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„Artemis 2“ erfolgreich gestartetEin Zeichen der Stärke

In Florida sind vier Astronauten erfolgreich zum Mond gestartet. Es ist die erste Mission seit einem halben Jahrhundert.

Das ist Geopolitik im Weltall. Mit dem erfolgreichen Start der „Artemis 2“ haben die USA eine neue Ära begründet Foto: Jennifer Briggs/Zuma Press Wire/dpa

afp | Ein Flug „für die gesamte Menschheit“: Nach mehr als 50 Jahren haben sich mit der historischen Mission „Artemis 2“ wieder Astronauten auf den Weg zum Mond gemacht. Die Trägerrakete SLS mit vier Astronauten an Bord der Raumkapsel Orion hob am frühen Mittwochabend gegen 18.35 Uhr (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida ab. Sie erreichte Minuten später wie geplant eine Erdumlaufbahn. US-Präsident Donald Trump lobte die Astronauten.

Bei der zehntägigen Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist eine Umrundung des Erdtrabanten geplant, eine Mondlandung ist nicht Teil von „Artemis 2“. Die Nasa strebt eine Landung auf dem Mond für das Jahr 2028 an. „Artemis 2“ soll dafür die Voraussetzungen schaffen.

So soll die Crew – die US-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen – bei der Umrundung des Mondes auch dessen Südpol für eine künftige Mondlandung auskundschaften. Auf der Rückseite des Mondes wird der Kontakt zur Bodenkontrolle für kurze Zeit unterbrochen sein. Die Crew wird dann weiter von der Erde entfernt sein als jemals Astronauten zuvor.

Am Kennedy Space Center brach Jubel bei Nasa-Mitarbeitern wie auch bei Schaulustigen aus, als die 98 Meter hohe Trägerrakete SLS (Space Launch System) abhob. „Wir fliegen zum Mond!“, schrie ein Zuschauer. Rund acht Minuten nach dem Start trennte sich die erste Raketenstufe von der Raumkapsel. Zuvor hatten sich bereits die beiden sogenannten Booster von der Rakete getrennt.

Eine neue Ära im All

Nach dem Start lobte US-Präsident Donald Trump „unsere mutigen Astronauten“. In einer Ansprache an die Nation zum Irankrieg nannte der US-Präsident den erfolgreichen Start der Mission „Artemis 2“ „ganz schön beeindruckend“.

Die Astronauten meldeten sich aus der Raumkapsel. „Wir haben einen schönen Mondaufgang“, sagte Wiseman, der Kommandant der Mission. „Wir steuern direkt darauf zu“, fügte der 50-Jährige hinzu. Glover bedankte sich beim Nasa-Kontrollzentrum in Houston. „Toll, mit euch zu fliegen, Houston“, sagte er und fügte hinzu: „Schönes Gefährt.“

Vor dem Start hatte der kanadische Astronaut Hansen gesagt: „Wir fliegen für die gesamte Menschheit.“ Die für den Start verantwortliche Nasa-Direktorin Charlie Blackwell-Thompson wünschte den Astronauten alles Gute für die Mission: „Auf dieser historischen Mission begleiten euch die Herzen des Artemis-Teams, der wagemutige Geist der Amerikaner und unserer Partner in aller Welt, und die Hoffnungen und Träume einer neuen Generation.“

Eine 384.000 Kilometer weite Reise zum Mond

Nasa-Chef Jared Isaacman versicherte nach dem Start, die Astronauten seien „sicher, sie sind wohlauf und in bester Stimmung“. Er betonte außerdem die historische Bedeutung des Starts: „Die Nasa ist wieder zurück im Geschäft, Menschen zum Mond zu schicken.“

Die Besatzung begann in der Erdumlaufbahn damit, einige Tests vornehmen, um sicherzugehen, dass auf der 384.000 Kilometer weiten Reise zum Mond alles funktioniert. Dabei kommt auch Technologie aus Deutschland zum Einsatz. Danach soll die Kapsel die Erdumlaufbahn verlassen und Kurs auf den Mond nehmen. Auf dem Weg dahin soll die Crew weitere Tests und Experimente vornehmen. Bei der Rückkehr zur Erde soll die Orion-Raumkapsel vor der kalifornischen Küste im Pazifik landen.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer bezeichnete „Artemis 2“ als „Beginn einer neuen Ära“. Die Europäer seien „ein großer Teil dieser Mission, und unser Beitrag wird langfristig auch Europäer zum Mond bringen“, sagte er vor dem Raketenstart am Kennedy Space Center der Nachrichtenagentur AFP.

Eine Frau, drei Männer

Das Artemis-Programm wurde während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump gestartet. Ziel ist eine dauerhafte Präsenz von Menschen auf dem Mond und die Vorbereitung späterer Missionen zum viel weiter entfernten Mars. Bei der Mission „Artemis 1“ hatte 2022 ein unbemanntes Raumschiff den Mond umrundet.

Nach jahrelangen Vorbereitungen sollte „Artemis 2“ ursprünglich im Februar starten, wegen technischer Probleme verzögerte sich dies jedoch. Experten zweifeln auch an dem Nasa-Ziel einer Mondlandung im Jahr 2028.

Bei „Artemis 2“ nehmen erstmals eine Frau, ein Schwarzer und ein Kanadier an einer Mondmission teil. Pilot der Orion-Kapsel ist der 49-jährige Glover, der als erster nichtweißer Mensch für eine Mondmission ausgewählt wurde. Seine Kollegin Koch soll als erste Frau überhaupt zu dem Erdtrabanten fliegen. Der Kanadier Hansen ist der erste Astronaut bei einer Mondmission, der nicht aus den USA stammt.

Zuletzt waren US-Astronauten 1972 mit „Apollo 17“ auf dem Mond gelandet. Danach wurde das kostspielige Programm eingestellt. Der Konkurrent China plant für 2030 eine Mondlandung.

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