Wahlkampf der HDP in der Türkei: Bomben beim Endspurt
Am Sonntag wird in der Türkei gewählt. Zwei Explosionen auf einer Abschlusskundgebung der kurdischen Partei sorgen für Entsetzen.
ap | Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sieht in den beiden tödlichen Explosionen auf einer Wahlkampfveranstaltung der pro-kurdischen Partei HDP Akte der „Sabotage und Provokation“. Er machte einen Tag vor der Parlamentswahl am Sonntag allerdings niemanden dafür verantwortlich. Bei der Veranstaltung in Diyarbakir waren am Freitag durch die Explosionen zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Es war unklar, ob es sich um einen Anschlag handelte.
Die Behörden bestätigten bislang nicht, dass die Explosionen durch Bomben verursacht wurden. Allerdings berichtete die private Nachrichtenagentur Dogan am Samstag ohne Verweis auf Quellen, eine der Explosionen sei durch eine mit Sprengstoff gefüllte Gasflasche verursacht worden. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, viele Menschen hätten sich die Verletzungen bei der Massenpanik nach den Explosionen zugezogen.
Es hatte bereits mehrere Gewalttaten gegen die HDP gegeben, darunter zwei Bombenanschläge auf Parteibüros in Adana und Mersin, das nicht weit von Diyarbakir liegt. Am Mittwochabend wurde der Fahrer eines Wahlkampfminibusses der HDP erschossen.
Der Partei könnte eine Schlüsselrolle zufallen: Sollte sie mehr als zehn Prozent der Stimmen bekommen und ins Parlament einziehen, dürfte die regierende Partei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan eine verfassungsändernde Mehrheit verfehlen, die nötig wäre, um in der Türkei das von ihm gewünschte Präsidialsystem einzuführen.
Zu der Abschlusskundgebung der HDP waren mehrere Tausend Menschen gekommen. Die Explosionen ereigneten sich Augenzeugen zufolge im Abstand von etwa fünf Minuten, noch bevor HDP-Chef Selahattin Demirtas seine Rede hielt. Bei den beiden Toten handelte es sich nach Angaben von Dogan um einen 16- und um einen 20-Jährigen.
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