Zweiradverbot in Autokinos: Wenn ich groß bin, werd ich Auto

Die Autokinos boomen, aber warum sind dort eigentlich keine Zweiräder erlaubt? Ein gescheiterter Selbstversuch in Aachen.

Zwei Frauen schauen einen Film im Autokino

In Coronazeiten feiern viele Autokinos ein Revival – Fahrradfahrer haben jedoch nichts zu lachen Foto: Ralph Lueger/imago

Wir möchten mit dem Fahrrad ins Autokino, Klappstuhl vielleicht dabei und ein Fläschlein Bier. In cineastischer Düsternis einen tollen Film genießen und gleichzeitig den Autolenkern zeigen: Schaut mal, selbst für ein Autokino braucht man kein Auto.

Denn warum sind die derzeit boomenden Open-Air-Kinos exklusiv für Blechkisten? Das ist Ex- statt Inklusion, ein Votum gegen die Verkehrswende. Die Website des Wuppertaler Veranstalters Cineplex Deutschland schließt Zweiräder sogar ausdrücklich aus. Warum, etwa auf dem riesigen Bendplatz in Aachen? Antwort per Mail: Das sei „eine Auflage des Ordnungsamtes und Bestandteil der Baugenehmigung“.

Unfug, sagt die Pressestelle der Stadt. Der Kinobetreiber habe „explizit um eine Erlaubnis gebeten, ein Autokino zu betreiben“. Von anderen Fahrzeugen sei keine Rede gewesen. Deshalb habe „das Ordnungsamt darüber nicht befunden“. Maßgebend ist die NRW-Coronaschutzverordnung.

Da waren am 17. April plötzlich Freiluftkinos aufgetaucht – direkt hinter dem Betriebsverbot von „Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen“ stand da: „Autokinos dürfen betrieben werden, wenn sichergestellt ist, dass die Besucher bei geschlossenen Fenstern, Sonnendächern, Verdecken usw. in ihren Autos verbleiben …“

Kein Grund gegen Fahrradbesuche

Nun steht aber auf der Cineplex-Website: „Autoscheiben dürfen ein paar Zentimeter geöffnet werden.“ Eine eigenmächtige Änderung, sinnvoll allerdings: Erstickungstod als Coronaschutz ist schließlich auch keine Lösung. Cineplex verweigert eine Erklärung. Das zuständige NRW-Gesundheitsamt bestätigt, der Autokino-Passus sei auf Begehr eines Betreibers entstanden.

„Ja, das hat sich wohl kaum ein Ministerium ausgedacht“, sagt eine Sprecherin. Sie wüsste aus Schutzgründen auch keinen Grund gegen Fahrradbesuche – genug Abstand zum Nachbarn ist ja vorgeschrieben.

Dann, am 11. Mai, die neueste Fassung der Lex Cinemalis Brummbrumm: Autokinos haben die Geschwister „Autotheater usw.“ bekommen, sind aus dem Puffumfeld in den Sektor Kultur verzogen. Das ist schön. Scheiben sind jetzt plötzlich egal, aber es bleibt bei geschlossenen Verdecken. Regenschirm übers Rad halten?

Eine Alternative wäre Berlin. Im Stadtteil Neukölln entsteht gerade ein Freiluftkino, zugucken darf man „auch vom Fahrrad oder Skateboard aus“. Im Juni geht es los. Da müssen wir aus Aachen bald schon losradeln.

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