Umweltschützerin Yuli Velásquez: Sie hat drei Mordversuche überlebt
Kolumbianische Fischer:innen werden von vielen kriminellen Gruppen bedroht. Die Umweltschützerin Yuli Velásquez fordert internationale Unterstützung.
Foto: Leonhard Lenz/Wikimedia/CC0
Drei Mordversuche hat sie überlebt. Jetzt ist das Leben von Yuli Velásquez wieder bedroht. Sie ist Präsidentin des Verbands der Kleinfischer von Santander (Fedepesan) im Nordosten Kolumbiens. Dieses Jahr wurde sie mit dem kolumbianischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet, 2024 mit dem von Amnesty International Deutschland.
Bei einer Fortbildung für Kleinunternehmer:innen erhielt Yuli Velásquez einen Anruf. Am anderen Ende war laut eigener Aussage Jhon Jairo Fernández Pórtala, alias „Marihuano“. Der Mann sitzt wegen Verdachts auf mehrfachen Mord in Haft und ist Chef der Drogenbande „Los de la M“. Marihuano drohte ihr mit dem Tod, sollte sie nicht zu einem Treffen erscheinen und dort Schutzgeld zahlen. Es folgten Drohnachrichten per Whatsapp von derselben Nummer. Ähnlich erging es María Teresa Beltrán, der Inspektorin von Fedepesan.
Yuli Velásquez ist Fischerin und diplomierte Umweltingenieurin. Ihr Verband Fedepesan arbeitet eng mit der lokalen Menschenrechtsorganisation CREDHOS zusammen. Immer wieder klagten sie den Staatskonzern Ecopetrol an, der die Seen- und Sumpflandschaft verseucht, obwohl dieser das bestritt. Sie zeigten Fälle von Korruption an, zum Beispiel bei der Vergabe von Verträgen zur Renaturierung von Gewässern durch Ecopetrol und die regionale Umweltbehörde CAS.
Seit Jahrzehnten bedrohen auch Guerillas und Paramilitärs die Fischer:innen. Mehrere verließen deshalb ihre Heimat. Einige wurden ermordet und ihre Leichen in Gewässer geworfen. Yuli Velásquez und ihre Familie leben seit Jahren mit Personenschutz. Zwei Wochen vor der neuesten Morddrohung hatten bewaffnete Männer Fischer bedrängt, die tote Seekühe dokumentierten. Unbekannte schlichen um ihre Häuser, dokumentiert von Überwachungskameras.
So viele kriminelle Gruppen
Yuli Velásquez hat bei einem Treffen mit der Ombudsstelle des Volks und der Staatsanwaltschaft deutlich über die Bedrohungen gesprochen. Es gebe aktuell so viele kriminelle Gruppen, dass sie nicht mal wüssten, wer sie bedrohe. Umso wichtiger sei die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und Menschenrechtsorganisationen.
Kolumbien war laut der Organisation Global Witness 2025 wieder das tödlichste Land der Welt für Umweltschützer:innen.
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