Amazon-Serie „Sterling Point“: Warum haben die alle Boote?
Nach „Off Campus“ ist „Sterling Point“ die nächste Hype-Serie. Zwischen Trauer, malerischen Inseln und Love-Triangle verliert sie manchmal den Fokus.
Nach „Heated Rivalry“ und „Off Campus“ ist mit „Sterling Point“ schon die nächste gehypte Serie am Start. Schon wenige Tage nach dem Start hält sich die Serie auf Platz 1 der Amazon Charts in Deutschland. Aber warum eigentlich?
Das Setting ist auf jeden Fall besonders. „Sterling Point“ spielt in der kanadischen Seelandschaft rund um Muskoka und trifft mit seinem Sommerflair wahrscheinlich gerade ein bisschen den Nerv. Überall Wasser, Inseln und riesige Ferienhäuser. Irgendwie haben auch immer alle ein Boot zur Verfügung.
Die Serie versucht zwar, die Schere zwischen Reich und, na ja, nicht ganz so Reich zu zeigen und das auch gewissermaßen zu problematisieren. Aber wenn die einen für mehrere Millionen eine Insel kaufen wollen und die anderen mal eben eine ganze Insel von ihrem Großvater erben, fällt es etwas schwer, das ernst zu nehmen. Dazu kommen ständig Partys mit unzähligen jungen, attraktiven Menschen, bei denen man sich irgendwann fragt, wo die in einer Kleinstadt alle herkommen.
Im Mittelpunkt steht Annie, eine ehrgeizige 17-Jährige, die kurz vor ihrem letzten Sommer vor dem Abschlussjahr steht. Gespielt wird sie von Ella Rubin, die ihre Sache gut macht, abgesehen davon, dass Annie leider überhaupt nicht wie 17 aussieht. Das gilt für viele der Figuren, die eher wie Anfang/Mitte 20 wirken.
Schön sind dafür die Themen, die „Sterling Point“ abseits der klassischen Teenie-Romanze anspricht: Der Tod und die Trauer um Annies Großvater, den sie nie kennenlernen durfte, die Abwesenheit der Mütter einiger Figuren, biologische Elternschaft, Familie und die Frage, wo man eigentlich hingehört. Es gibt sehr viele Szenen, in denen die Jugendlichen in ihrer Entscheidungsfindung allein gelassen werden und dabei eigentlich permanent Joints rauchen.
Love-Triangle
Natürlich gibt es auch die klassische Hetero-Lovestory als Love-Triangle. Annie muss sich zwischen zwei Boys entscheiden, die beide in sie verliebt sind – wie schon in „The Summer I Turned Pretty“, „My Life with the Walter Boys“ oder „Never Have I Ever“.
Dafür gibt es aber schön erzählte Nebenhandlungen. Nach jahrelanger Freundschaft funkt es zwischen Oona (Bo Bragason), die mit ihrer kleinen Schwester auf einem Boot lebt, und Ramona (Amélie Hoeferle). Die Annäherung und die Dialoge zwischen den beiden sind einfühlsam geschrieben und gespielt und gehören zu den schönsten Momenten der Serie.
Überhaupt steckt viel Schönes in den kleinen Geschichten. Etwa beim Umgang mit der ersten Periode von Maple, Oonas kleiner Schwester. Als Maple nach einem Ferienlager davon erzählt, bastelt Oona ihr eine Krone aus Blumen, setzt sie ihr auf und sagt ihr, dass sie sich freut, dass Maple ihr so etwas erzählen kann. Eine kleine Randszene, die gerade durch ihre undramatische Erzählung etwas sehr Fürsorgliches in sich hat.
Leider wird die eigentliche Handlung zunehmend kompliziert. Geht es am Anfang noch darum, dass Annie mehr über ihren Großvater herausfinden möchte, verliert man sich irgendwann darin, wer jetzt wessen Mutter, Vater oder Geschwister ist. Die Serie möchte gleichzeitig Coming-of-Age, Liebesgeschichte, Familiendrama und Mystery sein und verliert dabei manchmal etwas den roten Faden.
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