Angriffe auf kritische Infrastruktur : Keine Panik, sondern handeln
Die Störattacken auf Kühlanlagen und die Bombendrohungen auf Passagierflüge sollen Europa in Angst versetzen. Die Infrastruktur muss resilienter werden.
Foto: Johan Nilsson/TT News Agency/AP/dpa
D a sind sie wieder. Diese Nadelstiche auf die Lebensadern unseres Alltags. In den vergangenen Wochen konnten Cyberkriminelle offenbar relativ einfach in die digitalen Systeme von Kühlanlagen europäischer Supermärkte eindringen und die Temperaturregelungen beeinflussen. Die Lebensmittel in den Kühlschränken und Gefriertruhen wurden auf bis zu 50 Grad erhitzt und mussten dann entsorgt werden. Sogar Blutbanken waren betroffen – glücklicherweise wurde die Qualität der Blutkonserven aber nicht beeinträchtigt.
Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass Hacker Kühlsysteme ins Visier nehmen. Frankreich und die Niederlande machten vor wenigen Wochen spektakulär den Anfang. In der vergangenen Woche gab es dann Meldungen zu manipulierten Kühlsystemen aus Schweden, Irland, Belgien, Estland, Italien, erneut den Niederlanden und Frankreich. Und eben auch erstmals aus Deutschland. Jetzt warnen sogar FBI und andere US-Behörden vor einer andauernden Bedrohung.
Panik ist allerdings nicht angebracht. Sondern endlich handeln: Passwörter ändern, die Systeme vom Netz trennen, alte Geräte austauschen, Notfallpläne erstellen. Ja, liebe Inhaber:innen von Supermärkten, liebe Unternehmer:innen, es braucht Investitionen in den Schutz kritischer Infrastruktur und vor allem mehr Bewusstsein, dass unsere liebgewordenen digitalisierten Lebensgewohnheiten das perfekte Ziel von Kriminellen, von Saboteuren, von denjenigen sind, die Angst und Verunsicherung verbreiten wollen.
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Äußerungen von Nato-Top-Generälen, die Hacker mit Russland-Bezug hinter den Attacken auf die Kühlanlagen sehen, sollten ernst genommen werden. Spätestens seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine sollte der Terminus hybride Kriegsführung, der sich auf nichtmilitärische Angriffe bezieht, kein Fremdwort mehr sein.
Und während Bevölkerung, Behörden und Politik sich über die hohen Temperaturen in der Kühlkette wundern, kommen schon die nächsten Meldungen, die den Alltag der Zivilbevölkerung betreffen. Airlines in etlichen europäischen Ländern mussten ihre Flugrouten ändern, Flüge abbrechen oder verschieben, da Bombendrohungen vorlagen. Gefunden wurde nichts, aber nicht auszudenken, wenn die Behörden den Informationen nicht nachgegangen wären.
Auch hier: stören, verunsichern, Reaktionsketten ausspähen, Abläufe testen. Das ist wohl ein Aspekt, den die Drahtzieher solcher Aktionen im Blick haben. Denn bisher ist ein Zusammenhang zwischen den betroffenen Ländern, den Orten oder Routen nicht wirklich zu erkennen. Es geht um die Häufung der Vorfälle und die Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Bei den Passagierflügen im europäischen Luftraum, bei den Kühlsystemen in europäischen Supermärkten und Gesundheitseinrichtungen.
Ob die konkreten Verursacher jemals enttarnt werden können, wird die detektivische Spurensuche zeigen. Eines haben die Hintermänner aber bereits geschafft: nämlich für möglichst viel Stress zu sorgen.
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