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Schwarzmalerei des MittelstandesWer für die Krise zahlt

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Die Wirtschaft klagt gern über die schlechte Lage. Doch dahinter stecken Interessen und eine durchsichtige Agenda.

E ines hat zu Jahresende in der Tat noch Hochkonjunktur: die Klagen über die Lage der deutschen Wirtschaft. So meldete sich jetzt auch der Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft zu Wort: Laut eigener Umfrage würden acht von zehn Mittelständlern für 2025 mit einem beschleunigten Schrumpfen der Wirtschaft rechnen. Doch so prekär die Lage auch ist, sollte nicht vergessen werden, dass manche Klagen besonders laut sind, weil dahinter eine Agenda steckt.

Die Wirtschaftsleistung ist 2024 vermutlich das zweite Mal in Folge geschrumpft, die Industrie gerät in eine strukturelle Krise, deutsche Unternehmen drohen international den Anschluss zu verlieren, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Ohne Zweifel ist die Konjunktur gerade nicht die beste. Dass dagegen etwas gemacht werden muss, steht außer Frage.

Trotzdem sollte etwa dem Mittelstand nicht alles geglaubt werden. So klagt er nicht nur über die angeblich schlechte Geschäftslage, sondern auch über Arbeitskräftemangel. Beides passt aber nicht zusammen. Wenn die Situation tatsächlich so schlecht wäre, würden sich die Unternehmen nicht darum sorgen, woher sie neue Angestellte bekommen. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Lobbyverband bewusst übertreibt, um den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Solche Strategien sind nicht neu. Der Autobauer VW zahlte seinen Aktionären für 2023 noch eine Milliardendividende und versuchte wenige Monate später wegen der Absatzflaute Massenentlassungen, Werksschließungen sowie Lohnkürzungen durchzusetzen und die Macht von IG Metall und Betriebsrat zu brechen. Und auch die Mittelstandslobbyisten wollen eine Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik haben, die in längere und flexiblere Arbeitszeiten und Sozialabbau besteht. Schließlich forderten sie von der Ampel kurz vor ihrem Aus noch die Umsetzung von Lindners neoliberaler Giftliste.

Denn letztlich geht es in dieser wie in jeder anderen Krise auch immer um eine Frage: Wer zahlt für die Krise? Und die Wirtschaftslobby will da mal wieder die Zeche prellen und die Beschäftigten die Rechnung zahlen lassen.

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Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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3 Kommentare

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  • "Denn letztlich geht es in dieser wie in jeder anderen Krise auch immer um eine Frage: Wer zahlt für die Krise? Und die Wirtschaftslobby will da mal wieder die Zeche prellen und die Beschäftigten die Rechnung zahlen lassen."

    Und genau so wird es kommen, wenn Merz regiert. Der steht auch drauf, dem kleinen Beschäftigten die Kohle aus der Tasche zu ziehen, um diese seinen Buddies aus dem "Mittelstand" zukommen zu lassen.

    Damit das nicht so auffällt, wird jeden Tag eine neue populistische Sau durchs Mediendorf getrieben, siehe Linnemann.

    • @Lahmarsch:

      Der Aktienhandel an der Börse sagt mir, dass es keine Krise gibt. Das Gejammer ist politisch motoviert und wird von den Mediien unterstützt. Es ist Absicht den Zuspruch zu Union zu erhöhen.

  • Mit Merz & Co. wird es auch nicht besser...