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Neue EU-Regel zu einheitlichen KabelnVon Ladekabeln lernen

Kommentar von

Svenja Bergt

Endlich hat die Ladekabelschwemme ein Ende. Die Neuregelung zeigt auch für andere Bereiche: Selbstverpflichtungen der Industrie bringen gar nichts.

E ndlich ist das Ende greifbar. Das Ende der Ladekabelverschwendung, bei dem jedes Elektronikgerät – Smartphone, Tablet, kabellose Kopfhörer, Kamera, Notebook, E-Reader und alles Weitere – mit einem unterschiedlichen Anschluss fürs Aufladen daherkommen konnte. Maximal Schubladen füllend, maximal Müllberge produzierend, maximal unöko.

Der finale Beschluss des EU-Parlaments am Dienstag, mit dem der USB-C-Anschluss als Standard gesetzt wird, ist aber nicht nur inhaltlich überfällig, sondern auch ein Signal an die Wirtschaft: Ja, wir können auch Regeln. Auch vermeintlich unbequeme. Das ist wichtig, gerade in Zeiten, in denen mitunter untergeht, dass eigentlich Po­li­ti­ke­r:in­nen dafür da sind, Gesetze zu machen, und nicht Lobbyist:innen.

Die Entscheidung ist auch ein Eingeständnis, dass man die Jahre vorher deutlich zu sanft mit den Herstellern umgegangen ist. Mittels freiwilliger Selbstverpflichtung hatte die EU zunächst versucht, die Kabelschwemme einzudämmen – und war gescheitert. Andere Politikbereiche – Grüße etwa an die Agrar- und Ver­brau­cher­schutz­po­li­ti­ke­r:in­nen – sollten sich das ganz genau merken: Freiwillige Selbstverpflichtungen sind vor allem eine Greenwashing-Steilvorlage für die betroffene Industrie. Und führen nebenbei auch Politik ad adsurdum. Entweder es braucht in einem Bereich Regeln, dann ist ein Gesetz nötig. Oder es braucht keine Regeln, dann kann man das aber mit der Selbstverpflichtung auch lassen.

Ist also jetzt alles super, zumindest im Ladekabelsektor? Wo in dem Gesetz sogar drinsteht, dass ein europäischer Standard für das kabellose Laden, was absehbar in ein paar Jahren verbreitet sein wird, unkompliziert gesetzt werden kann, ganz ohne das ganze Prozedere noch einmal zu absolvieren? Leider nicht. Denn die neuen Regeln haben einen Haken: Sie geben den Herstellern eine 24-monatige Übergangsfrist, für Notebooks werden es sogar 40 Monate sein. Ein letztes überflüssiges Pampern der Industrie. Vor allem Apple darf so noch mal das Maximum rausholen aus seinem Lightning-Patent. Zulasten von Ver­brau­che­r:in­nen und Umwelt.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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6 Kommentare

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  • Jaja und Nein-Nein.



    Was die Redakteurin nicht zu wissen scheint: der Lightning-Anschluss war jahrelang technologisch überlegen.



    Spezifikationen wie auch die erste USB-C hatten Lücken, dadurch gab es bei äusserer Gleichheit innere Inkompatibilitäten.



    Ist halt alles nicht so einfach.



    Man darf eines nicht vergessen - Normierung beschränkt Wettbewerb und verhindert manchmal Fortschritt.



    Ist halt alles nicht so einfach!

  • Längst überfällig. Die "freiwilligen Selbstverpflichtungen" der Industrie waren schon immer Augenwischerei.



    Aktuell wünsche ich mir eine alte Regelung wieder, die leider abgeschafft wurde: vorgegebene Packungsgrößen bei Lebensmitteln. Auch da sieht man, wie die Industrie ihre Freiheiten missbraucht und Verbraucher, entschuldigung, verarscht.



    Man kann Dinge "überregeln", man kann es aber auch sinnvoll tun. Sinnvoll ist es immer da, wo Verbraucher abgezockt oder irregeführt werden.

  • Das ist doch keine neue Erkenntnis, dass Selbstverpflichtungen der Industrie alleine nichts bringen.

    Das war schon beim Katalysator bei den Autos so, vielen Sicherheitsstandards und ist in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens ebenso der Fall.

  • Die Regelung kommt zu einem Zeitpunkt wo kabelgebundenes Laden bald der Vergangenheit angehören wird. Typisch für alle Reglementierungen in diesem Bereich ist die Politik der Entwicklung wieder Jahre hinterher. Wenn das ab 2024 greift wird kaum noch ein Hersteller überhaupt Ladekabel für neue Produkte mehr verwenden.

    • @Šarru-kīnu:

      Vielleicht werden sie auch einfach die USB-C-Anschlüsse verbauen und gut is. Kontaktloses Laden hat immer noch große Ladeverluste und ist damit keine Ideallösung.

      • @CarlaPhilippa:

        Ich gehe jede Wette dass das Iphone16 welches das dann ja wohl hauptsächlich betreffen würde 2024 ganz ohne Anschluss kommt. Im Macbook sind ja schon USB-C Anschlüsse drin. Bleibt eigentlich nur noch das iPad und auch da sehe ich eher ein komplettes Weglassen des Anschlusses kommen.