Ziviler Ungehorsam bei FFF in Berlin: Fridays jetzt radikal

Fridays for Future hat mit der Blockade der SPD einen lang umkämpften Schritt Richtung Zivilen Ungehorsam gemacht. Die Aufregung gibt ihnen Recht.

Demonstration rund ums Willy-Brandt-Haus

Die SPD ist eingekreist Foto: dpa

Mit bis zu 20.000 Teil­neh­me­r:in­nen gehörte die Demo zum Klimastreik von Fridays for Future am vergangenen Freitag in Berlin nicht zu ihren größten Mobilisierungen, was angesichts der kurzfristig angesetzten, lokal begrenzten Aktion weder eine Überraschung noch eine Enttäuschung war. Ein Meilenstein war es für die Bewegung dennoch.

Noch aus der Demo heraus entstand eine Blockade des Willy-Brandt-Hauses, später wurde auch die Parteizentrale der Grünen blockiert. Die streikenden Kids von FFF, die seit Jahren brav ihre Runden durch die Innenstädte drehen, sind damit einen Schritt der Zuspitzung weiter: Ziviler Ungehorsam, für andere Teile der Klimabewegung konstitutiv, kommt langsam an bei dem größten der Klimaschutzplayer.

Die Frage, wie radikal der Protest sein soll, ist seit langem eine der umstrittensten Strategiefragen bei den Fridays. Noch im August hatte sich der linkere, sprich radikalere Teil zusammen mit Akteuren wie Ende Gelände und der Interventionistischen Linken in Frankfurt versammelt, um den Normalablauf im Bankenviertel zu blockieren. Die medial präsenten Spitzen der Bewegung, die Bundesorga, hielt sich eher am Rande.

In Berlin dagegen waren sie nun in vorderster Reihe dabei: Luisa Neubauer giftete auf der Blockade gegen die SPD, Carla Reemtsma forderte am Tag des Streiks in der taz eine „Radikalisierung der Aktionsformen“. Angesichts einer sich anbahnenden neuen Bundesregierung, die absehbar die letzte Chance vergeigt, Deutschland auf den 1,5-Grad-Pfad zu bringen, scheint der Schritt nur logisch.

Druck von der Basis

Daneben war der Druck der Basis groß, sich hier endlich zu bewegen. Die Aktionstage des neuen, von Ende Gelände angestoßenen Bündnisses Gerechtigkeit Jetzt, in deren Rahmen der Klimastreik stattfand, boten darüber hinaus einen gangbaren Rahmen. Angesichts einer Besetzung der Autobahnbaustelle der A100 am Folgetag war FFF trotzdem der zahmere Akteur.

Fridays for Future tut gut daran, sich nicht von vornherein in den Aktionsformen zu beschneiden.

Für einen Aufschrei im bürgerlichen Establishment reichte es dennoch. Ein von FFF gepostetes Instagrambild von der SPD-Zentrale mit dem Spruch „Wer hat uns verraten?“ zog Empörung nach sich. Die Gegner verbreiteten dabei gar ungeniert die Lüge, es handele sich dabei um eine „Nazi-Parole“. Für Reemtsma folgte in der Woche eine Einladung zu Lanz unter der Frage: „Wie radikal wird jetzt Fridays for Future?“

Ganz sicher wird die Debatte weitergehen, ob diese Thematisierung FFF mehr nützt oder schadet. Doch angesichts dessen, dass die Demos nach drei Jahren immer öfter einfach weggelächelt werden, ist diese Aufmerksamkeit ein hohes Gut. Fridays for Future tut gut daran, sich nicht von vornherein in den Aktionsformen zu beschneiden. Der zumindest punktuelle Kooperation mit Akteuren, die sich im Grundsatz radikaler definieren, wird der Klimabewegung gut tun.

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Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".

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