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Was tun, wenn's brennt?Löschen darf nur die Feuerwehr

Osman hätte der Retter von Bremen, ach, von Deutschland werden können. Aber stattdessen gerät er selbst unter Verdacht.

Wacht eifersüchtig über ihr Löschmonopol: die Bremer Feuerwehr Foto: Sina Schuldt/dpa

F eueer, Feueeer, Hiilfeee, es breeennt!“ Ich schreie, so laut ich kann. Aber niemand hört mich. Das liegt auch daran, dass es vier Uhr nachts ist und dass einige Leute um diese Zeit zu schlafen pflegen. Nicht jeder schiebt in Halle 4 Nachtschicht wie ich.

In meiner Panik drücke ich in dem mehrstöckigen Haus alle Türklingeln gleichzeitig wie ein hartnäckiger Versicherungsvertreter.

Eine müde Männerstimme brummt durch die Gegensprechanlage „Was ist los, wissen Sie, wie spät es ist?“

„Klar, weiß ich. Ich hab eben Feierabend gehabt.“

„Und was wollen Sie von mir?“

„Es brennt, es brennt. Stehen Sie auf, retten Sie sich und Ihre Familie …“

„Hören Sie auf mit diesen Kinderstreichen.“ Klack – er hat aufgehängt.

Nachdem ich alle Klingeln mindestens zehnmal gedrückt habe, sprinte ich zurück zum brennenden Müllcontainer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Funke auf den Wohnblock überspringt. Mit aller Kraft versuche ich, den Deckel zu schließen, um das Feuer zu ersticken.

Ich sehe die Schlagzeilen von morgen vor mir: „Osman, der Retter des Wohnblocks! Nein, der Retter von Bremen! Ach was, der Retter von Deutschland!“

„Ta tüüü ta tüü taaaa …“ Endlich kommt der Feuerwehrwagen, zwei Männer flitzen heran.

„Was machen Sie so spät hier? Warum haben Sie das Feuer gelegt? Haben Sie Komplizen?“

„Sehen Sie nicht, das Feuer brennt noch. Ich habe schon versucht, den Deckel zuzumachen.“

Der mit dem Schreibblock in der Hand murmelt zum Kollegen: „Hast du gehört, Heribert? Er hat allein versucht, den Deckel zuzumachen.“

„Klar habe ich das gehört. Er hat jetzt sicher ein schlechtes Gewissen.“

„Liebe Feuerwehrmänner, es brennt doch. Wollen Sie nicht erst mal löschen?“

„Damit Sie uns entwischen können, nicht wahr?“, mault Heribert. Sein Kollege ergänzt:

Verhaften Sie mich! Ich gestehe alles: Ich habe ohne schriftliche Genehmigung der zuständigen Behörde ein fremdes Feuer mit einem Eimer Wasser eigenhändig gelöscht!

„Ordnung muss sein. Alles zu seiner Zeit. Wir haben noch 18 Fragen an Sie.“

„Nur 18? Dann ist ja gut“, zische ich ironisch.

In diesem Moment geht die Haustür auf, ein alter Mann im Pyjama tritt heraus. Mit einem Eimer Wasser trottet er langsam zum Container. Die Feuerwehrleute sperren ihm energisch den Weg:

„Was haben Sie vor? Was wollen Sie mit dem Wasser?“

„Äh, ich will löschen.“

„Sie dürfen sich da nicht einmischen. Das ist unsere Aufgabe.“

„Ich habe das Wasser die ganzen acht Stockwerke mühsam heruntergeschleppt. Wenn ich nicht helfen darf, dann löschen Sie doch damit das Feuer.“

„Nicht nötig! Dafür haben wir unser eigenes Wasser.“

„Was soll ich mit dem Eimer Wasser hier machen?“, fragt der alte Mann verzweifelt.

„Bringen Sie ihn wieder nach oben.“

Bei dieser Antwort ist mir dann alles egal! Ich schnappe den Eimer und schütte das Wasser unter den entsetzten Blicken der Feuerwehrleute mutig aufs Feuer.

„Hey, die Spuren nicht verwischen!“

Dann ergebe ich mich mit erhobenen Händen der inzwischen eingetroffenen Polizei.

„Verhaften Sie mich! Ich gestehe alles: Ich habe ohne schriftliche Genehmigung der zuständigen Behörde ein fremdes Feuer mit einem Eimer Wasser eigenhändig gelöscht!“

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