Wie AfDler Wahlkampf machen sollen: Sauber, gebügelt und nüchtern

In ihrem „Leitfaden Bundestagswahl“ erklärt die AfD ihren Leuten unter anderem, dass sie nicht besoffen Internet-Posts absetzen sollen.

Zwei AfD-Politiker stehen während einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei auf einer Bühne.

Schlau: Die AfDler Daniel Roi und Tino Chrupalla trinken Wasser beim Wahlkampf in Bitterfeld-Wolfen Foto: dpa / Sebastian Kahnert

„Ran an die Menschen und lächeln“, empfiehlt das Kampagnenteam der AfD zur Bundestagswahl 2021. Denn diese Wahl sei für die gesamte Partei die größte Herausforderung der Parteigeschichte, da der Druck auf sie von allen Seiten zunehme, schreibt das Team.

In dem 76-Seiten starken „Leitfaden Bundestagswahl“ erklärt die AfD, wer im Wahlkampf gezielt angesprochen werden soll: „die normalen Menschen, die ihr normales Deutschland behalten wollen“, die „Arbeiter“, die „Landwirte“, „der Arbeitgeber, der Selbstständige“, die „den Laden in Deutschland am Laufen halten und Steuern zahlen“. Das Gegenbild offenbart die Ressentiments gegen jene, die staatliche Leistungen erhalten – ungeachtet der Tatsache, dass auch Teile ihrer eigenen Wahlklientel Sozialleistungen erhalten.

In Hamburg, so wünscht es sich die Mutterpartei, sollen sich die Wahlkämpfer auf die Bezirke konzentrieren, in denen die AfD-Wahlergebnisse zuletzt stark waren. Da ist das eventuell sogar möglich. In allen anderen Nord-Landesverbänden wird aufgrund der Macht- und Richtungsstreitigkeiten der Wunsch nach einem geschlossenen, gemeinsamen Wahlkampf schwieriger umzusetzen sein. Nach internem Streit konnte sich erst im zweiten Anlauf Joachim Wundrak als AfD-Spitzenkandidat in Niedersachsen durchsetzen. In Bremen war die Kandidatur nicht minder schwierig.

Der Leitfaden weist darauf hin, dass zwar in den sozialen Medien via Facebook oder Twitter stark um die Wäh­le­r:in­nen geworben werden müsse, aber auch im „öffentlichen Raum“ bei Vereinen und Kirchengemeinden Stimmen gewonnen werden sollen. Denn „über die Sozialen Medien“ sowie über die „alternative Presse“ könnten sie „nur ca. 20 bis 40 Prozent der potenziellen Wähler“ erreichen.

Riskanter Kontakt

Doch der direkte Kontakt birgt Risiken. Das Kampagnenteam kennt die Parteimitglieder – und gibt seitenlang Empfehlungen zum persönlichen Auftreten. Für die sozialen Medien ist eine Ermahnung hervorgehoben: „Erst denken, dann tippen.“ Und dann: „Niemals mit Alkohol Soziale Netzwerke bedienen.“ In der Fußgängerzone sei „gepflegte Kleidung ein Muss für das Standpersonal“, „sauber und gebügelt“ – dazu eine Rasur und gewaschene Haare.

Das Team stimmt die Hel­fe­r:in­nen auch auf unterschiedliche Reaktionen im Straßenwahlkampf ein: „Während Sie in den ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns mit Zustimmung begrüßt werden, kann es Ihnen in Hamburg passieren, dass Menschen ohne Anstand der Meinung sind, Sie anspucken zu müssen.“ Eine Be­ob­ach­te­r:in solle mit einer Kamera daher etwas weiter entfernt stehen.

Auffallend: Im Leitfaden finden sich kaum Sprachermahnungen. Allein die Wortwahl „Lücken- oder Lügenpresse“ solle vermieden werden, weil das bei der Pressearbeit „nicht zielführend“ sei. Dieser Vorschlag, so darf der nächste Satz verstanden werden, ist alleine der Situation geschuldet, dass die AfD über die verhassten Medien mehr als 60 Prozent der Wäh­le­r:in­nen erreicht.

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Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandesund des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: mit Andrea Röpke "Mädelsache" (2011), mit Martin Langebach "Europas radikale Rechte" (2013). Im Erscheinen begriffe „Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt“.

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