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Sexualisierung von Mädchen Zuletzt gesucht: „Porno Schulmädchen“

Anna Klöpper

Kommentar von

Anna Klöpper

In England starten Schülerinnen eine Petition, um Schuluniformen in Pornos zu verbieten. Ein guter Zeitpunkt, um das Konzept Uniform zu überdenken

W ir sind keine ‚sexy Schulmädchen‘. Wir sind keine Objekte“, schreiben Schülerinnen der Cooper School in Bicester, Oxfordshire. Sie haben eine Petition gestartet und wollen erreichen, dass die britische Regierung Schuluniformen in Pornos verbietet.

Wer sich noch vage daran erinnert, wie es ist, 15 oder 16 Jahre alt zu sein: stressig. Jeden Morgen, bevor man überhaupt so richtig aufgewacht war, begann da viel zu früh eine Veranstaltung namens Schule, und jeden Morgen war es absolut nicht egal, was man trug. Ende der 90er-Jahre, das ist mein persönlicher Erinnerungsnebel, bestand die inoffizielle Mädchenschuluniform aus Doc Martens mit Plateausohle, einem Eastpak-Rucksack und auf der Hüfte sitzenden Schlaghosen. Bauchfrei war auch angesagt, an meiner Schule aber verboten, da zu „aufreizend“.

Schuluniformen waren auch Thema, aber im Deutschunterricht, weil man daran so gut Pro und Contra üben konnte. Wer für Pro eingeteilt war, hat dann meist gesagt, dass so eine Uniform auch entlasten könne, schließlich seien Doc Martens teuer, und wer noch dazu in der ollen Röhrenjeans aufkreuze, der werde halt auch schnell mal ordentlich gemobbt.

Das Contra geht ganz aktuell mit Blick auf Großbritannien so: Schuluniformen waren schon immer ein autoritäres Herrschaftsinstrument. In der Uniform steckt die Botschaft der Unterordnung. Unter eine Kleidungsnorm, unter eine Norm, was als „ordentlich“ und „angemessen“ definiert wird, aber nicht von einem selbst. Das eigene Wollen spielt da keine Rolle. Es spielt auch keine Rolle, dass es wahnsinnig stark machen kann, sich dem Gruppendruck zum Eastpak-Rucksack zu verweigern und trotzdem im Sportunterricht nicht als Letzte gewählt zu werden.

Schuluniform im Mainstream-Porno

Eine Uniform aber will nicht das mündige, also das erwachsene, Individuum. Insofern ist es vielleicht auch überhaupt nicht verwunderlich, warum Schuluniformen so weit verbreitet sind im Genre „Teenager Pornografie“ – das, wie die BBC die Juristin und Buchautorin Clare McGlynn zitiert, „leider eines der größten Segmente im Mainstream-Pornobereich“ sei. Die britischen Schülerinnen, die die Petition verfasst haben, erzählen, sie hätten viele Reaktionen von Frauen bekommen, die sagen, sie hätten sich nie mehr zum sexualisierten Objekt degradiert gefühlt als in einer Schuluniform.

Japan, ebenfalls ein traditionelles Schuluniformenland, erlaubt seit einigen Jahren, dass die Mädchen auch die Jungsuniformen (also Hosen statt Röcke) tragen dürfen. Die weiblichen Charaktere in Animes und Mangas werden dort sehr oft als sexualisierte Kindfrauen dargestellt – in Schuluniformen.

Und auch das noch: Wis­sen­schaft­le­r*in­nen der Cambridge University hatten Anfang 2024 Forschungsergebnisse veröffentlicht, laut denen Mädchen in Grundschulen mit Schuluniformpflicht weniger gerne auf Bäume kletterten oder Fangen spielten, weil sie sich in Röcken dann unwohl fühlten.

Der Punkt ist: Eine Schuluniform macht den Menschen, vor allem die Mädchen, klein. Zu kleinen Objekten. Es geht um Macht. Und wo es um Macht geht, geht es häufig eben auch um Sex als Instrument, Macht auszuüben.

Tatort Internet

Dramatisch ist in dem Zusammenhang auch, was die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, am Dienstag berichten musste: Das Internet sei zum „zentralen Tatort für sexualisierte Gewalt“ geworden, gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen. Jeder Vierte zwischen 14 und 17 Jahren habe bereits „Cybergrooming“ erlebt, also sexuell übergriffige Kontaktaufnahme durch Erwachsene im Netz.

Mithilfe von KI können Menschen nun auch auf Fotos im Netz ausgezogen oder in Pornos montiert werden, Stichwort Deepfakes. Man erinnere sich an den Fall Collien Fernandes. Es ist gut, dass es immerhin schon einen fertigen Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) gibt, der Gesetzeslücken bei der strafrechtlichen Verfolgung von Deepfakes schließen will.

Es ist nicht gut, wie auch Claus am Dienstag betonte, dass noch immer fünf Bundesländer keine verpflichtenden Schutzkonzepte an Schulen haben gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Da könnte man dann auch gleich reinschreiben, dass die Schulen sich verpflichtend im Unterricht – und nicht nur in externen Workshops – mit digitaler Gewalt beschäftigen müssen. Weil nur wer Bescheid weiß, auch die Chance hat, zum mündigen Individuum zu werden. Gerade weil Wehrhaftigkeit den übergriffigen Tätern im Netz und auf der Straße eben nicht passt.

26.000 Menschen haben die Petition gegen Schuluniformen in Pornos bereits unterschrieben. Der britische Premier Andy Burnham hat auch schon Post bekommen von den Schülerinnen aus Oxfordshire. Vielleicht schafft Großbritannien die Schuluniformen am Ende ja gleich ganz ab. Falls er Argumentationshilfe für die parlamentarische Debatte braucht: Zahlreiche Pros und Contras lassen sich im Englischunterricht bestimmt ganz prima erarbeiten.

Anna Klöpper

Anna Klöpper Leiterin taz.eins

Seit 2011 bei der taz. Leitet gemeinsam mit Sunny Riedel das Ressort taz.eins. Hier entstehen die ersten fünf Seiten der Tageszeitung, inklusive der Nahaufnahme - der täglichen Reportage-Doppelseite in der taz. Davor Ressortleiterin, CvD und Redakteurin in der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.
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5 Kommentare

  • Wanderin

    "im Genre „Teenager Pornografie“ – das, wie die BBC die Juristin und Buchautorin Clare McGlynn zitiert, „leider eines der größten Segmente im Mainstream-Pornobereich“ sei."



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    "Schuluniformen verbieten, dann wird alles gut" ist Augenwischerei. Das Problem sind nicht die Schuluniformen, sondern die Tatsache, dass ein hoher Anteil der männlichen Bevölkerung pädophil ist. Wie bereits von McGlynn gesagt, sind "Teenager" eine der größten Kategorien im Mainstream-Porno Bereich. Mainstream heißt, es ist vollkommen normalisiert.



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    Diese Tatsache sollte nicht überraschen, denn aus Geschichte und Zeitgeschehen kennen wir, dass der Zusammenbruch der Zivilisation in Kriegssituationen oft mit massenweise ausgeübter sexueller Gewalt an Frauen und Mädchen (noch Kindern) einhergeht. Tja, das sind die "ganz normalen" Männer.

  • Vigoleis

    Schuluniformen scheinen sich ohnehin als Phänomen eher auf bestimmte Länder beschränken. In Deutschland gab es (kann man staunen) nie Schuluniformen (außer in Ausnahmen an Internatsschulen). Ab ca. Mitte des 19. Jh. waren Schulmützen üblich, die nach Schule und Klassenstufe unterschieden. Die wurden dann eher mit Stolz getragen.



    Quasi inoffiziell gab es um die Jahrhundertwende diesen Matrosenanzugs-Tick.



    In beiden deutschen Diktaturen waren die Kinder- und Jugendorganisationen uniformpflichtig und griffen (auch über die Uniform) stark in den Schulalltag ein.



    Aber die Autorin beschreibt es im Text ja selbst: Jugendliche neigen zu einer "inoffiziellen" Uniformierung. Die Alternative wäre also, die Kinder bzw. Jugendlichen die wesentlichen Elemente einer Schuluniform wählen zu lassen, also selbst zu bestimmen, wie und worin sie sich wohlfühlen. Auch diese Möglichkeit wird im Text erwähnt.



    Und, auch darauf geht die Autorin ein, können Schuluniformen auch den Ursachen von Mobbing entgegenwirken.



    Zu klären wäre noch, ob japanische Schulmädchen in bestimmte Uniformen "gezwungen" wurden, um sie zu sexualisieren, oder ob sie sexualisiert werden, weil sie bestimmt Uniformen tragen müssen.

  • realnessuno

    Man wurde "gemobbt" wenn man in einer alten Röhrenjeans in der Schule auftauchte? Ist das repräsentativ oder eine ganz individuelle Erfahrung, die ich einfach nicht gemacht habe?



    Zum Thema "Sexualisierung von Schulmädchen(uniformen)" könnte man Vieles noch sagen; das Thema ist alt und über diverse Kulturkreise verbreitet (Stichwort Japan).

    Ich beschränke mich hier auf eine Idee, die man als "Prävention" verstehen kann: Mehr Männer in die Grundschulen, Kitas und Kindergärten! Mehr Väter in die Familien oder noch besser: Größere Familienverbände fördern, weniger Alleinerziehende!

    Das kann eine präventive Wirkung haben weil Mädchen dann auch anders miteinander umgehen können, sich gegenseitig zu "mobben" wäre dann weniger interessant.



    Und weil Jungs ihre Rollenvorbilder finden können, sich vielfältiger entwickeln und später dann hoffentlich selbstbewußter sind und auch ein vielfältigeres Frauenbild haben...



    Da steckt auf jeden Fall Potential drin!

  • Troll Eulenspiegel

    Finnland geht den Weg, dass Uniformen, außer bei Polizei ,sowie für Funktionalkleidung z.B. für Straßenbetriebe und Feuerwehr, die Individualität des Menschen einschränken und damit verboten sind.

    Finde ich richtig. Sowohl bei Schulen als auch am Arbeitsplatz. Ein Pilot kann auch im Hawaii-Hemd ein Flugzeug fliegen, die Krawatte und die Mütze qualifizieren und befähigen den Piloten nicht.

    Und wer Kleidung wirklich als Fetisch nutzen will, soll das freiwillig machen. Dabei ist es wichtig, dass Menschen nicht sexuell ausgebeutet werden, was vor cis-Männern ziemlich schwierig sein dürfte.

    • Vigoleis

      @Troll Eulenspiegel:

      Alles eine Frage der Definition und der Machbarkeit.



      Warum ist es sinnvoll, dass Polizisten Uniform tragen, nicht aber z.B. Zugpersonal, Flugbegleiter u.a.? Es geht ja hier nicht darum, menschliche Individualität zu minimieren (einerseits) oder eine (möglicherweise nicht vorhandene) Autorität zu simulieren (andererseits), sondern eine Erkennbarkeit zu schaffen, die im Notfall sogar rettend sein kann, im Alltag aber schlicht diejenigen schnell identifiziert, die für den Kunden/Gast/Patienten ansprechbar und in der jeweiligen Lebenslage die "Experten" sind.



      Was unterscheidet demnach "Uniform" von "Funktionskleidung"?



      Wie alles können Uniformen oder uniforme Kleidung natürlich auch missbraucht werden, z.B. um Menschen zu erniedrigen oder eine falsche Autorität vorzuspiegeln.