Zukunftspläne von Jugendlichen

Was will ich werden?

Sie beenden bald die Schule. Und dann? Ausbildung, Reisen, Studium? Wir haben junge Erwachsene zu ihren Plänen befragt.

Irgendwo da hinten liegt die Zukunft. Bild: Bengelsdorf/photocase.de

„Ich will forschen“

Natürlich habe ich mir schon Gedanken über meine Zukunft gemacht. Ich gehe ja in die 11. Klasse und mache bald Abitur. Danach möchte ich auf jeden Fall studieren. Am liebsten würde ich später forschen, ich sehe mich im Labor stehen und durch Mikroskope gucken. Deswegen will ich etwas in Richtung Biologie studieren.

Ich kann mir aber auch vorstellen, in die Landwirtschaft zu gehen, wie mein Vater. Das hat ja auch mit Biologie zu tun. Meine Mutter sagt manchmal, dass sie das nicht so gerne will. Aber ich glaube, sie macht nur Spaß. Meine Eltern haben beide nicht studiert. Mein Vater ist in seiner Familie in die Landwirtschaft hereingewachsen, meine Mutter ist gelernte Friseurin. Das war damals in der DDR wohl ein guter Beruf. Heute arbeitet sie in der Chemiebranche. Da macht sie aber jeden Tag dasselbe, darauf hätte ich keine Lust.

Meine Eltern unterstützen mich in meiner Entscheidung zu studieren. Ich soll aber auf jeden Fall etwas machen, womit man hinterher einen Job bekommt. Aber ich weiß ja auch nicht, wie der Arbeitsmarkt sein wird, wenn ich fertig bin mit dem Studium. Das weiß man ja vorher nie. Im Prinzip könnte ich alles machen, wo mir der Numerus clausus nicht im Weg steht. Es gibt viele Studienfächer, für die man heute extrem gute Noten braucht. Ärztin könnte ich wohl nicht werden. Aber ich will sowieso in Holland studieren, da gibt es keinen NC. Dort würde ich auch Bafög bekommen, in Deutschland nicht, weil meine Eltern zu viel verdienen. Außerdem gefallen mir die Menschen dort, die sind viel offener.

Manuela Schwesig ringt darum, Kind und Karriere zu vereinbaren. Nicht nur als Familienministerin. Warum sie trotz eines Kanzlerinnen-Rüffels immer noch an ihre Idee von der 32-Stunden-Woche glaubt, lesen Sie in der taz.am wochenende vom 21./22. Juni 2014. Außerdem: Bekommen wir bald Vollbeschäftigung? Ein Vater blickt in die Zukunft seines Sohnes. Und im sonntaz-Streit: Nordsee oder Ostsee? Am Kiosk, eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo.

Frieda Jäger, 17 Jahre, besucht die 11. Klasse eines Gymnasiums in Halle an der Saale

„Ich habe schon Angst“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir nie existenzielle Sorgen machen muss. Wenn man ambitioniert ist, kann man heute immer etwas finden. In den Nachrichten hört man ja, dass sie besonders für Ausbildungsberufe immer Leute suchen. Da bin ich optimistisch. Bei meiner Mutter war das anders, sie hat Abitur in der DDR der Wendezeit gemacht. Sie hatte eine unsichere Zukunft vor sich und konnte nicht das studieren, was sie eigentlich wollte. Mein Vater war gerade aus Litauen gekommen und konnte gar nicht studieren, weil sie so früh ein Kind bekommen haben. Ich habe schon in der Grundschule angefangen, leistungsorientiert zu arbeiten. Das kam vom Leistungssport, Eiskunstlauf.

Seit der Oberstufe beschäftige ich mich intensiv mit meiner Zukunft. Meine Mutter ist Berufsberaterin für Abiturienten, sie füttert mich mit Informationen. Dabei haben mich meine Eltern aber nie in eine bestimmte Richtung gedrängt. Sie haben sogar eher versucht, mich ein bisschen in meiner Leistungsfixiertheit zu bremsen. „Schalt mal nen Gang zurück“, hat mein Vater manchmal gesagt.

Ich habe in den letzten Jahren an mehreren praxisnahen Workshops zur Berufsorientierung teilgenommen, die junge Frauen in technische Berufe locken sollen. Bei mir hats funktioniert: Ich will Mechatronik studieren. Danach will ich Entwicklungsingenieurin werden, in der Forschung oder der freien Wirtschaft. An dem Beruf reizt mich, dass man kreativ sein und viel reisen kann. Ob ich damit glücklich werde, steht aber trotzdem noch in den Sternen. Ich habe schon Angst, dass ich trotz der ganzen Infos, die ich eingeholt habe, irgendwann merke, dass ich dem Studium nicht gewachsen bin. Noch mehr Angst habe ich aber, dass ich bisher noch gar nicht entdeckt haben könnte, wofür ich wirklich brenne.

Anna Cirtautas, 18 Jahre, hat gerade ihr Abitur an einem Gymnasium in Berlin gemacht

„Eintönig darf es nicht sein“

Ich denke ziemlich viel darüber nach, was ich mal werden will. Das ändert sich ständig. Für mich kommt diese Entscheidung auch früher als für die meisten anderen. Ich habe die erste Klasse übersprungen, weil ich schon lesen konnte.

Meine Mutter sagt, ich habe sie schon im Kindergarten angebettelt, mir das Lesen beizubringen. Da hat sie mir eine Buchstabentabelle aufgehängt. Heute hilft sie mir, indem sie naturwissenschaftliche Wettbewerbe und Workshops heraussucht, die mich interessieren könnten. Aber sie ist nicht so eine, die mich auf Erfolg trimmen will. Sie weiß einfach,dass ich mich für so was interessiere. Auch, wenn sie selber als Grundschullehrerin nicht so viel Ahnung davon hat.

Ich versuche, so viele Optionen wie möglich zu sammeln, damit ich mich dann entscheiden kann. Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, was ich mal machen will, hätte ich gesagt: „Irgendwas mit Sprachen." Dann habe ich mich ein wenig erkundigt und festgestellt, dass es in dem Bereich kaum Jobs gibt, in denen man einigermaßen anständig verdient. Heute weiß ich, dass es etwas mit Naturwissenschaften sein soll. Auf jeden Fall möchte ich ins Ausland gehen, das steht für mich fest. Und: Eintönig darf es nicht sein, das habe ich bei meinem Praktikum in der Buchhandlung gemerkt.

Carlotta Hellmann , 14 Jahre, besucht die 10. Klasse eines Gymnasiums in Horn-Bad Meinberg (NRW)

„Ich will Erfolg und Spaß“

Meine Eltern wollen beide, dass ihre Kinder erfolgreich sind. Mein Vater ist Ende der 1970er mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Danach hat er meine Mutter in der Türkei geheiratet und sie nach Deutschland geholt. Ich weiß gar nicht, ob sie Schulabschlüsse haben. Mein Vater arbeitet auf dem Bau, meine Mutter ist nach der fünften Klasse von der Schule abgegangen.

Meine älteren Brüder studieren schon beide. Ich wollte eigentlich Elektriker werden, aber meine Mutter meinte, ich soll lieber was anderes machen. Sie hat mich dann auf ein Praktikum bei einer Anwaltskanzlei gebracht. Seitdem steht für mich fest, dass ich Verkehrsanwalt werden will.

Dafür muss ich nach dem Mittleren Schulabschluss noch ans Gymnasium. Mit meinem Notendurchschnitt von 1,8 schaffe ich das bestimmt. Das sah aber nicht immer so aus. Ich war vorher an einer Schule, an der ich die Lehrer nicht mochte und sie mich auch nicht. Da hatte ich gar keine Lust aufs Lernen. An meiner jetzigen Schule fühle ich mich sehr wohl. Ich habe freiwillig eine Klasse wiederholt, der Unterricht macht mir hier sogar Spaß. Im Beruf will ich vor allem Erfolg haben und Spaß. Mein Kühlschrank soll immer voll sein. Und ich will in Deutschland bleiben. Es muss nicht unbedingt Berlin sein, aber hier bin ich aufgewachsen.

Emre Çam, 16 Jahre, besucht die 9. Klasse einer Integrierten Sekundarschule in Berlin

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