Kommentar Trauerfeier für Soldaten : Stolz als Bürgerpflicht
Und so haben beide Spitzenpolitiker die Trauerfeier hochprofessionell instrumentalisiert, um sich für ihre Politik zu rechtfertigen.
D ie Arbeitsteilung zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Angela Merkel auf der Trauerfeier für die getöteten deutschen Soldaten war eindeutig. Der Minister benutzt die Trauerfeier, um den Deutschen einmal mehr die Heldenverehrung nahezulegen. Seine Stimme vibriert gelegentlich, und dass der Feind den Karfreitag für den Anschlag wählte, das erschüttert ihn geradezu. Angesichts dieser Barbarei möchte der Minister Vorbild sein für die humanistische Erziehung.
Als eine seiner Töchter ihn fragte, so erzählt zu Guttenberg, ob die gefallenen Soldaten tapfer gewesen seien und ob auch sie stolz auf sie sein dürfe, da habe er ihr mit Ja geantwortet. "Nicht politisch", fügt er hinzu, "sondern einfach Ja." Dank dieses kryptischen Zusatzes soll der Zuhörer begreifen, dass er hier als Vater und nicht als Politiker gehandelt habe. Als deutscher Vater, der dem unschuldigen Wunsch seiner Tochter nachkommt, Hochachtung vor den Soldaten zu empfinden.
Und auch die anschließend sprechende Kanzlerin wirbt für eine persönliche Anteilnahme. Nichts könne die Empathie des Einzelnen ersetzen, mahnt sie. Im Gegensatz zu ihrem lustvoll in die Kitsch- und Nationalismuskiste greifenden Kollegen bleibt sie wie gewohnt zurückhaltend. Wohltuend ist auch, dass Merkel als Einzige neben den deutschen auch den gestorbenen afghanischen Soldaten Achtung zollt.
Doch dann kommt es: Man habe ja am Anfang nicht gedacht, dass der Afghanistaneinsatz so "schwierig" würde. Heute aber stehe sie "sehr bewusst" hinter dem Einsatz, versichert sie. Wer angenommen hat, man dürfe bei Merkels Entscheidungen zumindest Bewusstsein voraussetzen, erfährt jetzt, dass selbst das keine Selbstverständlichkeit für sie ist.
Und so haben beide Spitzenpolitiker die Trauerfeier hochprofessionell instrumentalisiert, um sich für ihre Politik zu rechtfertigen. Tote Soldaten sollen für die deutsche Öffentlichkeit kein Anlass sein, die verantwortliche Politik zu hinterfragen, sondern wir sollen uns endlich guten Gewissens in den Stolz auf unsere Krieger und unser Land fügen.
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