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Wahlkampfbeginn der AfD BerlinRap gegen Schlager

Die AfD eröffnete am Freitag in Marzahn-Hellersdorf mit abgedroschenen Parolen ihren Wahlkampf. Zur Gegenkundgebung kamen rund 500 Menschen.

Darius Ossami

Aus Berlin-Marzahn

Darius Ossami

„Ich bin so froh, dass wir heute laut und gegen die AfD sind“, rief Songwriterin Lara Hulo auf dem Vorplatz des „Eastgate“ in Marzahn ins Mikrofon. Sie war der erste von mehreren Acts, die hier am Freitagnachmittag auf der Anti-AfD-Kundgebung vor knapp 500 Menschen auftraten. Über die Hälfte von ihnen war zuvor mit der S-Bahn angereist und musste den Kundgebungsort durch einen Polizeikordon betreten, der mit Rechten und Neonazi-Youtubern gespickt war, darunter Ex-NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke.

Auf dem Vorplatz selbst war die Stimmung entspannt. Dutzende Menschen rollten eine riesige Regenbogenfahne aus, während Sara Hulo ihre „Ballade über Liebe“ sang. „Wir haben die besseren, solidarischen Inhalte“, rief anschließend ein Sprecher in Richtung der AfD-Kundgebung und kündigte Solidarität gegen deren „völkisch-faschistische Politik“ an.

„AfD-Kundgebungen sind ja ziemlich langweilig“, hatte eine Sprecherin zuvor zur taz gesagt. Und tatsächlich: „Wir brauchen keine Reförmchen, wir brauchen eine neue Politik“, sagte ein AfD-Kandidat vor rund 100 meist männlichen Personen, die Deutschlandfahnen oder Schilder mit Friedenstauben schwenkten.

„Wir müssen uns selbst schützen“

Beide Kundgebungen waren nur rund 50 Meter entfernt und durch besagten Polizeikordon getrennt, die Bühnen waren voneinander abgewandt. Dennoch waren die AfD-Sprecher*innen nicht gut zu hören, wenn der Jubel oder die Parolen auf Antifa-Seite zu laut wurden. „So viele waren wir noch nie!“, freute sich eine Rednerin des linken Bündnisses, zu dem neben der M6-Antifa auch mehrere Initiativen aus dem Kiez gehören.

Zwei Sprecherinnen des ehemaligen La Casa in Hellersdorf, das nach internen Auseinandersetzungen nun New Casa heißt, erinnerten daran, dass nur vier Tage zuvor ein weitgehend unbeachteter Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Marzahn-Hellersdorf verübt worden war. Ihr Fazit: „Wir müssen uns selbst schützen und Strukturen aufbauen!“

„Starkes Zeichen gegen die Spaltung durch die AfD“

Auf der AfD-Bühne wurde der Ton unterdessen schärfer. Gottfried Curio, ein biederer Mann mit sehr schütterem Haar, instrumentalisierte den Anschlag auf den CSD und die Grenzübertritte in Ceuta, wetterte gegen eine „Lebenslüge der roten Einwanderungslobby“, die „Politik gegen das eigene Volk“ betreibe. Auch er war teilweise schwer zu verstehen, weil gegenüber die Band Kafvka die An­ti­fa­schis­t*in­nen mit ihrer Mischung aus Indierock und Rap animierte. Während der Biedermann „2015 darf sich nicht wiederholen!“ rief, sorgten Kafvka mit ihrem Hit „Alle hassen Nazis“ sogar für Festivalstimmung auf dem grauen Vorplatz.

Milo Neuhaus, Sprecher des Kundgebungsbündnisses, wertete die Kundgebung als ein „starkes Zeichen gegen die Spaltung durch die AfD“. Mit Organisationen wie Quarteera oder der M6-Antifa gebe es bereits Strukturen in Marzahn-Hellersdorf, bei denen Interessierte mitarbeiten können. Man habe zeigen wollen, „dass es die Möglichkeit gibt, neue Strukturen zu schaffen und dass die AfD nicht die einzige Alternative für die momentane Politik ist“.

Mahla Nazari und Muhammad Husain Razaiy aus Afghanistan gehörten zu den wenigen nichtdeutschen Kund­ge­bungs­teil­neh­me­r*in­nen und wohnen tatsächlich in dem Bezirk. „Das ist eine coole Aktion“, freute sich Nazari. „Wir sind vorbeigekommen und haben diese riesige Gruppe gesehen“. Zuvor habe sie die AfD-Kundgebung gesehen. „Die reden darüber, dass wir ihre Jobs geklaut haben. Das ergibt gar keinen Sinn. Entweder haben wir eure Jobs geklaut oder wir arbeiten nicht. Das verstehe ich gar nicht“, empörte sie sich. „Wir stehen für Menschlichkeit, Solidarität und Zusammenhalt. Berlin ist bunt, und so wollen wir bleiben!“

Auch in Sachen Musik könnten die Unterschiede zur AfD nicht größer sein: Als der antifaschistische Hiphopper Flaiz rappte, lief zum Abschluss der AfD-Kundgebung ein Wahlkampfsong im Schlager-Formal für AfD-Spitzenkandidatin Brinker.

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