Auf Wiedersehen, Sparkasse: Wenn es ums Geld geht
Unsere Kolumnistin möchte die Bank wechseln. Doch das ist noch viel komplizierter als gedacht. Ein Minidrama in mehreren Akten.
M ein bester Freund J. und ich gehen meine Ausgaben durch. Mit einem Mal rümpft er die Nase. „Du zahlst jeden Monat 7,90 Euro für dein Girokonto?“, fragt er. Ich starre auf den Laptop. Das hatte ich verdrängt. Dabei lande ich auch wegen solcher Kostenfresser regelmäßig im Dispo. J. rät mir, zu kündigen. Ich muss schlucken. Nicht nur, weil ich faul bin. Es hat auch mit Nostalgie zu tun. Immerhin bin ich schon mein ganzes Leben lang bei der Sparkasse.
Zur Geburt legten meine Eltern dort ein Sparbuch für mich an, das ich für ein billiges Fahrrad bei Real auflöste. Mit 18 eröffnete ich in der Filiale gleich neben der Bäckerei mit dem trockenen Zuckerkuchen mein erstes eigenes Konto – und habe es bis heute. Meine Kontonummer ist die einzige lange Zahlenfolge, die ich auswendig kann, aber auch sonst kenne ich diese Familienkutsche unter den Geldinstituten bestens.
Doch diese meine Sparkasse ist ziemlich in die Jahre gekommen. Das alte Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht mehr. Die meisten, die ich kenne, sind längst dorthin gegangen, wo es günstiger ist. Dort haben sie gleich auch noch ein Tagesgeldkonto und einen ETF-Sparplan. Ich bin also mehr als late to the party, dafür ist jetzt richtig Druck drauf.
Nach kurzer Bedenkzeit entscheide ich mich für die Bank von J. Denn wenn der sich auskennt, muss ich mich nicht extra einlesen. Die Frau im Videocall wirkt wie ein Roboter. Oder ist sie KI? Unbeholfen wedele ich mit meinem Perso vor dem Handybildschirm. Ein paar Tage später habe ich zwar ein neues Konto, aber kann mich nicht einloggen. Wie soll man sich bei all den Passwörtern und Pins, die per Brief, E-Mail oder SMS verschickt werden, auch auskennen? Nachdem ich verstanden habe, was hakt, wundere ich mich, wo meine Debitkarte bleibt.
Warum ist Gegenwart so anstrengend?
Es vergehen eine Woche, zwei – währenddessen hänge ich in der Kundenhotline. Als mir die elektronische Stimme endlich anbietet, mich mit eine*r echten Mitarbeiter*in aus Fleisch und Blut zu verbinden, habe ich längst in den Resopaltisch gebissen. Aber gerade seien noch alle im Gespräch, sagt die Stimme. Warum ist Gegenwart eigentlich so anstrengend? Es folgt eine Endlosschleife aus gut gelaunter Klaviermusik. Irgendwann gebe ich auf und nuschele: „Mama, Papa, Sparkasse …“
Wobei auch die Filialen der Sparkasse nicht mehr das sind, was sie mal waren. Zumindest die in meinem Kiez erinnert inzwischen mehr an einen Schlachthof als an ein seriöses Geldinstitut. Die Fliesen haben überhandgenommen, dazu im Boden verankerte Sparschweine. „Was willst du?“, flüstert eins. Hektisch tippe ich meine Geheimzahl ein. Dann verlangt es sie ein zweites Mal. Hä? Aber da klappert auch schon der nächste Kunde mit dem Portemonnaie, also tue ich wie geheißen. Und siehe da: Ein viel zu dickes Bündel Scheine liegt im Ausgabefach. Habe ich schon wieder einen Fehler gemacht? Oder ist das viele Geld die Belohnung dafür, dass ich reumütig zurückgekehrt bin?
Irritiert schleppe ich das Bündel nach Hause und begreife erst da, dass mir der Automat den Maximalbetrag ausgezahlt hat, weil ich bei der ersten Aufforderung nicht den Code, sondern die Summe hätte eingeben müssen. War das schon immer so?! Sternchen, Vögel, Rauchwolken. Wieder einzahlen kann ich das Geld aber auch nicht, erfahre ich beim nächsten Date mit der Telefonhotline. Weil ich bei einer anderen regionalen Sparkasse bin und wegen Geldwäsche. Alles klar, Leute, wenn ihr mein Geld partout nicht haben wollt, gebe ich es aus.
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