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Sterbehilfe in Frankreich Langes Leiden hat ein Ende

Rudolf Balmer

Kommentar von

Rudolf Balmer

Frankreich legalisiert die aktive Sterbehilfe. Doch der Kampf um ein weniger schmerzhaftes Lebensende ist nicht vorbei.

L ange hat es gedauert, bis Frankreich die Sterbehilfe legalisiert. Zahllos waren die Familien, die ihre dramatischen, ausweglosen Situationen schilderten, weil Angehörige unheilbar krank waren und deswegen zusätzlich litten, weil ihnen niemand dabei helfen durfte, eine oft lange und qualvolle Agonie zu beenden. Wer dennoch heimlich zu Hause oder im Krankenhaus eine aktive oder passive Sterbehilfe leistete, musste mit einem Prozess rechnen. Die Hilfe beim Suizid blieb bis jetzt eine Straftat.

Viele Familien, die inständig hofften, dass es ihren schwer leidenden Angehörigen ermöglicht werde, sich mit medizinischer Unterstützung aus einem unerträglich gewordenen Lebensende zu verabschieden, atmen nun auf. Ebenso Ärzte und Pflegende, die sich in dieser Situation ohnmächtig fühlten. Anderen im Bereich des Pflegepersonals, die im Gegenteil bereits gegen die Legalisierung der Sterbehilfe eigene Gewissensbisse geltend machen, versichert die gesetzgebende Nationalversammlung, dass niemand zu einer direkten Mithilfe beim Sterben gezwungen werde. Das muss reichen, um die religiösen und moralischen Einwände zu entkräften.

Wie bei der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs werden die konservativ-reaktionären Gegner der Sterbehilfe nicht kapitulieren. Sie werden alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Sterbehilfe zu verhindern. Die praktische Umsetzung wird zu einem neuen Kampf werden. Ein solcher Fortschritt ist nie hundertprozentig erzielt und gesichert. Bei einem Wahlsieg der extremen Rechten im kommenden Jahr ist zu befürchten, dass dies – sowie viele soziale Errungenschaften, Rechte und Freiheiten – in Gefahr gerät.

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Immerhin kann man positiv anmerken, dass Frankreich noch zu Reformen in gesellschaftspolitischen Fragen fähig ist. Das war in den vergangenen Jahren alles andere als voraussehbar. Das Gesetz für ein Sterben auf Wunsch wäre die einzige große Neuerung, an die man sich später an die Präsidentschaft von Emmanuel Macrons erinnern wird.

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Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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2 Kommentare

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  • Um erstmal auf Ihre Frage zu antworten: Ich würde sagen: "Man kann ME/CFS-Kranken aktuell oft nicht helfen". Das ist schlimm, aber Realität. Ich würde auch sagen, dass es ungerecht ist, den vielen Leuten, die aktuell versuchen, daran etwas zu ändern, abzusprechen, dass sie das tun. Und sei es auch nur unterschwellig.



    Es gibt bei ME/CFS (noch) kein gezieltes Vorgehen. Wenn man dagegen etwas Geregeltes anfragt, dann bekommt man dort schnell Antwort. Das liegt erstmal daran, dass im ersten Fall nicht (offiziell und geregelt) klar ist, was zu tun ist, im zweiten Falle schon. Ich finde, man muss aufpassen, dass man da nichts unterstellt.

    Aber Sie haben natürlich trotzdem Recht. Wenn Sterbehilfe eine Alternative zur Hilfe wird, das wäre dramatisch. Die Gefahr gibt es und wir werden sehr aufpassen müssen.



    Auch hier muss man die Realität sehen: man wird schlimme Vorkommnisse (wie Sie sie andeuten) nicht gänzlich verhindern können. Bedeutet das aber, dass man lieber das Leid der alten Situation (keine Sterbehilfe) aushalten sollte?

    Das Leid von Menschen gegeneinander abzuwägen ist schrecklich (auch wenn man es so minimieren will). Wollen wir froh sein, dass das nicht unsere Aufgabe ist.

  • Was sagen Sie zu den Berichten von beispielsweise ME/CFS-Erkrankten, die sagen: "mit meiner Krankheit wurde mir nicht geholfen, aber als ich den Antrag auf Sterbehilfe gestellt habe, da habe ich dafür auf einmal Hilfe bekommen."?



    Sterbehilfe ist immer billiger und einfacher, als einer chronisch kranken Person zu helfen. Es sollte nie die einzige Möglichkeit sein, Hilfe zu bekommen.