Jubiläum und Krise im Printjournalismus: Lokalzeitungen fordern Förderung
Die FAS wird 25 – das ist ein Grund zum Feiern. Im Lokaljournalismus sieht es dagegen düster aus. Deswegen wird nun eine radikale Forderung erhoben.
P resse- und Journalismusförderung galten vor 25 Jahren unter den Verlagen noch als absolutes No-Go. Das war etwas für Staaten wie Österreich, wo mit Presseförderung und Regierungsinseraten die parteipolitische Freunderlwirtschaft abgewickelt wird. Aber doch nicht bei uns!
Vor 25 Jahren war schließlich noch Aufbruchstimmung im deutschen Zeitungsmarkt. Die Sonntagszeitung meldete sich in Gestalt der FAS zurück. Gut, das war ein bisschen geschummelt, denn im Rhein-Main-Raum um Frankfurt hatten die klugen Köpfe ihren Senf schon länger auch am siebten Tag der Woche dazugeben. Und Springers Welt am Sonntag (WamS) gab es ja auch schon seit 1948. Aber im September 2001 ging es bundesweit mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung los. Das wurde schon am letzten Sonntag mit einer Sonderausgabe gefeiert.
Die erschien allerdings bereits am Samstag, weil es mit der gedruckten Zeitung ja schon länger nicht mehr so prall läuft. Genauer gesagt könnte die FAS in diesen Wochen genauso gut „vier Jahre Sonntagszeitung am Samstag“ feiern. Denn schon Ende Juni 2022 war Schluss mit der Zustellung am Sonntag. Genau genommen hat die FAZ seitdem also eher mal zwei Samstagsausgaben.
Eine schöne Ergänzung im immer dünner werdenden Blätterwald ist die FAS dabei weiterhin, auch wenn die Jubiläumsausgabe mit ihrem „Wo war ich vor 25 Jahren und wo stehen wir heute“-Ansatz ein bisschen sehr auf Nabelschau machte. Und dann aber konsequent die Frage nach der eigenen Spezies wegließ.
Bleibt im Lokalen nichts übrig?
Da sind die Lokalzeitungen und ihre Verleger*innen weiter. Sie gingen am Mittwoch vergangener Woche bei ihrem Branchentreff in Berlin schonungslos ans Eingemachte. Der Verband der Lokalzeitungen und Lokalmedien (VDL) ließ sich von einem Zukunftsforscher die Leviten lesen. Dessen Worst-Case-Szenario lautete sinngemäß: da bleibt im Lokalen nichts übrig. Jedenfalls, wenn es einfach nur so weitergeht. Weshalb die Lokalzeitungen Journalismusförderung jetzt nicht mehr ausschließen, sondern sogar fordern.
Der VDL hat endlich das Luxemburger Modell entdeckt, das im Herzogtum für lokale Pressevielfalt sorgt. Es ist so einfach wie effektiv und leider teuer. Denn hier werden anteilig Stellen vom Staat finanziert. Bis zu 30.000 Euro im Jahr gibt es pro Redakteur*in, geknüpft an konkrete Bedingungen wie Redaktionsgröße. Die maximale Fördersumme beträgt rund 400.000 Euro pro Redaktion. Und obwohl der Staat zahlt, ist das Modell staatsfern. Denn über Kriterien und Fördervergabe wacht der luxemburgische Presserat. „Sicher, bis sich die jeweiligen Funktionäre beim Golf treffen“, warnt die Mitbewohnerin.
Auch in Deutschland könnte die Politik ihren Lobgesängen auf den Lokaljournalismus ja mal Taten folgen lassen. Aber da sieht’s mau aus. Am Donnerstag war im Bundestag zwar glatt mal eine halbe Stunde fürs Thema Lokaljournalismus Platz. Doch hier wurden wieder nur absolut sonntagszeitungstaugliche Sonntagsreden geschwungen.
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