ARD-Doku über Rapper Xatar: Goldraub und Gefängnis
Die Doku-Serie „Ein Leben ist nicht genug“ zeugt von den Ambivalenzen und Auswirkungen des Rappers Xatar. Warum ihr das gut gelingt.
Xatar, bürgerlich Giwar Hajabi, tritt 2024 in der Elbphilharmonie auf: einem Ort, den man eher mit Oper als mit Gangsterrap verbindet. Schon sein Vater war in Iran Komponist und Musikprofessor: „Vielleicht hat ein Leben dafür nicht gereicht“, sagt er kurz vor dem Auftritt.
Ein Satz, der rückblickend wie das Zentrum der ARD-Dokumentation „Ein Leben ist nicht genug“ wirkt. Denn Hajabi starb im Mai 2025 mit nur 43 Jahren während der Dreharbeiten. Die Doku zeigt einen Mann, der alles wollte und dafür alles riskierte. Geboren als Sohn kurdischer Freiheitskämpfer, die in Iran inhaftiert waren, kam Hajabi nach Deutschland.
Während sein Vater überzeugt war, dass Kunst alles wäre, nahm Giwar wahr, wie die Armut seine Familie spaltete. „Mein Ziel war immer, dass meine Kinder darüber nachdenken können, Biologen zu werden“, erzählt er den Journalisten kurz vor seinem Elbphilharmonie-Auftritt.
Sein Weg dorthin führte ihn über Drogenhandel, Goldraub, Gefängnis und zum Rap. „Alles, was Giwar anpackt, wird zu Gold“, sagt sein Freund und Weggefährte Sami Abdel Hadi in der Dokumentation. Und sonst wird es eben gestohlen.
„Ein Leben ist nicht genug“, 3 Folgen, ARD Mediathek
Von den Ambivalenzen eines Lebens
Seine Texte sind vor allem früher teils gewaltverherrlichend und frauenverachtend. Sein Einfluss auf den Deutschrap ist dennoch klar. Unter anderem durch die Menschen, die er prägte: Wegbegleiter wie Schwesta Ewa oder SSIO zeigen, wie sehr Xatar andere mitriss.
Auch privat werden die Spuren deutlich, die er hinterlässt: vor allem an seiner Frau Farvah Hajabi, die trotz aller Schwierigkeiten an ihm festhielt. Die Doku schafft es, die Ambivalenzen seines Lebens und dessen Auswirkungen zu erzählen und zeichnet einen komplexen Menschen, dessen Größenwahn, Loyalität und Aufstiegswille eine ganze Szene geprägt haben.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert