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Geburtenrückgang in Deutschland Keinen Bock mehr

Gastkommentar von

Ines Doleschal

Frauen bekommen immer weniger Kinder. Viele Frauen haben keine Lust mehr, sich über die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit zu streiten.

I mmer weniger Frauen hierzulande werden Mütter. Liegt das „nur“ an Zukunftsängsten, wirtschaftlicher Unsicherheit? Am Wunsch, sich zu individualisieren? Oder gibt es zu wenige progressive Männer, und Frauen haben immer weniger Lust, sich mit unverbesserlichen Anhängern des Patriarchats auseinanderzusetzen? Denn sie wissen mittlerweile, dass sie die horrenden systemischen Gender Gaps als Mitgift bei der Familienplanung mitbekommen.

Viele kluge Podcasts und Publikationen sorgen dafür, geschlechterbedingte Lücken aufzuzeigen: Autorinnen wie Jo Lücke, Mareice Kaiser, Leonie Schöler zeigen in Gesellschaftsanalysen messerscharf, weshalb wir heute immer noch keine Gleichberechtigung haben. Dafür reicht auch der Blick auf den Rentenbescheid: Frauen, die Care-Arbeit leisten, sind krass im Nachteil. Wenn eine Mutter dreier Kinder nach 25 Jahren Tätigkeit im frauentypischen Pflege- und Kulturbereich etwa 12 Entgeltpunkte erzielt, hat sie eine Rentenerwartung um die 450 €. Wie soll frau davon leben können? Nichtsorgende Menschen können sich dagegen entspannt zurücklehnen, ihr Durchschnittseinkommen von jährlich 51.000 Euro ergibt Jahr für Jahr einen vollen Rentenpunkt.

Ines Doleschal

ist bildende Künstlerin, Kuratorin, Museumspädagogin, Co-Gründerin von fair share!, einem Bündnis für die Sichtbarkeit von Künstler:innen.

Es gehört zum System, Frauen in monetärer Abhängigkeit zu halten, damit sie sich unbezahlt kümmern. Und die Männerwelt profitiert. Oder wie ist der seit Jahren stabile Gender Care Gap anders zu interpretieren? Frauen verrichten knapp drei Viertel mehr Sorgearbeit als Männer und schränken dadurch trotz Topausbildung ihre Erwerbstätigkeit ein. Das sorgt zwangsläufig für eklatante Einbußen beim Lebenserwerbseinkommen und der Altersabsicherung. Motiviert das, eine Familie zu gründen?

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Da ist es nur verständlich, dass sich junge Frauen reproduktiv verweigern. Wie wäre es, wenn Care-Arbeitende pro Jahr einen halben Renten-Entgeltpunkt extra für ihre Leistungen bekämen? Bis dahin könnte jeder Vater beherzt ein deutliches Mehr an Sorgearbeit leisten und damit proaktiv den Care Gap abbauen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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1 Kommentar

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  • Breitmaulfrosch

    Dieser Nachteil für Frauen existiert. Also muss er durch entsprechende gesetzliche Regelungen ausgeglichen werden. Z.B. dadurch, dass man Erziehungszeiten (Care Arbeit) für die Rente anrechnet. Das ist übrigens geschlechtsunabhängig und kann auch Männern helfen, ihre beruflichen Ziele mal eine Zeit lang zugunsten der Familie zurückzusenden.

    Ein weiterer Punkt wäre eine wirklich hart durchgesetzte Wiedereinstellungsgarantie nach einer Erziehungszeit, auf eine wenigstens gleich gut bezahlte Position. Ebenfalls natürlich geschlechtsunabhängig.

    Was gar nicht hilft, ist die Forderung nach mehr Kinderbetreunung. Niemand bekommt Kinder, um die dann 50 Stunden pro Woche in fremde Hände zu geben und nach einem harten Arbeitstag noch mit gestressten und extrem zuwendungsbedürftigen Kindern konfrontiert zu sein. So läuft das nicht, übrigens auch nicht in Frankreich oder Holland.