Studie zu Krebserkrankung: Ein Impfstoff könnte das Rückfallrisiko bei Hautkrebs senken
Seit Jahren suchen Forschende nach neuen Therapien, damit der Krebs nicht zurückkommt. Nun wurden Ergebnisse vorgestellt, die Hoffnung machen.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Der schwarze Hautkrebs ist bei Frauen die vierthäufigste und bei Männern die fünfthäufigste Krebserkrankung. Der Krebs ist sehr aggressiv. Er kann in andere Organe streuen und auch nach scheinbarer Heilung zu Rückfällen führen. Seit Jahren suchen Forschende nach neuen Therapien. Einer der vielversprechendsten Ansätze gegen Rückfälle ist ein individualisierter Impfstoff gegen Krebs. Dazu haben Forschende auf einer Fachtagung Ergebnisse vorgestellt, die im Fachmagazin The New England Journal of Medicine veröffentlicht werden.
Die Studie
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Phase-III-Studie, das ist die letzte Phase vor der Zulassung eines Medikaments. Dabei wird das Präparat an Patient:innen getestet. Hinter dem Medikament stehen die Pharmafirmen Merck und Moderna, der Wirkstoff heißt Intismeran. Er hat ein individualisiertes Wirkprinzip: Nach der operativen Entfernung des Tumors wird dieser mittels KI analysiert, um sogenannte Neoantigene zu finden. Das sind veränderte Eiweißbruchstücke, die durch Mutationen im Tumor entstehen und vom Immunsystem als fremd erkannt werden können. Anschließend wird daraus ein Impfstoff hergestellt, der auf den Tumor zugeschnitten ist. Der Wirkstoff bringt das Immunsystem dazu, die Krebszellen selbst zu erkennen und anzugreifen.
An der Studie nahmen 1.137 Menschen mit fortgeschrittenem Hautkrebs teil. Dazu gehören Menschen, die bereits Metastasen hatten, sowie Menschen mit einem hohen Risiko für Rückfälle oder Metastasen. Bei allen war der Tumor zuvor vollständig operativ entfernt worden. Alle bekamen zusätzlich ein bereits seit Längerem zugelassenes Hautkrebsmedikament. Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe bekam Intismeran als zweites Medikament, die andere ein Placebo.
Das Ergebnis: Nach rund zwei Jahren lebten 82 Prozent der Menschen, die Intismeran bekommen haben, ohne Rückfall. In der Placebogruppe waren es 70 Prozent. Das Risiko für einen Rückfall sank damit um 42 Prozent. Nach zwei Jahren hatten in der Intismeran-Gruppe 88,5 Prozent der Teilnehmenden keine Fernmetastasen, also keine Tochtergeschwülste in weit entfernten Organen. In der Placebogruppe waren es hingegen 80 Prozent.
Was bringt’s?
Die Hersteller wollen mit diesen Daten Zulassungen beantragen. Sollte das gelingen, wäre das die erste zugelassene mRNA-Krebsimpfung in den USA beziehungsweise der EU. Das würde den Anfang einer neuen Säule der Krebsbehandlung bedeuten. Der neue Wirkstoff ersetzt aber die bestehende Therapie nicht, sondern ergänzt sie. Zudem ist er nur für Patient:innen in einem fortgeschrittenen Stadium gedacht. Eine weitere Hürde: Jeder Impfstoff muss individuell angefertigt werden. Das kann Schätzungen von Expert:innen zufolge mehrere Hunderttausend Euro kosten.
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