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Luftwaffenübung am Flughafen LübeckBundeswehr übt beim AfD-Freund

Die Luftwaffe trainiert am Flughafen Lübeck Starts und Landungen mit Kampfjets. Wie viel die Armee dem AfD-nahen Eigentümer dafür zahlt, bleibt unklar.

Kampfjet statt Linienflieger nach Mallorca: Am Flughafen Lübeck übt die Luftwaffe seit Montag Foto: Marcus Brandt/dpa

Mit einem Donnern sind am Flughafen Lübeck am Montagmorgen fünf Kampfjets gelandet – zu Trainingszwecken. Bis Freitag findet an dem Regionalflughafen eine Bundeswehrübung statt. Daran sind fünf Flugzeuge des Typs „Eurofighter“ und 50 Sol­da­t*in­nen aus einem Luftwaffenstützpunkt in Laage in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt.

Um kurz nach 10 Uhr seien die ersten Maschinen gelandet, sagte die Flughafensprecherin Stefanie Eggers der Deutschen Presse-Agentur am Montag. „Dispersed Operations“, also „verteilte Operationen“, nennt die Bundeswehr die Übung. Der Begriff bezeichnet ein militärisches Konzept, auf das die NATO setzen will: flexibel von vielen kleinen Orten aus zu operieren, statt nur auf zentrale Hauptstützpunkte zu setzen.

Für die Übung in Lübeck arbeite die Bundeswehr eng mit dem Flughafen zusammen. Es gehe nicht nur darum, „Verteidigungsfähigkeit im Bündnisfall“ zu trainieren, so die Bundeswehr, sondern auch darum, „die Zusammenarbeit mit zivilen Einrichtungen zu stärken“. Die Flughafensprecherin Eggers sagt, für den Flughafen sei die Übung ein guter Test, um zu sehen, wie gut man schon für solche Aufgaben gerüstet sei und wo man noch besser werden müsste.

Dass die Bundeswehr zivile Infrastruktur für Übungen nutzt, ist nicht neu. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine 2022 setzt Deutschland verstärkt auf „zivil-militärische Zusammenarbeit“ und begründet das mit einer verstärkten sicherheitspolitischen Bedrohung durch Russland. So trainierte die Bundeswehr etwa im Herbst 2025 in Hamburg bei der Übung „Red Storm Bravo“ den „Ernstfall“ mehrere Tage lang im Großstadtalltag mit zivilen Organisationen anstatt auf einem umzäunten Truppenübungsplatz.

Wie viel Geld bekommt er jetzt dafür, dass er der Bundeswehr sein Rollfeld zur Verfügung stellt?

Und immer wieder nutzt die Bundeswehr für Übungen zivile Transportinfrastruktur wie Flughäfen. Oft sind es kleinere Flughäfen, von denen wie in Lübeck nur wenige Passagierflüge abgehen. Im Oktober 2025 trainierte die Luftwaffe zuletzt etwa am Flughafen Münster/Osnabrück und Bremen. Dafür, am Flughafen Lübeck zu trainieren, sprächen „mehrere Faktoren, welche im Einzelnen verständlicherweise nicht näher erläutert werden können“, so eine Sprecherin der Luftwaffe auf taz-Anfrage. In einer Pressemitteilung schreibt die Bundeswehr, Lübeck sei ein „logistischer Knotenpunkt für die NATO in Europa“.

Der zivile Flugverkehr soll in Lübeck durch die einwöchige Übung nicht gestört werden. Die fünf Kampfjets sollen in den kommenden Tagen jeweils einmal vormittags und einmal nachmittags vom Rollfeld starten, sagte die Flughafensprecherin. Sie würden in den normalen Flugplan integriert.

Hat schon an die AfD gespendet: Flughafenbesitzer Winfried Stöcker Foto: Jörg Carstensen/dpa

In der Vergangenheit war der Flughafen mehrfach wegen seines Eigentümers, dem Unternehmer Winfried Stöcker, in die Schlagzeilen geraten. Stöcker hat den Flughafen 2016 gekauft und ist schon mehrfach wegen rassistischer und sexistischer Aussagen sowie seiner Unterstützung für die AfD aufgefallen. So ließ er vor der Bundestagswahl 2025 Briefe mit Wahlwerbung für die AfD mit dem Logo des Flughafens an Lü­be­cke­r*in­nen verteilen. Zudem hat er in Millionenhöhe an die Partei gespendet.

Wie viel Geld bekommt er jetzt dafür, dass er der Bundeswehr sein Rollfeld zur Verfügung stellt? Eine entsprechende taz-Anfrage beantwortet der Flughafen bis Redaktionsschluss nicht. Das schleswig-holsteinische Innenministerium verweist an die Bundeswehr. Eine Sprecherin der Luftwaffe schreibt, dass die Nutzung ziviler Infrastruktur mit den jeweiligen Betrieben abgestimmt werde. „Dabei können Kosten entstehen, etwa für bereitgestellte Leistungen oder betriebliche Anpassungen.“ Zahlen nennt sie nicht.

Ein örtliches „Friedensbündnis“ aus Parteien, Verbänden und Privatpersonen kritisiert in einem offenen Brief an den Lübecker Bürgermeister, dass die Übung ein erhöhtes Risiko für An­woh­ne­r*in­nen und für den zivilen Luftverkehr darstelle. Es hat für die kommenden Tage eine Mahnwache gegen die Militärübung angekündigt.

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