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Berliner Projekt gegen digitale GewaltWenn der Ex-Partner im Stofftier mitreist

Ein landesweites Projekt soll Fachkräfte gegen Stalker-Softwares und Tracking schulen. Die Polizei stecke oft noch im digitalen Gestern fest, monieren Expert:innen.

Täter können ihre Familie mit AirTags und speziellen Einlagen in Kinderschuhen überwachen. Darüber will die Initiative aufklären Foto: Pauline Cruse

Wer vor Gewalt in der Partnerschaft flieht, sucht oft im Frauenhaus Sicherheit. Doch die Anonymität dieser Schutzorte ist heute fragiler denn je. „Die Gewalt hört an der Tür des Frauenhauses nicht auf“, berichtet Edith*, Mitarbeiterin einer Berliner Schutzeinrichtung, bei einem Pressegespräch in der Senatsverwaltung. Der Täter reise immer häufiger unbemerkt mit – als Spionage-Software auf dem Handy oder als GPS-Tracker im Teddybär des gemeinsamen Kindes – und werde so zu einer erneuten Gefahr.

Um solchen Fällen besser zu begegnen, startet Berlin mit „Ein Team gegen digitale Gewalt“ ein landesweites Projekt gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt aus dem sozialen Umfeld. Es ist das bundesweit erste Projekt dieser Größenordnung. Und es ist auch nötig: Fachkräfte in Frauenhäusern, Schutzunterkünften und Beratungsstellen werden immer wieder mit Fragen zum digitalen Schutz konfrontiert.

Doch ohne technische Weiterbildung sind viele von ihnen nicht ausreichend auf eine umfassende Beratung vorbereitet. Hier will die Initiative mit Nachmittagsschulungen ansetzen und sie darauf trainieren, digitale Überwachung erkennen und unterbinden zu können.

Der Täter als digitaler Schatten

Die Beratungszahlen steigen und trotzdem wird bei uns die Betroffenenberatung wegfallen

Josephine Ballon, Geschäftsführerin HateAid

Für viele Bewohnerinnen ist ihr Smartphone die einzige Verbindung zu Freunden und Familie. Gleichzeitig liegt darin ein Risiko. „Oft hat der Partner das Handy eingerichtet. Die Frauen wissen gar nicht, welche Dienste vielleicht im Hintergrund laufen“, erklärt Edith. Täter könnten so Messenger-Nachrichten mitlesen oder den Standort der Expartnerin in Echtzeit überwachen. Sogar über geteilte Netflix-Konten oder Smartwatches ließen sich Bewegungsprofile erstellen.

Projektleiterin Miriam Ruhenstroth setzt dabei auf „Selbstermächtigung“, anstatt den Bewohnerinnen und ihren Kindern die Smartphones einfach wegzunehmen. „Das käme sonst einer Entmündigung gleich.“ In den Schulungen sollen die Fachkräfte vielmehr lernen, wie sie gemeinsam mit den Betroffenen Sicherheitslücken schließen, ohne die digitale Teilhabe zu zerstören.

Eine langfristige Zusammenarbeit

Die Initiative sieht darüber hinaus vor, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, das die Zusammenarbeit relevanter Institutionen erleichtert. Für dieses Jahr ist eine Förderung in Höhe von 383.000 Euro vorgesehen. Zunächst soll das Projekt bis Ende 2027 laufen, mit Option auf Verlängerung. Die werde es dann hoffentlich auch geben, stellt Gleichstellungssenatorin Canel Kiziltepe eine langfristige Zusammenarbeit in Aussicht.

Doch während Berlin investiert, wächst der Druck auf der Bundesebene. Josephine Ballon, Geschäftsführerin der Menschenrechtsorganisation HateAid, warnte etwa vor den Kürzungen des Förderprogramms „Demokratie leben“: „Die Beratungszahlen steigen und trotzdem wird bei uns ab dem nächsten Jahr die Förderung für unsere Betroffenenberatung wegfallen.“ Sie bedankt sich dafür, dass es in Berlin einen politischen Willen zur Unterstützung von Betroffenen gebe.

Hürden bei der Polizei

Die Strafverfolgung bleibt ebenfalls ein Problem. Laut Frauenhausmitarbeiterin Edith berichteten Betroffene immer wieder von Beamten, die eine mögliche digitale Überwachung nach einer Trennung als „Verfolgungswahn“ abtäten. Auch technische Hürden erschwerten die Anzeige: In Berliner Polizeidienststellen könnten entscheidende Beweise oft nicht digital eingereicht werden. „In einem Fall wurde eine Betroffene gebeten, Screenshots auf CD zu brennen, weil man einen USB-Stick nicht anstecken dürfe“, kritisiert Ballon etwa.

Dabei sei laut HateAid-Geschäftsführerin Ballon das LKA Berlin in Fällen im digitalen Raum einigermaßen fit. In anderen Teilen der Polizei gebe es jedoch eine mangelnde Sensibilisierung. Kiziltepe beruft sich auf Nachfrage darauf, dass das nicht in ihr Ressort falle. „Nichtsdestotrotz sprechen wir natürlich im gesamten Senat über das Thema.“

Projektleiterin Ruhenstroth sagte, das Interesse der Polizei sei „schon an uns herangetragen worden“. Für dieses Projekt seien Schulungen von Polizeibeamten „nicht akut vorgesehen“, aber perspektivisch möglich.

*Name von der Redaktion geändert

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