piwik no script img

Wetterlage in BayernNaturschnee nervt – nicht

Andreas Rüttenauer

Kommentar von

Andreas Rüttenauer

Zuviel Schnee versperrt Straßen und Bahnstrecken. Doch er versteckt auch menschgemachte Hässlichkeiten wie autogerechte Feriendörfer.

Es sieht aus wie ein Kunstwerk – das kann nur Schnee Foto: dpa

M it dem Schnee ist es so eine Sache in den bayerischen Alpen und den vorgelagerten Orten. Einerseits ist man stolz, dass man mehr davon hat als andere Landesteile, auch wenn es früher freilich noch mehr, noch besser war. Alle kennen jemanden, der schöne Geschichten davon erzählen kann, dass früher die Winter weißer waren. Und sowieso reden fast alle über den Schnee, wenn er fällt.

Man braucht ihn für den Wintersport. Deswegen sind die meistens nicht mit ihm zufrieden. Mal ist es zu kalt, dann verbindet sich der Schnee nicht mit dem Untergrund, er wird beim ersten Carvingschwung mit den neuen Skiern talwärts geweht. Mal ist er zu nass und das schöne Pulverschneegefühl stellt sich auch dann nicht ein, wenn es besonders viel schneit. Als Träger für Sportgeräte ist der Schnee einfach sehr unzuverlässig. Da ist es fast schon besser, wenn es gar nicht schneit.

Schnee gibt es ja trotzdem in den Skigebieten. Technischer Schnee wird der genannt, er kommt des Nachts aus lärmenden Kanonen. Die Annahme, dass es für die auf Skitourismus setzenden Gemeinden gar nicht genug Schnee geben kann, stimmt schon lange nicht mehr.

Naturschnee nervt. Da muss es gar nicht so viel schneien wie in diesen Tagen, wo Straßen und Bahnstrecken gesperrt sind und teils höchste Lawinengefahr herrscht. Den Leuten in den eingeschneiten Gebieten ist natürlich nur das Beste zu wünschen, ihnen möge nichts passieren, sie sollen genug zum Essen haben und am besten eine nicht unterbrochene Stromleitung, damit sie abends in den TV-Nachrichten sehen können, wie katastrophal es bei ihnen zugeht.

Es wird ihnen wahrscheinlich gefallen, was sie da sehen. Denn die von Bundesstraßen zerschnittenen Dörfer, die von Gewerbegebieten umzingelten Marktgemeinden, die autogerechten Ferienorte, sie sehen unter der schneeweißen Haube so aus, wie sie sonst schon lange nicht mehr aussehen: malerisch. Direkt schade dann doch, dass es bald schon wieder tauen wird.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Andreas Rüttenauer
Sport, dies und das
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • 9G
    91672 (Profil gelöscht)

    Das ist mein Problem. Laß' ich es schneien, passt es den Leuten, die in der Natur wohnen nicht, den Skisportlern und den Autofahrern auch nicht, also fast niemandem.



    Mach' ich im Sommer schönes Sonnenwetter, passt es auch niemanden, zu heiß, zu trocken, die Bauern jammern rum. Demnächst haben wir Schneeschmelze und es wird das gleiche Gejammere wegen Hochwasser losgehen.



    Mit Euch weiß ich langsam nicht mehr, was ich machen soll.