Wie Hitler seinen Kopf verlor: Chronologie eines "Attentats"
Viel Aufregung um die Enthauptung eines Wachshitlers: Wie Agenturen und Medien auf den kopflosen Hitler eingingen.
Bild: ap
Am Samstag, den 5. Juli 2008 um 10:49 meldet die Nachrichtenagentur dpa unter der Rubrik "Hauptstadt und Tourismus": "Besucher reißt Hitler-Kopf in Berliner Wachsmuseum ab". Es folgt eine vierzeilige Mitteilung, dass kurz nach der Eröffnung des neuen Berliner Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds ein Besucher den Kopf der Figur von Adolf Hitler abgerissen habe. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Samstag sei der 41-Jährige am Vormittag festgenommen worden.
Um 10:56 schickt die Nachrichtenagentur ddp ihre Fassung der Nachricht: "(EIL) Mann reißt Hitlerfigur den Kopf ab."
Etwas später zeigt Spiegel-Online bereits in einem Video erste Statements des wieder freigelassenen Mannes: Ob die Sache es wert gewesen sei? Seine Antwort: "Nein".
Die Recherchen zu den Hintergründen der Tat und zum Leben des Mannes laufen in der Zwischenzeit an. Das Internet-Portal die Berliner Morgenpost meldet unter Berufung auf das persönliche Umfeld des Mannes, dass es sich um einen ehemaligen Polizisten handele, der den Dienst quittiert habe, da er bei einer Maidemonstration gemerkt habe, dass er auf der anderen Seite stehe. Er sei arbeitslos und lebe von Hartz IV, zusätzlich jobbe er in der Altenpflege.
Um 14:04 schließlich schickt die Nachrichtenagentur AP ihre Version über die Ticker: "Hitler enthauptet - Protest gegen die Ausstellung seiner Wachspuppe - Kurz nach Eröffnung von Madame Tussauds in Berlin". Die Agentur ddp zieht um 17:37 nach und meldet wiederum: "Polizei sieht ,Attentat geglückt'".
Während die Sprecherin des Museums bereits am Samstag betont, dass eine Rückkehr der Hitler-Figur in die Ausstellung auch "vom Ausmaß des Schadens" abhänge, entbrennt im Laufe des Wochenendes eine heftige Verlautbarungsdebatte diverser PolitikerInnen und Experten, ob dieses Attentat nun "kulturlos" sei (Lothar Bisky, Linke-Chef", oder ob es schon "eher eine Kunst sei, Hitler den Kopf abzureißen, und weniger eine Kunst, Hitler überhaupt aufzustellen" (Frank Zimmermann, Berliner SPD-Abgeordneter).
Desweiteren findet Bild am Sonntag die Hintergründe der Tat heraus: eine spontane Wette. Zudem ist nun bekannt, dass der Mann aus Kreuzberg sei und sich selbst als "politisch eher links" bezeichne, aber abstreite ein "Extremist" zu sein.
Und nun? Hitler bleibt im Gespräch.
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