Andreas Speit Der rechte Rand: Wie Rechte Kinder instrumentalisieren
Andreas Speitarbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland.
Den Schutz der Kinder stellen Akteur:innen der Querdenken- und Coronaleugnungs-Bewegung in den politischen Vordergrund. In Reden werden vermeintliche Folgen des Masketragens bei „unseren Kindern“ beklagt, Beschwerdevordrucke gegen die Auflagen an Schulen online gestellt oder eigene Laternenumzüge für die Kleinen ausgerichtet. „Die Sorge um unsere Kinder wird instrumentalisiert“, sagt Larissa Denk von der Koordinierungsstelle Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Hamburg der taz.
Schon die immer wiederkehrende sprachliche Vereinnahmung – „unsere Kinder“ – deutet die Instrumentalisierung an. Ganz in der Öffentlichkeit sichtbar war sie auch bei einem Laternenumzug aus der Bewegung in Hamburg zu beobachten. Die Kinder trugen keine individuell gebastelten Laternen. Dort waren die Eltern nicht zu gestresst, um selbst zu basteln, sondern wollten vielmehr ihre Kinder für sich demonstrieren lassen. Die trugen vorgefertigte Laternen mit Protestslogans.
Ähnliches gilt für die neue Volksinitiative „Kinderschutz in Not- und Krisenzeiten“. „Schon mit ihrem Titel knüpft die Initiative an das nachvollziehbare Bedürfnis an, Kinder zu schützen, die gerade in Pandemiezeiten besonders beeinträchtigt zu sein scheinen“, sagt Denk. „Hier handelt es sich jedoch nicht um einfach nur besorgte Eltern, sondern um Akteur:innen aus dem Umfeld der verschwörungsideologischen Szene.“
In dieser Bewegung gerieren sich „Eltern stehen auf“ ganz besonders als Schützere:innen der Kinder. Im Mai 2020 startete das Netzwerk zuerst als Facebook-Gruppe. Auf der Website finden sich diverse Musterschreiben, um den Druck auf Ministerien und Schulen zu erhöhen, wegen der „faktischen Kindesmisshandlung“.
Clemens Fobian, Mitarbeiter von „basis-praevent – Beratung und Prävention bei sexueller Gewalt“, findet, man könne „gerade Pandemieleugner:innen“ entgegenhalten, „dass sie das Kindeswohl gefährden, wenn sie ihre Kinder für ihre eigenen Belange benutzen“. Die Kinder würden „in eine Ohnmachtssituation gebracht“, schreibt er in der jüngst erschienenen Handreichung „… und wer denkt an die Kinder?“. Denk weist auch auf frühere Instrumentalisierungen hin: „In der Vergangenheit haben wir gesehen, wie die extreme Rechte mit dem Thema ‚Sexualisierte Gewalt an Kindern‘, das Narrativ um das Wohlergehen der Kinder für die eigene politische Agenda benutzte.“
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen