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Studie zu unethischem VerhaltenJe reicher, desto fieser

Es ist wissenschaftlich bewiesen: Reiche Menschen neigen eher dazu, Kindern Süßigkeiten zu klauen. Für diese Studie gibt es jetzt den Ig-Nobelpreis.

Reiche Menschen täuschen öfter, bereichern sich zu ihrem Vorteil und stehlen Kindern sogar Süßigkeiten. Was wie eine Ansammlung an Klischees klingt, wurde in einer Studie belegt. For­sche­r*in­nen schauten sich nämlich das Verhalten von Menschen verschiedener sozialer Klassen an und kamen zu dem Ergebnis: Reiche Menschen verhalten sich im Alltag häufig unethischer.

Auf den ersten Blick scheint diese Erkenntnis eher lustig als ernsthaft, doch sie hat wichtige Implikationen für unsere Gesellschaft. Genau das ist auch der Gedanke des satirischen Ig-Nobelpreises, der gerade vergeben wurde. Damit wird kuriose Forschung ausgezeichnet, die zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringt. Dieses Jahr wurde neben vielen anderen Arbeiten auch diese Studie aus dem Jahr 2012 für den Fachbereich Ökonomie gekrönt.

Die Studie

Der Sozialpsychologe Paul Piff und sein Team führten sieben verschiedene Experimente zur Beobachtung des Verhaltens durch. Die Hypothese lautet: Reiche Menschen sollten ein höheres Maß an unethischem Verhalten zeigen, da sie positivere Einstellungen gegenüber Gier haben. In der psychologischen Forschung ist es erwiesen, dass Gier unethisches Verhalten vorherbringt.

Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Sie beobachteten, dass reiche Menschen an vielbefahrenen Kreuzungen anderen öfter die Vorfahrt nahmen und häufiger Fußgänger nicht über die Straße ließen.

In einem anderen Experiment nahmen reiche Menschen mehr aus einem Glas voller Süßigkeiten, die eigentlich für Kinder gedacht waren. Auch täuschten sie in einem Versuch eine höhere Punktzahl in einem Spiel vor, um ihre Gewinnchancen zu erhöhen.

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Die For­sche­r*in­nen erklären dieses unethische Verhalten mit strukturellen, aber auch psychologischen Gründen. Mit steigendem Geld und steigender Macht wächst die eigene Unabhängigkeit. Das führt aber gleichzeitig dazu, dass die Bedürfnisse anderer Menschen vernachlässigt werden. Auch egozentrische Tendenzen, wie das Überhöhen seiner eigenen Interessen, begünstigen dieses Verhalten.

Was bringt’s?

In der Studie geht es zwar nur um Süßigkeiten oder Vergehen im Verkehr, jedoch haben diese Beobachtungen Konsequenzen für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Die Süßigkeiten stehen symbolisch für eine zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft, die eigenen Bedürfnisse über die der anderen zu stellen, so der Psychologe Paul Piff.

Es zeigt zudem, dass Gier nicht in jeder gesellschaftlichen Gruppe gleichermaßen ausgeprägt ist. Der Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und Verhalten ist aber nicht kategorisch vorgegeben, erklären die Autor*innen, sondern ein Ergebnis der Gesellschaft, in der wir leben. Er lässt sich also auch ändern.

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5 Kommentare

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  • Perkele

    Ohne diese Eigenschaften -die ja auch fehlende Empathie zeigen- wären Typen wie Musk, Trump oder Famile Schwarz u.v.a. niemals dahin gekommen wo sie jetzt stehen. Und nein - es ist kein Neid, der mich treibt, es ist Verachtung, abgrundtiefe.

  • Axel Schäfer

    Das war in meiner Kindheit schon so Mercedes hatte ja "eingebaute Vorfahrt", die haben gern mal die Vorfahrt genommen, bis auf die Heizölverbrenner von den Bauern in den klassischen Sanitärfarben, die waren dafür zu lahm.

  • llorenzo

    Witzig: "Die eigenen Bedürfnissen über die der anderen stellen". Welches Bedürfnis ist gemeint wenn den Kindern die Bonbons geklaut werden? Ist die Befriedigung der eigenen Gier ein Bedürfnis zu nennen?

  • Herr Lich

    Hier mal der Link zur Studie:



    www.pnas.org/doi/1...73/pnas.1118373109

    Und ich lese es nicht ganz so dramatisch. Ein Beispiel aus der Studie:

    "Specifically, at the end of the study, the experimenter presented participants with a jar of individually wrapped candies, ostensibly for children in a nearby laboratory, but informed them that they could take some if they wanted."



    Klar kann man es als "den Kindern was weggenommen" verstehen. Es ginge aber auch "Es ist für Kinder, aber wir haben genug, sie können sich auch was nehmen".

    Auch beim Zebrastreifen ist das Ergebnis nicht ganz so eindeutig (wie hingegen bei der Kreuzung). Auf einer Status-Skala von 1 (niedrig) bis 5 (hoch) haben bereits ab Stufe 2 30% nicht gewartet. Das steigert sich dann bis auf 45% bei Stufe 5. Und als Stufe 1 wurden nur 5 von 152 Autos eingeschätzt. Offensichtlich wartet bei den Amis kaum einer auf die Fußgänger (egal welcher Status).

  • K. Krümelmonster

    Im Klartext bedeutet der Vorwurf „Neiddebatte“ also: „Ihr gönnt mir ja nur nicht meine Gier und die Fiesheiten, mit denen ich reich geworden bin.“