Wie im Vorjahr: Inflation 2025 bei 2,2 Prozent
Der Preisanstieg fiel dieses Jahr moderat aus, die Löhne stiegen im Schnitt stärker. Die gefühlte Inflation liegt aber hoch, viele Menschen sorgen sich.
afp/rtr/dpa | Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Jahr im selben Maße gestiegen wie im Vorjahr. Die durchschnittliche Inflationsrate lag wie bereits 2024 bei 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.
Im Dezember sank die Inflationsrate überraschend deutlich auf 1,8 Prozent. Im Oktober und November lag die Teuerung bei jeweils 2,3 Prozent, nachdem sie im September mit 2,4 Prozent einen Jahreshöchststand markiert hatte.
Das Statistische Bundesamt berechnet jeden Monat, wie sich Preise für Verbraucher entwickelt haben. Dazu notieren die Statistiker in Geschäften, was Obst und Gemüse, Schuhe oder Möbel kosten. Wie hoch ist die Wohnungsmiete, was kostet Sprit an der Tankstelle? Tausende Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach dem stets gleichen Schema erfasst. Ein Teil der Preise wird auch im Internet erhoben.
Für Preisdruck im Dezember sorgten vor allem teurere Dienstleistungen, zu denen Autoversicherungen, Pauschalreisen sowie Friseur- und Restaurantbesuche zählen, während sich Energie verbilligte. Auch Lebensmittel wurden kaum noch teurer.
Ähnliches Niveau für 2026 erwartet
Volkswirte erwarten, dass die Inflationsrate 2026 über der Marke von 2 Prozent bleibt. Mit rasant steigenden Preisen wie 2022 und 2023 nach dem russischen Überfall auf die Ukraine rechnet aber kein Experte. Nach Prognose des Ifo-Instituts dürfte die Teuerungsrate bei 2,2 Prozent in diesem Jahr und bei 2,3 Prozent 2027 liegen.
Der Vermögensverwalter HQ Trust sieht mit Blick auf 2026 keine deutliche Entlastung für Konsumenten. Chefökonom Michael Heise zählt auf: „Die Netzentgelte für Stromverbraucher werden gesenkt, die Gasspeicherumlage entfällt und die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie wird abgesenkt. Preiserhöhend wirken dagegen die voraussichtliche Erhöhung der CO2-Abgabe und der Preisanstieg beim sogenannten Deutschlandticket.“
Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der Bank ING sieht zumindest für die ersten Monate des laufenden Jahres eine Inflationsrate unter 2 Prozent, bedingt durch den starken Euro und günstigere Importe, da wegen der US-Zölle Waren zu Dumpingpreisen nach Europa umgeleitet würden. Die Mehrwertsteuersenkung für Speisen komme hingegen eher Gastwirten zugute.
Im Dezember verteuerten sich Dienstleistungen mit 3,5 Prozent spürbar. Grund dafür sind meist gestiegene Löhne, die Unternehmen an Kunden weiterreichen. Die Anhebung des Mindestlohnes zum 1. Januar dürfte ebenfalls die Preise treiben, erwarten Ökonomen.
Die Lebensmittelpreise lagen um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats; der Wert liegt deutlich unterhalb der allgemeinen Inflationsrate. So ist etwa Butter zuletzt billiger geworden. Allerdings spüren die Menschen beim täglichen Einkauf, dass die Preise für Nahrungsmittel insgesamt deutlich höher sind als noch vor einigen Jahren.
Gefühlte Inflation viel höher
Gerade die höheren Lebensmittelpreise sind für viele ein Sorgenthema, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Demnach machen sich 58 Prozent der Menschen Sorgen mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten und die finanzielle Situation ihres Haushalts.
Entspannung gibt es zumindest bei den Energiepreisen: Sprit, Strom und Gas waren der Statistik zufolge im Dezember 1,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.
Die von Ökonomen besonders beachtete Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie sank im Dezember auf 2,4 Prozent. Sie bleibt damit leicht erhöht.
Je höher die Inflationsrate, desto weniger können sich die Menschen leisten. Zwar ist die Preiswelle ausgelaufen, die Deutschland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erfasst hatte. Damals verteuerten sich Energie und Lebensmittel rasant. Das ließ die Inflationsrate hochschnellen auf 6,9 Prozent im Jahresschnitt 2022 und 5,9 Prozent im Jahr 2023, bis sie sich 2024 normalisierte.
Gefühlt ist die Inflation aber viel höher: In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schätzten die Teilnehmer die Teuerungsrate 2024 auf 15,3 Prozent – also rund siebenmal höher, als sie tatsächlich war.
Löhne steigen stärker als Inflation
Immerhin: Durch steigende Löhne und die gedämpfte Teuerung haben viele Menschen wieder mehr Geld in der Tasche. Seit mehr als zwei Jahren wachsen die Löhne nach Abzug der Inflation.
Die Inflationsrate in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone, hat für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) besondere Bedeutung. Sie peilt mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent für den Euroraum an. Bei einer solchen Teuerung sieht die EZB ihre wichtigste Aufgabe erfüllt, für stabile Preise zu sorgen.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht die Inflation in Deutschland mit dem Jahreswert von 2,2 Prozent absolut im Normalbereich. „Wirtschaftlich hat das Land viele Probleme, die Inflation gehört nicht dazu.“
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