Kommentar Südafrikas Männer-Debatte: Gegen die alten Patriarchen
Der Präsident hat noch nicht begriffen, dass sein Potenzgeprotze nicht mehr unangefochten toleriert wird.
Am 2. Februar 1990 hob Südafrikas weiße Minderheitsregierung das Verbot des ANC auf. Am 2. Februar 2010 beherrschen Schlagzeilen über Präsident Jacob Zumas geheimes Baby per Liaison mit der Tochter des Chefs von Südafrikas WM-Komitee Südafrikas Zeitungen.
Damals ging es um die politische Grundordnung. Heute geht es um das Verhalten des Einzelnen. Damals kämpfte Südafrikas Befreiungsbewegung für gleiche Rechte für alle. Heute nehmen immer mehr Südafrikaner Anstoß an den Privilegien der Oberschicht. Präsident Zuma symbolisiert für viele einen Stil der Unverfrorenheit, bei dem man sich großzügig nimmt, was einem nach eigener Meinung zusteht: Geld aus staatlichen Geschäften, Dienstwagen zum Privatgebrauch, Subunternehmen mit Vorzugsbehandlung - und eben auch mal die eine oder andere Tochter eines mächtigen Freundes.
Für die Mehrheit bleibt diese Glitzerwelt unerreichbar, in der sich reiche Männer gegenseitig mit Frauen, Autos und Geld aushelfen. Viele streben danach. Aber die Debatten über des Präsidenten Privatleben sind selbst im ANC überraschend heftig. Wer sein Weltbild auf dem Kampf gegen Benachteiligung gründet, kann nicht einfach die patriarchalische Moral der Alten teilen, bei denen per Vielweiberei und ungeschütztem Sex Kinder in großer Zahl als lebender Beweis der Potenz des Vaters entstehen.
In der jungen Generation haben Aids-Aufklärung und Geschlechtergleichstellung beträchtliche Fortschritte ermöglicht. Zum Teil gleitet dies in religiös verbrämten Rigorismus ab. Doch insgesamt ist die Dominanz der alten Männer im ANC nicht mehr unangefochten. Dies hat Zuma, dessen unverkrampfter Stil ansonsten gut ankommt, nicht begriffen.
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