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Wunschmaschine TechnoAlles, was ich will, ist tanzen

Das Verlangen, am Sonntagnachmittag vorbei an der harten Tür ins Berghain zu kommen. Im Rhythmus der Körper erblüht die Fantasie zu voller Pracht.

J ogginghose und Doc Martens trage ich. Eine goldene Kette am Hals, ein durchsichtiges T-Shirt unter der Übergangsjacke, die trotzdem zu dünn für das Wetter ist. Eine Sonnenbrille habe ich wetterunabhängig auch auf. So komme ich mir vor wie ein Klischee, doch der Plan nimmt in meiner Fantasie immer mehr Gestalt an.

Zum ersten Mal, seit ich in Berlin wohne – und überhaupt –, verspüre ich den Wunsch, ins Berghain zu gehen. In meiner Fantasie fahre ich mit dem Taxi vor. Schweigend würden der Fahrer und ich an diesem regnerischen Sonntagmittag die Stadt durchqueren. Auch er würde eine Sonnenbrille tragen.

Dann sehe ich mich in der Schlange vor dem Club stehen und spiele verschiedene Antworten durch, die ich dem Türsteher geben könnte, falls er mich fragt: „Warum bist du hier?“ Würde er mich zurück nach Hause schicken, könnte ich mich ohne Diskussion damit abfinden.

Wenn ich dagegen reinkäme, würde ich den ganzen Nachmittag tanzen – ohne mit jemandem zu reden, ohne Drogen zu nehmen oder Alkohol zu trinken. Einfach tanzen, das ist alles, was ich will. Ich will den Bass der Musik in meinem Körper spüren, auch in meinem Herzen, als würde es sich dem Rhythmus anpassen. Ich würde mich bewegen, bis ich nicht mehr kann, während ich andere Club­be­su­che­r*in­nen beobachte und von ihnen beobachtet werde. Mit der Menge tanzender Menschen würde ich verschmelzen, bis ich darin verschwinde.

Dunkle Wolken

All das geht mir durch den Kopf, während ich meinen Balkon für die Saison vorbereite und sich weitere dunkle Wolken über mir sammeln. Ich bringe die Pflanzen hinaus, die drinnen überwintert haben, erneuere die Erde in den Töpfen, pflanze ein paar Samen und gieße alles mit der grünen Gießkanne.

Die Zeit vergeht, und irgendwann merke ich, dass mir der Mut und die Energie fehlen, die Wohnung zu verlassen. „Ein anderes Mal“, verspreche ich mir. Im Hintergrund läuft die typische Klangkulisse eines Sonntags: Irgendwo im Haus beginnt eine Waschmaschine zu schleudern, die Wände vibrieren. Ein Stück weit klingt das wie Techno.

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Luciana Ferrando

Luciana Ferrando

Jahrgang 1978, ist freie Autorin. Fast 10 Jahre lang war sie in verschiedenen spanischsprachigen Redaktionen, Zeitungen und Magazinen in ihrem Heimatland Argentinien tätig. Im Jahr 2008 migrierte sie nach Deutschland. Seit 2015 schreibt sie unter anderem Porträts, Reportagen und Kolumnen für deutsche Medien wie die taz, am liebsten über Stadtleben, feministische Themen, Kulinarisches und die Liebe. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Foto: Naïma Erhart
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