Chat mit Mitglied des Remmo-Clans: Ferat Koçak entschuldigt sich
Firas Remmo veröffentlicht einen alten Chat mit dem Linken-Abgeordneten Koçak. Der sagt, er habe erst nicht gewusst, mit wem er schreibe, dann aber einen Fehler begangen.
Vom Auftritt von Issa Remmo auf der Wahlparty der Neuköllner Linken hatte sich die Partei gerade distanziert, da platzte am Montag eine Instagram-Story von dessen Sohn Firas Remmo in die Feierstimmung nach dem Wahlsieg. Remmo hatte die Story am späten Sonntagabend veröffentlicht. Zu sehen ist dort ein Chatverlauf von ihm mit dem Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Koçak bestätigte am Abend die Echtheit des Chats.
Seine Nachricht beginnt Koçak mit dem Satz: „Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater.“ Danach fragt er nach einem persönlichen Treffen: „Ab wann bist Du im Büro? Ich kann vormittags vorbeikommen.“ In einer weiteren Nachricht vom 17. Februar bittet der direkt gewählte Abgeordnete um die Verbreitung eines Videos seiner Bundestagsrede, in der er die Thematisierung von „Clans“ als „hysterische Dauerdebatte“ bezeichnet. „Gerne Bruder“, so die Antwort von Firas Remmo.
Einige Mitglieder der Großfamilie Remmo werden der Clan-Kriminalität zugerechnet und waren unter anderem verantwortlich für den Goldmünzenraub im Bode-Museum 2017 und den Dresdner Juwelendiebstahl 2019. Issa Remmo gilt dabei als Kopf der kriminellen Struktur, auch wenn er selbst nicht verurteilt wurde. Firas Remmo war im Januar mit drei weiteren Familienangehörigen auf frischer Tat festgenommenen worden, als sie im Berliner Südwesten während des Strom-Blackouts versuchten, einen Geldautomaten aufzubrechen.
In seiner Instagram-Story teilt Firas Remmo nun gleich mehrere Rede-Auszüge von Koçak, in denen dieser unter anderem sagt: „Clan-Kriminalität ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“ Unter dem Bild des Chats mit Koçak schreibt er: „Wir sind ein Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele.“
Koçak erklärt sich
Ferat Koçak reagierte am Abend ebenfalls mit einem Statement, das er der taz schickte und auf Instagram verbreitete. Demnach hätten die Berichte über den Chat „die Öffentlichkeit verunsichert. Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“. Er werde sich nun „zurückziehen“, um sein „Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten und volle Transparenz herzustellen“.
Koçak gibt an, dass sich Firas Remmo nach einem Aufruf für die Beteiligung an einer politischen Aktion bei ihm gemeldet habe und er mit ihm schrieb, „wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgrüßt“. Er beteuert: „Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Kenntnis davon, um wen es sich handelt.“ Dies wurde ihm „erst kurz danach bekannt“. Zu einem sofortigen Abbruch der Kommunikation mit Firas, der auf Instagram als „firas_i_rammo“ agiert, führte das jedoch nicht. Koçak schreibt: „Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte.“
Die Linke hatte zuvor die Verantwortung für das Erscheinen von Issa Remmo auf der Party des Bezirksverbands Neukölln zurückgewiesen. „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt“, hieß es von Elif Eralp.
Und auch Koçak hatte sich gerechtfertigt für ein Foto, das auf derselben Wahlparty entstanden war und ihn mit einem Funktionär der in der EU als Terrororganisation eingestuften „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) zeigt. Demnach seien an dem Abend hunderte Fotos entstanden. „Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person distanziere ich mich ausdrücklich“, erklärt Koçak.
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