BSW-Streit um Brombeer-Koalition: Sonderparteitag zum Kurs in Thüringen
Während Wagenknecht aus der Koalition in Thüringen austreten will, will die Landespartei um Katja Wolf weiterregieren. Klärung soll ein Sonderparteitag bringen.
Foto: Martin Schutt/dpa
dpa | Das BSW will seine interne Auseinandersetzung um die Regierungsbeteiligung in Thüringen auf einem Sonderparteitag klären. Der BSW-Landesvorstand habe auf der Basis der Anträge von vier Kreisverbänden beschlossen, einen „außerordentlichen Sonderparteitag“ einzuberufen, teilte die Landespartei mit. Zudem sei beschlossen worden, dem Beschluss des BSW-Bundesvorstandes, aus der Thüringer Regierungskoalition auszusteigen und Verhandlungen für eine Expertenregierung aufzunehmen, nicht zu folgen.
Das BSW regiert in Thüringen mit CDU und SPD in einer sogenannten Brombeer-Koalition. Es geht um einen Richtungsstreit innerhalb des BSW – zwischen Parteigründerin Sahra Wagenknecht und der Thüringer Landeschefin Katja Wolf, die auch Landesfinanzministerin ist.
Wagenknecht missfällt die Regierungsbeteiligung in Thüringen schon länger. Sie vertritt stattdessen das Modell eines „überparteilichen“ Regierungschefs, der unter Einbeziehung der AfD mit wechselnden Mehrheiten regiert. Auch Wagenknecht hatte in diesem Dauerstreit bereits einen Landes-Sonderparteitag ins Gespräch gebracht.
Anlass der Eskalation ist die Entscheidung der TU Chemnitz, Ministerpräsident Voigt (CDU) seinen Doktortitel zu entziehen. Der BSW-Bundesvorstand um Wagenknecht hatte die Thüringer BSW-Abgeordneten deshalb vergangene Woche aufgefordert, den Regierungschef nicht mehr zu unterstützen.
Zwei BSW-Leute tragen Koalition nicht mehr mit
Die BSW-Landtagsfraktion widersetzte sich der Aufforderung der Parteispitze bei einer Sitzung am Montag in Erfurt. „Die BSW-Fraktion hat nach intensiver Beratung einstimmig den Beschluss gefasst, in der Regierungspolitik zu verbleiben“, sagte die Fraktionsvorsitzende Sigrid Hupach. Allerdings nahmen nur 13 der 15 Fraktionsmitglieder teil. Nicht anwesend waren Anke Wirsing und Sven Küntzel. Sie meldeten sich Stunden später mit einer eigenen Erklärung.
Darin erklärten die beiden, sie trügen CDU-Ministerpräsident Voigt nicht mehr mit. Dieser stehe somit „aktuell nur noch einer Minderheitsregierung“ vor, stellten sie fest. Die Koalition kam schon bisher nur auf 44 von 88 Sitzen im Erfurter Landtag. Sie war deshalb von Anfang an für parlamentarische Entscheidungen auf zumindest indirekte Unterstützung der Linken-Fraktion angewiesen – eine Zusammenarbeit mit der AfD als der größten Oppositionsfraktion hat sie ausgeschlossen. Ohne die beiden BSW-Abgeordneten reicht es nicht mehr für das Patt. Zieht die Linke mit, könnten die verbliebenen Koalitionsabgeordneten aber weiter Mehrheiten finden.
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