+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: „Putin eskaliert“
Eine russische Drohne trifft einen Passagierzug in der Ukraine nahe der polnischen Grenze. Verletzt wird niemand – doch Polen ist besorgt.
Foto: Evgeniy Maloletka/ap/dpa
Russischer Angriff auf Zug nahe polnischer Grenze
Nach russischen Angriffen auf einen Zug von Kyjiw nach Warschau sowie auf die Grenzregion der Ukraine zu Polen hat die polnische Regierung Moskau eine Verschärfung des Konflikts vorgeworfen. „Putin eskaliert“, schrieb Außenminister Radoslaw Sikorski auf X. Regierungschef Donald Tusk rief für den Nachmittag einen Krisenstab zusammen. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kyjiw auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen – der Luftraum über dem Land ist gesperrt.
Am Sonntag war nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn die Lokomotive des Passagierzugs von Kyjiw nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand sei zu Schaden gekommen, hieß es. Die polnische Eisenbahn PKP teilte mit, sie habe den Zug von der ukrainischen Seite mit mehr als sechs Stunden Verspätung übernommen. Er setze seinen Weg nach Warschau fort.
Nach Angaben von Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz schlug im Westen der Ukraine außerdem eine Drohne einen Kilometer von Polens Grenze entfernt ein, eine weitere mit einem Abstand von fünf Kilometern. Polnische Kampfjets vom Typ F-16 sowie ein Aufklärungsflugzeug hätten die Situation kontrolliert. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb, Moskaus Angriffe hätten nahe der polnisch-ukrainischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X. „Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato klopft.“
Polens Regierungschef Tusk berief für den Spätnachmittag eine Krisensitzung der Ressortchefs und der uniformierten Dienste ein. „Wir nehmen diese Ereignisse äußerst ernst“, schrieb Innenminister Marcin Kierwinski auf X. (dpa)
Moskau bestätigt Angriffe
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Sie würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es.
Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen eine russische Invasion. Bei russischen Angriffen gibt es immer wieder auch Tote und Schäden im Zugverkehr und an Bahnhöfen. (dpa)
Politiker wegen des Angriffs auf Zug evakuiert
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel musste wegen des Angriffs in der Nähe des Grenzübergangs ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden. An Bord dieses Zuges waren demnach einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt Günter Sautter, und der ehemalige britische Premier Boris Johnson, die zu Beratungen in Kyjiw gewesen waren.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, der laut Spiegel ebenfalls mit dem gecharterten Zug reiste, schrieb im Onlinedienst X, Russland eskaliere immer weiter und zündele. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kyjiw–Warschau und erklärte: „Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war.“ Manchmal entscheide der Zufall, „ob man sicher durchkommt“. Russland sei „eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert“, schrieb Wagener weiter. (afp)
Zwei Tote in Russland nach ukrainischen Angriffen
Infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs sind zwei Menschen in der russischen Teilrepublik Tatarstan getötet worden. Eine Drohne sei in einen Baum gestürzt, wodurch ein nahe stehendes Auto mit vier Insassen beschädigt worden sei, teilte der Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, bei Telegram mit. Zwei der Insassen seien ums Leben gekommen, die anderen beiden seien schwer verletzt worden.
Vier weitere Menschen wurden Beljajew zufolge verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrieobjekte und zivile Objekte seien beschädigt worden. In einem nicht näher genannten Unternehmen sei ein Feuer ausgebrochen, das schnell gelöscht worden sei.
Der Generalstab in Kyjiw bestätigte unter anderem einen Angriff auf Nischnekamsk. Die Raffinerie Taneko sei getroffen und die Entzündung eines der Tanks festgestellt worden. Schon in der Vergangenheit hatte Kyjiw bei Gegenangriffen die Ölraffinerie in Nischnekamsk getroffen.
Die Ukraine attackierte nach eigenen Angaben außerdem die Raffinerie Slawjansk Eko in der russischen Region Krasnodar. Eine Ölverarbeitungsanlage und ein Tankpark seien getroffen worden, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR mit. Ein großflächiges Feuer sei ausgebrochen. Zur Begründung hieß es, die Anlage in Slawjansk-na-Kubani diene dem russischen Angriffskrieg.
Der Zivilschutzstab der Region Krasnodar teilte bei Telegram lediglich mit, dass auf dem Gelände eines nicht näher beschriebenen Unternehmens ein Feuer ausgebrochen sei. Herabstürzende Drohnentrümmer hätten außerdem eine Gasleitung in einem Wohngebiet der Stadt Slawjansk-na-Kubani beschädigt. Schon in der Vergangenheit war die Raffinerie dort getroffen worden. Im Sommer brannte sie infolge einer Attacke mehrere Tage lang. (dpa)
Ukraine hat Tanklaster nahe AKW Saporischschja angegriffen
Der Chef des staatlichen russischen Atomenergiekonzerns, Alexei Lichatschow, wirft der Ukraine einen Angriff auf Diesel-Lastwagen nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja vor. Dabei seien zwei russische Soldaten getötet und mehrere weitere verletzt worden, erklärt Lichatschow. Die Ukraine gefährde damit gezielt die Sicherheit der von Russland besetzten Anlage. Treibstoff ist für Generatoren wichtig, die die Kühlung der Reaktoren bei einem Ausfall der externen Stromversorgung sichern. Der Angriff hat Lichatschow zufolge am Freitag stattgefunden, die Vorwürfe äußert der Rosatom-Chef am Sonntag. Beide Seiten werfen sich regelmäßig gegenseitig vor, die Sicherheit des größten europäischen Atomkraftwerks zu gefährden. (rtr)
China und Indien bieten Vermittlung im Ukrainekrieg an
Chinas Staatschef Xi Jinping und der indische Ministerpräsident Narendra Modi bieten russischen Angaben zufolge ihre Vermittlung für Friedensgespräche zur Ukraine an. Der russische Präsident Wladimir Putin begrüße diese Bereitschaft, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die drei Politiker nehmen am Wochenende am Brics-Gipfel in Delhi teil. (rtr)
Selenskyj-Vertrauter: Dreiergespräche noch im Oktober
Die Ukraine erwartet eine Fortsetzung der Verhandlungen über eine Friedenslösung mit Russland und unter Vermittlung der USA im kommenden Monat. „Wir bereiten uns vor, auf Oktober“, sagte der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, im Gespräch mit Journalisten. Er bestätigte, dass damit Unterredungen im Dreierformat gemeint seien. Ein genaues Datum oder den Ort der Treffen nannte er jedoch nicht.
Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuletzt in einem Interview der Iswestija erklärt, der Kreml gehe davon aus, dass die USA, Russland und die Ukraine den Dialog „in absehbarer Zeit“ fortsetzen könnten. „Eine andere Frage ist jedoch, wie erfolgreich dieser Dialog sein wird – das lässt sich derzeit nur schwer vorhersagen, da sich die Lage vor Ort für die Ukrainer von Mal zu Mal verschlechtert“, behauptete er.
US-Unterhändler hatten am vergangenen Wochenende Moskau und Kyjiw besucht und die Möglichkeiten einer friedlichen Lösung für den Krieg in der Ukraine sondiert. Dabei war eine Fortsetzung des seit Monaten unterbrochenen Dialogs im Dreierformat ins Auge gefasst worden. Diese Gespräche werden von Unterhändlern geführt, die stets mit ihren jeweiligen Staatschefs Rücksprache halten müssen. Erst am Ende ist ein direktes Treffen der Präsidenten der USA, Russlands und der Ukraine zu erwarten. (dpa)
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