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Wärmewende im WahlkampfEffizienz ist kein alter Hut

Wie kann Berlin seine Wärme am besten klimaneutral machen? Darüber stritten die SpitzenkandidatInnen auf Einladung der Schornsteinfeger-Innung.

Im Ranking der Berufe, denen die Bevölkerung besonders viel Vertrauen entgegenbringt, landen SchornsteinfegerInnen in der Spitzengruppe, was nicht nur am verbreiteten Glauben liegen dürfte, es bringe Glück, sie zu berühren. PolitikerInnen hingegen schneiden bei diesen Umfragen verlässlich mies ab.

Am Freitag trafen beide Gruppen aufeinander – beim „energiepolitischen Dialog“ der Berliner Schorsnsteinfeger-Innung. Zu diesem waren die SpitzenkandidatInnen für die Wahl zum Abgeordnetenhaus Elif Eralp (Linke), Stefan Evers (CDU) und Steffen Krach (SPD) sowie die Grüne Nebenspitzenkandidatin Bettina Jarasch (Grüne) ins Hotel Berlin am Lützowplatz gekommen.

Vielleicht um dem eher altbackenen Image der Energieexperten in Schwarz etwas entgegenzusetzen, wurde die Runde im „360-Grad-Live“-Format gefilmt und gestreamt, die – bei entsprechender technischer Ausstattung – ein immersives Erlebnis ermöglichen soll. Außerdem signalisierten Leuchtsäulen neben den Eingeladenen, wie viel Redezeit ihnen noch blieb. Den traditionellen Kontrapunkt setzte ein Dutzend Imnnungsmitglieder im Publikum, die ihre klassischen Zylinderhüte während der Veranstaltung selbstverständlich auf dem Kopf behielten.

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Um Berlin klimaneutral zu machen, muss die Wärmewende so schnell wie möglich gelingen – und dazu gehört nicht nur der Umstieg auf CO2-freie Technologien, sondern auch die massive Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude. Bei der aktuellen Modernisierungsquote bliebe das Zieljahr 2045 freilich unerreichbar, darin waren sich alle Anwesenden einig. Deutliche Abweichungen gab es bei den Strategien, wie diese Beschleunigung zu erreichen sei – per Förderung, durch ordnungsrechtlichen Zwang? – und wie sich das finanzieren ließe.

Die größte Klarheit brachte hier Elif Eralp in die Debatte: die größten Wohnungskonzerne vergesellschaften, die nicht ganz so großen zur Modernisierung verpflichten, kleinere EigentümerInnen fördern und bei den landeseigenen Immobilien beispielhaft vorangehen. Das Geld dafür soll unter anderem aus dem Infrastruktur-Sondervermögen kommen, aber auch aus Steuererhöhungen, Stichwort Luxusvillensteuer.

„Ich habe mal überschlagen, wie viele Villen das in Berlin sind. Ich komme da gerade mal auf 150“, behauptete der amtierende Finanzsenator Evers. SPD-Mann Krach machte sich zum Sprecher der Bundesregierung, indem er die Vergesellschaftung von Wohnraum lapidar mit einem „Wird nicht kommen“ wegwischte. Der Bund werde das per Gesetz verhinden, und zwar verfassungskonform, deshalb müsse man über „ernsthafte“ Vorschläge diuskutieren. Was auch die Grüne Jarasch so nicht stehen lassen konnte: „Das ist ja wohl eine steile These.“ Immerhin gebe es einen gültigen Auftrag per Volksentscheid.

Wer hat's verbockt?

Zurück zur eigentlichen Frage der Wärmewende: „Die Leute werden es bitter an ihrem Geldbeutel merken, wenn sie jetzt wieder Öl- und Gasheizungen einbauen“, kritisierte Jarasch das Umsteuern von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Krach zog prompt Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) in die Mitverantwortung, der es mit seiner Kommunikation „verbockt“ habe. Alle DiskutantInnen waren sich allerdings in einem weiteren Punkt einig: Beratung ist das A und O bei der energetischen Sanierung.

Und da kommen die Schornsteinfeger ins Spiel. Innungs-Obermeister Maximilian Valentin bedauerte, dass der Bund die verpflichtende Beratung vor dem Einbau neuer Heizsysteme abgeschafft habe – aber dann müsse eben das Land dafür mit einer eigenen Regelung in die Bresche springen. Die SchornsteinfegerInnen seien dafür als „neutrale Instanz“ perfekt geeignet, sie könnten bei ihren Hausbesuchen auch erkennen, wo die Schwachpunkte der Gebäudedämmung lägen. „Ich sage nur: Kastenfenster mit Einfachverglasung.“ Gerade viele Verwaltungsgebäude hätten hier noch viel Potenzial.

Valentin forderte auch ein zentrales Gebäudeenergie-Kataster, das endlich Klarheit schaffen würde, wo Modernisierungen am dringlichsten sind und am schnellsten zu Einsparungen führen würden. Und: „Wir sind gern bereit, auch politische Botschaften an die Bürger heranzutragen.“ Womit er natürlich keine Wahlpropaganda meinte, sondern das Werben für klimaneutrale Technologien.

Das fiel bei allen auf fruchtbaren Boden. Eralp schien von diesem Vorschlag sogar ausnahmslos überzeugt zu sein: „Großartig!“ In jedem Fall gilt in Sachen Energie- und Wärmewende eine Aussage von Kandidat Krach: „Wir haben Jahrzehnte verpennt, deswegen müssen wir jetzt aufholen.“

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