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Zugang zu AbkühlungWenn die Superreichen Kälte zum Luxusgut machen

Ob „Snowrooms“ oder „Kryostase“ – Reiche haben einen privilegierten Zugang zu Kälte. Doch was soll die Nachwelt mit den ganzen alten weißen Männern anfangen?

D ie Hitze hat Deutschland fest im Griff. Alle reden darüber, nur die große Politik nicht wirklich. Die sich hier ausdrückende Wahrnehmungsverwahrlosung wird von unten mit netten Lüftungstipps gegen die Hitzekrise gekontert und ähnelt der ignoranten Herangehensweise an Großthemen wie Umverteilung oder die Bekämpfung von Obdachlosigkeit.

Immerhin gibt es jetzt ein hübsches neues Buch, das sich der „Dialektik der Abkühlung“ widmet. Es heißt „Kühle neue Welt. Eine Geschichte der Moderne“ – und wie immer hat alles schon viel früher begonnen, nämlich spätestens mit den Römern. Für die Reichen sei „ein Mittel erfunden worden, wie auch Wasser zum Luxusartikel werden konnte“, zitiert Autor Jan Eike Dunhase die Kritik des Philosophen Seneca an den Gepflogenheiten auch seines Zöglings Nero zum „Schneekonsum“.

Womit kein stimulierendes Pulver, sondern echter, von Sklavenhand herbei geschaffter Schnee gemeint war, der das Wasser für die verwöhnten Mägen kühlen sollte. Die „durch ständige Überreizung gefühllos gewordenen Eingeweide sollten durch einen Kälteschock wieder aktiviert werden“.

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Heute sind wir weiter. Galt lange Zeit neben dem Pool eine Heimsauna als Zeichen vermögender Behaglichkeit, so sind nun „snow rooms“ en vogue, berichtet die New York Times. Solche „Schneeräume“ gehören mittlerweile zum Standardangebot im Jachtmarketing, zitiert die Zeitung einen Verkäufer: Früher sei es auf den schwimmenden Festungen um Trinken und Party gegangen, „now the focus is very much on fitness and longevity“.

Das Fest, das die Oberen ein Leben lang feiern, soll nie aufhören

Das versteht jeder. Das Fest, das die Oberen ein Leben lang feiern, soll möglichst nie aufhören. Die Zahl der Leichen, schreibt Dunkhase, die bereits in „Kryostase“, also künstliche Kältekonservierung versetzt worden sind, „liegt gegenwärtig im mittleren dreistelligen Bereich“. Und er stellt die wohl nur für uns Unteren naheliegenden Frage, was eine Nachwelt – soweit es eine geben wird – „im Falle gelingender Auferstehung mit all den alten weißen Männern anfangen“ soll?

Nach dem christlichen Prinzip des „contrappasso“ wäre naheliegend, dass diese Eliten zur Buße ihrer Sünden Schnee ankarren, für alle jene, die auf der brennenden Erde leiden. Aber wir hier sind ja Linke – und halten fest am Traum einer gekühlten Welt für alle.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ambros Waibel

Ambros Waibel taz2-Redakteur

Geboren 1968 in München, seit 2008 Redakteur der taz. Er arbeitet im Ressort taz2: Gesellschaft&Medien und schreibt insbesondere über Italien, Bayern, Antike, Organisierte Kriminalität und Schöne Literatur.
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4 Kommentare

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  • Andreas Flaig

    Sie könnten die Welt für alle verbessern, in dem sie die gebrechlichsten unterstützen, zB die am Limit arbeitenden Ärzte und Pfleger auf der ganzen Welt.



    Sie könnten sogar Kriege verhindern.



    Die Fettesten auf diesem Planeten. Stattdessen furzen sie in ihre Samt Kleidung.

    Tja, sie können sich's halt leisten.

    Aber das haben wir uns ja selbst zuzuschreiben. Es werdem einem ja noch die Füße geküsst. Das war schon immer so, der unfassbare Respekt vor Reichtum.



    Und der unfassbare Verfall sozialer Politik.

    Faschismus und Reichtum Hand in Hand



    Gehen bald in jedem Land

    Und die Sklaven leicht zu haben



    Es sind so viele Menschen

    Haben wir es leicht



    Es werden nur die Toten dann vergraben



    Von den selben Sklaven

    Ach genieße ich die Welt



    Sie ist nur meine - meine einzige allein

    Meine Kinder sollten bald für immer lachen



    Die Wissenschaft wird ewiges Leben schaffen!

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Bei solchen Gedankenspielchen friert mir (mindestens)



    das Gehirn ein.



    Grusel...

  • Dobro

    Kalte weiße Männer? :-)



    Aber bitte nicht immer dieses Gefasel.

  • Petzi Worpelt

    Bald die Hälfte der Bevölkerung sind "alte weiße Männer". Der Autor gehört auch dazu. Warum also weiterhin pauschal diese wahlweise lächerlich machen oder beschimpfen? Hat diese Art der Behandlung schon einmal etwas gebracht?



    Ich denke das Gegenteil ist der Fall und dieser Terminus gehört verbannt.



    Im Übrigen gibts Klimaanlagen bei Lidl und bei OBI die passende Heimsauna für den kleinen Geldbeutel.. Das ist keine Frage des Geldbeutels mehr, sondern nur noch eine Frage davon, inwieweit Mensch noch glaubt, dass Klimaanlagen böse sind und Sauna was für Snobs..