man auf China, Myanmar oder den Sudan verweist.
zum Beitrag09.10.2025 , 14:21 Uhr
Fordern Sie auch eine Deradikalisierungen für diejenigen, die hier in Deutschland den Völkermord in Gaza relativieren oder beklatschen? Und für diejenigen, die ihre politische Macht missbrauchen, um Protest zu unterdrücken und kritische Stimmen einzuschüchtern? Oder ist es wieder nur der Extremismus der Anderen, an dem man Anstoß nimmt?
zum Beitrag09.10.2025 , 10:11 Uhr
Es bleibt Ihr Geheimnis, warum eine Bäckerin mehr vom NO-Konflikt verstehen wollte ein Professor und im Grunde könnte man über diese Demonstration des Dunning-Kruger-Effekts lachen, wenn sie nicht so gefährlich wäre: wohin antiintellektuelle und wissenschaftsfeindliche Ressentiments führen, sieht man gegenwärtig in den USA: Niemand mag es, von gebildeteren Menschen über die eigene Unwissenheit aufgeklärt zu werden, aber das ist nicht zuletzt der Sinn und Zweck von Universitäten.
zum Beitrag08.10.2025 , 22:17 Uhr
Warum die Analogie zum 2. WK schief ist, wurde nun wirklich oft genug erklärt, aber ganz unabhängig davon, wäre angesichts von über 60000 Toten (davon sogar nach israelischen Angaben mindestens 80% Zivilisten) Mitleid eine normale menschliche Reaktion. Was Foristen dazu bewegt, angesichts solchen Elends - und angesichts offenkundiger Kriegsverbrechen - noch ihre Empathielosigkeit zu Protokoll zu geben, verstehe ich nicht recht; offenkundig erleben die lautstärksten Verteidiger westlicher Werte gerade ihr inneres 1904. Das ist ebenso erschreckend wie lehrreich.
zum Beitrag08.10.2025 , 21:36 Uhr
Den Linken, die heute gegen den Völkermord in Gaza demonstrieren, eine Nähe zu Stalin, Mao oder Pol Pot zu unterstellen, ist schon allein deshalb absurd, weil die meisten von denen zu Zeiten, als die Genannten für die hiesige linke Szene eine Rolle gespielt haben, noch nicht einmal geboren waren. Im übrigen können Sie das Morden der israelischen Armee in Gaza nicht als Automatismus mit dem Verweis auf den 7.10. rechtfertigen; denn abgesehen davon, dass Sie damit nicht anders argumentieren als tatsächlich Hamas-Apologeten, sprechen Sie den Israelis damit auch die eigene moralische Urteilsfähigkeit ab und reduzieren sie auf eine reine Reflexhaftigkeit. Für seine Taten ist man selbst verantwortlich, und ein Völkermord kann nicht mit "aber Hamas" relativiert werden. Dass Sie die Rolle el-Husseinis für den NO-Konflikt überhöhen habe ich ja schon mehrfach erklärt und unter uns: mit Nazi-Vorwürfen sollte man sich zurückhalten, wenn man sich kurz vorher als Le Pen-Sympathisant geoutet hat.
zum Beitrag08.10.2025 , 19:48 Uhr
Ich fürchte, dass Sie hier ein wenig am Punkt vorbei argumentieren: Bax fordert ja nicht, dass Israelis bzw. Juden auch um die palästinensischen Opfer trauern (was manche übrigens auch öffentlich machen), sondern kritisiert, dass in der deutschen (!) Erinnerungspolitik kein Platz für Palästinenser ist; der Adressat ist also ein anderer.
zum Beitrag08.10.2025 , 19:44 Uhr
Soso, der deutsche Staat soll sich also nicht um palästinensische Opfer kümmern, weil das den hier gehegten Ressentiments gegen Muslime zuwiderlaufen würde?
zum Beitrag08.10.2025 , 19:42 Uhr
Hier weichen Sie meinem Punkt aus: dem nämlich, dass es kein offizielles Gedenken an die Opfer in Gaza gibt (unter denen übrigens auch deutsche waren). Der Einwand, dass es keinen Tag ohne Raketen gab, ist genauso verkürzt: es gab ja auch keinen Tag ohne Besatzung, über deren schreckliche Folgen sämtliche relevanten Menschenrechtsorganisationen regelmäßig berichten - ohne Folgen. Und hier wird die Asymmetrie deutlich: wir betrauern israelische Opfer, keine palästinensischen, wir verurteilen palästinensische Gewalt, keine israelische - und vergessen dabei, wer Besatzungsmacht ist, und wer unter der Besatzung leidet. Wie gesagt: hier werden Rechte und Leben hierarchisiert.
zum Beitrag08.10.2025 , 14:40 Uhr
Eine Kollektivschuld allein aufgrund ethnischer Zugehörigkeit zu konstruieren, ist nicht nur bodenlos rassistisch, sondern bedient genau dieselben Argumentationsmuster, mit der Hamas das Massaker an israelischen Zivilisten gerechtfertigt hat.
zum Beitrag08.10.2025 , 13:34 Uhr
Sie merken vielleicht, dass Sie mir hier implizit recht geben: wer einen Staat anerkennt, findet sich mit seiner de facto-Regierung ab; in Palästina ist das nun einmal die Autonomiebehörde. Dass die nicht demokratisch legitimiert ist, versteht sich von selbst, allerdings hat Frankreich (genau wie Deutschland) diplomatische Beziehungen zu allen möglichen Staaten, deren Regierungen nicht demokratisch gewählt sind und deren Rückhalt in der Bevölkerung mehr als fraglich ist. Das übrigens zu Recht: beliebige Staaten zu demokratisieren, ist schlicht und ergreifend nicht die Aufgabe französischer deutscher Außenpolitik (und liegt auch außerhalb des Möglichen). Auch das gehört zur Selbstbestimmung. Daher – und hiermit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück, ist die Anerkennung eines Staates eben nicht durch ein Mitspracherecht in dessen innere Angelegenheiten bedingt.
zum Beitrag08.10.2025 , 09:45 Uhr
Allerdings wird den palästinensischen Opfern – sei es denen der Jahrzehnte währenden Besatzungspolitik oder denen des Genozids in Gaza – von offizieller Seite auch an den übrigen 364 Tagen des Jahres nicht gedacht. Und genau um diese offizielle Seite geht es, denn die Proteste sind ja kein Ausdruck deutscher NO-Politik, sondern des Unmuts über diese. Für die politischen Teilen und leider auch für einen nicht unerheblichen Teil der allzu opportunistischen Hauptstadtpresse sind palästinensische Opfer kaum mehr als ein paar routinierte Phrasen wert. Und diese Hierarchisierung menschlichen Lebens durch das offizielle Deutschland kritisiert Bax zurecht.
zum Beitrag07.10.2025 , 18:39 Uhr
Nun machen Sie ein anderes Fass auf, nämlich die Frage nach dem Kopftuch im öffentlichen Dienst. Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, ich erinnere aber daran, dass Deutschland zwar ein säkularer Staat ist, aber keiner, der sich der Freiheit von Religion bzw. deren Verdrängung aus dem öffentlichen Raum verschrieben hat. Und sogar ich als Atheist sage: Gott sei Dank. Dem Staatsatheismus wohnt selbst etwas autoritäres inne, obwohl seine Anhänger das gerne übersehen. Natürlich: wenn man Religionslosigkeit als Naturzustand versteht und Glauben als Verblendung, muss man wohl so denken. Mir persönlich ist aber der Anspruch, Menschen auf ein hypothetischen Wesen hin zu dressieren, zutiefst unheimlich.
zum Beitrag07.10.2025 , 10:32 Uhr
Ich habe durchaus verstanden, was Sie meinen und es ist und bleibt falsch, weil Sie zwei separate Fragen miteinander verbinden, nämlich die Anerkennung und die Verfasstheit eines Staates; beides hat schlicht und ergreifend nichts miteinander zu tun. Punkt.
zum Beitrag07.10.2025 , 08:09 Uhr
Ich habe Sie ja schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass die von Ihnen behauptete Alles oder Nichts-Mentalitaet der Palästinenser eine Erfindung Ihrerseits ist (beschädigen Sie sich doch einmal mit den Details bisheriger Verhandlungsversuche!). Die Muslimbruderschaft hatte in den 30er Jahren mit Sicherheit keine "federführende Rolle" und auch danach immer nur bestenfalls begrenzten Einfluss. Sie steigern sich hier mit einer erschreckenden Besessenheit in das Feindbild "Muslim/Araber" und blenden die Mitverantwortung Israels vollkommen aus - selbst dann, wenn es Gewalt in genozidalem Ausmaß einsetzt. Das ist, mit Verlaub, auf dem moralischen Niveau von 1904.
zum Beitrag06.10.2025 , 18:40 Uhr
Es wundert mich nicht, dass Sie eine rechtsextreme Partei wählen würden - und vielleicht erklärt das auch, warum Sie sich die Revolution, von der in dem Artikel die Rede ist, nur auf Aufstand gegen religiöse Minderheiten vorstellen können.
zum Beitrag06.10.2025 , 18:35 Uhr
Sie wissen vermutlich, dass es im Islam auch Kleidungsvorschriften für Männer gibt, die ebenfalls je nach Gusto mehr oder weniger streng eingehalten werden. Die Linken verteidigen übrigens nicht das Kopftuch, sondern das Recht, über das eigene Leben zu entscheiden. Freiheit ist nicht nur die Freiheit, nach den Maßstäben des Durchschnittsdeutschen zu leben und glücklich zu werden.
zum Beitrag06.10.2025 , 15:26 Uhr
Mit Verlaub, aber das ist Unfug: die Anerkennung eines anderen Staates ist nicht durch die Verantwortung für dessen innere Verfasstheit begingt (andernfalls gäbe es diplomatischen Beziehungen nur mit Kolonien).
zum Beitrag06.10.2025 , 13:45 Uhr
Zur begrifflichen Klarheit gehört allerdings auch der Verzicht auf Privatsemantiken. Apartheid ist, wie Sie vielleicht wissen, auch ein Rechtsbegriff, der in der AAK von 1973 definiert wird. Von einer „expliziten Rassenideologie“ ist dort allerdings nicht die Rede. Ohnehin wurden beide Vorwürfe – Apartheid und Völkermord – nicht einfach in den Raum geworfen, sondern von (teils sogar israelischen!) Menschenrechtsorganisationen und Rechtsexperten, sowie von diversen, auch europäischen, Regierungen und Kommissionen ausführlich gegründet und belegt. Wenn Sie dem widersprechen wollen, müssen Sie das auf demselben fachlichen Niveau versuchen; andernfalls, fürchte ich, geht es Ihnen wie in dem alten Witz mit dem Geisterfahrer. Unbegründete Unterstellungen (denunziatorische Absicht, Agitation) sind kein Argument, sondern eine Ausflucht.
zum Beitrag05.10.2025 , 11:05 Uhr
Die Anfängle des NO-Konflikts vor 3200 Jahren zu suchen, ist ungefähr so sinnvoll, wie türkische Außenpolitik mit Homer erklären zu wollen (und statt zu YouTube rate ich zum Buch). Die Palästinenser sind vor allem seit Jahrzehnten das Opfer von Vertreibung und Besatzung und gerade eines Völkermords; wer Ihnen vorwirft, Sie wären manipuliert, weil sie nicht freiwillig ihr Land verlassen, um für Siedler Platz zu machen, die übrigens zu einem erheblichen Teil nicht im NO geboren wurden, ist nicht woke, sondern rassistisch.
zum Beitrag05.10.2025 , 10:28 Uhr
Im übrigen sei auch noch darauf hingewiesen, daß Beinart nichts mit dem Postkolonialismus zu tun hat (vielleicht googeln Sie einfach, wer das ist?). Die Absurdität, mit der solche Schlagworte verwendet werden, zeigt sich hier besonders deutlich...
zum Beitrag05.10.2025 , 09:19 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie jemals Said gelesen haben, aber wenn das der Fall ist, müsste Ihnen aufgefallen sein, dass der Artikel der KAS (!) haarsträubend falsch ist (und wenn jemand ausgerechnet in Commentary als Professor of Terror diffamiert wird, sollte man das cum grano salis lesen...). Apartheid ist, wie sie sicher wissen, nicht nur eine Bezeichnung für das entsprechende Regime in Südafrika, sondern ein Rechtsbegriff. Man kann diesen Begriff nicht "klauen" und er impliziert auch keine Gleichsetzung mit Südafrika, sondern beschreibt einen anhand formaler Kriterien definierten Zustand. Hier müssten Sie also wiederum beweisen, dass die Berichte (auch von israelischen Menschenrechtsorganisationen) laut denen Israel diese Kriterien erfüllt, falsch sind. Der Verweis auf eine kleine Aktivistengruppe ist kein Argument. Dass Ihre Verwendung des Begriffs "Postkolonialisten" als Feindmarkierung inhaltlich falsch und politisch gefährlich ist, habe ich Ihnen oft genug erklärt.
zum Beitrag05.10.2025 , 09:04 Uhr
Ich rate eher davon ab, sich für historische Themen - insbesondere für so kontroverse wie den NO-Konflikt - auf eine anonyme online Enzyklopädie zu verlassen. Es mag altmodisch klingen, aber ich empfehle den Griff zum Buch. In diesem speziellen Fall reicht allerdings sogar Wikipedia, um zu lernen, dass Beiträge wie der von Milonga schlicht und ergreifend Unsinn sind.
zum Beitrag04.10.2025 , 16:41 Uhr
Das ist - wie ich auch schon oft genug erklärt habe - eine haarsträubend verkürzte Deutung der Ursachen des NO-Konflikts, die ausblendet, dass dessen Anfänge vor 1933 liegen, und dass dessen Kontinuität auch nicht allein mit Nazi-Propaganda erklärt werden kann, sondern auch eine Folge von Gewalt, Vertreibung und Besatzung ist, unter denen die Palästinenser leiden mussten und müssen. Ihr historisches Konstrukt ist eine Entlastungserzählung - für die rechtsextreme israelische Regierung und ihre genozidale Politik, aber auch für Deutsche, die so ihre NS-Vergangenheit auf andere projizieren und den eigenen Rassismus zum antifaschistischen Abwehrkampf umdeklarieren können. Dafür ist "perfide" noch ein freundliches Wort.
zum Beitrag04.10.2025 , 07:54 Uhr
Ich fürchte, dass es nicht Hamas war, die die öffentliche Meinung zu Ungunsten Israels manipuliert hat, sondern dass Netanjahu und seine Rechtsradikale Regierung das im Alleingang geschafft haben.
zum Beitrag04.10.2025 , 07:51 Uhr
Natürlich war der Zweck der Flotte ein symbolischer - das ist allerdings kein Einwand, sondern das Wesen politischer Protestaktionen. Dass die Blockade auch von Ägypten aufrecht erhalten wird, stimmt in dieser Form nicht: Ägypten hat sich zwar einer Vertreibung der Bewohner Gazas widersetzt, allerdings zu keinem Zeitpunkt die Versorgung mit Hilfsgütern verhindert. Hunger als Waffe hat in diesen Krieg nur ein Akteur eingesetzt, nämlich Israel.
zum Beitrag03.10.2025 , 17:53 Uhr
Ich würde es vorziehen, wenn wir beim "Sie" bleiben. Aber zur Sache: meine Argumentation ist nicht religiös (ich übrigens auch nicht). Mein Punkt war ein grundsätzlicher: man kann eine andere Weltanschauung nicht wiederlegen, indem man Voraussetzungen macht, die diese nicht teilt. Insofern haben Sie sogar recht: die Frommen müssten auch beweisen, dass Gott existiert - aber das ist genau mein Argument, nur aus der anderen Richtung her formuliert. Was den Rest angeht: das Kopftuch wird nicht nur von "alten Männern" gefordert (das Priesterschwindel-Argument ist arg verstaubt...), sondern auch und nicht zuletzt von seinen Trägerinnen, Kleidervorschriften gibt es im Islam auch für Männer, und dass es eine Teleologie vom Kopftuch zum Iran gibt, bezweifle ich: die IR beruht auf theologischen Motiven, die nicht einmal alle Schiiten teilen und ist auch noch in hohem Masse von Faktoren geprägt, die wenig mit Religion zu tun haben. In den meisten islamischen Ländern gibt es keine verpflichtende Kleiderordnung (und dass eine Minderheit in Deutschland eine solche durchsetzen könnte, ist ohnehin eine absurde Vorstellung).
zum Beitrag03.10.2025 , 14:51 Uhr
Das ist keine Antwort auf meinen Beitrag, sondern ein Fortschreiben des Denkfehlers, auf den ich gerade verwiesen habe – der übrigens einem Muster folgt, das typisch für NO-Debatten ist: man verweist auf die Radikalität der einen Seite, um die eigene zu rechtfertigen. Ja, Hamas hat Verbrechen begangen; die israelische Regierung auch (und nichts erst mit dem Völkermord in Gaza). Nun ist der NO-Konflikt kein Spiel, in dem man sich nach Belieben den schwarzen Peter zuschieben kann. Man muss seine Ursachen überwinden und das bedeutet eben ein Ende der Besatzung und die Gründung eines palästinensischen Staates. Der Verweis auf Hamas kann nicht die perpetuierte Entrechtung eines ganzen Volkes rechtfertigen.
zum Beitrag03.10.2025 , 14:13 Uhr
Ich weise auch Sie gerne darauf hin, dass nicht ich die Statistik ins Spiel gebracht habe, sondern der Ausgangspost. Ich verstehe auch nicht recht, was der Anspruch Behauptungen („statisch signifikant“) auch belegen zu müssen, mit Stammtisch-Mentalität zu tun haben soll; in diese Kategorie würde ich eher die xenophobe Anekdotik einordnen, auf die Sie sich berufen. Es ist übrigens nichts Neues, dass auch Menschen mit MiHiGru rechtsradikale Parteien wählen – Entsolidarisierung gibt es nicht nur unter Biodeutschen. Die Frage ist auch hier allerdings, wie repräsentativ diese sind. Der Durchschnittsmigrant ist eben weder AfD-Wähler noch Islamist.
zum Beitrag03.10.2025 , 13:59 Uhr
Ob Sie mehr "Ahnung von Statistik" haben, weiss ich nicht – das ändert aber nichts daran, dass Sie hier eine statistische Signifikanz behaupten, ohne sie zu belegen. Sie verstehen vielleicht, dass mir in einer anonymen online-Diskussion ein Verweis auf eigene Autoritaet nicht reicht.
zum Beitrag03.10.2025 , 10:29 Uhr
Sie arbeiten sich hier wieder an einem Feindbild „Postkolonialismus“ ab, ohne recht verstanden zu haben, was sich hinter diesem Begriff verbirgt; es gibt keine „postkoloniale Wertehierarchie“, schon allein deshalb nicht, weil der Postkolonialismus keine kohärente Ideologie ist, sondern ein Forschungsfeld, das von einer Pluralität der Ansätze und Perspektiven gekennzeichnet ist. Die Art und Weise, auf die Postkolonialismus zum Reizwort für rechtspopulistische und islamophobe Milieus geworden ist, wiederholt auf bedenkliche Weise die Probleme der Kontroverse über die Gender Studies: ein akademisches Forschungsfeld, über dessen Inhalte man nichts weiß, wird zur Projektionsfläche für den eigenen Hass. Am Rande sei nach angemerkt, dass es perfide ist, Foristen zu unterstellen, sie würden sich nicht um Frauenrecht kümmern, nur weil sie sich der Instrumentalisierung solcher Themen im Zuge rassistischer Kampagnen verweigern (umso mehr, wenn solche Vorwürfe von Kreisen verbreitet werden, denen das Leben muslimischer Frauen sonst herzlich egal ist…). Zu den Menschenrechten gehört übrigens auch die Religionsfreiheit.
zum Beitrag03.10.2025 , 08:45 Uhr
Die Statistik have nicht ich ins Spiel gebracht, sondern der Beitrag auf den ich antworte - wenn man behauptet, dass etwas statistisch relevant ist, muss man das mit einer Statistik belegen, finden Sie nicht? Dass Statistik der einzige Zugang zur Realität ist, habe ich ebenso wenig behauptet, aber Statistiken (die dann wiederum einer richtigen Auswertung bedürfen) können helfen, Beobachtungen zu quantifizieren. Nehmen wir also an, die Anekdote über die Erzieherin wäre war - was belegt das außer der Situation einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation? Solche Fragen muss man sich stellen, wenn man objektiv urteilen möchte. Wo ich in meinem Beitrag diskriminierendes Verhalten verschiedener Gruppen gegeneinander aufgerechnet habe, bleibt Ihr Geheimnis.
zum Beitrag03.10.2025 , 08:32 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob eine Anekdote aus einem Film über Afghanistan (das nicht einmal für die islamische Welt repräsentativ ist) ein gutes Argument für Diskussionen über Religionsfreiheit in Deutschland ist. Die durchschnittliche deutsche Kopftuchträgerin teilt nicht das Weltbild der Taliban, sondern mutatis mutandis eher das biodeutscher Konservativer. Aber davon abgesehen wiederholen Sie hier nur den Denkfehler, den ich schon angesprochen habe: Ihre Kritik an religiösen Vorschriften als Aberglaube setzt den Atheismus bereits voraus. Das mag hier auf wenig Widerspruch stoßen, ist aber ein Zirkelschluss. Dass Menschenrechte (und dann wiederum deren westliche Interpretation) objektiv sind, wäre wiederum zu beweisen - Moralbegründung ist ein schweres Geschäft - aber selbst wenn: Religionsfreiheit ist auch ein Menschenrecht. Die Menschenrechte zum Schlachtruf eines säkularen Kreuzzuges gegen die Religion zu machen, verkennt deren Intention.
zum Beitrag02.10.2025 , 20:25 Uhr
Das ist alles wahr, widerspricht meinem Beitrag aber nicht. Ich habe das Thema weltanschaulicher Differenz ja nicht vollumfänglich behandelt, sondern nur einen bestimmten Aspekt, nämlich die Blindstellen einer auch in linken Kreisen gängigen Religionskritik thematisiert, weil gerade darin auch die Schwäche des Beitrags oben bestand. Dass man solche Blindstellen auch bei anderen findet, versteht sich von selbst.
zum Beitrag02.10.2025 , 16:11 Uhr
Ihr Ressentiment gegen "Studierte" in allen Ehren, aber wenn Sie statistische Signifikanz behaupten, müssen Sie das auch belegen. Mit Statistiken. Die man dann auch noch richtig erklären muss. Dass Sie jemand kennen, der jemand kennt, reicht eher nicht.
zum Beitrag02.10.2025 , 10:15 Uhr
Der Rückzug aus Gaza hatte nichts mit einem Ende der Besatzung zu tun: weder hat Israel die Kontrolle über Gaza aufgegeben (sogar das deutsche AA hat Gaza weiterhin als besetzt betrachtet) noch die Gründung eines palästinensischen Staates ermöglicht; überspitzt gesagt: es war eine Frontbegradigung, kein Friedensangebot. Die Forderung nach einem Ende der Besatzung erfordert natürlich einen politischen Prozess, in dessen Rahmen auch die Beziehungen der beiden Staaten geklärt werden. Aber zu glauben, man könne den Konflikt managen, statt ihn zu lösen (und zu erwarten, dass die Palästinenser sich mit einer Bantustan-Existenz abfinden) wäre naiv, zumal in solchen Vorstellungen wiederum die gerne ignorierte Radikalität der anderen Seite mitklingt: man will Frieden, ohne den Palästinenser gleiche Recht zu gewähren (oder, in den extremeren Fällen, Frieden ohne Palästinenser).
zum Beitrag02.10.2025 , 10:08 Uhr
Natürlich kann man in dieser Frage anderer Meinung sein; die bekannten Argumente – dass es hier um die freie Entfaltung der Persönlichkeit, mithin um ein Grundrecht, geht und das ein Kopftuch innerhalb nicht-muslimischer Gesellschaft auch ein Bruch mit der hegemonialen Normativität sein kann – sind Ihnen sicher geläufig; ich will mich hier deshalb auf einen anderen Punkt konzentrieren, nämlich ob religiöse Kleidungs-, Ernährung- und Verhaltensvorschriften per se unterdrückerisch sind. Und genau hier scheinen Sie mir in den Zirkelschluss zu verfallen, an dem Religionskritik grundsätzlich zu leiden scheint: Sie setzen den atheistischen Standpunkt, von dem aus das alles Wahn und Unfreiheit ist. Der wäre aber zu beweisen; was, wenn die Frommen recht haben und das Kopftuch wirklich ein göttliches Gebot ist? Mir scheint, dass sich hier viele Linke wieder in die Idee vom objektiv richtigen Bewusstsein verstricken, das bei genauerer Betrachtung ja nur verobjektivierte Denkgewohnheit ist. Vor diesem Hintergrund wäre zwischen politischer Unterdrückung und selbstauferlegter Beschränkung zu unterscheiden; letztere ist und bleibt letztlich eine private Entscheidung.
zum Beitrag01.10.2025 , 19:53 Uhr
Zu einer Deradikalisierung würde würde es freilich auch beitragen, wenn die Ursachen des NO-Konflikts überwindet - und das bedeutet eben ein Ende der Besatzung. Nur haben Sie ja sicher gehört, was man aus israelischen Regierungskreisen dazu hört, über deren Deradikalisierung leider niemand nachzudenken scheint.
zum Beitrag01.10.2025 , 08:26 Uhr
Selbst wenn man sich auf eine so haarsträubend unterkomplexe Deutung des NO-Konflikts einlassen möchte (der, wie Sie vielleicht wissen, nicht 2023 und auch nicht mit der Gründung von Hamas begonnen hat), ist der Trump-Plan sicher keine Belohnung für Hamas: schließlich wird Gaza de facto einer amerikanische Kolonialbehörde unterstellt. Ohne ist es ein moralischer Abgrund, wenn man nach einem genozidalen Krieg mit über 60000 Toten (darunter selbst nach israelischen Einschätzungen 80% Zivilisten) und großflächiger Zerstörung immer noch auf ein weiteres militärisches Vorgehen hoffen kann. Es fällt manchen Foristen offenkundig schwer, Palästinenser als vollwertige Menschen zu betrachten, die nicht nach Belieben israelischen Interessen geopfert werden können. Es ist ja auch in diesem Forum in Monde, gegen "die Postkolonialen" zu polemisieren - kein Wunder, wenn sogar der deutsche Linksliberalismus sein geistiges 1904 erlebt.
zum Beitrag30.09.2025 , 22:52 Uhr
Vielleicht lesen Sie noch einmal, was ich geschrieben habe: Ich habe nirgendwo behauptet, dass Menschen mit MiHiGru nicht das Recht bzw. die Fähigkeit haben, Kritik an ihrer eigenen (?) Community zu üben, sondern lediglich, dass einige darunter den hiesigen xenophoben Meinungsmarkt bedienen. Oder einfacher formuliert: rechtspopulistische Angstphantasien wetden nicht besser, wenn die Autorin Balci heißt und nicht Sarazin. Um Kulturrelativismus ging es hier also gar nicht (der übrigens eine schwer zu widerlegende Position ist).
zum Beitrag30.09.2025 , 20:43 Uhr
Immerhin, Sie bringen ein wenig Heiterkeit in eine ermüdende Debatte, indem Sie genau den Reflex illustrieren, den ich beschrieben habe: das Bespielen xenophober Ressentiments, die sogar bei der AfD für Jubel sorgen, wird zur Kritik an der eigenen Community oder gar zur Verteidigung von Demokratie und Aufklärung (was immer das auch sein mag), sobald die Autorin einen türkischen Namen hat. Dass eigentlich Sie hier identitätspolitisch argumentieren, fällt Ihnen auf? Und was die neurechte Modevokabel "islamogauchistisch" angeht, würde ich nahelegen, über das historische Vorbild nachzudenken (so viel zum Schulterschluss mit der Reaktion)...
zum Beitrag30.09.2025 , 19:52 Uhr
Im Grunde ist das ganze Thema abgeschmackt: dass einige Autoren mit MiHiGru ein Geschäftsmodell daraus entwickelt haben, eine verunsicherte Mehrheitsgesellschaft in ihren Vorurteilen zu bestätigen, ist ja nicht neu. Und auch die Frage, warum hiesige Xenophobe sich gerne hinter Kronzeugen mit islamischen Hintergrund verstecken, wurde hinreichend erörtert. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass das inzwischen auch in linksliberalen Milieus angekommen ist - aber wen wundert solche Verrohung zwischen Zeitenwende und Staatsräson noch? Man will eigentlich nicht mehr diskutieren, sondern sich nur noch die Nase zuhalten...
zum Beitrag30.09.2025 , 14:32 Uhr
Weiter: Die arabische Friedensinitiative hat keine tatsächliche Rückkehr aller Flüchtlinge verlangt (bestenfalls eine symbolische Anerkennung des Rückkehrrechts); gescheitert ist sie nicht daran, sondern an einem Unwillen Israels, sich aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen. Ähnliches gilt für die anderen Verhandlungen: Camp David II ist nicht zuletzt deshalb gescheitert, weil Israel auf ein Netz extraterritorialer Straßen bestanden hat, die das WJL in ein Konglomerat von Bantustans verwandelt hätten. Solche Details haben bei allen Verhandlungen eine Rolle gespielt, nicht der angebliche Unwille der Palästinenser, Frieden zu schließen. Nur in einem Punkt haben Sie Recht: Einige arabische Staaten sind bereit, die Palästinenser unter dem Bus zu werfen. Das allerdings macht das Verhalten Israels nicht legitimer.
zum Beitrag30.09.2025 , 14:25 Uhr
Es stimmt schlichtweg nicht, dass die palästinensische Identitätsbildung erst eine Reaktion auf den Zionismus war; schon in spätosmanischer Zeit hat sich eine dezidiert palästinensische Nationalbewegung formiert. Das zu bestreiten, ist nicht nur historisch falsch, sondern auch politisch gefährlich, weil es denen in die Hände spielt, die mit der Mär von der erfundenen Nation auch die Rechte der Palästinenser negieren wollen. Dass es keinen palästinensischen Staat gab, ist dabei unerheblich: ein Großteil aller Staaten ist das Produkt von Nationalbewegungen, nicht ihre Voraussetzung. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass Israel den Sechstagekrieg begonnen hat; das Verhalten Ägyptens war kein legitimer Kriegsgrund (zumal auch Drittstaaten angegriffen wurden). Dass Gaza weiterhin als besetzt zu werten ist, behaupte nicht nur ich, sondern unter anderen auch das deutsche AA (das hier sicher kompetenter zu urteilen weiss). Der Rückzug war eine Frontbegradigung, der weder den zugrundeliegenden Konflikt gelöst, noch die israelische Kontrolle über Gaza aufgehoben hat (zumal Gaza nicht separat von WJL/OK zu betrachten ist).
zum Beitrag29.09.2025 , 14:26 Uhr
In dem Punkt muss ich widersprechen: Es gibt einen internationalen Konsens darüber, welche Gebiete den Palästinensern für ihren eigenen Staat zustehen. Und mit dem müssen sich auch die Extremisten auf beiden Seiten abfinden.
zum Beitrag29.09.2025 , 08:37 Uhr
Es ist schwer, auf einen Beitrag zu antworten, an dem wirklich jeder Satz falsch ist. Um nur Beispiele zu nennen: eine palästinensische Identität ist schon früher, nämlich unter antiosmanischen Vorzeichen entstanden (und für die Rechte der Palästinenser ist das ohnehin unerheblich), den Sechstagekrieg hat Israel begonnen und in Gaza wurden eben nur Bodentruppen und Siedler abgezogen, die Kontrolle von außen ist geblieben (weshalb sogar das deutsche AA Gaza weiterhin als besetzt eingestuft hat; ohnehin kann Gaza nicht separat von den übrigen besetzten Gebieten behandelt werden). Vor allem ist aber auch Ihre Darstellung der Gegenwart verkehrt: die arabischen Staaten haben sich längst mit der Existenz Israels abgefunden, ich erinnere an die Friedensinitiative von 2002, die neben sämtlichen arabischen Staaten auch der Iran unterstützt hat, oder an die Tendenzen zur Normalisierung in den letzten Jahren. Das Problem ist nicht die "arabische Welt", sondern der Unwille Israels, seinen Beitrag zu leisten - und das wäre ein Ende der Besatzung.
zum Beitrag28.09.2025 , 20:14 Uhr
Vielleicht ist es sinnlos, auf solche offenen Aufrufe zu einer ethnischen Säuberung zu antworten, aber weil ich nicht möchte, das so etwas unkommentiert stehen bleibt: die Palästinenser haben eine Heimat und die ist weder in Spanien, noch im Frankreich, sondern in dem Gebieten, die Israel gerade illegal besetzt. Ob Israel das will oder nicht: die Palästinenser haben schlichtweg das Recht auf einen eigenen Staat - und zwar in Palästina. Ihre Recht pauschale Diffamierung der Palästinenser ist übrigens nicht nur rassistisch, sondern auch argumentativ ungeschickt, weil man das Argument angesichts der Radikalisierung auf beiden Seiten auch umdrehen könnte.
zum Beitrag28.09.2025 , 20:07 Uhr
Sie sprechen auch nicht mehr von Antisemitismus, weil der Vorwurf von Netanjahu und Trump Instrumentalisiert wird?
zum Beitrag28.09.2025 , 20:05 Uhr
Noch einmal: dass Gaza auch nach dem israelischen "Abzug" de facto besetzt war, have nicht ich mir ausgedacht, sondern dass war die Einschätzung fast der gesamten Welt - inklusive des deutschen AAs. Und ich habe nicht von einem Staat in Gaza gesprochen, sondern in der Gesamtheit der besetzten Gebiete (auch das nochmal: Gaza ist nicht isoliert zu betrachten). Ihr Hinweis, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker kein Recht auf einen eigenen Staat beinhaltet, greift hier nicht: das bedeutet nämlich nur, dass es kein automatisches Sezessionsrecht geht. Die palästinensische Gebiete sind allerdings kein Teil Israels, sondern illegal besetzt. Daran ändert auch plumpe Polemik ("Gründungsakt am 7.10.") nichts. Der NO-Konflikt hat nicht 2023 begonnen und bedroht sind eben nicht nur die Israelis, sondern vor allem auch die Palästinenser - und zwar nicht erst seit dem gerade tobenden Völkermord. Es gibt keinen Grund, sich die Perspektive der Besatzungsmacht uneingeschränkt zu eigen zu machen und Rechte der Besetzten auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.
zum Beitrag28.09.2025 , 09:15 Uhr
Sharon hat die Siedlungen in Gaza aufgelöst und die Bodentruppen abgezogen; die Kontrolle über Gaza war aber weiterhin so groß, dass das Gebiet weiterhin als besetzt galt (auch in der Bewertung des deutschen AAs). Ohnehin kann man Gaza nicht isoliert von den restlichen besetzten Gebieten sehen. was Sie beschreiben, eine Enklave mit einer gewissen Selbstverwaltung, ist kein Staat, sondern ein Bantustan (und wenn man sich die Details bisheriger Friedenspläne anschaut, kann man bezweifeln, dass den Palästinensern je mehr geboten wurde). Von einer Belohnung zu sprechen, ist ohnehin verkehrt - es geht hier nicht um Gefälligkeiten, sondern um Rechte.
zum Beitrag28.09.2025 , 08:52 Uhr
Ihre Analogie ist schief, weil Sie Israel und die Hamas gegenüberstellen, d.h. einen Staat und eine Partei. Der angemessene Vergleichspunkt wären die gegenwärtigen Regierungsparteien in Israel - und in denen herrscht kein Mangel an Vertreibungs- und Vernichtungswünschen, die sich von denen der Hamas kaum unterscheiden. Und auch was die Umsetzung angeht, sind sich beide Seiten erschreckend ähnlich: Sehen Sie in dem Völkermord in Gaza wirklich nicht dieselbe Grausamkeit wie in dem Hamasmassaker?
zum Beitrag28.09.2025 , 08:44 Uhr
Der Vergleich zwischen Gaza unter der Hamas und NS-Deutschland drängt sich keineswegs auf, sondern ist offenkundig schief (ein kleiner Tipp: weder wurde den Deutschen vor 1933 die Staatlichkeit verweigert, noch mussten sie unter einem Besatzungsregime leiden, dessen Konsequenzen Jahr für Jahr die Berichte sämtlicher - auch israelischer - Menschenrechtsorganisationen füllen. Der allzu deutsche Hang, den NS auf andere zu projizieren, ist hier besonders deplatziert. Und wenn Sie am Ende "den Palästinensern" ( deren Gegenpol in Ihrer Diktion erstaunlicherweise nicht die Israelis sind, sondern nur Netanjahu) pauschal einen Hang zum Völkermord unterstellen, ist das schlicht und ergreifend rassistisch.
zum Beitrag28.09.2025 , 08:35 Uhr
Sie verkünden hier mir einiger Regelmäßigkeit Ihre Solidarität mit allen Juden - aber wenn, wie hier, eine Jude die Rechtsradikale israelische Regierung und ihre mörderische Kriegsführung in Gaza kritisiert, werden Sie ausfallend. Man muss sich fragen, ob es wirklich um Solidarität mit Juden geht (dann aber auch mit deren Recht auf Dissens!) oder aber um einen Schulterschluss mit der islamophoben Rechten, die in Netanjahu nur den Vollstrecker ihrer eigenen Sehnsucht nach Gewalt und Vernichtung sieht. Übrigens sind ihre Einwände auch unsinnig: Barenboim hat ja keinen direkten Vergleich mit Srebrenica oder mit dem Krieg in der Ukraine vorgenommen, sondern beide nur als Beispiele für Staatsverbrechen benutzt, die einen Boykott rechtfertigen, den Namen der Barenboim-Said-Akademie hat er sich nicht ausgesucht, Ihre Darstellung Saids ist ohnehin böswillig, und dass der 7. Oktober nicht angesprochen wird, liegt an der Kürze und dem Thema (übrigens: Sie merken vielleicht selbst, wie unpassend es ist, ausgerechnet von Barenboim Stellungnahmen einzufordern...).
zum Beitrag24.09.2025 , 12:42 Uhr
Israel ist auf die Friedensinitiative ja nicht eingegangen; insofern bleibt es Spekulation, wie ernst die Iraner ihre Unterstützung dafür gemeint haben. Tatsache ist aber, dass das Angebot auf dem Tisch lag. Dass es noch eine israelisch-arabische Allianz gegen den Iran gibt, darf bezweifelt werden.
zum Beitrag24.09.2025 , 09:51 Uhr
Die arabische Friedensinitiative wurde von allen Mitgliedsstaaten der OIC unterstützt, inklusive Iran; das ist eine – leicht zu überprüfende – Tatsache.
zum Beitrag23.09.2025 , 21:03 Uhr
Man nennt das auch heute noch Kulturrelativismus - das ist allerdings kein Schimpfwort, sondern benennt schlichtweg eine theoretische Position, für die es durchaus gute Argumente gibt. Dass es unterschiedliche Kulturen und damit verbunden divergierende moralische und politische Vorstellungen gibt, ist erst einmal eine Tatsache. Rassistisch ist es nicht, darauf hinzuweisen - und andere anders sein zu lassen; man könnte den gleichen Vorwurf allerdings gegen diejenigen erheben, die Europa als Blaupause für den Rest der Welt sehen und meinen, Völker bestrafen zu dürfen, die sich diesen Ansprüchen verweigern. Daher nochmal: die politische Verfasstheit eines künftigen Palästinenser-Staates ist allein die Sache seiner Bürger.
zum Beitrag23.09.2025 , 19:04 Uhr
Israel hat Friedensverträge mit einigen wichtigen arabischen Staaten abgeschlossen und hinter den Kulissen entspannte Beziehungen zu den meisten anderen (Jordanien hat sogar geholfen, iranische Raketen anzuschließen). Seit 2002 liegt zu dem das Angebot auf dem Tisch, die Beziehungen vollständig zu normalisieren, wenn Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht und die Gründung eines Palästinenser-Staates zulässt - ein Angebot, dass außer allen (!!!) arabischen Staaten auch Iran unterstützt hat. Möglicherweise sind nicht immer alle anderen an Israels Misere Schuld, sondern dessen eigene zunehmend extremistische Regierungen, denen Expansion und Dominanz wichtiger sind als regionale Integration.
zum Beitrag23.09.2025 , 15:26 Uhr
Der von Ihnen verlinkte Artikel beweist wiederholt leider nur bekannte israelische Propagandafloskeln und blendet sowohl aus, warum die Palästinenser bisherige Angebote abgelehnt haben (in Camp II hat man ihnen zum Beispiel keinen Staat angeboten, sondern ein durch extraterritoriale Straßen und Checkpoints zerschnittenes Konglomerat von Bantustans ohne ausreichende Wasservorräte) noch die Rolle der zunehmend extremistischen israelischen Regierungen, die ja nicht erst seit 2023 einen Palästinenserstaat ablehnen (der in dem Artikel zitierte Spruch „From the river to the sea…“ findet sich bekanntlich, mutatis mutandis, auch im Parteiprogramm des Likud); dass der Autor kein Wort der Kritik zu einer israelischen Kriegsführung findet, die inzwischen weltweit als genozidal beschrieben wird, passt in diese selektive Wahrnehmung. Ohnehin muss er sich die übliche Frage gefallen lassen: Was bleibt denn dann, ohne eigenen Staat für die Palästinenser übrig? Ein weiteres Leben als Menschen zweiter Klasse unter israelischer Besatzung? Die endgültige Vertreibung? Oder ein Völkermord wie in Gaza? Wer diese Optionen befürwortet, sollte sich nicht über den Extremismus Anderer ereifern.
zum Beitrag23.09.2025 , 15:04 Uhr
Das ist eine fragwürdige Einschätzung, aber selbst wenn sie richtig wäre: So what? Die Palästinenser haben ein Recht auf einen eigenen Staat in sämtlichen Gebieten jenseits der Grünen Linie. Wie dieser Staat aussieht, ist allein die Entscheidung seiner künftigen Bürger. Das Argument, dass die Palästinenser unfähig wären, sich selbst zu regieren, ist ein kolonialistischer Topos, der noch dazu die Realität in den besetzte Gebieten ausblendet – als wäre das weitere Dahinvegetieren in Bantustans unter ständiger Bedrohung durch radikale Siedler und zunehmend extremistische israelische Politiker eine Alternative.
zum Beitrag23.09.2025 , 13:14 Uhr
Ja, haben Sie – und zwar schon 1993; ich erinnere auch gerne daran, dass Israel die Gründung eines Palästinenserstaates verhindert, nicht umgekehrt – dass Bekenntnisse zur Zweistaatenlösung kontinuierlich von der Seite verlangt werden, der die staatliche Selbstbestimmung verweigert wird, während die Vertreter der Besatzungsmacht kontinuierlich herausposaunen, dass sie sich jedem Kompromiss verweigern, ist nur eine der vielen Schlagseiten dieses Konfliktes.
zum Beitrag23.09.2025 , 09:48 Uhr
Eine friedliche Zukunft ist vor allem dann nicht möglich, wenn Israel seine Besatzungs- und Siedlungspolitik weiter vorantreibt und die Palästinenser auf den St. Nimmerleinstag vertröstet werden. Die PLO hat Israel anerkannt und oft genug ihre Bereitschaft zu einer Zweistaaten-Lösung erklärt; dass dieser Staat auch von Personen verwaltet und regiert wird, die Blut an den Händen haben, ist nicht schön, aber auch die Palästinenser müssen mit israelischen Politikern verhandeln, die für die massiven Menschenrechtsverletzungen der letzten Jahrzehnte und für den gegenwärtigen Völkermord in Gaza zumindest mitverantwortlich waren. Es liegt im Wesen von Friedensverhandlungen, dass man sie mit ehemaligen Feinden führt. Übrigens kann man sich die Frage stellen, wie viel Kontrolle die Regierung in Ramallah (die sogar während der israelischen Strafexpedition die Sicherheitskooperation fortgesetzt hat!) über die Al Aksa-Brigaden im von der Hamas regierten Gazastreifen hat.
zum Beitrag23.09.2025 , 09:38 Uhr
Israelis leben erst seit 1948 in Palästina; vorher gab es keinen Staat Israel (außer, Sie sehen diesen als Metaphysicum, das unabhängig von konkreten politischen Realitäten existiert, dann begeben Sie sich aber in eine gefährliche ideologische Gesellschaft). Israeliten bzw. Juden leben in der Tat seit 3000 Jahren in der Region, aber eben nie allein. Die Araber (nicht Mohammed, der war zu diesem Zeitpunkt schon tot) haben Jerusalem den Oströmern entrissen, diese kurz davor den Sassaniden, etc. etc. Die Muslime, die heute in der Region leben, sind zu einem erheblichen Teil Nachfahren der konvertierten Bevölkerung nach der arabischen Expansion – und ob man nach c. 1500 Jahren noch von „erst“ sprechen kann, ist doch mehr als fraglich (die arabischsprachigen Christen haben Sie ja elegant unterschlagen). Die Existenz Davids ist übrigens keineswegs gesichert. Es ist ohnehin unmöglich, aus solchen historischen Hintergründen territoriale Ansprüche abzuleiten – aber wenn man das auch noch fern aller historischer Fakten macht, wird es endgültig absurd.
zum Beitrag23.09.2025 , 06:47 Uhr
Nun wurde auch in diesem Forum schon oft genug darauf hingewiesen, dass es nicht genügt, die Schuld für gescheiterte Verhandlungen den angeblich friedensunwilligen Palästinensern zuzuschreiben, sondern man auch auf die genauen Streitpunkte achten muss - und zwar nicht nur auf die großen Fragen wie Ostjerusalem oder das Rückkehrrecht (für das es längst eine Kompromisslirsung gibt), sondern auch wenig beachtete Aspekte wie Wasser, extraterritoriale Straßen und Checkpoints. In Camp David II hat man den Palästinensern z.B. keinen Staat angeboten, sondern ein Konglomerat von Bantustans, das sie "Staat" nennen durften. Man kann die Ablehnung verstehen (dann zumindest, wenn man Palästinenser nicht als Menschen zweiter Klasse betrachtet).
zum Beitrag22.09.2025 , 14:32 Uhr
Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ein Forist, der so kontinuierlich durch historische Falschaussagen auffällt, andere in einem so unangemessenen Ton über Geschichte belehren will („Da werden Sie geholfen“ – wir sind nicht in der Grundschule); das ganze wird nicht besser, wenn man kontinuierlich biblische Berichte als historisch akkurate Darstellungen behandelt – und nicht einmal merkt, dass man das tut. Aber davon abgesehen lassen sich aus antiker Geschichte ohnehin keine modernen Gebietsanspruche ableiten (oder wollen Sie Köln an Italien abtreten?). Die beiden Artikel, die Sie verlinkten, widersprechen der Aussage in dem Ausgangspost übrigens nicht (und dass sowohl Morris als auch Wolffsohn nicht unumstritten sind, haben Sie vielleicht auch gehört).
zum Beitrag19.09.2025 , 20:51 Uhr
Das ist eine haarsträubend vereinfachte Darstellung des NO-Konfliktes, die die ganze Verantwortung allein auf einer Seite sieht und die Rolle Israels sowie den Extremismus israelischer Politiker ausblendet, obwohl diese aus ihren Vertreibungs- und Vernichtungsphantasien kein Geheimnis machen. Wie gesagt: gerade hat eine UN-Kommission festgestellt, dass in Gaza ein Völkermord geschieht (ein Urteil, mit dem sie nicht allein steht). Wenn man das mit dem Verweis auf den NS ignoriert, ist das nicht nur schrecklich zynisch, sondern auch ein Rückfall in das Denken in ethnischen Hierarchien, das man eigentlich hinter sich lassen wollte. Palästinensische Kinder sind nicht weniger wert als andere - allein darüber diskutieren zu müssen, wirft kein gutes Licht auf hiesige Zustände.
zum Beitrag19.09.2025 , 18:53 Uhr
Sie bringen die Reihenfolge der Ereignisse durcheinander: Iran hat Israel nicht überfallen, sondern lediglich zurückgeschossen; und dass Hamas und Hisbollah direkt im Auftrag Irans gehandelt haben, bliebe zu beweisen (gerade Hamas ist – und das habe ich Ihnen schon mehrfach erklärt – kein Befehlsempfänger Irans, sondern ein eigenständiger Akteur, dessen Verhältnis zu Iran nicht unkompliziert ist). Und ein hypothetischer Angriff mit einer noch nicht existierenden Atombombe ist erst recht keine Legitimation dafür ein Land zu bombardieren (und dabei ganz unabhängig von der Legitimität des Krieges auch noch offenkundige Kriegsverbrechen zu begehen). Ihre Ressentiments gegen Muslime in allen Ehren, aber ich verstehe nicht recht, wieso man den nächsten Krieg gegen ein islamisches Land regelrecht herbeisehnt: als waeren die Erfahrungen aus Irak, Libyen und Afghanistan so gut gewesen und als gaebe es den Genozid in Gaza nicht.
zum Beitrag19.09.2025 , 13:42 Uhr
Nun bedeutet „kontextualisiert“ nicht dasselbe wie „rechtfertigen“; besonders unredlich ist die Vermischung dieser Begriffe aber, weil diejenigen, die sich darüber ereifern, dass der Angriff der Hamas historisch eingeordnet (d.h. kontextualisiert) wird, gar kein Problem damit haben, wenn Israels Agieren auf dieselbe Weise behandelt wird. Auf der Grundlage kann man den NO-Konflikt natürlich für die von Ihnen präferierte Seite bequem darstellen: die Palästinenser sind grundlos gewalttätig, Israel reagiert lediglich. Wir hatten haben hier ja kürzlich über die Frage gesprochen, wie rassistisch manche Verteidiger Israels argumentieren und Hand aufs Herz: Kommen Ihnen diese Deutungsmuster wirklich nicht bekannt vor? Was Sie über die EU-Regierungen schreiben, ist ohnehin falsch: Hamas ist (anders als Likud) als Terrororganisation eingestuft, alle Nachkriegsplaene sehen ein Gaza ohne Hamas vor, und gegen Israel gibt es keine nennenswerten Sanktionen, bestenfalls zaghaften Druck, der nicht zuletzt der Sorge geschuldet ist, irgendwann selbst für die Rolle in dem Völkermord in Gaza haftbar zu sein (ich erinnere an das noch laufende Verfahren gegen Deutschland).
zum Beitrag19.09.2025 , 09:46 Uhr
Wenn eine von den UN eingesetzte Kommission zu diesem Ergebnis kommt, ist das durchaus eine offizielle Einschätzung. Übrigens: Im Fall Gambia vs. Myanmar hat Deutschland darauf bestanden, dass die Ergebnisse solcher Kommissionen auch bindend sind, und das aus gutem Grund: es gibt eine rechtliche Verpflichtung, Völkermord zu verhindern und ihn nicht nur nachträglich juristisch aufzuarbeiten. Was Katar angeht: die Delegation der Hamas (die in Katar auch nicht als Terrororganisation eingestuft ist!) hält sich dort auf ausdrücklichen Wunsch der USA auf, die so einen Gesprächskanal offenhalten wollten. Ohnehin legitimiert die von Ihnen genannte UN-Resolution keinen militärischen Angriff auf die Hauptstadt eines anderen Staates. Die Bereitschaft, einen solchen enthemmten Einsatz von Gewalt zu befürworten, wenn die Opfer Araber oder Muslime sind, ist übrigens ein Zeichen für den unterschwelligen Rassismus, den ich angesprochen habe. Offenkundig werden hier Menschenleben anhand ethnischer und religiöser Kriterien hierarchisiert.
zum Beitrag19.09.2025 , 08:45 Uhr
Dass nicht alle islamischen Länder arabischsprachig sind, ist mir durchaus bekannt, das ändert aber nichts daran, dass Arabisch in der islamischen Kultur eine Schlüsselstellung zukommt. Und es ist ein methodischer Grundsatz, dass Quellen im Original studiert werden müssen; seriöse Islamwissenschaft ohne Arabisch-Kenntnisse ist schlichtweg nicht möglich. Daran ändert auch Indonesien nichts; Sie Missverstehen den Unterschied zwischen Regional- und Islamwissenschaft (zumal für theologische Diskurse in Indonesien Arabisch ebenfalls wichtig ist!). Und jenseits der grundsätzlich kann man ja auch einen Blick auf die Forschungsergebnisse werfen: das FFGI hat wissenschaftlich schlichtweg keine Rolle gespielt. Medienpräsenz ist keine Bestätigung für Fachkompetenz. Sie können gerne weiter gegen mich persönlich wüten, aber das sind einfach Fakten, die offenkundig auch die Gutachter so gesehen haben.
zum Beitrag19.09.2025 , 08:07 Uhr
Es ist wenig ehrlich, wenn man Sorge um das "leidende iranische Volk" vorgibt, dann aber einen völkerrechtswidrigen Überfall auf Iran inklusive der ebenfalls völkerrechtswidrigen Bombardierung von Atomanlagen verharmlost und sogar eine Zusammenarbeit bei dem nächsten Angriff fordert. Ich verstehe nicht Recht, woher diese Begeisterung dafür kommt, islamische Länder zu zerbomben (außer vielleicht aus tiefstem Ressentiment), aber um einmal bei den Fakten zu bleiben: Iran hat den NPT unterzeichnet und damit ein - so wörtlich - unveraeusserliches Recht auf ein ziviles Atomprogramm, inklusive einer eigenen Anreicherung; die höhere Anreicherung mag dubios sein, verstößt aber nicht gegen den NPT. Saeurelevante Institutionen (und die US-Geheimdienste) haben erst kurz vor dem Überfall betont, dass Iran gerade nicht versucht, den Schritt zur nuklearen Aufrüstung zu gehen. Die Einschätzung eines privaten und von Ihnen arg selektiv gewählten Instituts legitimiert keinen Überfall auf einen souveränen Staat. Übrigens: für Verstöße gegen den NPT ist der UN-Sicherheitsrat zuständig und nicht ein Staat wie Israel, der selbst massiv gegen internationales Recht verstößt.
zum Beitrag18.09.2025 , 22:21 Uhr
Ich bin mir nicht sicher, ob sie verstehen, wie Wissenschaftsförderung funktioniert: über die Vergabe von Mitteln wird vor allem durch Gutachten und Fachgremien entschieden, d.h. dem FFIG wurden nicht von Islamisten oder "Postkolonialen" die Gelder gestrichen, sondern von den eigenen Kollegen, die von den Ergebnissen (aus Gründen, die ich oben umrissen habe) nicht überzeugt waren. Es gibt zweifellos radikale Islamisten, die eine Gefahr darstellen - das kann aber ohne Verschwörungstheorien und pauschale Verurteilungen kritisieren, die in einer finsteren Tradition stehen.
zum Beitrag18.09.2025 , 13:47 Uhr
Ich warne davor, das eigene Bauchgefühl (oder auch nur die eigenen Ressentiments) mit „der Realität zu verwechseln. Eine Wissenschaftlerin keine Kolumnisten ist; gemessen an fachlichen Kriterien – und die sind für die Wissenschaftsforderung ausschlaggebend – hat Schroeter eben keinen „tollen Job“ gemacht (wie könnte Sie auch: für das Quellenstudium fehlen ja die einschlägigen Sprachkenntnisse und ehrlich gesagt auch die methodische Begabung). Und ob man für rechtslastige Publizistik, in der vielleicht nicht ganz zufällig Kubitschek‘sche Schlagworte und Denkmuster auftauchen, ein Bundesverdienstkreuz verdient, sei dahingestellt. Interessant an Schroeter ist eigentlich das, was sie schreibt, sondern das Bedürfnis nach rechten Angstphantasien im akademischen Gewand. Daran lernt man viel über die sogenannte Mitte, finden Sie nicht?
zum Beitrag18.09.2025 , 10:26 Uhr
Es steht Ihnen frei, das Gutachten der UN-Kommission sowie die Berichte etlicher - auch israelischer - Menschenrechtorganisationen und unabhängiger Experten zu lesen (und sich vielleicht auch in die Geschichte des NO-Konflikts einzulesen. Was Foristen dazu bewegt, vor einem solchen vor der Weltöffentlichkeit begangenen Menschenheitsverbrechen die Augen zu verschließen oder es sogar zu rechtfertigen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.
zum Beitrag17.09.2025 , 21:57 Uhr
Nun hat die Schließung des FFGI nichts mit der Demokratiefoerderung zu tun. Dass es sich dabei um das einzige seriöse Zentrum dieser Art handelt, ist ebenfalls Unsinn: Islamwissenschaften werden an fast allen deutschen Universitäten angeboten - allerdings mit weniger medialer Aufmerksamkeit. Und das rührt an das zentrale Problem: Schröter ist eigentlich eine Expertin für Südostasien, die vor der Gründung dieses Zentrums nicht als Islamwissenschaftlerin aufgefallen ist und auch keine der relevanten Sprachen spricht. Mit Verlaub: Islamwissenschaften ohne Arabisch-Kenntnisse sind so seriös wie Globuli. Das ganze wird nicht besser, wenn man das Feindbild Postkolonialismus durchs Dorf treibt, dessen Einfluss an deutschen Unis ohnehin überschätzt wird. Schröter hat in Fachdiskussionen schlichtweg keine Rolle gespielt, sondern die Universität als Plattform für einen Ressentiment geladenen Aktivismus gebraucht. Damit erobert man die Herzen von Zeitungslesern, aber man überzeugt keine wissenschaftlichen Kommissionen - und die entscheiden eben über die Vergabe von Mitteln.
zum Beitrag17.09.2025 , 18:36 Uhr
Nun ist Ihnen vielleicht entgangen, dass erst gestern eine von den UN eingesetzte Expertenkommission zu dem Schluss gekommen ist, dass Israel in Gaza einen Völkermord begeht - eine Einschätzung, die von etlichen anderen Experten und Menschenrechtsorganisationen geteilt wird - übrigens sogar in Israel. Was in Gaza geschieht, ist nicht einfach furchtbar, es ist ein Verbrechen. Wer das weiterhin kleinredet, sollte die eigenen Motiven hinterfragen. Antisemitismus ist schrecklich, antiarabischer Rassismus allerdings auch.
zum Beitrag17.09.2025 , 18:21 Uhr
Nun kann ich nicht in Merzens Kopf schauen, aber egal ob die Tränen echt waren oder nicht - sie zeigen die unerträgliche Doppelmoral deutscher Eliten, die um die Toten der Vergangenheit weinen und gleichzeitig den Voelkermördern zuarbeiten. Das ist keine Moral, sondern ein moderner Anlasshandel auf Kosten anderer.
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