ZDFneo-Serie „Liebe. Jetzt!“: Pandemische Comedy

Das in Coronazeiten geborene Comedyformat „Liebe. Jetzt!“ wird mit einer Weihnachtsedition fortgesetzt. Endlich auch mit ernsteren Themen und Tönen.

Vater und Tochter am Küchentisch

Kinder betreuen und finanzielle Nöte: Während Corona kommt alles zusammen Foto: ZDF

Bereits im Frühjahr wurde ZDF­neo für seine Spontanität gelobt. Denn gleich zwei Formate starteten im Frühjahr, die sich mit der damals völlig neuen Lockdownsituation beschäftigten. Zunächst das ausschließlich zu Hause gedrehte Format „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ mit einer kurzweiligen Story um die Berlinerin Charlotte (Lavinia Wilson). Hauptsächlich über Laptop- und Smartphone-Bildschirme wurde erzählt, dass sie sich eigentlich gerade von ihrem Mann scheiden lassen und ihren Job in einer Marketingagentur hinschmeißen wollte. Doch dann kam Corona.

Ebenfalls mit vielen Skype-und Whatsapp-Anrufen arbeitet das kurz darauf erschienene „Liebe. Jetzt!“– und erstaunlich oft standen auch hier in der Werbebranche tätige Menschen und solche, die zumindest nach seelenloser Berlin-Mitte-Agentur aussahen, im Fokus. Ziel der sechs jeweils zwanzigminütigen Kurzgeschichten war es, die Auswirkungen der Krise auf Paare zu erörtern. Was die Ausnahmesituation mit solchen anstellt, bei denen es vor der Krise schon kriselte. Solchen, die eigentlich noch gar keines sind. Und solchen, die gerade aufhören, eines zu sein.

Meist aus schicken Altbauwohnungen heraus wurde die Situationskomik digitaler Paartherapien und unbeholfener Flirtversuche im Videochat eingefangen. Auch düsterere Seiten, wie die plötzliche Sprachlosigkeit im Miteinander-Festsitzen fanden Platz. Richtig ernst wurde es jedoch nie.

„Liebe. Jetzt!“ war als Comedy­format ausgelegt, um die Zuschauenden abzulenken. Wenn man sich jedoch thematisch so nah am dem bewegt, was die Ablenkung erst notwendig macht, wirkt es schräg, essenzielle Dinge auszusparen und die Pandemie wie ein kleines, wenn auch sehr beschwerliches, Abenteuer darzustellen. Eines, an dem scheinbar nur hippe Kreative teilnehmen dürfen.

„Liebe. Jetzt! Christmas Edition“, ab Di., 1.12., 23.15 Uhr, ZDFneo und in der ZDF-Mediathek

Geld, Sex und andere ­Probleme

Die Fortsetzung versteht sich zwar ausdrücklich als „Christmas Edition“, doch Weihnachten bleibt oft nur ein Hintergrundrauschen. Während drei der sechs Episoden völlig neue Geschichten erzählen, versteht sich die andere Hälfte als Weitererzählung. Den zwischenzeitlichen Lockerungen in den Sommermonaten sei Dank, gibt es mehr Ortswechsel und weniger Bildschirme zu sehen. Viel wichtiger aber: Nun wird all das thematisiert, was zuvor noch übergangen wurde. Der gesamte Ton hat sich verändert, ist an angebrachten Stellen ernster geworden und trifft nun das tatsächliche Lebensgefühl unter Corona wesentlich besser.

So werden gleich in der ersten Folge die finanziellen Probleme eines alleinerziehenden Vaters (Sebastian Fräsdorf) zur Sprache gebracht, der über stundenlanges Warten in Info-Hotlines die Geduld verliert. Durch Tochter Martha (Úna Lir) wird gleichsam die Perspektive eines Kindes auf die Situation miteingewoben. Und mit dem Opa (Heiner Hardt), der den gewissenhaft Maske tragenden Schwiegersohn schon mal „Panikmacher“ nennt, wird auch die seit der letzten Staffel enorm gewachsene Zahl der „Verweigerer“ immerhin subtil angeschnitten.

Später werden abgelehnte Überbrückungshilfen für Studierende und die Kluft zwischen systemrelevanten und vermeintlich irrelevanten Jobs als zusätzlicher Streitpunkt zwischen Paaren angesprochen. Insgesamt können die erzählten Geschichten nun von einer größeren Vielfalt der vorkommenden Figuren zehren: So verbringt ein queeres Paar, zu dem auch eine non-binary Person gehört, die Feiertage in einer Waldhütte. In einem anderen Fall hat die just geschiedene Rosa (Kirsten Block) einen jüngeren Geliebten (Timo Jacobs) – und plötzlich werden sonst so tabuisierte Sexszenen zwischen Menschen jenseits der Fünfzig gezeigt.

Was zugegebenermaßen nach Abhaken einer Checkliste für politisch Wünschenswertes klingt, wirkt beim Schauen nicht erzwungen. Das ist den ambitionierten Geschichten zu verdanken, in die sich die neue Diversität natürlich einfügt. Dank ihrer wirkt nun auch die Komik authentischer – denn die steht gemeinsam mit dem Feel-Good-Anspruch trotz der kritischeren Themen weiterhin im Vordergrund. Man kann sich jetzt schon vorstellen, was für ein hervorragendes Analysematerial die Serie einmal abgeben wird, um herauszufinden, wie sich das allgemeine Mindset in der Krise verändert hat.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de