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Gen-Z-Protest in BerlinStudierende blockieren Gebäude an der FU

Die Jugendproteste weiten sich in Berlin auf die erste Universität aus. Studierende setzen sich gegen massive Kürzungen an den Hochschulen ein.

Am Mittwochmorgen stehen gegen zehn Uhr einige verwirrte Studierende vor dem Osteuropa-Institut der Freien Universität (FU) Berlin. Eigentlich wollen sie zum Tutorium, doch der Eingang ist verbarrikadiert. Bau- und Absperrzäune hindern sie am Reingehen. Ein Professor des Instituts erklärt den Verwirrten, was los ist: „Eine Gruppe von Studierenden hat die Eingänge blockiert. Die Veranstaltungen fallen den ganzen Tag aus.“

Nicht nur das Osteuropa-Institut ist blockiert. Das Hauptgebäude des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft haben Studierende ebenfalls mit gestapelten Mülltonnen, Fahrrädern und Holzpaletten verbarrikadiert. Über 80 junge Erwachsene stehen vor dem Gebäude.

Wir wollen unsere kritische Lehre behalten

Student auf der Demonstration

Ihre Aktion ist Teil der Gen-Z-Demonstrationen in Deutschland. Nach zwei Schulblockaden weitet die Initiative „Gen Z regelt“ die Jugendproteste damit auf die erste Berliner Universität aus. Am selben Tag blockieren Studierende auch Hochschulen in Hamburg und Leipzig.

Auf einem Transparent fordern die Studierenden, die Kürzungen von Landesgeldern für die Berliner Universitäten zurückzunehmen. Außerdem solidarisieren sie sich mit den Schulstreiks in Frankreich und stellen sich gegen eine mögliche Wehrpflicht und die „Militarisierung“ in Deutschland.

Viele Kufiyas und einige Vermummte

„Wir wollen unsere kritische Lehre behalten“, fordert ein Student während einer Rede vor dem Eingang des Otto-Suhr-Instituts. Die Demonstrantinnen und Demonstranten klatschen. Viele tragen kurdische oder palästinensische Kufiyas, wirken internationalistisch politisiert. Einige wenige vermummen sich mit schwarzen Schlauchschals. Der Protest scheint bisher vor allem von besonders linken Studierenden auszugehen.

„Hier am Institut werden Stellen der einzigen beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter gestrichen, die kapitalismuskritische Theorien lehren“, erklärt eine Studentin. Das seien Dozierende, die mit ihren Seminaren dafür sorgen, dass „kritische, linke und queerfeministische Diskurse“ geführt würden, ergänzt „Gen Z regelt“ in einer Pressemitteilung.

Der FU Berlin fehlen im Jahr 2026 Gelder in Höhe von 42,4 Millionen Euro. Zu verantworten hat die Kürzungen der schwarz-rote Senat. Verglichen mit vergangenen Jahren erhält die Universität 9,4 Prozent weniger Zuschüsse. Die investiven Mittel werden ihr ebenfalls um fast 25 Prozent gekürzt. Bisher ist laut der Pressestelle der Universität noch nicht einmal abzusehen, wie viele Stellen dadurch in den nächsten Jahren gestrichen werden müssen. Besonders treffe es jedenfalls Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, weil weniger Stellen nachbesetzt würden.

Zwei Professoren des Instituts schauen sich den Protest aus der Ferne an. Beide unterstützen die Bildungsforderung der Studierenden. „Wir sind da alle einer Meinung. Das wird ansonsten verheerende Folgen haben“, sagt eine Professorin des Osteuropa-Instituts. Trotzdem stehen die beiden dem Protest auch kritisch gegenüber: „Ob die Aussperrung von Mitarbeitern der richtige Weg ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht“, sagt Professor Robert Kindler. Die Studierenden könnten sich stattdessen mehr in den Universitätsgremien einbringen.

Bisher keine Massenbewegung an der FU

Ein Demo-Teilnehmer entgegnet der Kritik: „Nicht wir, sondern die Kürzungen sperren die Beschäftigten langfristig aus.“ Er kann außerdem verstehen, dass Studierende keine Lust auf die Gremien haben: „Erstens ist das viel Arbeit, und dafür haben viele Studierende keine Zeit. Zweitens können die Gremien die Kürzungen sowieso nicht aufhalten.“ Dafür müsse sich die Politik auf Landesebene verändern. „Unsere Aufgabe ist, Aufmerksamkeit auf die bestehenden Probleme zu richten.“

Eine wirkliche Massenbewegung ist „Gen Z regelt“ an der FU Berlin bisher aber nicht. Die Studierenden, die auf dem Weg zu ihrem Tutorium waren, gehen gleich wieder nach Hause: „Wir unterstützen die Forderungen, aber wir haben auch Lust auf Studieren.“ Ob das am nächsten Tag wieder möglich sein wird, ist bisher noch unklar. Bis Redaktionsschluss besteht die Blockade.

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