talkshow: Unter Kameraden
Acht mutmaßliche Rechtsterroristen wurden am Dienstag bei Razzien in Sachsen festgenommen. Ein Foto, das der taz vorliegt, zeigt fünf von ihnen mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke
Von Jean-Philipp Baeck, Anne Fromm, Konrad Litschko und Johannes Grunert
Die Stimmung scheint bestens zu sein. Björn Höcke, der Chef der Thüringer AfD, posiert in der Mitte des Fotos, um ihn herum steht rund ein Dutzend gut gelaunter junger Leute. Höcke strahlt, andere strahlen mit. Einige halten ein Transparent: „Junge Alternative Sachsen“. Was auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, dafür jetzt umso brisanter wird:fünf Männer, die Höcke auf diesem Bild umringen, sollen zu dieser Zeit einer rechtsextremen Terrorgruppe angehört haben.
Am Dienstag sind bei Razzien in Sachsen acht mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen worden. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass sich die Männer militant auf den Kollaps der Gesellschaft vorbereitet haben. Nach dem „Tag X“ wollten sie offenbar eine Gesellschaft nach nationalsozialistischem Vorbild durchsetzen, sie hätten „ethnische Säuberungen“ geplant und den Häuserkampf trainiert. „Sächsische Separatisten“ soll sich die Gruppe genannt haben. Gegen sieben der acht Festgenommenen wurden Haftbefehle erlassen. Der achte Mann wurde in Polen festgenommen und soll nach Deutschland ausgeliefert werden.
Dass ein Teil der Männer AfD-Politiker war, ist bereits bekannt. Drei von ihnen waren lokale Funktionsträger. Die AfD hat beschlossen, die Männer aus der Partei auszuschließen. Die Fotos mit Björn Höcke, die der taz nun vorliegen, zeigen, dass noch mehr der Festgenommenen Verbindungen zur AfD und deren Jugendorganisation Junge Alternative hatten. Entstanden sind die Bilder offenbar am 21. Mai 2022 in Grimma. Der Generalbundesanwalt geht davon aus, dass die „Separatisten“-Vereinigung etwa eineinhalb Jahre zuvor, im November 2020, gegründet wurde.
Die taz konnte mit der Person sprechen, die die Bilder aufgenommen hat. Demnach hatte die AfD anlässlich der Landratswahl ein Fest auf dem Marktplatz organisiert: Bierbänke, 150 Gäste, tosender Applaus für Höcke. Im Anschluss hätte sich eine Gruppe der Jungen Alternative Sachsen (JA) für Fotos um ihn geschart.
Fünf Männer aus der Gruppe um Höcke wurden nun wegen des Verdachts auf Rechtsterrorismus festgenommen: der AfD-Lokalpolitiker Kurt Hättasch, Karl K. und die Brüder Jörn und Jörg S., und Hans-Georg Pförtsch.
Auf Anfrage der taz hat Höckes Büroleiter erklärt, Björn Höcke kenne weder die entsprechenden Personen, noch stehe er in irgendeiner Beziehung zu ihnen. Nach Recherchen der taz bestehen bei den verdächtigen Männern noch weitere Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Fotos zeigen den festgenommenen Hans-Georg Pförtsch auf einer Demonstration der Neonazipartei Der III. Weg im Jahr 2019 in Plauen, im Partei-T-Shirt. Der Dresdner Pförtsch war nach taz-Recherchen polizeibekannt. Er stand mehrfach in Leipzig vor Gericht: im Herbst 2020 und 2021 wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, im April 2022 wegen Volksverhetzung.
Beim ersten Verfahren wurde Pförtsch freigesprochen, das zweite wurde eingestellt. Für die AfD war er kurzzeitig Leipziger Stadtbezirksrat. Fotos zeigen ihn ab 2015 bei rechtsextremen Events in Leipzig, Chemnitz und im Landkreis Zwickau – bei Legida, dem Compact Magazin, der Identitären Bewegung.
Sein Parteikollege Kurt Hättasch, der ebenfalls am Dienstag festgenommen wurde, hatte im Sommer an einer Sonnenwendfeier in Strahwalde teilgenommen, auf der sich AfD-Politiker und Mitglieder der Jungen Alternative mit teils militanten Neonazis getroffen und den Nationalsozialismus verherrlicht hatten.
Hättasch saß seit 2024 im Stadtrat von Grimma. Erst Ende Oktober war er zum Schatzmeister der Jungen Alternative Sachsen gewählt worden. Zudem soll er für einen AfD-Landtagsabgeordneten gearbeitet haben.
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