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das wird„Wir empfehlen, sich treiben zu lassen“

Das Festival La Strada bespielt Bremens Zentrum mit internationaler Straßenkunst

Interview Benno Schirrmeister

taz: Frau Behrens, was sollte ich als „La Strada“-Besucher unbedingt mitbringen?

Frederieke Behrens: Mitbringen? Ein großes Herz. Viel Neugierde und eine passende Regenjacke.

taz: Ach, kein Kleingeld mehr?

Behrens: Oh, natürlich. Bargeld für die Künst­le­r*in­nen bleibt wichtig, exakt. Wobei man mittlerweile auch per PayPal in den Hut einzahlen kann – wie auch beim Förderverein.

taz: Was macht für Sie den Reiz von Straßentheater aus?

Behrens: Grundsätzlich liebe ich die Zugänglichkeit von Straßenkünsten, also dass wirklich immer für je­de*n was dabei ist. Das ist die Besonderheit.

taz: Man weiß aber auch nie so richtig, was man zu sehen kriegt…

Behrens: Ja, genau. La Strada genießt da ein enormes Vertrauen vom Publikum. Die Leute lassen sich darauf ein und haben höchstens eine vage Idee, was passieren könnte. Wenn ich ein Konzert oder Theaterstück buche, gehe ich ganz explizit hin, weil ich diese eine Band hören oder ein bestimmtes Stück sehen möchte. Bei La Strada ist es so, dass man sich auf das Gesamtkonstrukt und die Atmosphäre einlässt.

taz: Wobei das Risiko relativ gering ist. Also wenn’s mir nicht gefällt, kann ich nörgelig sein und …

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La Strada – Internationales Festival der Straßenkünste: 12. bis 15. 6., auf den Plätzen in der City, in den Wallanlagen und im Ostertorviertel, Bremen

Eröffnungs-Inszenierung „Common Ground“: 12. 6., 21.30 Uhr, Wiesenbühne hinter der Kunsthalle

Behrens: … wieder gehen, ja. Es hält einen dann niemand auf. Aber das passiert zum Glück sehr selten.

taz: Ich mag daran, dass es weniger von diesem Sinnstress eines Besuchs im Theater gibt. Oder täuscht das?

Behrens: Ich glaube, was Sie meinen, hat viel mit dem offenen Raum zu tun, also der Möglichkeit, nur mal einen Augenblick zu schauen und wieder wegzugehen. Wir empfehlen ja auch, sich nicht zu sehr im Programm festzulegen, sondern sich auch mal einfach treiben zu lassen. Das gehört zur besonderen Atmosphäre, die dieses Festival einfach hat, und die es auszeichnet. Aber vermitteln wollen die Shows schon auch etwas.

taz: Was denn?

Behrens: In der Eröffnungsproduktion am Donnerstag zum Beispiel: Das ist eine internationale Produktion, in der spartenübergreifend Künst­le­r*in­nen zusammenwirken, die sich auf der Zirkushochschule kennengelernt haben. Es ist ein abendfüllendes Programm mit viel Musik, artistischen Komponenten, viel Humor und großer Dynamik: Dabei geht es vor allem um die Frage, wie wir in Gemeinschaft leben. Das ist eines der aktuellsten Stücke im Bereich des zeitgenössischen Zirkus, sowohl inhaltlich als auch durch die akrobatischen Skills, mit denen die Gruppe „Common Ground“ aufwartet.

taz: Solche staatlichen Zirkuszentren und -hochschulen gibt’ s in Frankreich, England, Belgien, den Niederlanden – aber kaum hier in Deutschland.

Behrens: Das stimmt. Dem Publikum ist oft nicht bewusst, dass die Künst­le­r*in­nen eine hochprofessionelle Ausbildung haben. Gerade wenn wir auf zeitgenössischen Zirkus schauen, setzen die genannten Länder die wichtigen Akzente. Viele der Companies haben sich an diesen Zentren kennengelernt. La Strada profitiert stark von ihnen.

Frederieke Behrens

38, ist Freizeitwissenschaftlerin und arbeitet in Bremen und bundesweit als Kulturmanagerin.

taz: Fahren Sie dorthin, um die Acts fürs Programm auszusuchen, oder bekommen Sie Bewerbungen?

Behrens: Das ist eine Mischung. Wir bekommen unheimlich viele Bewerbungen aus aller Welt. Im digitalen Zeitalter haben die alle Trailer, die man sich anschauen kann. Aber vor allem Tobias Pflug und Kathrin Bahr fahren auch zu anderen Festivals und zu Messen. Wenigstens ei­ne*r aus dem Team muss eine Show live gesehen haben, bevor wir sie einladen.

taz: Die Zahl der Bewerbungen scheint für den guten Ruf zu sprechen, den La Strada international genießt?

Behrens:Das ist so. Das hat damit zu tun, dass hier schon sehr viel hochkarätige Kunst gezeigt wurde. Aber es liegt auch an der besonderen Atmosphäre – und am spendierfreudigen Publikum, das auch nicht wegbleibt, wenn es mal regnet. Also ja, die Künst­le­r*in­nen kommen gerne zu uns, und wenn sie wieder wegfahren, sind sie Bot­schaf­te­r*in­nen von Bremen.

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