Folgen der Erderhitzung: Dem Weißen Trüffel wird es zu heiß
Der seltene Pilz braucht ganz bestimmte Bedingungen, die er früher in den Wäldern nahe der Stadt Alba fand. Doch der Klimawandel schlägt auch hier zu.
Foto: dpa/picture alliance
ap | Mit einer Taschenlampe in der Hand folgt Tino Marolo seinem Spürhund Stella durch ein dunkles Waldgebiet. Sie sind auf der Suche nach einem der kostbarsten kulinarischen Schätze Italiens, der in den Hügeln rings um Alba im Boden wächst. In diesem Jahr ist der Weiße Trüffel noch schwerer zu finden als sonst. Die Saison für die Sammler, die im Piemont „Trifolau“ genannt werden, beginnt normalerweise am 1. Oktober. Doch Hitze und Trockenheit haben die natürlichen Abläufe durcheinandergebracht.
Der Weiße Trüffel gedeiht am besten in kühlen, feuchten Böden und braucht eine enge Verbindung mit dem Wurzelwerk von Bäumen. Doch durch den Klimawandel haben sich die Bedingungen in vielen traditionellen Fundgebieten verändert. „Der gesamte Oktober war von mangelndem Regen im Juli und August sowie von hohen Temperaturen beeinträchtigt“, sagt Antonio Degiacomi, Präsident des Nationalen Zentrums für Trüffelstudien. Die Erträge seien entsprechend gering gewesen und viele der gefundenen Pilze wegen der trockenen und verdichteten Böden auch kleiner als sonst.
Alba ist für den Weißen Trüffel berühmt. Aktuell lädt die italienische Stadt wieder zur jährlichen Internationalen Weißtrüffelmesse, die noch bis zum 6. Dezember stattfindet. Auch der Leiter dieser Veranstaltung, Axel Iberti, berichtet von einer schleppend angelaufenen Saison. Erst durch spätere Regenfälle habe sich die Lage ein wenig verbessert. Weil die Nachfrage nach der kulinarischen Spezialität weiterhin hoch sei, lägen die Preise wegen des vergleichsweise geringen Angebots etwa 20 bis 30 Prozent höher als im Vorjahr, sagt Iberti.
Negativer Trend hält schon länger an
Für Sammler wie Marolo gehört es dazu, nicht bei jeder Tour erfolgreich zu sein. „Man kommt sicher öfter mit leeren Händen wieder nach Hause, als dass man wirklich einen Trüffel mitbringt“, sagt der „Trifolau“. Auch das mache den Reiz aus, dass man nie vorher wisse, was man finden werde. Doch die Erfolge werden immer seltener. Der Trend hin zu heißeren Sommern und weniger zuverlässigen Regenfällen halte schon seit „fünf oder sechs Jahren“ an, sagt Degiacomi. Und das aktuelle Jahr steche besonders hervor.
Es handelt sich dabei nicht nur um ein regional begrenztes Phänomen. Eine ähnliche Entwicklung wie in den Wäldern rings um Alba zeigt sich auch jenseits der Adria in Kroatien. „Seit sieben oder acht Jahren wird es von Jahr zu Jahr schlechter“, sagt Petar Alebic, der in einem Eichenwald in der Nähe von Zagreb nach Weißen Trüffeln sucht. „Wegen der Trockenheit werden die Trüffel leider immer kleiner und seltener.“
Alebic schätzt, dass die diesjährige Ernte etwa 30 Prozent geringer ausfallen wird als sonst. Um sein Einkommen aufzubessern, bietet er Trüffeltouren für Touristen an. „Trockenheit, ausbleibende Niederschläge und hohe Temperaturen beeinträchtigen sowohl die Quantität als auch die Qualität der Trüffel erheblich“, sagt Armin Mesic, ein Mykologe vom kroatischen Rudjer-Boskovic-Institut. Inzwischen schrumpfe auch das geographische Gebiet, in dem der Weiße Trüffel vorkomme.
Schutz der Wälder wird immer wichtiger
Die Experten im italienischen Piemont fürchten allerdings noch nicht, dass die Tage des Weißen Trüffels gezählt sind, der Kilopreise von bis zu 4.000 Euro erreichen kann. „Ich denke nicht, dass wir mit einem Aussterben rechnen müssen; wir stehen vor einer Herausforderung“, sagt Degiacomi. Forscher suchen nach Möglichkeiten, mit besserer Waldbewirtschaftung sowie mit Bewässerung gegenzusteuern. In Alba liegt der Fokus auf dem Erhalt und der Aufforstung wichtiger Wälder. Die örtliche Messe bietet in diesem Jahr auch Informationen zu Umweltbildung und Naturschutz.
In Teilen der italienischen Trüffelregion haben Kommunen gemeinsam mit Trüffelsammlern und Landbesitzern begonnen, neue öffentliche Trüffelgebiete zu schaffen und dort Bäume zu pflanzen, die das Wachstum der begehrten Pilze eines Tages begünstigen könnten. Aus Sicht von Experten kann durch solche Aufforstungen die Bodentemperatur gesenkt, die Feuchtigkeit erhalten und die Erosion verhindert werden.
Anders als beim Schwarzen Trüffel, der mittlerweile zum Teil in Plantagen angebaut wird, gibt es beim Weißen Trüffel bisher keine größeren Erfolge mit gezieltem Anbau. Umso mehr bleiben die Ertragsmengen von natürlichen Faktoren abhängig. Und im Laufe des Herbsts wird sich zeigen, wie sich nach dem heißen und trockenen Sommer die Preise auf Märkten und in Restaurants entwickeln. Ob auch künftige Generationen die Chance haben werden, in den Genuss des exquisiten Weißen Trüffels zu kommen, dürfte von einer Mischung aus Wissenschaft, Naturschutz und der Fähigkeit des Pilzes zur Anpassung an ein wärmeres Klima abhängen.
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