: "Tod mit Ansage"
Mahnwache Erinnerung an den Tod von Laye Condé durch Brechmittel-Folter am 7.1.2005
47, ist Soziologe und bei der „Initiative in Gedenken an Laye-Alama Condé“, die sich nach dem Tod von Condé am 7. 1. 2005 gründete.
taz: Herr Mörchen, vor elf Jahren starb Laye Condé durch Brechmittel-Folter in Gewahrsam der Bremer Polizei. Sie wollen ein Denkmal. Wie ist der Stand?
Volker Mörchen: Mit zwei Bremer Künstlerlnnen haben wir der Kulturbehörde und dem Beirat einen umfangreichen Entwurf vorgelegt. Wir sprechen übrigens statt von Denkmal von einem Gedenkort, da es nicht um die Würdigung der Lebensleistung einer einzelnen Person geht. Die Brechmittelfolter war kein individueller Gewaltexzess, sondern gewollte Politik, mit Rechtsprechung und ärztlichem Handeln in über 1.000 Fällen.
Schon letztes Jahr war ein Gedenk-Standort gegenüber der Kunsthalle im Gespräch...
Die Debatte darüber ist ins Stocken geraten. Vor der Wahl im Mai 2015 war über unseren Antrag nicht mehr entschieden worden, nach der Wahl mussten sich die Gremien erst mal neu aufstellen.
Wie sieht Ihr Entwurf aus?
Neben einer Gedenktafel sind es vier Stühle in einer Runde, von denen einer umgekippt ist. Dazu sollen acht Audiospuren auf einem Abspielgerät über die Hintergründe informieren. Bei unserer heutigen Gedenkveranstaltung werden wir eine Skizze vorstellen und zwei SchauspielerInnen des Theater Bremen aus dem Material vortragen.
Meinen Sie, Ihr Vorschlag ist mehrheitsfähig?
Wir haben uns bemüht, die Texte konsensfähig zu formulieren: Die Fakten sprechen für sich. Die Landeszentrale für politische Bildung soll mit ins Boot. Wir hoffen auf eine breite Diskussion.
Kritiker stört, dass an einen Dealer erinnert werden soll.
Man darf das Recht auf Leben nicht infrage stellen, egal was jemand gemacht haben mag. Laye Condé wurde nicht verurteilt, es gibt keine Hinweise darauf, dass er jemals Drogen verkauft hat, auch wenn er es vermutlich vorhatte. Die Wirkung der Brechmittelvergabe war bekannt, Condés Tod ein Tod mit Ansage. Der Gedenkort soll mahnen, dass staatliches Handeln immer wieder kritisch begleitet werden muss.
Müsste es keine öffentliche Ausschreibung geben?
Dafür wären wir total offen: Es würde bedeuten, dass die Stadt sich grundsätzlich zu einem Gedenkort bekennt. Gerade läuft es andersherum: Wir treten mit unserem Entwurf in Vorleistung.Interview:jpb
17 Uhr, Goetheplatz
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