Zulieferfabriken von Apple

Neues iPhone, alte Missstände

Überstunden, Unterbezahlung, Lohnverzug: Kritiker werfen Apple vor, die Versprechen für bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken nicht einzuhalten.

Fabrik in China: Etwa drei Prozent des Verkaufspreises eines iPhones kommt bei den Arbeitern als Lohn an. Bild: reuters

BERLIN taz | Muntere Farben, niedriger Preis: so kommt das neue iPhone 5c von Apple daher. Sein teueres Schwestermodell 5s in Gold macht einen seriösen Eindruck. Eine große Show war die Vorstellung der neuen Produkte, die der Konzern aus Kalifornien am Mittwoch in China wiederholte.

Über die Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken zu sprechen, vermieden die Manager jedoch. Schließlich deutet einiges daraufhin, dass Apple seine Versprechen zur Verbesserung der Zustände in den Fabriken immer noch an wichtigen Punkten bricht.

Nach Einschätzung von Experten werden die neuen iPhones unter anderem beim Zulieferer Pegatron in Shanghai gefertigt. Gegenüber dieser Firma hat die Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch unlängst schwere Vorwürfe erhoben. Demnach müssen die Beschäftigten dort bis zu 69 Stunden pro Woche arbeiten. Das chinesische Arbeitsgesetz erlaubt dagegen nur maximal 49 Stunden.

Der Lohn in der Größenordnung von 400 Euro monatlich reiche in einer Stadt wie Shanghai kaum, um die Grundbedürfnisse zu decken, argumentiert Li Qiang von China Labor Watch. Studenten, die während der Semesterferien dort arbeiteten, hätten zudem berichtet, Pegatron habe ihnen Lohn vorenthalten.

Hauptverantwortung liegt bei Apple

In Bezug auf den bisherigen Hauptzulieferer Foxconn hatte Apple versprochen, die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken bis Juli dieses Jahres entscheidend zu verbessern. Um das zu schaffen, beauftragte man die Fair Labor Organization aus den USA, einen Plan zu entwickeln. Trotz Forschritten erklärte aber auch diese Organisation in ihrem letzten Bericht vom Mai, dass die zulässige Arbeitszeit bei Foxconn teilweise deutlich überschritten werde.

Abhilfe wäre möglich

Die Hauptverantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen liegt bei Apple selbst. Der Konzern drückt Preise und Kosten der Zulieferer. Deren Gewinnmarge ist dünn. Apple selbst dagegen erwirtschaftet Gewinne in der Größenordnung 20 Prozent im Verhältnis zum Umsatz. Bei einzelnen Produkten wie den iPhones liegen sie nach Einschätzung von Kritikern wesentlich höher.

Nur etwa drei Prozent des Verkaufspreises eines iPhones kommt bei den Arbeitern als Lohnzahlung an, beispielsweise 15 von 500 Euro, für die ein Smartphone in Deutschland verkauft wird. Angesichts seiner hohen Gewinne und eines Polsters liquider Mittel in der Größenordnung von 150 Milliarden Dollar (etwa 120 Milliarden Euro) könnte Apple die Arbeitsbedingungen verbessern, ohne Schaden zu nehmen.

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