: Wer hier lebt und wer hier wählt
Viele Menschen der ersten und zweiten Einwanderungsgeneration dürfen nicht wählen
Von Uta Schleiermacher
Deutschland wird zunehmend diverser – doch von den nach Deutschland eingewanderten Menschen ist weniger als die Hälfte wahlberechtigt. Zur letzten Bundestagswahl durften rund 7,1 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland wählen, konkret gemeint sind Menschen, die selbst neu nach Deutschland gekommen sind oder bei denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist. Ein Drittel dieser Wähler*innen ist eingebürgert, die anderen haben die Staatsbürgerschaft bereits mit der Geburt erworben.
Der Mediendienst Integration hat diese Wählergruppe im vergangenen Jahr genauer untersucht. Ihm zufolge macht diese Gruppe 12 Prozent der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2025 aus. Gleichzeitig waren 10 Millionen Personen und damit fast 60 Prozent der volljährigen Menschen mit Einwanderungsgeschichte bei dieser Wahl ausgeschlossen, sie durften also weder wählen noch sich selbst zur Wahl stellen.
Unter den 7,1 Millionen Wahlberechtigten machten die Menschen mit postsowjetischer Einwanderungsgeschichte mit rund 2,3 Millionen die größte Gruppe aus, zu ihnen zählen unter anderem die sogenannten Spätaussiedler. Die jüdischen Kontingentflüchtlinge fallen hier weniger ins Gewicht, sie sind zahlenmäßig geringer und die meisten von ihnen haben nicht direkt die Staatsbürgerschaft bekommen.
Rund 2 Millionen Menschen haben eine Einwanderungsgeschichte aus einem EU-Land, und unter diesen hat mehr als die Hälfte einen direkten Bezug zu Polen. Rund 1 Million Menschen stammen selbst aus der Türkei oder haben mindestens ein türkeistämmiges Elternteil. Unter den Wahlberechtigten sind außerdem rund 139.000 Menschen mit ukrainischer und rund 132.000 mit syrischer Einwanderungsgeschichte.
Generell ist die Wahlbeteiligung in der untersuchten Gruppe laut Mediendienst Integration deutlich niedriger als die der Gesamtbevölkerung. Besonders niedrig ist sie demnach unter den türkeistämmigen Wähler*innen, die bei Befragungen dazu angaben, sich nicht genug zugehörig zu fühlen.
Die Wähler*innen mit Einwanderungsgeschichte bauen einer Studie zufolge auch seltener und langsamer eine Bindung zu einer bestimmten Partei auf. Der Mediendienst beobachtet dabei, dass die Parteienbindung bei Wahlverhalten und Mitgliedschaften zuletzt generell schwächer geworden ist.
Dabei bevorzugten Menschen mit postsowjetischer Einwanderungsgeschichte eher die CDU/CSU und zeigten sich zunehmend auch empfänglich für die AfD. Die Menschen mit Bezügen in die Türkei oder Südeuropa wählten bevorzugt die SPD. Die Zustimmung zu den großen Parteien ging demnach auch unter diesen Wähler*innen generell zurück, während Parteien wie die Linke und die Grünen leicht an Zuspruch gewonnen konnten.
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