petition der woche

Sollte der 5G-Ausbau in Berlin erst mal gestoppt werden?

Anlass der Petition Ausbau des 5G-Netzes in Berlin

Das wollen die Initiatoren Den vorläufigen Stopp des Ausbaus

Das wollen sie nicht Zu Versuchs-kaninchen werden

Ultraschnell und überall, Internet für alle. Das verspricht 5G, die neueste Technologie im Mobilfunk. Für Skeptiker jedoch ist 5G echtes Albtraummaterial. Denn noch ist nicht hinreichend geklärt, welche Risiken diese neue Technologie mit sich bringt.

In Berlin will die Deutsche Telekom demnächst 5G-Netze in Betrieb nehmen und für ihre Kunden öffnen. Bisher wurde dieses lediglich geschlossen getestet. Doch besorgte BerlinerInnen wehren sich jetzt. Jannyn Sass hat auf openpetition.org eine Petition gestartet, mit der sie verhindern will, dass sie und ihre MitbürgerInnen zu Versuchskaninchen eines Massenexperimentes werden.

Dass in anderen Städten wie Genf oder Brüssel der Ausbau von 5G gestoppt wurde, weil man zunächst auf konkrete Werte und Einschätzungen aus der Wissenschaft warten wollte, alarmierte Sass. ,,Kein 5G für Berlin ohne Prüfung auf gesundheitliche Risiken“ ist der Titel ihrer Anfang Juli gestarteten Petition.

Funktechnologien zur drahtlosen Kommunikation und Datenübertragung funktionieren über sogenannte hochfrequente elektromagnetische Felder. Mit 5G käme zu den bisherigen Mobilfunknetzen 4G und 3G zunächst ein weiteres Netz dazu. Die damit zunehmende Mobilfunkstrahlung könne zu einer noch höheren Strahlungsbelastung führen, fürchtet die Initiatorin. Warum solle ausgerechnet die Stadt, in der ihre Kinder aufwachsen, zum Testfeld einer Technologie werden, deren Auswirkungen und Langzeitfolgen bisher noch ungeklärt sind?

Die deutsche Regierung und die EU-Kommission richten sich beim Thema Mobilfunk nach den Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung und der WHO. Deren Zentrum für Krebsforschung stufte 2011 Mobilfunk zwar als ,,möglicherweise krebserregend“ ein, doch unkonkreter ließ es sich wohl kaum formulieren.

Wie für alles, was durch zu häufigen Konsum gesundheitsschädliche Auswirkungen haben könnte, gelten auch für elektromagnetische Strahlung Grenzwerte. Deutschland hält sich hier an empfohlene Grenzwerte des Bundesamts für Strahlenschutz. Diese Grenzwerte sind von 1998.

Seitdem gab es in wissenschaftlichen Studien mit Versuchen an Tieren Hinweise darauf, dass Mobilfunkstrahlung sogar bei Einhaltung der Grenzwerte gesundheitsschädlich ist. Andere Studien dementieren das.

Jannyn Sass hat neben dem Alter der Grenzwerte noch ein anderes Problem: Bei Mobilfunkstrahlung sei es kaum möglich, seinen Konsum selbstständig zu regulieren. Man könne sich den Netzen schließlich schwer entziehen, sagt Sass. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz gibt lediglich Tipps zum Umgang mit eigenen Geräten. Da man mögliche Schäden nicht ausschließen könne, solle man vorsorglich darauf achten, sein Mobiltelefon nicht zu nah am Körper tragen.

Nicht nur Jannyn Sass ist das alles zu vage: In einem internationalen Appell fordern Wissenschaftler, Ärzte, Umweltorganisationen und Bürger den vorläufigen Stopp des 5G-Ausbaus, solange es keine Klarheit über die Auswirkungen der Strahlungsbelastung gibt. Mehr als 100.000 Menschen haben den Appell bereits unterzeichnet. Sass’ Petition steuert 353 Unterschriften bei.

Eleonore Grahovac